Wie bzw. wann grüssen

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    • Wie bzw. wann grüssen

      Hallo,

      Ich wohne ländlich, der Kontakt mit den einzigen Nachbarn besteht darin, dass ich beim Verlassen meines Hauses in ca. 20 m Entfernung an deren Haus bzw. Garten vorbeigehen muss.
      Das Grüssen hat mir immer etwas Schwierigkeiten bereitet, da ich nicht genau wusste wann und wie und auch nicht gerne laut spreche (was aufgrund der Entfernung notwendig ist). Irgendwann habe ich festgestellt dass mich die Nachbarn nicht mehr grüssen. Darüber war ich froh, in der Annahme das auch nicht mehr tun zu müssen.

      Nun hatte ich in einer anderen Angelegenheit mit den Nachbarn zu tun und habe erfahren dass sie über mich verärgert waren. Offenbar sind sie von einer Abneigung meinerseits ausgegangen, weil ich nicht mehr gegrüsst hatte.

      Seit einem klärenden Gespräch grüsse ich wieder, aber verstehe nicht in welcher Weise das angemessen wäre. Zum Beispiel wenn der Nachbar mir den Rücken zugewandt hat gehe ich davon aus dass er mich nicht bemerkt und hätte daher nicht gegrüsst. Sollte ich dann zurufen um zu grüssen?

      Vielleicht gibt es Tipps um weitere Konflikte in dieser Angelegenheit zu vermeiden. Danke.
    • Das ist eine gute Frage. Irgendwie ticke ich da ähnlich wie du.

      Ich habe auch keine Lust, zum Grüßen über eine größere Entfernung durch die Gegend zu brüllen. Wenn dich deine Nachbarn in dieser Situation sehen, könntest du ihnen einfach freundlich zuwinken.

      Vielleicht erwarten deine Nachbarn aber eigentlich, dass du sie nicht nur grüßt, sondern auch, dass du Smalltalk mit ihnen betreibst. Vermutlich ist das in ländlichen Gegenden noch verbreiteter als in der Stadt. Und wenn man das nicht macht, wird man von den Leuten für unfreundlich gehalten. Und Smalltalk gehört ja bekanntlich nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen von Aspies. Jedenfalls ist das bei mir so.
      Das ist jetzt nur eine Vermutung, schließlich kann ich auch nicht Hellsehen, was die Leute so für Erwartungen an mich haben, wenn sie sie aussprechen.

      Wenn ein Nachbar mit dem Rücken zu mir steht und mich nicht bemerkt, dann gehe ich auch einfach vorbei. Man will ja schließlich keinen erschrecken, wenn er z.B. gerade konzentriert in seinem Blumenbeet rumwûhlt.
      Ob das nun das gewünschte Verhalten ist, kann ich aber auch nicht sagen.
      "Spontanität will gut überlegt sein." | "Das Problem sind die Normalen."
    • Gutes Thema. Leider kann ich da bloß selbst Hilfe gebrauchen, aber keine anbieten.

      Bei zugewandtem Rücken bin ich mir auch unsicher. Wenn die Person dann z.B. auch noch in der Bäckerei gerade an der Brotmaschine zugange ist, hätte ich viel zu sehr Angst, dass sie erschrickt und sich dann verletzt. Nichts zu sagen ist aber wahrscheinlich auch gruselig.

      Extrem unangenehm finde ich es auch im Straßenverkehr, wenn ein Auto mich (Fußgänger) vorlässt. Wahrscheinlich muss man da winken, lächeln, dankbar grüßen etc., so wie die das alle gegenseitig die ganze Zeit tun. Ich kann das nicht, ich mag nicht einmal ins Auto reinschauen. Ich laufe lieber hinten am Auto vorbei. Ebenso befremdlich finde ich es, wenn mir freundlich zugewunken wird, obwohl ich manchmal bloß nicht überfahren werden möchte (es sei, es handelt sich um einen Zebrastreifen, da bestehe ich auf mein Recht und lasse mich schon allein aus Prinzip überfahren, bisher machten aber alle immer eine Vollbremsung).
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    • Wenn Nachbarn Dich sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (guten Morgen, Guten Tag, hallo etc) b) weiter weg: alles gleichzeitig: lächeln, einmal nicken und Hand kurz heben (Oberarm nur leicht anheben, Unterarm und Hand hoch, Hand ist dann ungefähr auf Kinnhöhe)

      Wenn Nachbarn Dich nicht sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (s.o.) b) weiterweg: nix machen
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Chch wrote:

      Wenn Nachbarn Dich sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (guten Morgen, Guten Tag, hallo etc) b) weiter weg: alles gleichzeitig: lächeln, einmal nicken und Hand kurz heben (Oberarm nur leicht anheben, Unterarm und Hand hoch, Hand ist dann ungefähr auf Kinnhöhe)

      Wenn Nachbarn Dich nicht sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (s.o.) b) weiterweg: nix machen
      Danke für den Ratgeber.

      Wo lernt man soetwas, ist das aus einer autismus-spezifischen Therapie?
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    • Ich handhabe das so ähnlich wie @Chch, nur die Armgeste benutze ich nicht unbedingt. Wenn Leute weiter weg sind, die ich ganz gut kenne, dann winke ich auch manchmal statt zu nicken. Oft finde ich es jedoch schwierig, zu beurteilen, ob ich überhaupt bemerkt wurde. Im Zweifel ist es wohl aber besser einmal "umsonst" gegrüßt zu haben. Gelernt habe ich das im Alltag. Wen man grüßen sollte, werden meine Eltern auch sicherlich mitgeteilt haben und ich vermute, dass sie es ähnlich machten (Lernen am Modell). Schwierig finde ich es oft zu erkennen, dass es sich überhaupt um einen Nachbarn handelt, wenn das Setting nicht in im oder direkt vor dem Haus ist.

      Blickkontakt zu Autofahrern aufbauen, kann schon sinnvoll sein. Wenn man vorgelassen wird, kann man diese oben beschriebene Armgeste machen oder dankend mit dem Kopf nicken. Wenn man gar nicht gehen will, den Kopf schütteln und freundlich gucken. Dadurch signalisiert man jedenfalls den anderen wahrgenommen zu haben.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Mit dem Grüßen habe ich auch Probleme. Ich wohne in einem Hochhaus, und normalerweise grüße ich Leute im Haus immer. Nur einmal habe ich es nicht gemacht, weil zwei Leute sich unterhalten haben und ich nicht stören wollte. Dann meinte die eine gleich "Bei uns grüßt man aber!". Also gut.
      Das größere Problem ist im Umkreis von 500m um das Haus. Da laufen grundsätzlich nur Anwohner dieser Siedlung rum, aber ich weiß nicht, welche davon in meinem Haus wohnen und welche nicht. Anfangs habe ich mich an die Regel gehalten: drinnen grundsätzlich immer grüßen, draußen grundsätzlich nicht. Aber dann hatte ich immer Bedenken, ob das draußen richtig ist. Im Moment versuche ich, draußen nicht einfach auf die Seite zu schauen, sondern vorsichtig abzuchecken, ob die andere Person vor hat, mich zu grüßen, also in meine Richtung schaut. Wenn ja, dann kommt eventuell ein Gruß zustande. Das ist aber doch eher anstrengend. Die andere Möglichkeit wäre, einfach immer zu grüßen, aber tatsächlich kommt mir manchmal jemand entgegen, der seinerseits wegschaut, und dann wäre es ja doch blöd, zu grüßen.
      Alles nicht so einfach.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Chch wrote:

      Wenn Nachbarn Dich sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (guten Morgen, Guten Tag, hallo etc) b) weiter weg: alles gleichzeitig: lächeln, einmal nicken und Hand kurz heben (Oberarm nur leicht anheben, Unterarm und Hand hoch, Hand ist dann ungefähr auf Kinnhöhe)

      Wenn Nachbarn Dich nicht sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (s.o.) b) weiterweg: nix machen
      So würde ich persönlich es auch handhaben.
    • Leider ist mein ganzer Text verschwunden, den ich gerade formuliert hatte. :| Deshalb wird es jetzt etwas kürzer.

      Ich kenne das Problem. Gehe ich auf das Mietshaus zu und steht z. B. jemand auf dem Parkplatz an seinem Auto mit dem Rücken zu mir, habe ich ein ähnliches Problem. Soll ich die Person grüßen? Wäre das nicht ärgerlich für die Person, weil sie ja gerade am Auto zu schaffen hat? Wie machen das andere Leute? Spürt bei anderen Leuten vielleicht die Person, die mit dem Rücken zu einem steht, dass da jemand ist und dreht sich von selbst um? Wieso funktioniert das bei mir nicht? Ist es vielleicht doch unangemessen, dann nur "Hallo" zu sagen? Wie laut soll ich sprechen?

      Ich weiß es meistens überhaupt nicht. Manchmal sagte ich dann was, aber die Person bemerkte micih nicht und ich wiederholte es und es kam wieder keine Reaktion. Das war mir dann unglaublich peinlich, vor allem, wenn das für andere sichtbar war.

      Ich kann mir aber sicher sein, wenn ich nicht grüße (weil ich dabei bin, mir innerhalb von Sekunden über die obigen Fragen den Kopf zu zermatern und dann zu dem Ergebnis komme dass ich die Person nicht stören will oder in der Zeit einfach schon an der Türe bin), dass sich in dem Moment, in dem ich durch den Türrahmen trete, die Person am Auto umdreht und dann vermutlich von mir denkt, dass ich unhöflich sei und sich darüber ärgert, dass ich nicht grüße und mich dann beim nächsten Mal nur noch unfreundlich anmuffelt.

      Das mit dem Gartenbeispiel kommt mir ähnlich vor. Wie reagieren 'normale' Leute da? :roll: Ich weiß es einfach nicht. Ich vermute, dass es an meiner standardisierten Grußweise liegt. Ich sage eigentlich immer nur sehr standardisiert "Hallo" oder "Guten Morgen/Guten Abend". Das "Hallo" kommt mir selbst etwas arg wenig vor, so dass ich immer froh bin, wenn es morgens ist, so dass ich "Guten Morgen" sagen kann. Das klingt dann immerhin nach etwas mehr und freundlicher. :o :m(:
      Ich befürchte, dass manche Menschen spüren, dass ich das halt nur aus Höflichkeit und standardisiert sage.

      Wahrscheinlich sind die meisten Menschen, diei am Garten der Nachbarn vorbeilaufen, wirklich am Kontakt mit den Nachbarn interessiert und dann rufen sie auch mal über einen Rasenmäher hinweg irgendwas, so dass die Person dann sogar den Rasenmäher ausmacht, um kurz mit einem zu plaudern. Aber nur zu Brüllen, um dann "Guten Tag" zu sagen und dann weiterzulaufen, das wäre shcon seltsam.
      Deshalb glaube ich, dass man sich als Autist darüber so viele Gedanken machen muss: Der eigentliche Kontaktimpuls ist nicht wirklich da (zumindest bei mir in solchen Situationen nicht) und deshalb wirkt der Gruß vielleicht oft merkwürdig und Nachbarn und Mitmenschen sind irritiert.

      Ehrlich gesagt habe ich keine Lösung.
    • Chch wrote:

      Wenn Nachbarn Dich nicht sehen: a) in Sprechnähe: grüßen (s.o.) b) weiterweg: nix machen
      Genau bei dieser Situation wäre ich mir nicht sicher. Wenn wirklich jemand mit dem Rücken zu einem steht und z. B. das Auto ausräumt, während man an der Person vorbeimuss, um ins Haus zu kommen: Wie soll man denn da grüßen? Vermutlicih wäre es dann besser, noch den Namen der Person zu erwähnen, damit sie sich angesprochen fühlt oder mit Nachdruck zu sprechen. Wenn ich dann nur ganz normal "guten Tag/Hallo" etc. sage, fühlt sich die Person vermutlich nicht angesprochen. Ich glaube, man muss dann auch vom Tonfall her anders sprechen. :| Also so, dass die Person spürt, dass man etwas sagen will und nicht nur grüßen will.
      Ich weiß einfach nicht: Findet ihr es wirklich angemessen, wenn jemand einen nicht bemerkt, die Person dann auf sich aufmerksam zu machen, nur um der Höflichkeit halber dann "guten Tag" zu sagen? ICh glaube wirklich eher, dass man einen besseren Grund haben sollte, um jemanden auf sich aufmerksam zu machen, als nur des Anstands halber zu grüßen.

      Von daher würde ich die Regel, die ich für mich habe "wenn man Nachbarn sieht, grüßt man sie" vielleichth so umwandeln und dann hinzufügen "wenn man Nachbarn sieht, die einen selbst nicht sehen, grüßt man nur, wenn man Interesse an einem Gespräch hat. Der reinen Höflichkeit halber, macht man dann nicht auf sich aufmerksam".

      Ich weiß aber nicht, ob das richtig ist.
    • L84 wrote:

      Extrem unangenehm finde ich es auch im Straßenverkehr, wenn ein Auto mich (Fußgänger) vorlässt. Wahrscheinlich muss man da winken, lächeln, dankbar grüßen etc., so wie die das alle gegenseitig die ganze Zeit tun. Ich kann das nicht, ich mag nicht einmal ins Auto reinschauen. Ich laufe lieber hinten am Auto vorbei.
      :d Ich fühle mich gerade sehr ertappt.

      Ich mache das tatsächlich auch so. Ich fühle mich extrem unwohl, hier in Autos hineinzuschauen, wenn die gerade an einer Straßenkreuzung Halt machen (das Problem hatte ich aber an meinem anderen Wohnort interessanterweise nicht). Ich laufe dann auch immer extra hinter dem Auto vorbei, wobei ich mir dann auch häufig denke, dass die sich nun über mich ärgern werden. Aber ich bekomme es nicht anders hin.
      Ich habe hier teilweise schon versucht, zu erkennen, was das Auto macht, also ob es mich rüberlässt (eigentlich lassen einen hier alle rüber). Aber ich erkenne es hier an den Leuten nicht. Sie winken nicht und gestikulieren nicht und geben auch keine Lichthupe, sondern das Auto bleibt dann einfach stehen und die Leute (wenn ich sie denn mal sehe, meistens nehme ich nichts wahr) gucken nur stur vor sich hin.
      Ich kann dann überhaupt nicht deuten, was das soll und komme mir dumm vor. Früher wo ich wohnte, grinsten die Leute dann freundlich oder fuchtelten wild im Auto rum oder gaben wie gesagt Lichthupe, so dass ich wusste "ah, da ist mal jemand freundlich und lässt mich rüber" (insgesamt kam das aber viel seltener vor, das heißt, meistens brausten die Autos einfach so über die Kreuzung oder nahmen einem sogar in der Regel die Vorfahrt bzw. fuhren noch schnell vor einem raus, aber da wusste ich wenigstens, woran ich bin und wie ich reagieren soll).

      Wenn ich wirklich erkenne, das mich jemand meint und mich vorlässt, dann finde ich es recht einfach, zurückzugrüßen. Ich hebe dann meisten kurz die rechte Hand an oder nicke kurz mit dem Kopf nach unten.

      Ich scheine da aber anders vorzugehen: Dir scheint der Kontakt generell unangenehm zu sein und du willst nicht in den Kontakt und entscheidest dich deshalb zu einer Lösung, bei der du unabhängig von den anderen bist (wenn ich das richtig deute). Ich wollte früher in den Kontakt, aber da ich die Leute hier nicht lesen kann bzw. die einfach keine Signale von sich geben, gehe ich jetzt auch nicht mehr in den Kontakt und laufe einfach hinter dem Auto lang, bevor ich dann jemandem vors Auto renne und überfahren werde oder weil ich einfahc nicht weiß, ob ich jetzt noch rüberlaufen darf oder nicht vor dem Auto.

      Hm. Es scheint auf jeden Fall ein Problem des Kontakts zu sein und dessen, was man dann deswegen deuten kann oder nicht deuten kann.
    • 8o
      Ich habe gerade eine Theorie: Könnte es sein, dass Autisten deswegen solche Dinge nicht 'wissen', weil sie von vornerein einfach nicht richtig in den Kontakt gehen? Also so wie ich weiter oben schon überlegte: Vielleicht fällt es Autisten schwer, diese Dinge kognitiv zu entscheiden, weil sie in dem Moment eben nicht im Kontakt sind und es von daher nicht intuitiv entscheiden können und auch die gegenseitigen Signale fehlen.
      Man steht in dem Moment sozusagen abgetrennt für sicih und einen erreichen keine SIgnale. Deswegen weiß man nicht, was man tun soll. :roll:

      Mir kam die Idee nur gerade. Denn, wenn man z. B. die Autofahrer anschauen würde, könnte man vielleicht erkennen, dass sie einen rüberwinken. Oder wenn hier die Autofahrer überhaupt mal in den Kontakt gehen würden und nicht nur teilnahmslos vor sich hinstarren würden, wüde ich einen Impuls bekommen und könnte darauf reagieren.

      Wenn aber diese Verbindung durchtrennt ist (entweder weil man von sich aus nicht in den Kontakt geht ODER weil das Gegenüber nicht in den Kontakt geht), dann fällt einem das so schwer, richtig zu reagieren. Man weiß nicht, woran man sich halten soll. Besteht aber schon ein Kontakt (und wenn er auch nur in Gedanken ist), dann ergibt sich das vielleicht alles automatisch? :yawn:

      Nur frage ich mich, wenn die Theorie stimmen sollte, wie man das Problem lösen kann. :roll: x(
      Denn ich habe einfach keine Lust, mit den Nachbarn in Kontakt zu sein. Ich möchte einfach nur höflich und anständig grüßen. Und die Autofahrer kann ich auch nciht zwingen, dass sie sich so mitteilen, dass ich es lesen kann. Ich weiß nicht, ob ich deren Signale nur übersehe oder ob es hier irgendwelche ungeschriebenen Regeln gibt, dass man Radfahrer und Fußgänger immer rüberlässt (das scheint hier so abzulaufen, auch wenn das Auto eigentlich Vorfahrt hätte, wobei ich es meist nicht so genau weiß, weil ich glaube, dass die Autos eigentlich immer Vorfahrt haben, wenn da nicht eine Ampel oder ein Zebrastreifen ist).

      Für mich scheint das wirklich ein Kontaktproblem zu sein. Die Unsicherheit scheint sich daraus zu ergeben, weil man gerade nicht im Kontakt ist bzw. diesen möglicherweise auch nicht anstrebt (man möchte die Autofahrer nicht angucken, weil einem das unangenehm ist. Man möchte die Person, die gerade etwas aus dem Auto auslädt, nicht stören, weil man gar nicht in Kontakt gehen will).
      Hm. Keine Ahnung, was das nun bringt, aber ich glaube, dass das dem Problem näher kommen könnte.
    • Vulkan wrote:

      Wenn mein Nachbar ganz vertieft in seine Arbeit ist und mich anscheinend auch nicht bemerkt, dann grüße ich nicht,, weil ich dann eher denke ich würde stören.
      Ja. Zu dieser theoretischen Herangehensweise tendiere ich auch. Aber ich würde garantieren, wenn die Person einen dann doch bemerkt und man hat nicht gegrüßt ist sie sauer, weil sie irgendwie zu spüren scheint, dass man nicht in den Kontakt gehen wollte bzw. nicht gegrüßt hat.

      Meint ihr, dass NT dann auch einfach vorbeilaufen und der Nachbar merkt es nicht? Ich frage mich vor allem, mit welcher Energie die dann vorbeilaufen? Ich laufe dann nämlich vorbei und hoffe am Anfang noch, dass die Person herschaut, damit ich sie grüßen kann. wenn ich dann schon vorbei bin, hoffe ich inständig, dass die Person sich nun bloß nicht mehr umdrehen möge, weil sie micih ja sonst für unfreundlich halten wird.
      Ich frage mich manchmal, wie das andere üblicherweise machen bzw. wie man das machen soll.
      Vielleicht laufen die meisten Leute dann mit einer anderen Energie vorbei und dann schaut der Nachbar irgendwie wie von selbst her, weil er merkt, dass da jemand läuft, der an einem Kontakt interessiert ist? Keine Ahnung, ich bin gerade verwirrt.

      Aber allein wenn man sieht, wie man sich über solche Dinge den Kopf zerbrechen kann, zeigt mir wieder, dass ich hier richtig bin. Und es zeigt mir auch, dass ich nicht alleine bin und mir meine Probleme nicht einbilde. Ich habe z. B. bei der Diagnostik genau das geschildert. Also dass es für mich manchmal schon ein unlösbares Problem ist, wie ich jemanden grüßen soll. Hinterher fragte ich micih selbst, ob das wirklich sein kann. Ich hatte mir dann sogar selbst unterstellt, dass das gar nicht stimmen könne, weil es so lächerlich ist.
      Aber es ist tatsächlich ein Problem. Es hilft mir gerade, dass das hier thematisiert wird. Ich weiß nicht, ob ich es vorher angesprochen hatte hier im Forum. Ich finde es gut, dass das hier jemand eröffnet hat und dass (zumindest bis jetzt) sich keiner lustig macht, wenn man mit dem Thema 'grüßen' Probleme hat.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Vulkan wrote:

      Wenn mein Nachbar ganz vertieft in seine Arbeit ist und mich anscheinend auch nicht bemerkt, dann grüße ich nicht,, weil ich dann eher denke ich würde stören.
      Ja. Zu dieser theoretischen Herangehensweise tendiere ich auch. Aber ich würde garantieren, wenn die Person einen dann doch bemerkt und man hat nicht gegrüßt ist sie sauer, weil sie irgendwie zu spüren scheint, dass man nicht in den Kontakt gehen wollte bzw. nicht gegrüßt hat.
      Meint ihr, dass NT dann auch einfach vorbeilaufen und der Nachbar merkt es nicht? Ich frage mich vor allem, mit welcher Energie die dann vorbeilaufen? Ich laufe dann nämlich vorbei und hoffe am Anfang noch, dass die Person herschaut, damit ich sie grüßen kann. wenn ich dann schon vorbei bin, hoffe ich inständig, dass die Person sich nun bloß nicht mehr umdrehen möge, weil sie mich ja sonst für unfreundlich halten wird.

      Das ist bei mir ganz genauso. :nod: Allerdings habe ich mir noch nie so ausführliche Gedanken darüber gemacht. Möglicherweise auch deshalb, weil ich nur ganz selten Nachbarn begegne (manchmal kommt´s mir vor, als würde ich hier alleine wohnen) und in der Wohnsiedlung bei uns keine privaten Gärten existieren, sondern der Rasen bloß von der Wohnungsbaugesellschaft gemäht wird. ;)

      Noch schwieriger finde ich das Thema Vorstellung beim Kennenlernen anderer Menschen. Ich habe vor Jahren mal einen neuen Job begonnen; dabei trafen an einem Ort mehrere zusammenarbeitende Berufsgruppen aufeinander, und eigentlich hätte ich da wohl "vorpreschen" und mich bei allen anderen "Kollegen" vorstellen sollen. Habe ich damals aber nicht gemacht, da ich mich erstens für recht unwichtig hielt und ich zweitens auch die laufende Arbeit nicht stören wollte. Das ist bei allen anderen Beteiligten wohl gar nicht gut angekommen, und ich hatte gleich zu Anfang "verschissen".
    • Ich war letzte Woche auch das erste Mal bei einer Sportveranstaltung, bei der sich schon alle kannten. Ich schaute alle an und grüßte die meisten (die ich als zugehörig identifizieren konnte) .
      Es wurde entweder komplett ignoriert oder ein Satz fast schon widerwillig geantwortet. Nur ein einziger Mensch dort war sehr nett zu mir und hat mir alles erklärt und mir Fragen gestellt. Die anderen haben vorwiegend auf mich herabgeschaut, hatte ich den Eindruck.
      Da denke ich mir dann auch: Was mache ich falsch? :shake:

      Mittlerweile glaube ich einfach, dass ich zu diesen Leuten hier nicht passe. Wenn man eine neue Teilnehmerin, die grüßt und lächelt, nicht mal zurückgrüßt, ist das meiner Meinung nach nur noch asozial.
      Bei mir ist es nun so, dass ich diese Verachtung danach auch stark ausstrahle und zwei Personen aus dieser Truppe für mich nun sowas von unten durch sind.. Es ist kein Mannschaftssport, aber ich ahne schon, wie es ausgehen wird: Entweder ich spalte die Gruppe, oder mich werden dort vermutlich bald alle hassen, was vermutlich nicht verwunderlich ist, wenn ich jetzt schon paar Leute verabscheue. Aber ich fand das einfach so respektlos, dass ich nicht zurück gegrüßt wurde.

      Ich weiß nicht. Wenn ich in einer Art Verein wäre, würde ich Neue zumindest anlächeln und begrüßen und wicbtige Dinge erklären.

      Ich war total verunsichert, weil man mich nahezu ignorierte, obwohl ich ja Kontakt aufnahm. Ich habe immer noch keine Ahnung, ob ich zu forsch, zu unsicher oder irgendwie peinlich dabei war. Oder ob es gar nicht an mir lag. Ich kann es einfach nicht deuten. Das frustet mich extrem. Der eine Mann war ja nett zu mir. Ich verstehe es nicht.
    • Herzlichen Dank für die vielen Hinweise und Tipps!

      Ich bin vor allem erleichtert, dass ich mit dem Problem nicht alleine da stehe.

      Ein anderes Problem ist, dass ich offenbar manchmal Menschen nicht bemerke. Mir wurde schon mehrmals vorgeworfen dass ich selbst auf direkte Ansprache nicht reagiert hätte. Woran das liegt kann ich nicht beurteilen, Sensorisch bin ich nicht eingeschränkt. Ich fürchte das wird mit dem Nachbarn auch schon passiert sein.
    • @helios
      Vielleicht bist du in diesen Momenten der Abwesenheit auch nicht auf Kontakt gepolt. Und dann sind die entsprechenden Sinneskanäle (?) geschlossen. Vielleicht muss man als Autist wirklich bewusst in diesen Kontaktzustand gehen. Ist man dort nicht drinnen, fehlt die Verbindung zu anderen Menschen und man kann Dinge nur schlecht deuten und auch keine geteilte Aufmerksamkeit herstellen etc.
    • FruchtigBunt wrote:

      Da denke ich mir dann auch: Was mache ich falsch?

      FruchtigBunt wrote:

      Ich war total verunsichert, weil man mich nahezu ignorierte, obwohl ich ja Kontakt aufnahm. Ich habe immer noch keine Ahnung, ob ich zu forsch, zu unsicher oder irgendwie peinlich dabei war. Oder ob es gar nicht an mir lag.

      FruchtigBunt wrote:

      Bei mir ist es nun so, dass ich diese Verachtung danach auch stark ausstrahle und zwei Personen aus dieser Truppe für mich nun sowas von unten durch sind.. Es ist kein Mannschaftssport, aber ich ahne schon, wie es ausgehen wird: Entweder ich spalte die Gruppe, oder mich werden dort vermutlich bald alle hassen, was vermutlich nicht verwunderlich ist, wenn ich jetzt schon paar Leute verabscheue.

      Vermutlich machst Du gar nichts falsch, hast allerdings schon viele negative Vorerfahrungen, mit denen Du die Dinge entsprechend negativ interpretierst - im Sinne einer "self fulfilling prophecy": Ich habe schon oft erlebt, dass mich die Leute blöd finden. Jetzt komme ich irgendwohin, strahle vielleicht aufgrund dieser negativen Erfahrungen eine subtile Unsicherheit aus, die von den Anderen möglicherweise als Schüchternheit interpretiert wird. Diese Anderen wiederum sind vielleicht selbst zurückhaltend, oder nehmen Dich aufgrund anderer Dinge und Ablenkungen nicht richtig wahr und grüßen Dich nicht. Weil sie Dich gar nicht kennen, kann es eigentlich nicht böse gemeint sein, aber trotzdem fühlst Du Dich in Deiner negativen Sicht bestätigt, was wiederum zu Frust und einem entsprechend ablehnenden Verhalten - und sei es durch Körpersprache - führt. Und schon hat sich der Kreis geschlossen, und alle finden sich gegenseitig blöd. :(

      Begriffe wie Verachtung, Hass und Abscheu passen ja eigentlich nicht zu einer Situation wie dem erstmaligen Treffen mit völlig fremden Menschen, zeigen aber, wie emotional das Thema für Dich ist und dass Du in diesem Bereich schon viele für Dich sehr negative Erfahrungen gemacht hast.

      The post was edited 1 time, last by MonaLisa ().