Petition zum Thema Schulpflicht

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    • Petition zum Thema Schulpflicht

      Ich habe bei Facebook und über Mensa einen Hinweis auf eine interessante Petition zum Thema Schulpflicht gefunden. :) Das ist eine gute Angelegenheit, wie ich finde!

      "Für alle, die nicht so damit vertraut sind: die Schulpflicht kann nur
      durch physischen Schulbesuch erfüllt werden. Fernbeschulung erfüllt die
      Schulpflicht nicht! Ein Ruhen der Schulpflicht ist, wenn überhaupt, nur
      möglich, wenn alles andere gescheitert ist. Ein jahrelanger Leidensweg.

      Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, mich für eine Abschaffung der
      Schul(gebäudeanwesenheits)pflicht zugunsten eines Rechts auf angemessene
      Bildungsmöglichkeiten einzusetzen.

      Ich würde mich über Unterstützung freuen. Bitte informiert Euch,
      unterzeichnet, verbreitet es weiter.

      erklaerung-selbstbestimmte-bildung.de/
    • Da bin ich sehr skeptisch. Über die Links unter der Petition kommt man an ein paar Infos, aber da wird die Ausrichtung nicht recht klar. Aber wenn ich "Beschulungsideologie" lese, und dass 10jährige angeblich selbständig beschlossen haben, nicht mehr in die Scule zu gehen, sondern frei zu lernen, ihre Eltern lediglich ihren kindern die "freie Entscheidung" überlassen wollen, dann habe ich da doch den Eindruck, dass irgendeine Ideologie dahinter steht. Und elitär ist es allemal, denn Bildung außerhalb der Schule, das ist zweifellos eine Sache der Gutsituierten und Gebildeten.
    • Ich habe bei der Petitions- und Erfahrungsbeschreibung vor allem Familien vor Augen, wo die Kinder eh nicht zur Schule gehen (können/wollen) und die Eltern massiv unter Druck gesetzt werden. Naja, wenn Kinder jahrelang die Schule verweigern und den Eltern der Entzug des Sorgerechts droht, ist ja auch niemandem geholfen.Im Gegenteil. Diese Familien brauchen Alternativen, damit sie nicht kriminalisiert werden und damit die Vermittlung aller schulischen Inhalte nicht den Eltern obliegt.
    • 10jährige aus einer funktionierenden Familie sind keine Schulverweigerer. Auf der einen verlinkten Seite geht aber genau um solche Fälle, 10- und 12jährige, die angeblich aus eigener Entscheidung die Schule verweigern. Das ist schlicht Unsinn, da stecken die Eltern hinter (jedenfalls, wenn die Familie nicht völlig kaputt ist - und dann gehört das Sorgerecht entzogen). Und wenn so sehr auf den "freien Willen" der Kinder abgehoben wird, die in dem Alter noch garnicht dazu in der Lage sind, eine solche Entscheidung in ihrer Tragweite zu erfassen, dann regt sich in mir der Verdacht, dass dann zumindest bei einigen dieser Familien den Kindern auch die angeblich freie Entscheidung über ihre Sexualität übertragen wird - kurz: Kindesmißbrauch bemäntelt wird. Die Odenwaldschule lässt grüßen. Und für sowas gebe ich ganz sicher nicht meine Unterschrift.

      Kommt noch dazu, dass die anderen organisierten Gruppen, die von einer Aufhebung der Schulpflicht profitieren würden, evangelikale Fundamentalisten und neurechte völkische Kommunen im Osten sind. Und beiden Gruppen darf man nicht die uneingeschränkte Manipulation ihrer Kinder zugestehen.
    • "10jährige aus einer funktionierenden Familie sind keine Schulverweigerer."
      :d Danke, dass du mein Weltbild aufgeräumt hast und mir erklärt hast, was in all den betroffenen Familien im örtlichen Autismus-Verein schief läuft! Das sind einfach fundamentalistische, gestörte Erziehungsverweigerer! :sarcasm:
      Naja, zum Glück kannst du deine abweichende Meinung einfach kundtun, indem du nicht an der Petition teilnimmst.
    • Nur dass Autisten keine Schulverweigerer im klassischen Sinne sind, sie sind ggf. wegen ihrer Behinderung nicht beschulbar. Um solche Fälle - die wie hier im Forum nachlesbar mit der bisherigen Rechtslage durchaus zu regeln sind - geht es aber den Verfassern der Petition nicht. Da geht es um Eltern, die ihren Kindern die Schulverweigerung eingeredet haben. Und aufspringen werden eben primär Leute, deren Kinder dringend externe Einflüsse brauchen, um der extremen Weltsicht ihrer Eltern gegenzusteuern, wobei ich da noch eine Gruppe vergaß - was glaubst Du, wie viele Mädchen aus konservativ-muslimischen (und auch aus manchen christlich-fundamentalistischen) Familien dann überhaupt noch etwas anderes als eine Koran- bzw. Bibelschule als Bildung bekommen?
      Manchmal hilft es, über den Tellerrand hinauszuschauen. Es gibt auf der Welt nicht nur schwer bis nicht beschulbare Autisten, und die benötigen obendrein die völlige Abschaffung der Schulpflicht nicht.

      The post was edited 2 times, last by HCS ().

    • Da kann ich HCS nur zustimmen. Bei einer Abschaffung der Schulpflicht wären die Bildungsperspektiven von Kindern noch wesentlich stärker als heute vom Elternhaus abhängig. Von der sozialen Herkunft, der politischen, ideologischen und religiösen Einstellung. Schon jetzt schaden Experimente wie "Lesen durch Schreiben" (wo in der Grundschule zunächst keine Rechtschreibung gelehrt wird, sondern sich die Kinder diese selbst erarbeiten sollen) in erster Linie Kindern aus weniger gebildeten Elternhäusern und/ oder mit Migrationshintergrund.

      Ich habe auch den Verdacht, dass die Initiatoren der Petition nicht wirklich "mit offenen Karten spielen" und in Wahrheit doch irgendwelche ungenannten ideologischen Gründe dahinter stecken. Sie ihre Kinder manchen gesellschaftlichen Einflüssen nicht aussetzen wollen. Den Hinweis auf den "freien Willen" der Kinder sehe ich auch sehr kritisch.

      Davon abgesehen halte ich den aktuellen Umgang mit Schulverweigerung in Deutschland allerdings nicht für ideal. Meiner Ansicht nach müsste es flexiblere Lösungen geben. Familien nicht gezwungen werden, das Aussetzen der Schulpflicht durchzusetzen und damit auch die Option auf Rückkehr zu versperren, gleichgültig, ob sie anschließend eine Finanzierung von Fernunterricht erreichen. Ich wäre durchaus auch für Förderschulen, die speziell auf Schüler mit "neurologischen Andersartigkeiten" eingerichtet sind und dabei höhere Abschlüsse wie das Abitur ermöglichen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Ich bin ja durchaus Befürworter einer grundlegenden Reform des aktuellen Schul- und Lehrplan-Systems, sehe aber an diesem Weg kein Konzept dem ich guten Gewissens zustimmen könnte. Der Staat hat als eine Art der Solidargemeinschaft "in meinen Augen" auch eine gewisse Fürsorgepflicht, der er dann noch viel schwieriger nachkommen könnte. Ohne gewisse Kontrollorgane sehe ich da deutlich zu viel Spielraum für bedenkliche Ideologien.

      Das "Dagegen"-Schild kann jeder hochhalten, dann sollte man aber auch wirklich konkrete und durchdachte Gegenvorschläge bringen. Ich lese aus den dort verlinkten Seiten überwiegend polemische Parolen.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • Übrigens: bei den "Freilernern", von denen ich bisher las, wo die Darstellung wirklich nach einer eigenen Entscheidung klang, gab es fast immer Mobbingerfahrungen. Und/oder das Kind war hochbegabt (mit oder ohne Autismus), in der Schule völlig unterfordert und ohne passende gleichaltrige Kontakte. Da wären andere Lösungen und ein flexibleres Schulsystem meiner Einschätzung nach oft besser.
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    • frankjetzt wrote:

      Ohne gewisse Kontrollorgane sehe ich da deutlich zu viel Spielraum für bedenkliche Ideologien.
      Richtig. Was dabei rauskommt kann man in den USA sehr schön sehen.

      Und was unbeschulbare Behinderte angeht: Da hat unser Staat eigentlich schon Möglichkeiten. Es gibt die Hausbeschulung, also da wo ein Lehrer dann ins Haus kommt. Das ist nur leider nicht sonderlich effektiv, weil die in der Regel nur einmal pro Woche auftauchen.
      Sehe ich gerade beim Pflegekind meiner Freundin.
      Aber es gibt auch noch die Internetschule. Ich glaube das war hier im Board sogar irgendwo verlinkt. Das ist zulässig und der Schüler muss dazu nicht in das Gebäude gehen. Ich suche mal ob ich den Beitrag finde.

      edit: zdf.de/nachrichten/heute-in-de…schule-in-bochum-100.html
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

      The post was edited 1 time, last by Ginome ().

    • Hier findet man die Web-Individualschule und hier die Flex-Fernschule. Meines Wissens nach haben sie unterschiedliche Schwerpunkte und passen für unterschiedliche Schüler. Bei der Webschule findet viel über Skype statt, bei der Flex-Fernschule erfolgt der Kontakt mit den Lehrern wohl größtenteils schriftlich.
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      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Wenn man die unter "Über uns" aufgeführten Initiatoren der Petition mal bei Google eingibt, findet man zumindest bei einem über die Email-Adresse Verbindungen zum Netzwerk "Natural News", das wohl zur Szene der Impfgegner und Alternativ-Heilkundler gehört. Eine andere ist im Bereich Yoga und Achtsamkeitsmeditation tätig. Das muss für sich natürlich nichts Negatives heißen, aber zur Impfgegner- und Esoterik-Szene gibt es da nicht selten eine Affinität.
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    • Ja, nach dem, was ich direkt auf deren Seiten gelesen hatte, war mein Eindruck ein ähnlicher. So Richtung Althippies/Altgrüne. Da passt auch der Begriff "Beschulungsideologie" hin, der auf einer Seite verwendet wurde, ebenso die völlig überzogene Vorstellung von Entscheidungsfreiheit bei Kindern, die auch etwas ideologisches hat.
    • Ich halte das für gefährlich. Eine Abschaffung der Schulpflicht würde in erster Linie ohnehin benachteiligten Kindern den Zugang zu Bildung noch mehr erschweren und Kindern deren Eltern höchst fragwürdigen Ideologien anhängen. Ich lebe in einer Region wo man relativ einfach Heimbeschulung organisieren kann. Diese unterliegt zwar lockerer staatlicher Kontrolle, wird aber idR von ideologisch speziellen Kreisen genutzt.

      Für Sonderfälle sollte im Einzelfall aber immer eine Lösung gefunden werden können.

      @Ginome : Unbeschulbare Behinderte gibt es nicht. Nur der Schulstoff ändert sich und die Schulform muss passen. Ich selber unterrichte schwerst-mehrfach beeinträchtigte Kinder z.T. auch mit progressiven neurodegenerativen Erkrankungen. Da steht natürlich nicht Mathe auf dem Stundenplan. Sondern Körpererfahrung, Bewegungserfahrung, basale Anregungen, Teilhabe am Alltag... Hier könnte ich jetzt einen langen SI-Monolog führen.
    • Leynd wrote:

      @Ginome : Unbeschulbare Behinderte gibt es nicht. Nur der Schulstoff ändert sich und die Schulform muss passen. Ich selber unterrichte schwerst-mehrfach beeinträchtigte Kinder z.T. auch mit progressiven neurodegenerativen Erkrankungen. Da steht natürlich nicht Mathe auf dem Stundenplan. Sondern Körpererfahrung, Bewegungserfahrung, basale Anregungen, Teilhabe am Alltag... Hier könnte ich jetzt einen langen SI-Monolog führen.
      Theoretisch schon, aber praktisch wird oft seitens der Schule eine Beschulung verweigert. Wäre zu gefährlich...
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Dann ist das in der Schweiz definitiv anders. Wir haben Komakinder, solche mit Tracheostoma, Sauerstoffversorgung, nicht therapierbarer Epi oder ähnlich heikle Fälle in der Schule... Sind aber auch eine Schule für Kinder mit besonderem medizinischen Bedarf.
    • Soviel zum Thema keine Schulpflicht und USA, bzw Homeschooling. *hüstel*
      stern.de/genuss/trinken/usa--s…kuehen-kommt-7501070.html
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.