Ungewissheitsintoleranz (Buchempfehlung)

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    • @ifi Und mich stört sehr, dass meine Meinungsäußerung hier unterdrückt werden soll. Ich habe m.E. nachvollziehbar erklärt, worum es mir ging. Man könnte ja auch mal die Beiträge der Userin in anderen Threads nachlesen, wenn man nicht versteht, was ich meine. Es zieht sich durch wie ein roter Faden. Mir soll's dann egal sein, sollen halt weitere User sich verunsichern lassen.
    • FruchtigBunt wrote:

      Mugwump wrote:

      Mit der Verdachtsdiagnose ist allerdings der Druck andere Menschen bis ins Innere verstehen zu müssen, gesunken. Dadurch kann ich in der Kommunikation viel mehr Ungewissheit ertragen als vorher.
      @MugwumpDarf ich fragen, wie es dir gelungen ist, Ungewissheiten in der Kommunikation auszuhalten? Also welcher Gedankengang hat dir dabei geholfen? Ich halte Unklarheiten in der Kommunikation noch viel schlechter aus als anderweitige Unklarheiten (bei denen nicht direkt andere Menschen betroffen sind), denn da erwartet ja das Gegenüber eine Reaktion, was mich zusätzlich unter Druck setzt bzw mit einem menschlichen Gegenüber ist für mich alles noch viel komplexer, als wenn nur ein Sachproblem zu lösen wäre.
      Ich habe wirklich lange überlegt, was ich dir antworte, weil ich den Eindruck habe, dass wir von zwei verschiedenen Dingen reden. Für mich ist diese Ungewissheit in der Kommunikation ein "nicht" oder "falsch" verstehen. Jemand antwortet nur einsilbig auf meine Fragen: ich bemerke einen Unterschied, aber ich weiß nicht warum und ob dieser Unterschied überhaupt für die Beziehung zueinander relevant ist. Mittlerweile finde ich mich besser damit ab, dass ich das einfach nicht weiß. Ich achte immer noch viel auf meine Art zu kommunizieren, aber ich erwarte nicht, dass ich intuitiv die andere Person wahrnehmen kann. Aber ich kann Dinge jetzt mehr sein lassen, als vor der Selbstdiagnose, wo ich ständig dachte, etwas mit mir tief im Inneren wäre falsch.
      Ich habe aber auch überlegt, ob du gar nicht die Kommunikation an sich meinst, sondern diese Unwägbarkeit bei anderen Personen, also zB wenn gute Freunde sich in bestimmten Situationen nicht um dich kümmern, obwohl du dachtest, das gehöre zu eurer Freundschaft dazu. Das zähle ich für mich persönlich unter Probleme in Beziehungen und das gehört für mich nicht zum Autismus, sondern sind (vielleicht auch daraus entstehende?) Probleme mit Bindungen usw. Sowas ist mMn sehr individuell und gehört in die Hände von Therapeuten, weswegen ich mich null qualifiziert fühle, da etwas zu raten..
    • @Lilith
      Hier finden sich zumindest die Titel der 10 Kapitel. Wenn du das Buch bei Amazon suchst und auf das Foto des Buches klickst, bekommst du eine Vorschau. Dabei findet sich auch das Inhaltsverzeichnis (etwas runterscrollen).

      Ich habe das Buch nun durchgelesen. Ich weiß gerade nicht, wie ich die ganzen Ergebnisse hier vorstellen könnte. Mir hat das Buch aber definitiv geholfen, etwas bei mir aufzudecken und auch anzugehen, wofür ich vorher blind war.
    • Ich wollte ja eigentlich die Ergebnisse des Buches, die ich für wichtig halte, irgendwie systematisch darstellen. Das schaffe ich momentan nicht. Trotzdem würde ich gerne einige Gedanken posten, die mich beeindruckt bzw. überzeugt haben:

      • Es gibt fast nie nur eine einzige richtige Lösung
      • Haben unklare Situationen wirklich einen negativen Ausgang bzw. ist ein negativer Ausgang wirklich so schlimm?
      • Ist Gewissheit wirklich notwendig?
      • Absolute Gewissheit ist nicht erreichbar
      • Auch mit Ungewissem kann man umgehen. Man braucht nicht für alles einen Plan. Man kann z. B. Sicherheitsverhalten einsetzen (immer einen Regenschirm mitnehmen) oder Faustregeln/Intuition anwenden
      • es macht keinen Sinn, zu fordern, wie die Welt sein sollte, also z. B. zu verlangen, dass alle Menschen gerecht sein sollten. Denn nur weil man etwas einfordert, entsteht es dadurch nicht. An der eigenen Frustrationstoleranz arbeiten.
      • Ungewissheit hat es nicht persönlich auf einen abgesehen
      • Ambiguitätstoleranz: üben, unlösbare Widersprüche und Mehrdeutigkeiten auszuhalten, die oft zu schwarz/weiß-Denken führen
      • wenn man Ungewissheit nicht nur vermeiden will, sondern es akzeptiert, fällt es leichter, den eigenen Zielen trotzdem zu folgen
      • Vertrauen ist eine Strategie zur Bewältigung von Ungewissheit. Dadurch bleibt man handlungsfähig, wenn man keine anderen Strategien hat.
      • [b][/b]Es hilft mehr, zu lernen, mit Ungewissheit umzugehen, als sie vermeiden zu wollen
      • Die Forderung nach Resilienz verlangt ab, die eigenen Fähigkeiten immer weiter zu optimieren, statt die Belastungen abzubauen (das Konzept von Resilienz hinterfragen)
      • durch Sich-Sorgen verhindert man ein Erleben von Emotionen
      • Problemlöse- und Informationssuchaktivitäten haben die Wiedererlangung von Sicherheit zum Ziel, statt unklaren Lagen mit einer gewissen Offenheit zu begegnen und diese als Chance für neue Erfahrungen und Lerngelegenheiten zu begreifen.
      • Bewertungsungewissheit ("wie werden andere mich bewerten?") ist typisch für soziale Phobie
    • Und nun einiges, was ich zu Lösungsideen aufgeschrieben habe

      • erkennen, dass zu starres Gewissheitsverlangen zu psychischen Problemen führt.
      • Ungewissheit ist nicht ungerecht, sondern unausrottbarer Bestandteil des menschlichen Lebens
      • Pro- und Contra-Listen helfen da nicht, wo wegen Gewissheitsdenken Nachteile eh in Kauf genommen werden.
      • sich überlegen, in welchen Lebensbereichen Ungewissheit schwer ertragen werden kann
      • am Grad der Unbestimmtheit (sich mögliche Ausgänge einer Sache nicht vorstellen können = Unwissenheit; die möglichen Ausgänge einer Sache vorstellen können, aber deren Wahrscheinlichkeit nicht = Ungewissheit; zusätzlich die Wahrscheinlichkeiten der Ausgänge einer Sache kennen =Risiko) drehen. Ist Eintrittswahrscheinlichkeit evtl. schätzbar?
      • "es wird schon klarer, wenn ich lange genug darüber nachdenke" funktioniert meist nicht.
      • "hat das bisherige Verhalten geholfen, die Situation zu meisten?"
      • "Wenn das so weitergeht, was bedeutet das für mein Leben?"
      • Wie möchte ich in Zukunft in solchen Situation (Ungewissheit) reagieren? --> Besser darauf ausrichten, neue Erfahrungen zu sammeln. Lieber später gegensteuern, als gar nichts zu tun. --> Bauchgefühl mit einbeziehen
      • Mir vorstellen, was ich gewinnen würde, wenn ich von Ungewissheitsintoleranz loslasse
      • Belastende Kognitionen ermitteln und daran arbeiten, z. B. bei mir

        • "Ich darf nichts falsch machen"
        • "Fehler sind nicht korrigierbar"
        • "Fehler haben schreckliche Folgen"
        • "ein Fehler birgt die Gefahr, dass mir jemand damit in der der Situation mit Absicht schaden wollte"
        • "durch Ungewissheit fühle ich mich hilflos"
        • "ich kann nur dafür sorgen, dass andere gerecht mit mir umgehen, wenn ich alle Fehler anderer verhindere." :m(:
        • wenn ich Fehler mache, bin ich nichts wert. :(
    • Und noch mehr Ideen zu Lösungsmöglichkeiten:

      • Welche Gedanken stecken dahinter, dass mir Gewissheit so wichtig ist?
        • "ich muss selbst dafür sorgen, dass ich sicher bin"
        • "wenn ich etwas falsch mache, brauch ich mich nicht wundern, wenn alles den Bach runtergeht." (Selbstbeschuldigung)

      • selbst durch enormste Anstrengungen kann man sich einer Sache manchmal nicht sicher werden.
      • welche positiven Metakognitionen erhalte ich gegenüber Grübeln aufrecht?
        • "durch Grübeln bereite ich mich bestmöglichst vor, so dass es zu keinen Fehlern kommt." :m(:
        • "durch diese Vorgehensweise finde ich die bestmögliche Lösung. Eine weniger gute Lösung wäre verheerend für mich." (Warum?!?)
      • Ungewissheitsintoleranz kann auch sekundär unter belastenden Umständen entstehen. Dann gilt es, sichere und gewissere Lebensumstände zu schaffen!
      • sich fragen "bringt mich das weiter?" / "hält es mich von Wichtigem ab?" / "Was sind die Vor-/Nachteile?"


      Gedanken zur Kognition "Gewissheit ist absolut notwendig"
      • wenn man bestimmte Wünsche als Forderungen stellt, kann es zu großen Enttäuschungen kommen, denn diese Wünsche sind weder einklagbar, noch ein Naturrecht.
      • Wünsche und deren Erfüllung sollten nicht unklar verschmelzen. Erfüllung von Wunsch besser als Präferenz, aber nicht als Forderung stellen!
      • in vielen Lebensbereichen gibt es schlicht keine Gewissheit
      • Auch in einem Leben mit Ungewissheit lässt es sich einrichten
      • Gewissheit ist mittlerweile z. B. im Wissensbereich überholt. Besser, als alles wissen zu wollen (Wissen als Selbstzweck) ist es, wenn das Wissen einem Ziel dient.
      • Wenn man auf die Frage "liebe ich Partner auch wirklich?" nach Antwort sucht, hat das mehr Nachteile als Vorteile. Welche Vorteile hat es, sich NICHT mit dieser Frage zu beschäftigen?
      • wenn alles schon vorher gewiss wäre, würde Lebendigkeit verloren gehen
      • Man muss nicht alles durchziehen, was man begonnen hat. Es ist wichtig im Prozess zu bewerten und Entscheidungen zu korrigieren! Man darf dazulernen und muss anfangs nicht alles wissen. Ich darf z. B. am Telefon auch nachfragen.
      • ich mag die Ungewissheit nicht, weil ich Angst habe, mit Folgen nicht fertigzuwerden. --> Aufgabe in Teilschritte zerlegen. Mit jedem Teilschritt wird Problem leichter zu lösen, weil dann mehr Fakten zu den Ausgangsbedingungen da sind.
      negative Folgen von Gewissheitsstreben: Erschöpfung, Lähmung, Frust, Dinge verpassen durch ständiges Durchdenken


      Übung: Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich Ungewissheit leichter ertragen könnte. :oops:

      Übung: eine Gewissheitsskala anlegen; wie wichtig ist mir Gewissheit in verschiedenen Angelegenheiten? Dadurch üben, abzustufen.

      Übunge: in Film gehen, über den man nichts weiß; in einem unbekannten Geschäft einkaufen; im Restaurant etwas 'Neues' bestellen; eine Mail vor dem Versenden nicht auf Fehler korrigieren; mit anderen ausgehen und selbst nichts planen; Flexibilitätsübungen (mit anderer Hand die Haare bürsten, anderes Müsli auswählen, anderen Weg laufen)

    • Irgendwie sprengen meine Aufzeichnungen doch den Rahmen. Ich habe mindestens noch 4 Mal so viel dazu notiert. Ich stoppe die Einträge besser an der Stelle, weil das zu wirr aufgelistet ist und vermutlich so niemandem hilft. :|

      Insgesamt werden in dem Buch Lösungen erarbeitet zu verschiedenen Kognitionen. Diese wären da

      1. Gewissheit ist absolut notwendig (dazu habe ich oben alles wiedergegeben, was ich mir dazu notiert hatte. Im Buch steht natürlich noch wesentlich mehr)
      2. Ungewissheit ist gefährlich
      3. Ungewissheit ist belastend
      4. Ungewissheit macht mich handlungsunfähig
      5. dass ich häufig Ungewissheit erlebe, wirft ein schlechtes Licht auf mich
      6. Ungewissheit ist einfach unfair


      Zu den Punkten 2 bis 6 gibt es auch sehr viele Ideen und Therapiehilfen sowie Übungen.


      Am Ende des Buches wird noch etwas auf philosophisch-gesellschaftliche Betrachtungsweise eingegangen. Dies fand ich besonders interessant und poste es jetzt doch noch. Z. B. so Gedanken wie
      • "Ungewissheitsgeladene Situation mit ihrer Dichte an möglichen Ausgängen als "Fülle" begreifen. Ein Ort, an dem das Leben voller, reicher, tiefer, lohnender und bewundernswerter sein kann und mehr das was es wirklich sein sollte".
      • in Resonanz mit diesem Zustand gehen. Sich also einerseits von der Welt berühren lassen, andererseits aber auch versuchen, die Welt handelnd zu erreichen
      • Handeln ist weniger Bewältigung als Begegnung, eine Art von wechselseitigem Berührt-Werden. (finde ich ganz schwierig; ich könnte mir vorstellen, dass das typisch bei Autisten ist). Resonanz wird schwierig, wo sich das Subjekt verhärtet oder verschließt. Die Eigenfrequenz bei der Öffnung zur Welt verlieren, ist aber auch nicht gut
      • Bereitschaft entwickeln, die eigenen ursprünglichen Absichten durch das Unvorhergesehene überschreiten und überschreiben zu lassen.
      • es kann etwas von nirgendswoher kommen, scheinbar ohne Gründe. Dieses Ereignis war vorher nicht absehbar und kann schön sein. Man wird duch das Sich-Einlassen von den eigenen Zielen befreit und kommt über sich hinaus
      • die Ziel- und Handlungsorientierung aufgeben! Man muss nicht immer alles sofort lösen! Nicht alles am Maßstab von Nützlichkeit und Effizienz betrachten! Die Ungewissheit wird vor allem da zum Problem, wo der Mensch auf feste Ziele geprägt ist.


      Es tut mir leid, dass ich das nicht strukturierter darstelle / darstellen kann. Aber wenn ich das wirklich alles wieder superlogisch ausarbeite und gliedere, sitze ich in einem halben Jahr noch dran bzw. hätte vielleicht gar nichts dazu gepostet. Jetzt habe ich gemerkt, dass es mich doch überfordert und es fehlt ein großer Teil (vor allem die Abarbeitung der Kognitionen 2 bis 6, um die herum das Buch aufgebaut ist und auch die Zusammenhänge, die der Autor zum Thema Autismus sieht - die sind aber auch nur auf 1 - 2 Seiten dort dargelegt. Ich habe das Buch leider schon wieder aus der Hand gegeben).
      Falls es doch irgendjemandem eine Hilfe ist, freut es mich. Ich entschuldige mich aber schonmal für die wirre Darstellung. Besser geht es gerade nicht. :oops: :|

      @Mugwump
      @Kayt
      Gerne. :)

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    • @Platypus
      @Lilith

      Es freut mich, wenn jemand was damit anfangen kann. Ich finde das Buch auch überaus hilfreich und sehe Parallelen zu autistischen Symptomen. Aber es erscheint mir auch für Nicht-Autisten sehr wertvoll. Auf dieser Ungewissheitsintoleranz sollen beispielsweise sehr viele psychische Erkrankungen erwachsen können. Sie ist ein wichtiger Indikator für das Entwickeln psychischer Erkrankungen.

      Vielleicht fasse ich hier doch noch die Punkte 2 - 6 zusammen. Es ist ja auch nicht ganz uneigennützig von mir, denn wenn ich mich beim Schreiben erneut mit den Inhalten befasse oder ihr dann auch zum Thema schreibt, komme ich vielleicht auch etwas weiter. Denn nur weil ich das Buch gelesen habe, kann ich dieses Gewissheitsverlamgen leider nicht sofort abstellen. Je mehr man sich darüber austauscht, umso besser.

      Aber ich finde es auch wirklich wichtig, dass die Inhalte verbreitet werden, weil mir die Gedanken aus dem Buch einfach sehr bedeutsam erscheinen und in der Psychotherapie aktuell meiner Meinung nach komplett untergehen.