SBA abgelehnt - was nun?

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    • SBA abgelehnt - was nun?

      Hallo liebe Forenmitglieder.
      Vor 2 Monaten habe ich beim zuständigen Versorgungsamt einen Antrag auf einen SBA gestellt.
      Mir wurde zuvor von der Autismusklinik ein Gdb von 50 bescheinigt, mit ausführlicher Schilderung. Diesen Bericht habe ich dem Antrag beigefügt.
      Heute kam vom Versorgungsamt aber eine Ablehnung und einem "festgestellten" Gdb von 20. Es wurden nur meine seelischen Leiden (Depressionen und Verhaltensstörung) berücksichtigt.
      Wie kann das sein, dass ein Facharzt mir Asperger und den Gdb 50 bescheinigt und das Amt aber meint, dass es nicht stimmt.
      Was kann ich nun tun? Widerspruch ist klar, aber was soll ich als Begründung rein schreiben? Sollte ich eine Empfehlung von meiner Psychaterin holen, wo sie meine Depressionen noch eingehender schildert?
      Kann die Asperger Klinik (die zum Gdb 50 kam) noch was ausrichten?
      Lieben Gruß
    • Mindfreak wrote:

      Wie kann das sein, dass ein Facharzt mir Asperger und den Gdb 50 bescheinigt und das Amt aber meint, dass es nicht stimmt.
      das wurde dir hier eigentlich ganz gut erklärt: Hilfe bei Antrag auf Schwerbehindertenausweis u.a. Merkzeichen B
      die Bescheinigung des Arztes ist nicht bindend, sondern nur eine Empfehlung, das Amt muss sich nicht dran halten.
      Ich glaube, außer einem Widespruch kannst du nicht viel machen, ggf. VDK kontaktieren und um Hilfe bitten.
      hm... vielleicht noch Klagen?

      The post was edited 1 time, last by Karou ().

    • Mindfreak wrote:

      Mir wurde zuvor von der Autismusklinik
      Kannst du mir sagen, wo es eine Autismusklinik gibt. Ich bin mir zwar aktuell nicht sicher bzw. würde eher nicht stationär gehen, aber es ist immer gut, sich solche Anlaufstellen zu merken.


      Mindfreak wrote:

      Mir wurde zuvor von der Autismusklinik ein Gdb von 50 bescheinigt, mit ausführlicher Schilderung.
      Einen ganz ähnlichen Post gab es hier schonmal. Diagnostiker, Kliniken etc. bescheinigen keinen GdB. Den GdB setzt nur das Versorgungsamt fest und bescheinigt diesen. Wenn, dann hat die Klinik höchstens eine Empfehlung abgegeben.

      Edit: Ach genau. In dem obigen Link geht es ja genau um deinen Fall. Mich hatte die Wortwahl sehr daran erinnert. Da ist doch eigentlich alles erklärt.
    • Mindfreak wrote:

      Sollte ich eine Empfehlung von meiner Psychaterin holen, wo sie meine Depressionen noch eingehender schildert?
      Kann die Asperger Klinik (die zum Gdb 50 kam) noch was ausrichten?
      ich glaube nicht, dass dir eine Empfehlung von der Psychiaterin was bringt, ich hatte ein 20-seitiges Gutachten von der Rentenversicherung beim Versorgungsamt eingereicht und habe auf Depressionen und PTBS nur 20 befristet bekommen (da war Asperger noch garnicht dabei), es ist inzwischen extrem schwer, bei psychischen Leiden auf über 30 zu kommen. Gut, ich habe eine Schwerbehinderung, aber da sind noch viele körperliche Beschwerden mit dabei.
      Ich glaube auch nicht, dass die Asperger Klinik noch was ausrichten kann, eher der Rechtsweg.

      The post was edited 1 time, last by Karou ().

    • Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Beeinträchtigungen bei der Teilhabe nachgewiesen werden (sofern das in den bisher eingereichten Unterlagen noch nicht der Fall war). Aber da wiederhole ich mich mittlerweile auch gebetsmühlenartig (siehe einige andere Threads).
    • Es gibt hier schon einige Threads zu dem Thema, was oft schon diskutiert wurde. Dort findest Du sicher auch einige wertvolle Informationen.

      Soviel doch in Kürze:
      Der Grad der Behinderung wird ausschließlich durch ein Amtsarzt / eine Amtsärztin im Auftrag des Versorgungsamtes ermittelt. - Ja, manche Fachärzte geben im Diagnoseschreiben eine Art Empfehlung und nennen einen GDB.
      Das kann aber dann leider nach hinten losgehen (RW), denn das ist strenggenommen gar nicht die Aufgabe des Diagnostikers. Es wurde hier schon gemutmaßt, dass sich das sogar nachteilig in der anschließenden Bewertung auswirken könnte.

      Was wirklich hilft: Ein Diagnoseschreiben, das möglichst ausführlich von Dir, Deinen Einschränkungen und Leiden berichtet und diese fachärztlich begründet. Je ausführlicher und glaubwürdiger diese festgehalten werden,
      desto besser. Z.B. könnte der Umfang, Zahl und Dauer der diagnostischen Untersuchungen aufgeführt werden. Man muss bedenken, dass der Amtsarzt aus der Ferne eine Einstufung vornimmt, ohne den Patienten jemals gesehen zu haben. Je mehr Unterlagen und je ausführlicher die Diagnoseschreiben sind, desto besser. Eigene Ausführungen finden hingegen bei der Beurteilung normalerweise keinen Eingang in die Bewertung. Das kann man sich also sparen.
      Die Unterlagen werden beim Versorgungsamt nach einem immer gleichen Schema bearbeitet und einem passenden Facharzt (als Amtsarzt) zur Beurteilung zugewiesen.

      In Deinem Fall: Gehe am besten zum VDK und lasse Dich dort beraten, was Du tun kannst. Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten der Beratung.
      Stolzer Papa von Autinaut (HFA) :nod: - und einander irgendwie ähnlich... und doch anders...
    • Mindfreak wrote:

      Wie kann das sein, dass ein Facharzt mir Asperger und den Gdb 50 bescheinigt und das Amt aber meint, dass es nicht stimmt.
      Ich frage mich, wie es sein kann, dass sich jemand so wenig mit seinen Anliegen beschäftigt, dass er denkt, ein Arzt könne ihm einen GdB "bescheinigen".
    • Ich denke viele Versorgungsämter bzw. deren Ärzte sind sehr vorsichtig bei AS, weil ist aktuell „in Mode“ ist, AS zu diagnostizieren. Darunter leiden dann die Leute, die wirklich tief im Autismus Spektrum sind und einen SBA verdient hätten.

      Widerspruch einlegen geht aber immer ;)
    • Nickelig wrote:

      Ich denke viele Versorgungsämter bzw. deren Ärzte sind sehr vorsichtig bei AS, weil ist aktuell „in Mode“ ist, AS zu diagnostizieren.
      Ich glaube, das kommt tatsächlich noch dazu. Ich bin sehr froh, dass ich meinen SBA vor dieser ganzen Greta-Sache und dem Hype um Autismus beantragt habe und auch davor meine Diagnose bekam.
    • Nickelig wrote:

      Ich denke viele Versorgungsämter bzw. deren Ärzte sind sehr vorsichtig bei AS, weil ist aktuell „in Mode“ ist, AS zu diagnostizieren. Darunter leiden dann die Leute, die wirklich tief im Autismus Spektrum sind und einen SBA verdient hätten.

      Widerspruch einlegen geht aber immer ;)

      Möglich. Zusätzlich hat noch jedes Bundesland seine eigenen Maßstäbe. Ich hatte mal bzgl. einer Autoimmunerkrankung ein Rechtsseminar, bei dem auch ein ehemaliger Gutachter darüber berichtete. Die Richtlinien werden halt unterschiedlich interpretiert. In Zahlen kann man sich das unter nullbarriere.de/schwerbehinderung-pflegebeduerftig.htm anschauen (Relative Quote je Einwohner).

      @Mindfreak Wie andere schon schrieben, versuche es über den VdK oder SoVD, je nachdem welcher bei dir besser vertreten ist. Viel Erfolg.
    • Eins wird hier oft vergessen, nämlich die Notwendigkeit der sorgfältigen Beschreibung von Symptomen und daraus resultierenden Einschränkungen.

      Gerade Fachärzte und Fachambulanzen (oder war @Mindfreak wirklich in einer Autismus-Klinik?) neigen zu Angaben von allgemeinen Beschreibungen der diagnostizierten Krankheitsbilder, ohne auf die spezielle Situation der Betroffenen einzugehen.

      Das liest sich dann im Amt - wenn der Sachverhalt ermittelt wurde - beispielsweise so: " Beim Aspergerautismus handelt es sich um eine tief greifende Entwicklungsstörung mit Schwierigkeiten in der Kommunikation, der sozialen Interaktion und mit stereotypen Verhaltensweisen und eingeschränkten Interessen. Die Störung neigt dazu, bis ins Erwachsenenalter zu persistieren."

      Das ist sehr allgemein gehalten und nimmt keinen Bezug auf die individuelle Situation des Antragstellenden.
      Wenn dann noch im gleichen Bericht steht, dass eine Ausbildung oder eine Beziehung besteht, wird es schwer, sich die tatsächlichen Einschränkungen vorzustellen und wonach sollten sie auch bewertet werden? (siehe Versorgungsmedizin-Verordnung Teil B Kap. 3ff!)

      Im konkreten Fall von Mindfreak würde ich zuerst Akteneinsicht empfehlen und gegebenenfalls Widerspruch einlegen. Das geht auch ohne Anwalt oder VdK oder SoVD. Immerhin gibt es hier im Forum massenhaft Beratung.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • FruchtigBunt wrote:

      Nickelig wrote:

      Ich denke viele Versorgungsämter bzw. deren Ärzte sind sehr vorsichtig bei AS, weil ist aktuell „in Mode“ ist, AS zu diagnostizieren.
      Ich glaube, das kommt tatsächlich noch dazu. Ich bin sehr froh, dass ich meinen SBA vor dieser ganzen Greta-Sache und dem Hype um Autismus beantragt habe und auch davor meine Diagnose bekam.
      Geht mir ebenso... war auch froh als mein SBA (60) kurz vor dem Greta Hype unbefristet ausgestellt wurde. Klar kann das Versorgungsamt irgendwann später rein theoretisch nochmal nachprüfen, aber das ist wohl eher sehr unwahrscheinlich.

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bei Antrag heute weder GdB 60 noch eine Unbefristung bekommen würde.
    • Leider entscheiden Menschen in Versorgungsämtern nicht nur nach Richtlinien, sondern es spielen offenbar auch eigene Ansichten mit rein. Und dahingehend glaube ich, dass man seit Greta wesentlich schlechtere Karten hat. Sie wird den meisten als rotzfrech und nervig in den Gehirnwindungen sitzen und nicht als hilflos und eingeschränkt. Und sowas wird ganz schnell pauschal auf andere Menschen übertragen.
    • Shenya wrote:

      die Richtlinien für den SBA wurde ja schon vor 10 Jahren verschärft.
      ...als was genau passierte?


      Vielleicht verstehe ich nur nicht, was du meinst.

      Ich arbeite seit 1990 in diesem Bereich (Schwerbehindertenrecht) und habe gar keine Verschärfung beim Antrag des SBA bemerkt.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Vor 10 Jahren bekam man mit Asperger noch automatisch einen GdB zwischen 50-80.
      Ab Dezember 2010 wurde das geändert, seither kann man mit Asperger einen GdB ab Null bekommen. Es gab also vorher keine Ablehnungen, danach aber sehr viele.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ach so meinst du das. Ja, grundsätzlich ist das richtig, die Bewertungsrichtlinien haben sich geändert. Aber ich sehe nicht, dass sie sich verschärft haben. Wenn jemand schwer betroffen ist, ist die Bewertung vor wie nach hoch.

      Der Unterschied ist allerdings, dass nicht jeder allein aufgrund der Diagnose "Aspergersyndrom" einen GdB von mindestens 50 bekommt.

      Es gab ja auch auf etlichen anderen gesundheitlichen Gebieten eine Genauigkeitsoffensive. Zum Beispiel haben früher Leute mit einem Herzinfarkt automatisch einen GdB 50 für ein Jahr bekommen (und dann auch das "G").
      Das wurde auch geändert und die Bewertung richtet sich dort nun auch nach den verbliebenen Restbeschwerden bzw. Herzfunktionseinschränkungen.

      Bei der Änderung zum Thema tief greifende Entwicklungsstörungen wurde auch die Gewährung des Merkzeichens "H" für Kinder und Jugendliche ab GdB 50 von bis dahin 16 auf das 18. Lebensjahr verlängert.
      Es gab also nicht nur "Verschlechterungen" bei der Beurteilung.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil: