Innere Dialoge

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    • Innere Dialoge

      Mir ist aufgefallen, dass ich sehr oft in Gedanken Dialoge führe mit Personen, die ich kenne. Das können unterschiedliche Varianten sein, wie das Weiterführen eines Gesprächs, das wirklich statt gefunden hat, oder etwas, was mich sehr beschäftigt und ich mitteilen möchte, oder ich stelle mir vor, auf etwas zu reagieren, was mich geärgert hatte.

      Mich interessiert, wie das bei euch ist. Kennt ihr das in ähnlicher Weise? Wieviel Raum nehmen die inneren Dialoge ein?
      Vielleicht mag der/die eine oder andere was dazu schreiben.
    • Dialog ist vielleicht zu viel gesagt, aber ich schreibe mir manchmal Sachen auf. Wenn ein Gespräch stattgefunden hat und mir erst im Nachhinein Dinge einfallen, dann hoffe ich so, sie nicht zu vergessen um sie das nächste Mal anzusprechen zu können. Ab und zu funktioniert es auch.
    • Ja, kenne ich.

      Nutze das auch in unterschiedlichen Varianten und Ausprägungen. Um vergangene Situationen zu reflektieren, mich auf mögliche unterschiedliche zukünftige Situationen vorzubereiten oder manchmal auch einfach zur Unterhaltung (Amüsement) als eine Art Fantasiereise. Beispielsweise wie Gespräche anders hätten laufen können, wenn eine Person anders reagiert hätte, als sie es real getan hat.

      Da ich viel zu viel Zeit habe, gebe ich dem auch viel Raum.

      Ich weiss offen gestanden nicht mehr ob ich das irgendwann unbewusst begonnen habe oder ob es einfach "aus der Not geboren" wurde, weil niemand zum reden und reflektieren da war. :roll:
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • Hm. Also nerven tut es mich nicht. Manchmal verliere ich die Lust daran oder finde es ermüdend, dann höre ich aber einfach auf und mache etwas anderes. Oder auch wenn ich mal keine Zeit und Termine habe.

      Wenn Du das Gefühl hast, das nicht so leicht kontrollieren zu können und es vielleicht sogar zwanghaft passiert ist es natürlich nicht schön. Da habe ich aber leider keinen Rat ausser dass ich mir dann vermutlich professionelle Hilfe suchen würde. Wenn ich es als "belastend" empfinden würde.

      Edit: oder als ersten Schritt vielleicht versuchen sich bewusst eine andere Beschäftigung zu suchen.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • Das, was du beschreibst, kenne ich auch! Meist führe ich diese inneren Dialoge immer dann, wenn ich gerne etwas zu einer bestimmten Person gesagt hätte, es aber nicht getan habe. Zum Beispiel bei Streitthemen.
      Mich nerven diese inneren Gespräche bisher aber nicht.

      Helfen könnte, mehr Achtsamkeit zu üben und sich ins JETZT zu rufen.
      Das probiere ich kontinuierlich.
      Mal klappt es, mal nicht.
    • Da es mir oft passiert, dass mir erst im Nachhinein einfällt, was ich noch zu jemandem hätte sagen können, habe ich auch relativ häufig solche inneren Dialoge. Am schlimmsten ist es glaube ich, wenn ich depressiv bin, dann kombiniert sich das ganze mit so einem Grübelzwang. Dann kann sich ein Gedanke schonmal ständig wiederholen.
      Ist da wer?
    • (Anmerkung: hab ADS, kein AS) @Koreander Bei mir sind es Monologe. Und auch hauptsächlich bei Themen, wo es keinen befriedigenden Abschluss für mich gab oder wenn etwas vorfiel, dass ich nicht verarbeiten kann. Ich hab dann meist auch Schwierigkeiten, da wieder rauszukommen.

      Was mir mal geholfen hat: ich konnte das Gespräch nicht fortsetzen und wusste zudem, dass nichts bei rauskommen würde (bzw. ging davon aus) - da hab ich mich an den Laptop gesetzt und alles aufgeschrieben, als würde ich einen Brief an die Person schreiben. Am Ende hatte ich alles geordnet (weil im Kopf verzettel ich mich meist, wiederhole mich, komme zu keinem Schluss) und es war vom Gefühl her so, als hätte ich der Person das wirklich alles mitgeteilt. Es war befriedigend.
      Während des Schreibens hab ich zum Ende hin versucht, die Perspektive der Person einzunehmen, um mir ihr Verhalten zu erklären. Ob ich damit richtig lag, wusste ich natürlich nicht, aber mein Gehirn hat Ruhe gegeben.

      Vielleicht hilft es dir auch, dieses innere Gespräch nach außen zu verlagern, entweder durch Aufschreiben oder z.B., indem du es mittels Diktiergerät aufnimmst.

      The post was edited 2 times, last by Lefty ().

    • @Lefty, das mit dem Aufschreiben hört sich gut an. So quasi als Brief und handschriftlich wäre wohl meine Variante. Glaube, das probiere ich mal aus, auch wenn es ein bisschen Überwindung kostet.

      @frankjetzt, so wie zwanghaft fühlt es sich zum Glück nicht an. Dafür gibt es zu viele Varianten.
      Wenn ich mir z.B. ne andere Beschäftigung suche, kann es ganz schnell sein, dass ich dabei schon wieder nen neuen Dialog, vielleicht mit jemandem anderen, führe.
      Ich möchte das Thema aber schon in der nächsten Therapiestunde mal ansprechen.

      The post was edited 1 time, last by Koreander ().

    • Ich mache das auch. Sehr viel sogar. Egal ob mit Menschen, die ich kenne oder mit Menschen aus meiner "Fantasiewelt", meiner zweiten Realität in die ich mich flüchten kann, sobald ich alleine bin, um solche Situationen entweder nochmal durchzuspielen, oder um zu schauen, wie ich etwas anderen mitteilen kann (um es dann im Endeffekt sowieso nicht zu machen, weil ich mich nicht traue. :D).

      Oft führe ich aber auch Monologe mit mir selber (meist aber auf Englisch, nicht auf Deutsch interessanterweise).
    • Ja das habe ich manchmal auch bevor ein Gespräch stattfindet dass ich sehr viele Varianten durchgehe wie es laufen könnte und ich alles was ich sage schon mal einstudiere. Oder auch wie es vielleicht gelaufen wäre wenn ich Dinge gesagt hätte die ich eigentlich noch mitteilen wollte aber nicht die Gelegenheit dazu hatte. Oder bei einem Streit oder einen Vorwurf gegen mich wie ich mich besser verteidigen hätte können.
    • Ich mache das auch sehr häufig. Tendenziell eher um Gespräche quasi vorzubereiten. Das Problem ist nur, dass mir in dem realen Gespräch dann leider nicht mehr viel davon einfällt oder das Gespräch sich sehr anders entwickelt als in meinem Kopf. Dann habe ich das Gefühl, mir selbst im Weg zu stehen, weil ich versuche, Anknüpfungspunkte an meine inneren Dialoge zu finden statt mich auf das reale Gespräch zu konzentrieren.
      Manchmal denke ich auch ein inneres Gespräch hätte real stattgefunden und ich hätte Informationen mitgeteilt, obwohl das nicht der Fall war.
      Gerade wenn ich sehr aufgewühlt bin, spreche ich Teile der inneren Dialoge auch mal laut aus, was meinen Freund dann belustigt.

      Hmm, okay, das klingt jetzt irgendwie psychotisch. :nerved:
      So schlimm ist es nicht, aber als störend empfinde ich das schon.
    • Ja, klar, ich kenne das.

      frankjetzt wrote:

      Nutze das auch in unterschiedlichen Varianten und Ausprägungen. Um vergangene Situationen zu reflektieren, mich auf mögliche unterschiedliche zukünftige Situationen vorzubereiten oder manchmal auch einfach zur Unterhaltung (Amüsement) als eine Art Fantasiereise. Beispielsweise wie Gespräche anders hätten laufen können, wenn eine Person anders reagiert hätte, als sie es real getan hat.
      Genau so. Und zusätzlich noch in sozialen, kommunikativen Situationen (die ich allein weiterführe oder mir völlig ausdenke) und wo ich dann ein bisschen mutiger bin als im RL. Und dann durchdenke ich auf diesem Weg auch Probleme und gewinne Einsicht, Klarheit dazu. Ähnlich wie wenn ich schreibe, Tagebuch z. B. oder hier im Forum oder bei Leserbriefen in der Zeitung oder Kommentaren im Netz, wo der Schreibprozess immer auch Denkprozess ist, wo ich also nicht nur meine Meinung raushaue, sondern sie mir parallel dazu stets auch bilde, ausarbeite.

      Wie eine Flucht in eine zweite Realität, wie @Ljos das nennt, kommt es mir aber nicht vor. Wobei ich nicht weiß, was ein Fachmann dazu sagen würde ;) . Geht übrigens auch, wie bei Ljos, in den beiden Fremdsprachen, in denen ich mich relativ sicher bewegen kann. "Ertappt" mich jemand, meine Frau z. B., ist es mir schon ein bisschen peinlich, wenn auch immer weniger. Man gewöhnt sich halt an seine Macken.

      Kann es sein, dass das eine Form von Stimming ist? Ich fühle mich in keinem Fall unwohl dabei.
      "Ein Buch muss Wunden aufreißen, ja sogar welche hervorrufen. Ein Buch muss eine Gefahr sein." (E. M. Cioran)
      In: ders., Ébauches de vertige. Gallimard 2006 (=folio 4100) (trad.: FM)
    • Same here. :d

      FrankMatz wrote:

      Kann es sein, dass das eine Form von Stimming ist?
      Vor allem wenn ich Gespräche quasi vorbereite würde ich es bei mir als eine Art Stimming bezeichnen.

      Bereite ich Gespräche nach, empfinde ich es eher als Aufarbeitung des stattgefundenen Gesprächs.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • ich kenne das auch, jedoch ist es bei mir meistens so, das ich diese " Dialoge " führe, vor einem Gespräch / Treffen mit einer Person. Da gehe ich immer und immer wieder durch, was und wie ich etwas sagen kann. Ist eigentlich doof, da ich ja im Voraus nicht weiss was für ein Gespräch / Thema sich entwickelt. Und ich weiss ja auch nicht was das Gegenüber äussert und antwortet. Früher habe ich mir als auch Gedanken gemacht und die Szene nochmals durchgespielt und was ich hätte antworten können. Dies hat sehr viel Zeit gekostet und mich schlussendlich nicht weitergebracht. Daher mache ich mir über vergangenes nicht mehr viele Gedanken ( ist vielleicht auch nicht richtig, da man so eventuell für die Zukunft etwas lernen könnte ), aber bei anstehenden Gesprächen in naher Zukunft gehe ich diese innerlich auch immer wieder durch. Dies nimmt relativ viel Raum / Zeit in Anspruch.
    • Schneckentanz wrote:

      Bereite ich Gespräche nach, empfinde ich es eher als Aufarbeitung des stattgefundenen Gesprächs.
      Aber die Funktion des Beruhigens, des Runterkommens hat es doch auch dann, etwa wenn ich in der sozialen Situation (Meeting am Arbeisplatz, Gespräch unter Freunden) Dinge nicht sagen konnte, egal, ob ich es mal wieder nicht hinbekommen habe oder ob ganz einfach die Zeit nicht gereicht hat oder ob mir eben bestimmte Dinge vor Ort nicht gleich eingefallen sind. Besonders letzteres ist ein Problem bei mir. In vielen Situationen brauche ich einfach Zeit, um eine klare Meinung zu äußern. Der Klassiker (hab ich hier schonmal geschildert): Ich komme mit einer anderen Person aus dem Kino, und noch im Foyer überfällt mich die Person: "Na, wie fandest du ... /Darsteller/Regie/Musik/?" Ich weiß das nie gleich, sondern erst nach 15-30 Minuten stillem Drüber-Nachdenken. Und das kann dann sehr wohl in Form einer inneren Rede stattfinden - ich mache dem Fragenden meine Position klar, oder ich bin in einer Art Dialog mit ihm oder sonst jemandem. Es ist schwer in Worte zu fassen, ist aber anders als wenn ich überlege, was ich zu Mittag koche. Das tue ich nämlich nicht in ganzen im Inneren gesprochenen Sätzen.
      "Ein Buch muss Wunden aufreißen, ja sogar welche hervorrufen. Ein Buch muss eine Gefahr sein." (E. M. Cioran)
      In: ders., Ébauches de vertige. Gallimard 2006 (=folio 4100) (trad.: FM)