Fürs Weinen entschuldigen?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Fürs Weinen entschuldigen?

      Heute morgen war ich sehr emotional. Mein Sohn hat mich im Auto auf dem Weg zur Schule gefragt, warum sein Leben so schlimm ist. Er war den ganzen Weg über schlecht gelaunt, hat alles schlecht geredet und mir für alles die Schuld gegeben. Er fragte mich auch, warum ich ihn auf die Welt gebracht habe..
      Ich habe ihn dann aber in die Klasse gebracht und dann habe ich, wie immer, kurz ein paar Worte mit der Heilerzieherin ausgetauscht. Ich habe ihr erzählt, dass es meinem Sohn nicht so gut ging heute. Sie hat mir ihre Erfahrungen mit solchen Situationen erzählt und ich bin plötzlich total in Tränen ausgebrochen.
      Ich weine nie vor irgendwem. Mir ist das total unangenehm, weil ich weder getröstet werden möchte - noch jemanden in diese unangenehme Situation bringen möchte.
      Aber heute kam es plötzlich und ich konnte es nicht aufhalten.
      Es ist mir total unangenehm. Entschuldigt man sich für so einen emotionalen Ausbruch? Ich wäre am liebsten wortlos gegangen, aber ich weiß, dass das sehr unhöflich gewesen wäre.
      Würdet ihr das einfach so stehen lassen oder eine kleine Entschuldigungs Email senden?
    • Mir ist das auch schon passiert, und es war mir auch sehr unangenehm. Aber ich glaube, man muss sich nicht unbedingt entschuldigen. Sie hat ja wahrscheinlich den Grund verstanden.
      Allerdings bin ich da auch nicht gerade der Experte. Ich finde es nur nicht logisch, dass man sich entschuldigen soll, weil das Weinen dem andern ja nicht wehtut. Sie wird es vielleicht auch kennen, dass Eltern mal emotional werden.
      Vielleicht entschuldigen sich manche Leute eher, weil sie im Nachhinein noch ihr Gesicht wahren wollen oder so.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Emphasis1990
      Ich glaube, wenn man als Erwachsener weint vor halbwegs fremden Leuten ist es gesellschaftlich normal, dass man sich dann entschuldigt. Ich sage dann meistens "sorry" und putze mir dann die Nase und danach bin ich auch wieder 'normal'. Eine extra Mail würde ich nicht hinterherschicken. Ich würde einfach beim nächsten Gespräch, das sich eh ergeben hätte, in einem passenden Moment das Thema kurz ansprechen und sagen "sorry, dass ich letztes Mal so emotional wurde. Ich wollte Sie NICHT belasten damit" (oder sowas ähnliches). Dann wird die Person bestimmt sagen "schon gut." Und je nachdem, wie gut ihr euch kennt, vielleicht noch fragen, was das war oder ob es dir wieder besser geht.

      Ich glaube, die meisten Leute weinen unter Fremden tatsächlich nicht.

      Aber wenn man weint und jemand gerät dadurch in eine unangenehme Situation ist das doch nicht dein Problem! Du bist doch nicht dafür verantwortlich, wie andere Leute auf dein Weinen reagieren. Da würde ich versuchen, mich abzugrenzen.

      Aber ich kann verstehen, dass es einem unangenehm ist. Ich glaube dann oft, dass die Leute denken, dass ich ein Psycho bin ( :lol: ), obwohl Weinen doch eigentlich etwas total Natürliches ist. Wenn man traurig ist, weint man.
      Leider ist es aber in der Gesellschaft verboten, solche Gefühle zu zeigen. Traurig darf man nur auf Beerdigungen sein. :yawn: x( Wenn man wegen anderer Sachen traurig ist, wird man gleich dumm angeguckt.
      Ich ertappe mich auch öfters dabei, dass es mir peinlich ist, Trauer zu zeigen. Ich fühle mich dann hauptsächlich verletztlich und der Zustand ist für mich nicht so leicht, wenn ich draußen bin. Ich weine manchmal beim Musikhören, wenn ich im Zug sitze. Die Musik erinnert mich manchmal an Menschen, die ich verloren habe oder mir wird in dem Moment der ganze Schmerz der Welt bewusst und ich falle da einfach rein. Da weine ich aber lautlos.
      Wenn ich einen Zusammenbruch habe, weine ich auch laut. Bisher hatte ich das vor Ärzten oder bei Behörden, aber die wussten auch alle, dass ich momentan Probleme habe. Da habe ich mich nicht so doll geschämt. Meine Begleiterin meinte dann sogar, dass es gut gewesen wäre, dass ich auf der Behörde geheult hätte, weil die dadurch gemerkt hätten, wie groß mein Hilfebedarf ist. :-p

      Ich glaube aber, dass man auch weint, weil man getröstet werden will. Das könnte dann für die Mitmenschen vielleicht wirklich irritierend sein, wenn sie dich weinen sehen, aber du gar nicht getröstet werden willst.
      Warum genau hast du geweint? Wegen Überforderung oder Traurigkeit oder wegen was?

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • Keine Entschuldigungs-Email! Damit betont man die Situation nur noch. In dem Moment selbst kann man kurz "Entschuldigung!" sagen; das wirkt dann wenigstens noch halbwegs souverän.
      Ja, es ist leider so, dass Weinen in der Öffentlichkeit (außer auf Beerdigungen) in unserem Kulturkreis (!) als unprofessionell gilt, insbesondere im Job.
      Ich bin diesbezüglich leider auch gar nicht professionell, heule bei bestimmten Triggern auch sehr schnell los. x( Ich bin sozusagen Emotions-inkontinent. :d
    • Soweit ich das verstanden habe hast du geweint weil jemand da war und dir zugehört und deine Probleme verstanden hat - also eigentlich mehr aus der Erleichterung heraus; ein wenig Ballast abladen können.
      Ich denke nicht das du dich dafür direkt entschuldigen solltest. Du könntest beim nächsten Treffen z.B. sagen: "Ich möchte mich bedanken das Sie sich beim letzten mal die Zeit genommen haben und mir ein wenig zuhörten, Ihre Worte haben mir ein wenig/sehr geholfen. Vielen Dank!" . Oder so ähnlich. (Hinweis: In meinem Beispiel selbstverständlich "ein wenig" oder "sehr" verwenden - nicht Beides)
      ╔════╝ᵸₑₓᵉᵣ

      The post was edited 2 times, last by Kyamidos ().

    • Dass Du im Gespräch bzgl. deines Sohnes mit der Heilerzieherin auch mal in Tränen ausbrichst, halte ich für eine nachvollziehbare emotionale Redaktion.
      Sie ist ja im Grunde auch keine komplett Fremde, sie verbringt viel Zeit mit Deinem Sohn und ihr habt dadurch ja schon eine spezielle Form der Verbindung derzeit.

      Und ich denke, dass sie nachvollziehen kann, dass Du im Zusammenhang mit Deinem Sohn auch Trauer verspürst, erst Recht wenn er Dir gerade selber seine Unzufriedenheit offenbart hat..

      Wenn Du den Eindruck hast, dass es passt sie nochmal drauf anzusprechen könntest Du anstelle einer Entschuldigung vielleicht auch fragen, wie die Situation auf sie gewirkt hat.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • Ich glaube, ich habe aus dem Gefühl von Überforderung geweint.. Wahrscheinlich war ich auch traurig. Meistens schaffe ich es, die Dinge, die mein Sohn in Situationen, die für ihn stressig oder anstrengend sind, nicht so sehr an mich rankommen zu lassen. Ich weiß, dass er in schwierigen Momenten alles in Frage stellt und dass sich seine Sichtweise und Wahrnehmung auch wieder ändert , wenn er sich entspannen kann. Aber gestern war es einfach hart zu hören, dass er sauer ist, dass ich ihn auf die Welt gebracht habe und dass er sich wünscht, dass sein Leben zuende ist. Das war zu viel für mich.
      Die Heilerzieherin ist keine Fremde, sondern schon etwas vertraut, dennoch ist da natürlich eine Distanz vorhanden. Aber sie ist diejenige, die seit 1,5 Jahren den engsten Kontakt zu meinem Sohn hat. Die Schulbegleitung wechselt jährlich und die Sonderpädagogin und Lehrerin haben auch ein gutes Verhältnis zu ihm, aber die Heilerzieherin ist würde ich sagen, die Vertrauteste. Vielleicht liegt es u.a.daran, dass sie selbst eine autistische Tochter hat, sie ist zwar Erwachsen, dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass sie deshalb dieses Feingefühl für ihn hat.
      Aber lange Rede, kurzer Sinn. Wir reden oft, fast täglich kommt sie kurz bevor mein Sohn rauskommt zu mir und erzählt von seinem Tag. Oder sie schickt Besserungswünsche, wenn mein Sohn krank ist. Aber niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich jemals vor ihr weinen würde, weil ich sowas wie weinen gut kontrolliere und sowieso einfach sehr selten weine.
      Ihr habt aber wahrscheinlich recht, eine Email oder SMS wäre zu viel. Ich werde aber auch nichts sagen, wenn ich sie das nächste Mal sehe. Wahrscheinlich würden sich dann meine Worte alle nur verdrehen und dann käme nur Murks raus.
      In dem Moment habe ich mich sehr allein damit gefühlt, vielleicht war es wirklich so, dass es auch eine Erleichterung war es zu erzählen und zu hören, dass sie es auch kennt.