Erstes Autismus-Zentrum in Österreich eröffnet

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      Erstmal ist es doch sehr positiv, dass sich in Österreich endlich was ändert.
      Ob man Austismus jetzt Störung, Krankheit, Behinderung oder Heinz-Günther nennt ist imho sowas von egal...
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
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      Leute, was ist daran so schwer zu verstehen?

      Autismus = Störung, Krankheit ☠️, Behinderung, will kein durchschnittlicher Arbeitgeber in Österreich einstellen, lieber zahlen sie Ausgleichstaxe. Ich hab mich damals erst im Nachhinein geoutet. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass ich den Job nicht bekommen hätte, wenn ich gleich zu Beginn offen gewesen wäre. Ich kann den Job trotzdem ausüben, und nicht schlechter als andere, weil günstiges Umfeld und Bedingungen. Ich hatte die Chance, mich zu beweisen, die ich sonst nicht bekommen hätte. Und viele Autisten haben dieses Glück leider nicht. Die werden von vorne herein für ungeeignet gehalten. Die Folge ist, dass 80-90% der Autisten arbeitslos sind in Österreich, oder in Werkstätten für Taschengeld arbeiten statt richtigen Lohn zu bekommen. Meistens unter ihren Fähigkeiten.

      Und solche Berichte fördern nicht gerade die Bereitschaft von Unternehmen, sich auf Autisten einzulassen. Die kriegen nur Angst, von wegen aggressiv unter Stress. Das hilft auch Organisationen nicht, die sich für Jobvermittlung von Autisten einsetzen, zb Specialisterne oder ibi, Institut für berufliche Integration.
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      Pompeji wrote:

      Ich hab mich damals erst im Nachhinein geoutet. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass ich den Job nicht bekommen hätte, wenn ich gleich zu Beginn offen gewesen wäre.
      Wie kannst du dann aber schreiben: "Wenn man meinen Autismus nur als Störung sehen würde, hätte ich keine Arbeit." Darauf wollte ich hinaus: man hat dich doch nicht eingestellt WEIL du Autist bist (und dich einem gleich qualifiziertem Bewerber ohne Autismus, deswegen vorgezogen), sondern trotzdem du Autismus hast (weil du trotz Autismus die Qualifikationen und Eignung für den Job bringst).


      Pompeji wrote:

      Und viele Autisten haben dieses Glück leider nicht. Die werden von vorne herein für ungeeignet gehalten. Die Folge ist, dass 80-90% der Autisten arbeitslos sind in Österreich, oder in Werkstätten für Taschengeld arbeiten
      Ich werde für viele Jobs nicht für ungeeignet gehalten, sondern ich BIN es, und das liegt nicht am Arbeitgeber, sondern am Gehirn (neurologisch betrachtet)...
      Du glaubst doch nicht wirklich, dass diese 80 bis 90% Autisten einen Job am ersten Arbeitsmarkt machen könnten, wenn die Arbeitgeber sie nur ließen?
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      Ich glaub, dass es wesentlich mehr wären, bzw ich weiß es durch meine Erfahrungen bei Specialisterne und durch Berichte von anderen, siehe auch die 22 Berufsbiografien von Asperger Autisten (Kohlhammerverlag). Ich bringe erst durch meinen Autismus bestimmte Stärken mit, die in meinem Beruf von Nutzen sind (Spezialinteresse, Hyperfokus, Detailwahrnehmung). Die Schwächen bearbeite ich mit Checklisten und viel viel extra Vorbereitung. Aber es ist auch klar: hätte ich mich schon in der Bewerbung geoutet, wäre ich jetzt vermutlich arbeitslos.
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      In dem Artikel geht es halt um Kinder mit schwereren Formen von frühkindlichem Autismus.
      Theoretisch könnte natürlich irgendwo in dem Artikel erwähnt sein, dass es auch hochfunktionale, weitgehend unauffällige Autisten gibt, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Aber ich glaube, das muss in so einem Artikel nicht zwingend erwähnt werden, weil es da nicht um die Aufklärung über Autismus allgemein geht, sondern um die Nachricht, dass es jetzt eine Anlaufstelle für schwerer betroffene autistische Kinder gibt.
      Artikel über Asperger gibt es (auch in Österreich?) woanders, und da wird dann ja auch nicht erwartet, dass erwähnt wird, dass es aber auch noch schwerbehinderte Autisten gibt, die nicht einmal in die WfbM gehen können. Sondern da geht es dann eben um Asperger. Ich glaube, man müsste bedenken, dass wir Hochfunktionalen/Asperger nicht der Mittelpunkt der Autistenwelt sind, und dass es eben auch noch andere Blickwinkel gibt. Ein Kind mit einer schweren Form von frühkindlichem Autismus IST eine Belastung für die Eltern, egal ob sie es trotzdem lieben (und das werden die meisten trotzdem tun).
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

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      Pompeji wrote:

      Mir ist das nicht egal. Wenn man meinen Autismus nur als Störung sehen würde, hätte ich keine Arbeit.
      Das hängt aber nicht an der Bezeichnung sondern an den Einschränkungen auf die sich der potentielle Arbeitgeber nicht einlassen will.
      Stell Dir vor Autismus hieße Heinz-Günther. Würde das irgendetwas an der Situation ändern? Nein. Da bin ich mir ganz sicher.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

      The post was edited 1 time, last by Ginome ().

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      Woher will er wissen, ob es überhaupt Einschränkungen gibt, wenn man nicht mal die Gelegenheit bekommt, das Gegenteil zu zeigen? Ich bin da fundamental anderer Meinung und sehe keinen Sinn darin, daß mit Dir diskutieren.
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      Pompeji wrote:

      Woher will er wissen, ob es überhaupt Einschränkungen gibt, wenn man nicht mal die Gelegenheit bekommt, das Gegenteil zu zeigen?
      Laut Diagnosekriterien muss es die geben sonst darf man gar keine Diagnose stellen...
      Ob sie für den Beruf relevant sind steht auf einem anderen Blatt.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
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      My point of view...

      Es ist ja quasi die Asbachuralt-Kontroverse: Autismus (k)eine Behindung/Störung/Entwicklungsstörung/Krankheit/Pestilenz ätzetera?
      Auch ist bekannt, dass vielen die Formulierung "AS ist eine leichte Form von Autismus" missfällt, da der Eindruck entstehen könnte es sei leicht damit.
      Dabei fällt dann schon auf, dass es vielen schon um die Betonung bzw. Hervorhebung der Schwere der Symptomatik geht.
      Jetzt gibt es Leute, die lehnen alle pathologischen Bezeichnungen ab.
      Viele bevorzugen "AS ist eine andere Art des Seins".
      Aber was ist AS jetzt offiziell?
      Eine tiefgreifende Entwicklungsstörung?
      Eine Autismus-Spektrum-Störung?
      Neurodevelopmental disorder?

      Mal den Fokus auf Arbeitgeber gerichtet.
      Wissen Arbeitgeber in der Regel was AS ist?
      Ich denke nein.

      Jetzt stelle man sich vor, da flattert dann eine Bewerbung eines Autisten hinein in den Betrieb.
      Der Arbeitgeber, er hat seine Vorstellungen und Erwartungen.
      Jetzt fragt sich der Arbeitgeber "Autismus? Qu'est-ce que c'est?".
      Dann sagt ein Mitarbeiter "Das ist eine andere Art des Seins!".
      Eventuell passt das bereits nicht zum gesuchten Profil.
      Ein Unternehmer würde das vielleicht damit begründen:
      « Ich suche aus den Bewerbern diejenigen heraus, die sich meiner Einschätzung nach bestmöglich in den Betrieb integrieren lassen. Jemand, der meinem Eindruck nach nicht ins Team, nicht zur Belegschaft passt, lehne ich ab. Mit kaum jemanden hat man das ganze Jahr mehr Interaktionen als mit den Arbeitskollegen. »

      Aber mal angenommen, der Arbeitgeber hat Interesse und schaut, was es mit der anderen Art des Seins auf sich hat und liest ein bisschen darüber im Internet.
      Vielleicht landet er sogar auf Seiten, wo es Beschreibungen aus erster Hand gibt.
      Er stolpert über viele Bezeichnungen wie Overload, Meltdown, Shutdown, Reizüberflutung, Prosopagnosie oder "NTs".
      Vielleicht stolpert der Arbeitgeber sogar über Videos, siehe dazu unten die eingebetteten Beispiele.
      Vermutlich ist die Mehrheit (insbesondere wenn es eine Reihe konkurrierender anderer Bewerber gibt!) an dieser Stelle schon nicht mehr gewillt sich auf so ein herausforderndes Experiment einzulassen.
      Denn es gibt sicherlich ganz viele Gründe, weshalb ein Bewerber nicht exakt das ist, was man sucht.
      "Eine andere Art des Seins" dürfte in der Regel auch nicht wirklich das sein, wonach man sucht oder der Vorstellung entspricht.
      Ich bin daher der Meinung, dass das eigentliche Problem nicht in "Störung" oder "andere Art des Seins" liegt, sondern ganz einfach in der Nennung "Autismus".

      Ich denke egal in welche Schublade man Autismus nun steckt, spätestens wenn jemand, der bisher noch kein Bild vom Autismus hat, dann ein wenig darüber liest, dann fällt die Schwere der Symptomatik ins Auge.
      Ich bin kein Freund des Spektrums, ich war auch nie sonderlich erfreut darüber, dass die Bezeichnung "Aspie" oder "Asperger-Syndrom" fortlaufend durch "Autist" und "Autismus" ersetzt wurde in der "Szene".
      Das hat vor allem damit zu tun, dass es in gewisser Hinsicht auf Kosten der Präzession ging und der Begriff "Autismus" immer nichtssagender wurde.
      Ich habe den Blog und den Text des Zentrums bis dato nicht gelesen.
      Mir fiel aber hier im Thread ein Hinweis ins Auge, nämlich dass die Zielgruppe offenbar Hardcore-Fälle sind.
      Die schweren Fälle von atypischen und frühkindlichen Autismus sind imo schon ein anderes Kaliber.
      Dagegen wirkt das Asperger-Syndrom im Durchschnitt tatsächlich wie ein Ultra-Light-Form, was man aber nicht mit der Herausforderung und dem möglichen Leid des Betroffenen synchron schalten sollte oder verwechseln sollte!
      Ich erinnere mich noch ganz gut, dass im RL Menschen keine Verwandtschaft erkennen konnten, auch unter den Aspies war es zumindest im alten Forum so, dass es sehr wohl einige Leute gab, die Zweifel haben.
      Aber selbst wenn alles eins ist, dann muss man doch sagen, dass es erhebliche Unterschiede gibt in diesem ASS-Dingenskirchen.
      Ich denke manchen Usern ist sicherlich auch schon aufgefallen, dass das Status-Feld viele Optionen hergibt, aber bestimmte Optionen quasi nie zu beobachten sind und das hat schon seine Gründe.
      Und obwohl hier ständig von Autismus die Rede ist, war dieses Forum auch nie wirklich eine Anlaufstelle für Angehörige mir Hardcore-Autisten ("Kannies") und auch das hat imo seine Gründe.

      Pompeji wrote:

      Ich bin da fundamental anderer Meinung und sehe keinen Sinn darin, daß mit Dir diskutieren.
      Es ist imo auch so, dass es in diesem Spektrum fundamentale Unterschiede und auch fundamental andere Sichtweisen gibt. Das war neben der Diagnostik/Diagnose, der Spaltung in "echt" und "unecht" eben auch ein Grund für viele harte Kontroversen, vor allem im alten Forum. So sehr, dass 2010 die 2.6. eingeführt wurde: Verschiedene Sichtweisen zum Autismus in Bezug auf Autistic Pride sowie Leid und Einschränkungen von Autisten sind zu respektieren.

      Daneben gibt es noch die offizielle Definition von der Fachwelt.

      Ich bin daher der Meinung, dass man den Dingen bisher für die Auti-Allgemeinheit am gerechtesten wird, wenn man eben diese "diversity of opinion" bzw. diesen "pluralism" und eben die experts/professional circles (Fachwelt) berücksichtigt. Das könnte in Beschreibungen dann, z. B. so aussehen, dass man die offizielle Definition der Fachwelt nennt und dann eben unmittelbar danach die fundamentale Meinungsdiversität im Spektrum auf den Tisch legt. Für viele ist es eine andere Art des Seins. Für viele ist es schon eine Störung. Viele betonen gar "Es IST eine (schwere) Behinderung!".

      Daher sehe ich schon Sinn und Notwendigkeit zur Diskussion.
      Ich denke man kann heutzutage doch sagen, dass es vermutlich niemals eine "Autismus-Partei" geben wird.
      Daher sind diese fucking Fights, diese "Glaubenskriege" im Grunde der ewiggestrige Lauf im Kreise.

      Es ist nur so eine Idee, hope ya don't mind:
      Ich würde es anders formulieren, ich würde nicht sagen "Autismus ist eine andere Art des Seins", sondern das Ding mit der offiziellen Definition der Fachwelt sowie die fundamental unterschiedlichen Sichtweisen der AS-Society berücksichtigen. "Ich bin der Meinung, dass Autismus..." oder "Viele Autisten vertreten die Sichtweise, dass Autismus...". Aber wie gesagt, es ist nur eine Idee, ein Gedanke. Es zielt nicht auf den Blogeintrag ab, sondern eher auf die Zukunft.


      ***

      Video #1


      Video #2


      Anmerkung: Bei Video #2 könnten Menschen zurecht fragen, ob das Bedienen und Führen von Maschinen eigentlich möglich ist?
      Ich denke diese beiden Videos sind ganz gute Beispiele für "Wirkung und NEBENWIRKUNG".
      Bei Video #2 ist immerhin lobenswert, dass der Uploader inna de discription schreibt: It does vary from person to person with autism but this is a simulation of how I personally experience the world.
      Ja, es variiert sehr, denn ich (personally) kann beide Videos nicht unterschreiben.

      "Sorry" for XXL! :d
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
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      Hyperakusis wrote:

      Ich würde es anders formulieren, ich würde nicht sagen "Autismus ist eine andere Art des Seins", sondern das Ding mit der offiziellen Definition der Fachwelt sowie die fundamental unterschiedlichen Sichtweisen der AS-Society berücksichtigen. "Ich bin der Meinung, dass Autismus..." oder "Viele Autisten vertreten die Sichtweise, dass Autismus...".
      Wenn man das mal breiter jemandem erklären will, ist das eine gute Möglichkeit.

      Speziell im Vorstellungsgespräch oder sonst im Gespräch mit Chef oder Kollegen bevorzuge ich ungefähr die Formulierung "Asperger ist eine Form von Autismus mit normaler Intelligenz". Damit hat man schon mal nichts Falsches gesagt, und der Arbeitgeber weiß, dass er es schon mal nicht mit einer geistigen Behinderung zu tun hat, sodass er normal mit mir reden kann. Normal ist immer gut, aus seiner Sicht.
      Danach würde ich dann ganz konkret und persönlich sagen, was meine Schwierigkeiten und Stärken sind, weil der Arbeitgeber dann ja mit diesen Stärken und Schwierigkeiten später umgehen muss. Da ist es dann egal, was andere Autisten für Stärken oder Schwierigkeiten haben, sondern es zählen nur meine eigenen.

      Wenn jemand sich sehr gut tarnen kann, kann er die Diagnose auch erstmal verschweigen. Ich persönlich würde das heutzutage nicht mehr wollen, weil ich einfach keine Lust mehr auf Versteckspiel habe. Aber wenn jemand jünger ist und sich keine Chancen verbauen will, kann es anders aussehen.
      Alles wird galaktisch gut.
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      FruchtigBunt wrote:

      Mich wundert es eher, dass erst jetzt (im Jahre 2020) in Österreich das erste ( ) Autismuszentrum eröffnet hat. Wie kann das denn eigentlich sein? In Deutschland gibt es die Zentren schon seit 50 ( ) Jahren.
      Die Österreicher sind in manchen Dingen eben echt langsam, vielleicht ist das aber auch eine zeitdaignose. Also in Österreich wurde in den 20er Jahren Interpol gegründet, das Polizeipräsidium Wien unter Schober war ganz vorne mit dabei, was neueste Polizeitechniken betraf (über die gründung von Interpol hinaus, die auf ihn zurückzuführen ist). Aber auch da sind sie längst nicht mehr der Leuchtturm. Man könnte argumentieren, dass nach dem Auflösen von österreich Ungarn sich doch eher das ländliche in Österreich durchgesetzt hat und da kommt dann eben die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, also die Provinz ist gerne mal 30 Jahre hinten dran, oder eben wie in diesem Fall 50 Jahre.