Fremdanamnese - Erfahrungen mit Ambulanz der LMU

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Fremdanamnese - Erfahrungen mit Ambulanz der LMU

      Ich sitze gerade nochmal am Bewerbungsbogen für die Autismus-Diagnostik.
      Dort werden so Sachen gefragt wie "Wie alt waren Sie genau als Sie anfingen zu laufen?" oder "Wie alt waren Sie genau als Sie anfingen zu sprechen?". Das weiß ich alles nicht. Außerdem soll ich Kopien meiner Grundschulzeugnisse mitschicken. Die zeugnisse liegen noch bei meiner Mutter. Sie wüsste selbstverständlich auch die Antworten auf diese kindheitsbezogenen Fragen.

      Jetzt mein Problem: ich wollte meiner Familie gar nicht groß von der angestrebten Diagnose erzählen. Eventuell dann, wenn ich sie habe. Aber vermutlich möchte ich es einfach ganz unter den Tisch fallen lassen. Meine Familie hat mir immer den Rücken gestärkt. Für sie war ich nie behindert, falsch oder unnormal. "Komisch" war ich vielleicht, aber das war immer ok. Individualität wurde immer wertgeschätzt. Hatte ich Probleme in der Schule, so wurde mir vermittelt, dass das Problem die anderen seien, nicht ich.
      Ich habe Angst, dass sich das ändert, wenn ich von der Diagnose erzähle. Dass es entweder runtergespielt wird und behandelt wird nach dem Motto "stell dich nicht so an, du übertreibst doch" oder dass genau das Gegenteil passiert und ich plötzlich mit Samthandschuhen angefasst werde. Ich will einfach nur weiterhin normal ich sein, ohne dass plötzlich der Fokus auf meinem Autismus liegt. Ich habe Angst, dass der Stempel "behindert" irgendetwas ändert in den Augen derer, für die ich nie behindert war.

      Daher meine Frage: hat jemand Erfahrungen mit der Autismusambulanz der LMU-Klinik? Besteht eine Chance, dass ich auch einen Termin bekomme, wenn ich diese Infos nicht in den Bewerbungsbogen packe?

      Für die Fremdanamnese im Rahmen der Diagnostik würde ich meine Schwester fragen, ob sie das machen kann. Sie ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und daher Sachen wie Schweigepflicht und den normalen Umgang mit Kranken und Behinderten gewöhnt. Aber wenn ich ohne ein Gespräch mit meiner Mutter gar nicht erst so weit komme, bringt mir das natürlich nichts.
      Neuling auf der Suche
      Die Antwort ist 42.
    • Lavendel0815 wrote:

      Meine Familie hat mir immer den Rücken gestärkt. Für sie war ich nie behindert, falsch oder unnormal. "Komisch" war ich vielleicht, aber das war immer ok. Individualität wurde immer wertgeschätzt. Hatte ich Probleme in der Schule, so wurde mir vermittelt, dass das Problem die anderen seien, nicht ich.
      Ich habe Angst, dass sich das ändert, wenn ich von der Diagnose erzähle.
      Das wäre seltsam. Wenn deine Familie sich bisher so positiv verhalten hat, dann wäre es für mich nicht nachvollziehbar, wenn eine Diagnose daran etwas ändern würde. Es ist ja dann grundsätzlich eine gute Beziehung vorhanden. Selbst wenn nachher die Reaktion auf eine Diagnose nicht optimal wäre, dann würde eine gute Beziehung das aushalten, und mit der Zeit wird es sich einspielen. Du kannst ja auch sagen, wenn dich nachher am Verhalten deiner Familie irgendwas stört.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Lavendel0815 wrote:

      Ich fürchte nein. Ich wüsste nicht, wie ich das formuliere, ohne dass es auffällt, dass hinter der Frage mehr steckt.
      Bist du nicht selbst jüngst Mutter geworden? Was gäbe es für einen besseren Aufhänger als über die Entwicklung des eigenen Kindes zu erzählen und dann auch nach der eigenen Entwicklung zu fragen? Sollte ich mich getäuscht haben und du bist doch nicht Mutter, dann bitte den Vorschlag ignorieren :d
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • @Lavendel0815
      Du könntest die Eltern bitten, dir die Zeugnisse zu schicken oder diese (vielleicht mit noch anderen Dingen aus der Kindheit /Jugend zu) dort abholen. Das sind doch deine Zeugnisse. Was sollen die bei deinen Eltern? Oder lebst du noch teilweise zu Hause?

      Das mit den Altersangaben ist da schwieriger. Kannst du nicht sagen, dass du das wissen musst, aber nichts weiter dazu sagen willst? So habe ich das gemacht.

      Später war ich so dumm und habe meinen Eltern von der Autismusdiagnose berichtet. Ich würde das nicht mehr machen. Seitdem glaubt meine Mutter erst recht, dass sie keinerlei Schuld trifft (ist aber vermutlich ein spezieller Fall) und vor allem werde ich seitdem noch weniger ernst genommen. Kürzlich bekam ich auch zu hören, dass ich doch Therapie mache und das (Telefonieren) jetzt mal langsam können müsse. Obwohl sich meine Eltern angeblich über ASS informiert haben, haben sie ein falsches Bild davon. Dazu gab es auch schon Kommentare wie "aber Richtigen Autismus hast du doch nicht." oder "du bist doch nicht richtig behindert". Die Krönung war, dass ich einfach keine Lust mehr hätte zu arbeiten. Ich würde mir daher auch sehr gut überlegen, was man den Eltern sagt.

      Vielleicht findest du die entsprechenden Infos auch in Fotoalben oder Babybüchern über dich. Manchmal gibts da Infos wie "mein erster Zahn", "mein erstes Wort" etc. und da steht dann das Datum daneben.