Auting am Arbeitsplatz

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    • Fidoline wrote:

      Im Gegenteil, manchmal denke ich, dass andere sich wundern müssen, wenn man so verpeilt ist und einen Dr. hat -obwohl es gibt ja das Klischee vom zerstreuten Dr. (bzw. Prof.). :d
      Das waren meine Spitznamen seit ich ein kleines Kind war: „zerstreuter Professor“, „der Doktor“, „das Lexikon“ 8o :d


      HCS wrote:

      Das wäre mE eher ein Argument pro Auting (am ehesten, sobald eine Diagnose vorliegt), denn das könnte schlicht Ausdruck von Unsicherheit sein - sie wissen, dass da irgendetwas ist, aber nicht, wo genau deine Probleme liegen, trauen sich aber nicht zu fragen. Da könnte es helfen, eine Diagnose öffentlich zu machen, weil Du dann auch sehr konkret sagen kannst, wo Du Rücksichtnahme brauchst und wo nicht, und dass man Dich im Zweifel auch danach fragen kann.
      So habe ich das noch gar nicht gesehen, weil ich immer davon ausging, dass sie wissen würden, dass es um Autismus geht (Anm. an mich: Ein bisschen paranoid, was?! xD). Aber vielleicht hast du recht, und sie sind einfach unsicher.

      Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, dass das, was mich tatsächlich am meisten an ihrem Verhalten stört, meine erste eigene Konfrontation mit einem möglichen gesellschaftlichen Stigma wie „Behinderung“ sein könnte: Ein Teil in mir hat wohl auch aus Angst davor, was ein Label wie „Behinderung“ und die damit zusammengehörenden sozialen Kognitionen für mich bedeuten könnten, meine KollegInnen unter Generalverdacht gestellt, sie könnten „behinderte“ Menschen anders (ableistisch) behandeln. Vielleicht tue ich ihnen Unrecht, und ich sollte mir erstmal mehr Gedanken darüber machen, wie ich mit der ganzen Sache umgehe.
    • MangoMambo wrote:

      Die Kollegen müssen mich ja im Urlaub vertreten und ich sie. Da merkt man das schon.
      In der Schule erhält man anstelle von zusätzlichen Urlaubstagen eine Reduzierung der Pflichtstundenzahl. Das fällt Kollegen normalerweise nicht auf, weil ohnehin viele KollegInnen (und ich auch) Teilzeit machen und der Umfang der Teilzeit frei festgelegt werden kann.

      MangoMambo wrote:

      würde das evtl. als Vertrauensbruch gesehen werden ist meine Sorge

      MangoMambo wrote:

      Wie würdet ihr auf die Frage reagieren, warum ihr denn einen SBA oder mehr Urlaubstage habt?
      Die einzige Gelegenheit, wo wirklich anderen (auch behinderten) Kollegen auffällt, dass ich eine Behinderung habe, ist die Versammlung der behinderten Lehrer einmal im Jahr.
      Auch da bin ich aber noch nie nach Einzelheiten über meine Behinderung befragt worden und würde auch andere nicht danach fragen.
      Ich würde da eher vermuten, dass es eine Art ungeschriebenes Gesetz gibt, dass man danach nicht fragt. Und das finde ich eigentlich auch gut so, denn es sind -insbesondere bei einer psychischen Behinderung- doch sehr persönliche Informationen.
      Dort, wo z.B. eine Gehbehinderung offensichtlich ist, helfe ich natürlich so gut ich kann. Egal, ob das jetzt eine (dauerhafte) Behinderung ist, die einen SBA rechtfertigt, oder "nur" eine momentane Einschränkung durch eine akute Krankheit oder Verletzung.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Tuvok wrote:

      Ich würde da eher vermuten, dass es eine Art ungeschriebenes Gesetz gibt, dass man danach nicht fragt. Und das finde ich eigentlich auch gut so, denn es sind -insbesondere bei einer psychischen Behinderung- doch sehr persönliche Informationen.
      Ich denke, das ist auch tatsächlich so ein ungeschriebenes Gesetz und man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man darüber keine Auskunft geben will. Auch nicht, wenn die Kollegen selbst mit ihren Einschränkungen offen umgehen.
    • Im Grunde würde ich mich gerne als Autistin zu erkennen geben bzw. ganz offen damit umgehen. Unter anderem deshalb, um dem immer noch in den meisten Köpfen vorherrschenden und in den Medien verbreiteten Bild über Autismus etwas entgegen zu setzen. Ich bin autistisch und nicht krank, geistig behindert oder ein Klischee, dem allein aufgrund des Autismus weniger zuzutrauen ist als NT-KollegInnen. Meinen Job habe ich schließlich, weil ich die Ausbildung, die Kompetenzen die Fähigkeiten und den Willen habe, diesen Beruf auszuüben und weil ich mir alles was ich erreicht habe, hart erarbeitet habe.

      Gerade aufgrund der immer noch verhafteten Klischees habe ich zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings auch Bedenken und die Befürchtung, dass dies mehr negative als nützliche Folgen hat. Und dies wohl nicht zu unrecht. Mein Job ist recht öffentlichkeitswirksam und Informationen machen schnell die Runde, insbesondere solche die negativ ausgelegt werden könnten und einen in den Augen anderer angreifbar machen.

      Im Grunde plane ich aber in der Zukunft offen dazu zu stehen, spätestens dann wenn ich in meiner Position vollkommen etabliert bin. D.h. wenn meine Qualifikationen und Fähigkeiten auch außerhalb meines direkten Arbeitsumfelds als unzweifelhaft anerkannt sind. Ich bin Autistin und dies ist ein Teil von mir, aber in erster Linie bin ich Vertreterin meines Berufs.
      Silva

      The post was edited 3 times, last by Silva ().

    • Bei mir weiß ein Kollege bescheid. Mit ihm komme ich zufällig am besten klar, zudem ist er häufig als Schichtverantwortlicher und generell als Ersthelfer eingesetzt. Wäre irgendwas seltsames mit mir würde man also sowieso auf ihn zugehen. Er weiß auch wie er sich verhalten müsste falls ich komplett dicht mache und nur "durch ihn hindurch gucke".

      Den GdB 30 habe ich aufgrund anderer (auch sichtbarer) Dinge, daher würden Kollegen wohl sowieso nicht fragen. Liegt dem Personalbüro vor, kam aber bisher keine Rückfrage.
      Nach 1,5 Jahren als Zeitarbeiter kennt man meine Macken aber ohnehin bereits und irgendein Papier ändert mich ja jetzt auch nicht.
    • Bei mir wusste anfangs niemand Bescheid. Das war schlimm, denn so wurde ich oft von anderen überfordert und reizüberflutet bzw. gab es oft unnötige Missverständnisse die hätten vermieden können. Es war so schlimm dass ich täglich über Kündigung nachdachte.

      Als ich dann die offizielle Diagnose bekam (vorher ganze Zeit Verdachtsautist), bin ich relativ offen damit umgegangen. Einen SBA mit 60 hatte ich sowieso schon wegen der Epilepsie und Depressionen. Bei mir wissen es einige Kollegen, meine Teamleiterin und Abteilungsleiterin, sowie die Personalabteilung.

      Es war mir zuerst unangenehm so offen darüber zu sprechen, aber es hat mir enorm geholfen. Plötzlich haben sie Verständnis, sind viel netter und nehmen mehr Rücksicht. Sie erkennen auch positiv an, wieviel Kraft ich jeden Tag aufwende um mich anzupassen.

      Ich habe ihnen die Chance gegeben, ihr Bild über Autismus nochmal zu überdenken. Sie wussten nämlich nicht, dass jemand so normal wirken und innerlich trotzdem so leiden kann (Zitat einer Kollegin)

      Ich bin froh den Schritt gegangen zu sein (RW)
      woher weiß ein Blinder, dass er blind ist, wenn er nicht weiß wie es ist zu sehen?
    • Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich das Gefühl habe, dass meine KollegInnen vermuten, dass ich Autist sein könnte, obwohl ich es niemandem gesagt habe (außer einer Kollegin, der ich vertraue, dass sie nicht weitererzählt, dass der Verdacht besteht). Gestern gab es dann noch zwei „Vorfälle“, die mich glauben lassen, dass von mir angenommen wird, im Spektrum zu liegen.

      Zunächst meinte eine Kollegin, die sonst mit der Diagnostik nicht viel zu tun hat, gestern im Rahmen einer sehr vollen Gruppenuntersuchung, dass sie mich vertreten könnte, wenn es mir zu viel werden würde, was weder ihre Aufgabe ist noch jemals vorher angesprochen wurde. Ich habe verneint.
      Und letztlich meinte unsere aktuelle Praktikantin als wir gemeinsam die Arbeit verlassen hatten und ich bemerkte, dass ich meine Kopfhörer vergessen hatte und nochmal zurück gehen würde, dass „ich die ja brauchen (!) würde“ (weil ich sonst einen Overload bekomme, oder wie?).

      Ich weiß gerade nicht, ob ich da zu viel hineininterpretiere oder nicht, aber ich mache mir langsam Gedanken darüber, wie offensichtlich mein Verhalten wohl sein mag.