GdB von 20 erhalten

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    • GdB von 20 erhalten

      Liebe Leute,
      Der Feststellungsbescheid über einen GdB ist da
      Ich hatte dem Antrag ein Attest über eine ASS sowie ADHS beigelegt, diverse Störungen aufgeführt und zusätzlich in einem Begleitschreiben u. a. ausgeführt, dass mir körperliche Intimität nur sehr eingeschränkt möglich ist, ich keine Familie gegründet habe, ich mich nicht fähig sehe, länger als Halbtags zu arbeiten.
      Die Psychaterin erweckte den Eindruck, dass es einen Schwerbehinderten-Ausweis gäbe. Zusätzlich bestand eine mittelgradige Depression. Diverse medikamentöse Therapieversuche (SSRI, Atomoxetin, Quetiapin) mussten wegen der Nebenwirkungen abgebrochen werden. Seit 14 Monaten, seit der Diagnose, gehe ich wöchentlich zur psychisch-funktionalen Ergotherapie.
      Mir liegen derzeit weder psychatrischer Befund noch Gutachten vor, aber allein aufgrund der medikamentösen Behandlungsversuche der ADHS ist in dem Fall mindestens von einem mittleren Schweregrad auszugehen. Die ASS Diagnose war für die Psychaterin überraschend eindeutig.
      Folgende Gesundheitsstörungen wurden im Feststellungsbescheid berücksichtigt: Psychische Störung.
      Im Grunde wurden wohl alle von mir genannten Gesundheitsstörungen angeblich berücksichtigt, wobei die Auflistung im Bescheid mit "Depersona." unvermittelt abbricht, da offenbar der Platz nicht ausreichte. Enthalten sind u.a.: Einschränkungen der sozialen Interaktion und Kommunikation, wiederkehrende somatoforme Beeinträchtigungen unterschiedlichster Ausprägung, stereotype/repetitive Verhaltensmuster, Störungen der sensorischen Integrität bzw. Wahrnehmungsverabeitung, diverse ADHS-Beeinträchtigungen, frühzeitige Erschöpfung/Ermüdung, Schlafstörungen, Seh-,Gang-, Hörstörungen, ...
      Angesichts dessen, was da alles so aufgeführt steht, fand ich es erstaunlich, dass es nur 20 gab, d. h. es liegen keine sozialen Anpassungsschwierigkeiten vor. Wenn ich mich im Spektrum umschaue, komme ich mir zwar höchstfunktional vor, allerdings ist das mit einem ungeheuren Energieverbrauch verbunden, der regelmäßig zu diversen körperlichen (u. a.Tinnitus, Schmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Bewusstseinsaussetzer) und seelischen Ausfallserscheinungen (starke Impulse zu Selbstverletzendem Verhalten, das Gefühl zu Fallen, Antriebslosigkeit, Affektlabilität, Depressionen, Dissoziative Symptome) führt. Ich muss mich Tag für Tag aufraffen, mein Leben achtsam zu führen, weil ich sonst nicht merke, dass ich überlaufe. Während andere sich mit Sozialkram ablenken und entspannen muss ich soziale Kontakte dosieren und mir regelmäßig Auszeiten von ihnen nehmen. Ich muss viele Situationen vermeiden. Ich fühle mich vor allem durch den Umgebungslärm stark beeinträchtigt, weshalb ich nun umziehe, aber deswegen auch deutlich mehr Miete zahlen muss. Es ist nur eine Kleinigkeit am Rande, aber, es ist mir ja auch nicht mehr möglich, zu normalen konditionen z. B. eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.
      Ich finde, dass Alles in Allem erhebliche Beeinträchtigungen in verschiedensten Bereichen der sozialen Teilhabe bestehen.
      Eigentlich hätte ich durch einen GdB von 50 außer dem kümmerlichen Steuerfreibetrag keine Vorteile, so dass ich die Angelegenheit auf sich beruhen lassen könnte. Ich empfinde 20 aber als so lächerlich und unverschämt, dass ich Widerspruch und Akteneinsicht beantragt habe. Ich verstehe auch nicht, wie bei einer Störung, die über erhebliche Einschränkungen der sozialen Interaktion definiert ist, keine sozialen Anpassungsschwierigkeiten vorliegen können sollen.
      Ich wollte das hier nur mal loswerden, vielleicht ist es ja auch für jemanden interessant, vielleicht möchte jemand etwas dazu schreiben.
      Grüße
    • @Mock vom Plock

      so wie ich das verstanden habe, hast du die ASS und ADHS Diagnose von einer Psychiaterin bekommen, nicht vom Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie?
      Kann es dann sein, daß die Diagnosen vom Versorgungsamt nicht berücksichtigt worden sind und dein Attest nicht ausreichend war?
    • Mock vom Plock wrote:

      Eigentlich hätte ich durch einen GdB von 50 außer dem kümmerlichen Steuerfreibetrag keine Vorteile, so dass ich die Angelegenheit auf sich beruhen lassen könnte. Ich empfinde 20 aber als so lächerlich und unverschämt, dass ich Widerspruch und Akteneinsicht beantragt habe.
      Manchmal kommt man noch irgendwo günstiger rein (Eintritt), aber das hält sich tatsächlich in Grenzen. Der Steuerfreibetrag bringt dir nur was, wenn du so viel arbeitest, dass du Steuern zahlst. Außerdem kannst du den zusätzlichen Urlaubsanspruch nutzen.
      Deine Situation ist relativ identisch mit meiner, als ich 2010 den Ausweis beantragt habe mit demselben Ergebnis. Widerspruch und Klage haben mir nicht unbedingt gut getan, weil ich mich so viel mit meinen Einschränkungen beschäftigen musste. Aber ich hatte Erfolg.
      Du hast recht, 20 sind unverschämt und sachlich ganz sicher in der Situation falsch.

      Ich würde dir raten, dich schon einmal nach einem Anwalt für Schwerbehindertenrecht umzusehen und dann baldmöglichst die ganze Angelegenheit in seine Hände zu legen, damit du nicht so sehr damit belastet wirst.

      Wenn ein Gutachter beauftragt werden soll, dann lass deinen Anwalt selbst 2-3 mögliche Gutachter vorschlagen, um der Wahl eines ungeegneten Gutachters zuvorzukommen. Bei mir hat das funktioniert, und das Gericht hat sich für einen von meiner Anwältin vorgeschlagenen Gutachter entschieden. Das war Prof. Ebert von der Uniklinik Freiburg. Der hat das so geschrieben, dass das Versorgungsamt keine Chance mehr hatte.
      Alles wird galaktisch gut.
    • HowAboutNo wrote:


      Wo liegt da deiner Meinung nach der Unterschied? Es ist genau das gleiche.
      ich kann dir nur sagen, daß bei mir den Diagnosebericht 3 Personen unterschrieben haben, ein Facharzt für Psychiatrie und Psychologie (Chefarzt), eine Ärztin für Psychiatrie und Psychologie und eine Diplom-Psychiologin, irgendeinen Unterschied wird es da wohl geben.
    • Ich kenne dich nicht, auch bin ich kein Experte, das vorneweg. Aber für mich klingt deine Geschichte ähnlich denen, die hier im Forum des Öfteren zu lesen sind, dein Versorgungsamt versucht dich erstmal abzuspeisen nach dem Motto, versuchen mir den Antragsteller erstmal abzuspeisen, wenn wir er sich nicht wehrt, brauchen wir nicht zu leisten. Ich denke bei GdB 20 hast du nichts zu verlieren, weil er dir nichts bringt. Also macht es Sinn, Widerspruch einzulegen. Darüberhinaus macht es vielleicht Sinn bei dem Widerspruch auf deine persönlichen Einschränkungen, die sich aus den Diagnosen ergeben, mehr einzugehen, so wie du es in deinem Eingangspost gemacht hast, also vielleicht kein medizinisches Sticwort liefern, z.B. Antriebslosigkeit, sondern schildern, was passiert, ich bin abtriebslos, also schaffe ich es nicht, Termine wahrzumehmen, daraus resultieren diese und jene Probleme und ich benötige Hilfe, damit ich Termine wahrnehmen kann ... möglichst konkret, belegbar und aus der eigenen Sicht, Schwindel, Tinnitus, Sehstörungen lassen sich vielleicht durch einen Arzt belegen? Oder zumindest als psychosomatische Störungen als solche durch einen Arzt belegen ... Ich kann dir nur viel Erfolg wünschen.
      Ich sehe gerade, da sind in der Zwischenzeit zwei weitere Postings aufgetaucht, die Idee, direkt professionelle Hilfe durch einen Anwalt hinzuzuziehen, finde ich auch gut, hängt halt ab von der finanziellen Situation. Und wichtig, keine Fristen versäumen, aber auch nicht hektisch werden, ich glaube für den Widerspruch hast du 30 Tage Zeit, das steht in der Rechtsbelehrung, die Begründung kann nachgereicht werden, aber ein Anwalt sollte da wirksam helfen.
      diagn.

      The post was edited 3 times, last by xyberlin ().

    • Wegen den Finanzen: beim Sozialgerichtsverfahren darf der Anwalt nur eine Pauschale verlangen, wie hoch die ist, müsste man erfragen. Wenn man die Klage gewinnt, muss das Versorgungsamt die Anwaltskosten zahlen. Gerichtskosten entstehen keine.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Karou wrote:

      ich kann dir nur sagen, daß bei mir den Diagnosebericht 3 Personen unterschrieben haben, ein Facharzt für Psychiatrie und Psychologie (Chefarzt), eine Ärztin für Psychiatrie und Psychologie und eine Diplom-Psychiologin, irgendeinen Unterschied wird es da wohl geben.
      Psychiater = Facharzt für Psychiatrie.
      Psychologe ist ganz was anderes.
    • Mock vom Plock wrote:

      Ich hatte dem Antrag ein Attest über eine ASS sowie ADHS beigelegt, diverse Störungen aufgeführt und zusätzlich in einem Begleitschreiben u. a. ausgeführt,
      Ich habe jetzt keine genaue Vorstellung davon, wie so ein "Attest" aussieht. Meine Vermutung wäre, dass es recht oberflächlich ist und nicht ins Detail geht. Was seitens des Versorgungsamtes zumindest für Rückfragen an den Aussteller sorgen sollte. Meine Frage wäre da, wer es ausgestellt hat (nicht namentlich - die Berufsbezeichnung).

      Mock vom Plock wrote:

      Die Psychaterin erweckte den Eindruck,
      War es tatsächlich eine Psychiaterin oder vielleicht doch "nur" eine Psychologin? Die Frage mag im ersten Moment kleinkariert klingen, kann aber tatsächlich darüber entscheiden wie das Versorgungsamt oder dessen Gutachter etwas einschätzt. Da es unterschiedliche Berufe und Qualifikationen sind.

      Hierzu:Psycho.JPG

      Mock vom Plock wrote:

      Seit 14 Monaten, seit der Diagnose, gehe ich wöchentlich zur psychisch-funktionalen Ergotherapie.
      Mir liegen derzeit weder psychatrischer Befund noch Gutachten vor, aber allein aufgrund der medikamentösen Behandlungsversuche der ADHS ist in dem Fall mindestens von einem mittleren Schweregrad auszugehen. Die ASS Diagnose war für die Psychaterin überraschend eindeutig.
      Hier irritiert mich, warum Du nach 14 Monaten keinen Befund vorliegen hast. Wenn es keinen wirklichen Befund gibt, fällt es dem Versorgungsamt naturgemäß schwer zu einer für Dich zufriedenstellenden Bewertung zu kommen.

      Mock vom Plock wrote:

      Ich finde, dass Alles in Allem erhebliche Beeinträchtigungen in verschiedensten Bereichen der sozialen Teilhabe bestehen.
      Ich finde den Dir zugesprochenen GdB 20 unter der Berücksichtigung Deiner Schilderungen auch mehr als irritierend. Der Widerspruch und die Akteneinsicht sind da auf jeden Fall der erste richtige Schritt.

      Aus der Akteneinsicht sollte dann auch ersichtlich sein welche bestätigten Informationen dem Versorgungsamt vorlagen (Befund, Fachärztliche Einschätzung etc.). In der Regel fordert sich dieses die Informationen die es für eine Bewertung braucht direkt bei den im Antrag angegeben Fachärzten ein, sofern sie nicht direkt bei Abgabe des Antrags beigelegt werden.

      Demnach kann man nur spekulieren, dass das Versorgungsamt dies nicht getan hat. Oder dass Deine behandelnden Ärzte / Psychologen / Therapeuten sich schriftlich anders geäussert haben als sie es Dir gegenüber mündlich getan haben.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • frankjetzt wrote:

      Demnach kann man nur spekulieren, dass das Versorgungsamt dies nicht getan hat. Oder dass Deine behandelnden Ärzte / Psychologen / Therapeuten sich schriftlich anders geäussert haben als sie es Dir gegenüber mündlich getan haben.
      Deshalb: erst mal Akteneinsicht nehmen und genau nachschauen, was die eigenen Behandler so geschrieben haben.

      Eine andere Möglichkeit der Erklärung wäre die, dass die beratenden Ärzte im V-Amt sich mit ASS nicht so super auskennen. Aber das ist jetzt Spekulation.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      Eine andere Möglichkeit der Erklärung wäre die, dass die beratenden Ärzte im V-Amt sich mit ASS nicht so super auskennen. Aber das ist jetzt Spekulation.
      Das stimmt. Fände das aber fatal - weil dafür sollte es ja Gutachter geben.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • Ja, und Autisten sollten andere Autisten nicht für autistisches Verhalten verurteilen und Politiker sollten ihrem Amtseid nachkommen und Wurstfabrikanten sollten ihre Wurstwaren nicht aus Abfällen fabrizieren und bei Rot sollte man nicht über die Straße hüpfen.....aber es passiert halt. (Wollte dich @frankjetzt nicht dissen, aber den Überblick erweitern!)

      Deshalb gibt es im Sozialrecht die Widerspruchsmöglichkeit und die Klagen sind kostenfrei (abgesehen von Anwaltskosten).

      Und deshalb gibt es auch ein Aspie-Forum!
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      Ja, und Autisten sollten andere Autisten nicht für autistisches Verhalten verurteilen
      Sehr gutes Statement. :thumbup:
      Wenn hier im Aspies-Forum Sätze gepostet werden wie "Da braucht man sich langsam echt nicht mehr wundern, wieso Autismus auch heute immer wieder mit empathielosem und antisozialem Verhalten in Zusammenhang gebracht wird", dann irritiert mich das sehr. Dieser Satz bezog sich u.a. auf mich, was ich eine Unverschämtheit finde.
    • Capricorn wrote:

      Ja, und Autisten sollten andere Autisten nicht für autistisches Verhalten verurteilen
      Es gehört mehr dazu, dass ich mich "gedisst" fühle. Ich habe und werde nie jemanden verurteilen, ich habe nur um bessere Umgangsformen gebeten. Aber ich verspüre offen gestanden keine Lust dieses Thema in jeden dritten Thread auszubreiten. Rigidität ist ja bekannterweise für viele von uns (ja, mich eingeschlossen) ein Problem. Ende.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus
    • ...der Vollständigkeit halber möchte ich noch einmal auf die Einfachheit des Weitererhalts von Kindergeld ab dem 25. Geburtstag bei einem GdB von >=50 und fortdauernder Berufsausbildung, zu der auch ein Studium zählt, hinweisen. Das kann schon einen erheblichen Unterschied machen, wenn von der Familie keine Unterstützung kommt und die Behinderung die Ausbildung erschwert.
    • Mock von Plock wrote:

      Im Grunde wurden wohl alle von mir genannten Gesundheitsstörungen angeblich berücksichtigt, wobei die Auflistung im Bescheid mit "Depersona." unvermittelt abbricht, da offenbar der Platz nicht ausreichte.
      @Mock vom Plock
      Wurden denn deine Einschränkungen tatsächlich in den Bescheid übernommen und falls ja, unter welchem Punkt? Ich frage mich das, weil ich einen GdB von 50 erhalten aber bei mir im Bescheid nur Bezug auf die vorgelegten Unterlagen genommen wird. Die berücksichtigten Einschränkungen werden bei mir im Bescheid nicht aufgelistet. Bei mir steht auch dort 'psychische Krankheit' (obwohl ich an deren Stelle eher 'Entwicklungsstörung' geschrieben hätte).

      Weiß jemand, ob es Vorschriften gibt, dass die Einschränkungen explizit im Bescheid gelistet werden? Wenn sie nicht gelistet sind, ist ein Verschlimmerungsantrag vermutlich einfacher, denn bei einer pauschalen Auflistung könnte das Amt einfach sagen "berufliche Probleme war schon bei GdB20 berücksichtigt, das führt nun auch nicht zu einem höheren GdB", wobei die Probleme ja größer geworden sein können. Das ist aber nur eine Uberlegung. Ich weiß nicht, wie die Ämter dahingehend vorgehen oder ob die Auflistung der Einschränkungen im Bescheid auch davon abhängig ist, ob es ein Feststellungsbescheid ist oder eine Ablehnung.

      Kennt sich da wer aus?

      Um gute Chancen bei einem Widerspruch zu haben, sollten die Teilhabeeinschränkungen in einem Bericht von einer Psychiaterin/Psychiater dokumentiert werden. Ein Diagnosebericht ist furchtbar das Versorgungsamt nicht von vorrangiger Relevanz. Es müssen deine Teilhabeeinschränkungen berichtet werden von offizieller Seite. Dazu reicht es, wenn die Diagnosen kurz erwähnt sind. Im Hauptteil müssen die Einschränkungen explizit beschriebene werden. Je genauer und ausführlicher, desto besser.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • vielen Dank soweit.
      Außer dem Attest liegen mir seitens der Psychaterin keine Dokumente vor. Die Stelle ist völlig überlastet und ich hatte, da ich wegen der ADHS eh schon Patient war, Glück, die ASS-Diagnostik sofort nach Erhärtung des Verdachts durchführen lassen zu können. Dokumente sind in Aussicht gestellt. Das Amt konnte zunächst keine Stellungnahme der Psychiaterin erhalten, doch müsste diese dann dort doch noch eingetroffen sein. Ohne Akteneinsicht, die ja aber beantragt ist, fehlen jetzt auch entscheidende Informationen zum Zustandekommen des GdB von 20.
      Sobald mir diese vorliegen werde ich – soweit notwendig – versuchen, mit der Ärztin eine Stellungnahme zu verfassen, welche die Einschränkungen dokumentiert.
      Ich denke, ich kann meinen Widerspruch vielleicht unter Verweis auf die dokumentierten Beeinträchtigungen mit folgenden Passagen aus dem Arbeitskompendium der versorgungsmedizinisch tätigen Leitenden Ärztinnen und Ärzte der Länder und der Bundeswehr (2014) begründen. Dort heißt es in den "Abgrenzungskriterien für die gutachtliche Beurteilung sozialer Anpassungsschwierigkeiten" ( S. 155):
      "leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten
      z.B. Berufstätigkeit trotz Kontaktschwäche und/oder Vitalitätseinbuße auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch ohne wesentliche Beeinträchtigung möglich. (Wesentliche Beeinträchtigung nur in besonderen Berufen, z.B. Lehrer, Manager). Keine wesentliche Beeinträchtigung der familiären Situation oder bei Freundschaften, d.h. z.B. keine krankheitsbedingten wesentlichen Eheprobleme.

      mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten
      In den meisten Berufen sich auswirkende psychische Veränderung, die zwar weitere Tätigkeit grundsätzlich noch erlaubt, jedoch eine verminderte Einsatzfähigkeit bedingt, die auch eine
      berufiche Gefährdung einschließt. Erhebliche familiäre Probleme durch Kontaktverlust und afektive Nivellierung, aber noch keine Isolierung, noch kein sozialer Rückzug in einem Umfang,
      der z.B. eine vorher intakte Ehe stark gefährden könnte."

      Ich denke, ich werde dann einen GdB von 60, mindestens 50, beantragen.

      Interessant fand ich die Bemerkung von autismus Deutschland e.V in der Broschüre "Rechte von Menschen mit Autismus": "Erklärungsbedürftig ist, wie ein GdB von 10-20 bei einem Personenkreis ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten angenommen werden soll, wenn die Störung der sozialen Interaktion ein Diagnosekriterium ist."

      Rational betrachtet ist die Angelegenheit für mich in den praktischen Auswirkungen wenig relevant. Ich finde es auch schwierig zu beurteilen, welcher GdB wirklich angemessen wäre. Aber in Anbetracht des oben Zitierten erscheint mir die offenbar gängigen Praxis der Versorgungsämter als systematische Diskriminierung insbesondere von Autisten bzw. Menschen mit psychischen Leiden insgesamt. Das macht mich wütend.
    • Mock vom Plock wrote:

      Aber in Anbetracht des oben Zitierten erscheint mir die offenbar gängigen Praxis der Versorgungsämter als systematische Diskriminierung insbesondere von Autisten bzw. Menschen mit psychischen Leiden insgesamt. Das macht mich wütend.
      @Mock vom Plock
      Ich glaube, da liegst du mit deiner Einschätzung nicht ganz daneben. Mich macht es auch wütend, wenn nicht sachgerecht vorgegangen wird, sondern irgendwie versucht wird, erstmal so viel wie möglich abzulehnen und darauf zu hoffen, dass die Leute es nicht hinbekommen, sich dann dagegen zu wehren. Vor allem bekommt man es vielleicht fachlich sogar hin, gegen die Ungerechtigkeiten vorzugehen, ist aber psychisch dazu wegen Überforderung nicht mehr in der Lage. Und sowas finde ich einfach richtig mies. Eigentlich bräuchte man Hilfe und man versucht diese anhand der Anträge zu bekommen, aber man bekommt eher keine Hilfe, sondern muss noch mehr Energie investieren, um nicht ganz unter die Räder des sogenannten Hilfesystems zu kommen.
    • Sorry, ich kann nichts Sinnvolles beitragen und bin auch sehr auf meinen eigenen Konflikt mit dem Versorgungsamt fokussiert, aber...

      Mock vom Plock wrote:

      Rational betrachtet ist die Angelegenheit für mich in den praktischen Auswirkungen wenig relevant. Ich finde es auch schwierig zu beurteilen, welcher GdB wirklich angemessen wäre. Aber in Anbetracht des oben Zitierten erscheint mir die offenbar gängigen Praxis der Versorgungsämter als systematische Diskriminierung insbesondere von Autisten bzw. Menschen mit psychischen Leiden insgesamt. Das macht mich wütend.
      ...das kann ich voll unterstreichen. Wenn ich lese, wie du deine Situation auseinandernimmst und zu den Leitlinien in Relation setzt, erlebe ich ein Déjà-vu.

      Es ist unglaublich, wie stark erstens die Diskrepanzen zwischen den einzelnen Versorgungsämtern bei der GdB-Vergabe (für psychische Erkrankungen) sind, zweitens die praktische Handhabung sich von den theoretischen Leitlinien zu unterscheiden scheint und die Einschränkungen psychisch Kranker für eine Schwerbehinderung sein müssen, während rein physisch Kranke eine hohe Lebensqualität aufweisen und super integriert sein dürfen.

      Hätte ich meinen Antrag im Kreis Coesfeld gestellt, also vor meinem Umzug in den Kreis Warendorf, wäre der vielleicht ganz anders ausgegangen, ohne dass ich das zuständige Versorgungsamt bis mindestens zum Landessozialgericht verklagen muss. :nerved: