Fragen zur Diagnostik

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    • Das wird überall unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Diagnostikstellen, die auch ohne Fremdbeurteilung aus der Kindheit die Diagnose vergeben. Andere versuchen die Informationen anderweitig zu bekommen, z.B. durch die Befragung anderer Angehöriger, alte Unterlagen, etc. Manchmal kann man die Zeugnisse auch wieder beschaffen, weil sie eigentlich archiviert werden müssen für einen gewissen Zeitraum. Und wieder andere Stellen belassen es sonst eben bei einer Verdachtsdiagnose.
    • Wie schon beschrieben ist es von Diagnosestelle zu Diagnosestelle recht unterschiedlich. Aber wenn du eine Diagnostik anstrebst solltest du dich durch nichts abschrecken lassen. Vor allem solltest du dich
      dann schnellstens auf die Warteliste setzen lassen, denn die Wartezeit ist auch unterschiedlich lang.
    • ich bin auf der Warteliste zweier Kliniken und gespannt was rauskommt. Ich funktioniere ja eigentlich ganz gut, bis ein Zusammenbruch kommt nach Situationen mit Reizüberflutung. Ich merke nicht so gut wann es zuviel wird oder denke erst alles ist ok und dann knicken ich ein.
      Das Zusammensein mit mehreren Menschen strengt mich extrem an und Lautstärke im Allgemeinen. Das passt leider nicht zu meinem Job . Nicht klug gewählt , weil ich nicht gut entscheiden kann was gut ist für mich.
      Naja , ich will euch nicht langweilen. Jedenfalls schaffe ich nur wenige Stunden dieser Arbeit . Ich mache die gut, alle sind zufrieden aber ich bin danach völlig erledigt.
      Teamsitzungen sind grauenhaft. Ich fange nach einer Stunde an sehr sehr unruhig zu werden und mache komische Sachen ....

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    • Vielleicht gibt es ja jemand anderen, der dich in der Kindheit erlebt hat, oder irgendwelche anderen Unterlagen die dich beschreiben. Es kommt halt drauf an zu zeigen, dass die Auffälligkeiten auch in der Kindheit schon bestanden. Wie wichtig das für die Diagnostik ist, entscheidet sich vermutlich im Einzelfall (und bei jeder Diagnostikstelle anders).
    • Danke für die Antwort. Ich habe mich mal weitergehend informiert und gelesen dass die Diagnose durchaus auch viele Nachteile mit sich bringt . Ich bin ziemlich erschrocken wie viele und schwerwiegende. Ich bin sehr unsicher ob ich das noch möchte, zumal ich nur Gewissheit wollte. Ich glaube ich war mal wieder ganz schön naiv.
    • diese Frage beschäftigt mich auch schon eine Weile, da ich in dieser Situation bin. Es gibt keine Eltern die man fragen könnte, keine Schulzeugnisse. Ich habe eine Schwester, aber ich glaube nicht das sie etwas beitragen könnte, was hilfreich / nützlich ist. Vielleicht unterstelle ich ihr auch damit etwas, was gar nicht zutreffend ist, aber das ist so mein Gefühl. Sie weiss und merkt schon, das wir zwei komplett verschiedene Menschen sind, aber sie kann mich gut so annehmen und das tut mir gut und hilft.
      Ich bin bei einer psychologischen Psychotherapeuten welche bei mir die Diagnostik durchgeführt hat und ich war sehr zufrieden. Auf Grund dessen dass andere Bezugsperson fehlen, muss ich umso mehr mich erinnern und erzählen. Oft fallen mir Dinge erst Abends oder am Wochenende ein und dann schreibe ich ihr dann eine Mail. Wir nehmen dies dann in der nächsten Stunde auf und bis jetzt passt das für mich so sehr gut.
    • 1. Ich weiß dann, was los ist, ich weiß, woran ich bin. Das gilt grundsätzlich bei mir im Leben. (Dass ich mal in meinem eigenen Vorstellungssthread was anderes geschrieben habe, weiß ich, aber ein paar Wochen später wollte ich es doch wissen.)
      2. Ich kann in einer Therapie an meinen Defiziten, Einschränkungen arbeiten. Das ist mühsam, und oft zielt die Therapie auch nicht auf Veränderung, sondern auf Akzeptanz meines Zustands. Aber auch dann weiß ich, was Sache ist, und "eiere nicht rum" (RW).
      3. In Gruppentherapiesitzungen lernt man andere Autisten kennen. Man kommt sich nicht so allein vor, kann sich positionieren. Und begegnet auf einmal Leuten, die bei aller Unterschiedlichkeit so ticken wie man selbst - ich finde das immer befreiend.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)
    • Die Vorteile einer Diagnose sind für mich als erstes Klarheit, dass ich überhaupt weiß, was los ist, und dann natürlich der Schwerbehindertenausweis mit seinen Vorteilen; dass ich Unterstützung bekomme im Alltag und eine passende Therapie machen kann, und im Umgang mit anderen Menschen, dass ich klar sagen kann, was bei mir anders ist, damit es weniger Abneigung gibt.

      Beim Abschluss von Versicherungen kann es zwar ein Nachteil sein, das ist aber eigentlich nur relevant, wenn man noch jung ist und z.B. eine neue Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will. Man muss die Diagnose dann angeben, weil die Versicherung sonst ggf. den Vertrag widerrufen kann, sobald sie rausfindet, dass man was verschwiegen hat.

      In allen anderen Bereichen muss man aber nichts sagen, und es wird auch nichts automatisch weitergegeben. Man könnte also eine Diagnose haben und ganz normal weiterarbeiten und niemandem etwas sagen. Dann hat man beruflich sicher mehr Möglichkeiten, wenn man sich irgendwo bewirbt. Andererseits kann man dann auch keine besondere Rücksichtnahme geltend machen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Fidoline wrote:

      Welche Nachteile soll denn die Diagnose haben?
      Beispielsweise, dass man keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt, oder nur einen teuren Tarif. Wenn man bereits eine hat, dann kann man sie vermutlich nicht ohne weiteres erhöhen. Das betrifft alle Versicherungen mit Gesundheitsfragen.
    • Nachteile gibt es beim Abschluss von Versicherungen oder im Job zb. wird man nicht verbeamtet. Beim Soegerecht für Kinder oder anderen Gerichtsverfahren. Die Diagnose ist mit in der Krankenkassenkarte vermerkt und jeder Arzt bzw. die Sprechstundenhilfen wissen es. Es gibt Schweigepflicht aber ob die immer eingehalten wird ist fraglich. Vielleicht wird man nicht mehr ernstgenommen und alle Krankheiten werden als psychosomatisch abgetan. Die private Krankenversicherung nimmt einem gar nicht mehr oder nur für eine viel Höhere pauschale. Außerdem kann mit der Gewissheit über die Diagnose ein Schock einhergehen dass es nun schwarz auf weiß da steht und im Diagnosebrief alles aufgelistet ist was man nicht kann. As ist nicht heilbar.
      Das kann Depressionen auslösen.
      Möglicherweise wurde die Diagnose in einer Phase gestellt wo die Symptome stark waren weil es dem Betreffenden schlecht ging. Nach dieser Phase sind die Symptome dann milder. Stimmt dann die Diagnose nicht mehr?
      In den USA wird damit anders umgegangen, viele Asperger sind auf Selbstdiagnosen angewiesen weil sich dort kaum jemand die professionelle Abklärung leisten kann und will. Die Akzeptanz ist dort viel größer.
      Ich finde eine Diagnose ist tatsächlich für mich nur von Vorteil wenn man sonst im Alltag nicht zurechtkommen kann oder das Geld dringend braucht oder beides.
      Einen Therapeuten bekommt man auch so.
    • Elementarteilchen wrote:

      Die Diagnose ist mit in der Krankenkassenkarte vermerkt und jeder Arzt bzw. die Sprechstundenhilfen wissen es. Es gibt Schweigepflicht aber ob die immer eingehalten wird ist fraglich.
      Nun bleib mal am Boden. Die Diagnose ist nicht auf der Karte vermerkt, sondern in der Akte bei der Krankenkasse. Derzeit erfahren die Ärzte nicht untereinander, was alles vorliegt. Keiner hat einen Gesamtüberblick, was behandlungstechnisch durchaus problematisch sein kann. Wozu gäbe es sonst die Bestrebungen mit der elektronischen Patientenakte?
      Wenn man sich vom Hausarzt zur Diagnostik hat überweisen lassen, dann kriegt der im Arztbrief natürlich das Ergebnis. Damit steht es bei Hausarzt in der Akte. So what? Man hat sich ja an den Hausarzt gewendet, wegen der Diagnostik.
      Alternativ muss man die Diagnostik privat bezahlen. Dann kann man den Brief in der Schublade lassen.

      Wenn man fürchtet, das Ergebnis der Diagnostik nicht unter Kontrolle halten zu können, dann darf man sie halt nicht machen.
      Eine AS-Diagnose kriegt man aber nicht einfach so. Wer die kriegt ist vermutlich eh schon auffällig genug.

      Elementarteilchen wrote:

      welche Vorteile hat denn für Euch eine Diagnose?
      Ich weiß, dass ich mir das nicht einbilde. Ich kann auf mich Rücksicht nehmen. Beispielsweise meide ich jetzt Situationen, von denen ich weiß, dass sie mich völlig auslaugen. Oder ich halte sie zumindest kurz.

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