Tipps zur Bewältigung des Leidensdrucks, der Depression - ADHS, autistische Züge

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    • MangoMambo wrote:

      Und bzgl. Der Depressionsgefühle: Da es Winter ist würde ich dir raten erstmal über den Hausarzt einen Vitamin D Test machen zu lassen und dann eine Therapie zu suchen.
      Ich habe bisher keine gezielten Tests zu Vitamin D machen lassen, aber Blut wurde mir bereits wegen ähnlichen Niedergeschlagenheits- und Erschöpfungssymptomen entnommen, auch vor 1 1/2 Jahren, damals litt ich mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Burnout, gefunden hat man damals nichts und in diesem Jahr im September bei einer Blutentnahme ebenfalls nichts, dahingehend scheint es keinen grundlegenden Mangel zu geben.
    • namenlos wrote:

      "Dumm geboren, nichts dazugelernt und dann auch noch die Hälfte vergessen..." Den konnte ich ich bei dir im Profil finden, der trifft es schon ganz gut.
      Pardon: Wer oder was ist "es"?
      Meinst du, dass mein Spruch mich gut beschreibt, oder findest du dich selbst darin wieder?

      Du schreibst doch völlig nachvollziehbar und folgerichtig und gut lesbar. Mit der deutschen Sprache hast du jedenfalls schon mal keine Probleme!
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      namenlos wrote:

      "Dumm geboren, nichts dazugelernt und dann auch noch die Hälfte vergessen..." Den konnte ich ich bei dir im Profil finden, der trifft es schon ganz gut.
      Pardon: Wer oder was ist "es"?Meinst du, dass mein Spruch mich gut beschreibt, oder findest du dich selbst darin wieder?

      Du schreibst doch völlig nachvollziehbar und folgerichtig und gut lesbar. Mit der deutschen Sprache hast du jedenfalls schon mal keine Probleme!
      Mich, tut mir sehr Leid, falls das in irgendeiner Weise verletzend rüber kam.

      Das gelingt mir aber auch nur mit Korrekturlesen und Verbesserungen, an dem Ausgangstext saß ich 3 Stunden.

      The post was edited 2 times, last by namenlos ().

    • namenlos wrote:

      Leider ist es so, dass mich Kultur und Politik nur bedingt interessieren, also bleibt in der Regel auch nichts hängen. Genau das ist es aber, was ich gern ändern würde
      Also ich habe das Gefühl, dass du sehr viel Hoffnung auf Kontakt zu den älteren Kollegen setzt.

      Es besteht leider auch eine große Chance, dass die Kollegen gar kein großes Interesse an dir haben. Einfach weil du so viel jünger bist als sie. Leider wird man als junger Mensch eben gesellschaftlich anders wahrgenommen. Und ich glaube nicht, dass es da viel hilft, sich Wissen über Kultur und Politik anzulesen.
      Die älteren Kollegen haben sicher auch viele andere Themen. Viele dürften einen Partner haben, einige auch Kinder. Damit gibt's eh schon viele Themengebiete, in denen man als junger Mensch einfach nicht mitreden kann, und man ist für sie als Gesprächspartner nicht besonders interessant.
      Man kann Sozialkontakte eben nicht erzwingen. Und ich glaube nicht, dass es vernünftig und gesund ist, sich komplett zu verbiegen, nur um mit deutlich älteren Kollegen in Kontakt zu kommen.
      Es ist schlicht eine blöde Team-Konstellation, wenn die Altersunterschiede so groß sind.

      namenlos wrote:

      ständig frage ich mich selbst, warum ich die Zeit nicht sinnvoller nutze und so kann ich auch nicht lang bei einer Tätigkeit verweilen, weil es mir kein gutes Gefühl vermittelt.
      Vielleicht hättest du ja Lust, eine (weitere?) Programmiersprache zu lernen? Nur so als Denkanstoß.
      Den Einstieg fand ich eigentlich immer recht motivierend, gerade wenn man eine Idee für ein kleines Spaß-Projekt hat.
    • MangoMambo wrote:

      Sonst kann ich dir folgenden Artikel zum autistischen Burnout empfehlen, der dich vielleicht interessiert: decent-daydream.at/autistisches-burnout/
      "Fehlende Motivation, Lustlosigkeit und andauernd verspürte Langweile;
      Es werden Tätigkeiten begonnen und diese dann nach wenigen Minuten wieder abgebrochen, da die Lust zum Weitermachen wegbleibt. Die Kraft, um weiter zu machen, fehlt und liegt man ruhig, so passiert es sogar, dass man einfach einschläft.
      "

      Vor allem den ersten Teil kann ich damals wie heute bei mir bestätigen, den zweiten Teil bedingt, eher selten, einschlafen versuche ich, zumindest tagsüber, aktiv zu vermeiden, da ich mich nach dem Aufwachen den restlichen Tag lang nicht mehr wohlfühle.


      "Überforderung im ganz alltäglichen Leben;
      Selbst die simpelsten sozialen Interaktionen bedürfen immens viel Kraft – mehr, als sonst. Ganz unabhängig davon, ob es sich dabei um Fremde, Freunde oder sogar Familie handelt."

      Das kommt ganz auf den Tag und die Umgebung an, also würde ich nur bedingt bestätigen, es gibt durchaus auch Gespräche, die ich genieße, aber oftmals zu Hause nach der Arbeit habe ich keine Lust auf irgendwelche Gespräche über Sensationsmeldungen aus den Medien und blocke genervt ab. (Passt eventuell nicht ganz dazu: An Tagen an denen ich mich überlastet fühle, vermeide ich das Antworten auf Textnachrichten, so kann es kommen, dass ich auf einfache Fragen erst ein paar Tage später reagiere.)


      "Meltdowns und Overloads häufen sich ohne ersichtlichen Grund;
      Da die aufzubringende Kraft beinahe stets erschöpft ist, erkennt man den Grund oft selbst nicht, wenn man dann häufiger oft an Overloads & Meltdowns leidet. Reizüberflutungen können weniger lange ausgehalten werden, dahingehende körperliche Symptome zeigen sich schneller, als üblich. (Tinitus, Kopfschmerzen, schnellere Atmung usw.) Hinzu kommt, dass die Meltdowns vielleicht sogar heftiger, als sonst ausfallen."

      Das ist eine Sache, die ich selbst nicht bewerten kann, da ich es nicht einzuordnen weiß. Ich bin kein ruhiger Mensch, ich bin oft gereizt und verliere (leider) schnell die Fassung. Diese plötzliche Aggressivität kann aber durchaus in ADHS begründet sein und somit aus anderer Quelle rühren.

      Da Reizüberflutungen in beiden Störungsbildern zu den grundlegenden Symptomen zählen, müsste man meinen, dass ich definitiv damit zu kämpfen habe. Genau das kann ich nicht eindeutig bestätigen, rückblickend im Sommer 2018 (vor der Ausbildung), könnte ich die typischen Anzeichen für eine Reizüberflutung bestätigen, das ging soweit, dass ich nach einer rund zehnminütigen Zugfahrt, mit Kindergartenkindern, nicht wusste, ob ich den anstehenden Arbeitstag überstehe, weil mir zu dem Zeitpunkt bereits jegliche Kraft gefehlt hat und ich das Gefühl besaß, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden. Letztendlich bin ich der Arbeit öfters ferngeblieben, bis ich den Druck nicht mehr ausgehalten und auf Arbeit, sowie beim Hausarzt weinend zusammengebrochen bin. Zu diesem Zeitpunkt hattte ich bei der alten Arbeitsstelle bereits gekündigt, 3 Wochen verbleibend. Sicher war der ursprüngliche Auslöser nicht die Zugfahrt, aber das ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben, der eigentliche Auslöser war zu der Zeit die Arbeit, großer Leistungsdruck von oben, rollende Schichten, Überstunden (obwohl als Minderjähriger nicht gestattet), viele Menschen, Fluktuation und sehr hohe Lautstärke. Ich hatte Probleme, mit der Arbeit zum Feierabend abschließen zu können, die Gedanken habe ich oft mit nach Hause genommen. Anfänglich auf Arbeit, (Herbst 2017) war ich sehr aufgeregt, zappelig, hyperaktiv und habe den Stress durch viel Bewegung und Stimming während der Arbeitszeit bekämpft. Das sagte man mir später auch nach, das war sehr auffällig. Ab März 2018 ging es jedoch gefühlt immer weiter bergab, Stimmung, Leistung, Beherrschung. Auch das wurde von Außen bemerkt, ich wurde angesprochen, weshalb ich in den letzten Wochen immer schlechter gelaunt auf Arbeit käme, warum ich mich, so abseits von den anderen Kollegen setze und weshalb meine Leistung derzeit so schlecht ist.

      Erholungsmaßnahmen habe ich deshalb nicht in Anspruch genommen, obwohl mir der Hausarzt zu einer Therapie bei einem Psychologen geraten hat. (ohne jegliche Tendenz, einfach um mal über Dinge sprechen zu können) Ich nahm zwei Wochen Resturlaub und dann begann auch schon meine Ausbildung, erst dort habe ich angefangen zu begreifen, dass ich mich von nun an komplett umgewöhnen muss, auch dort hatte ich dann noch weitere Heulattacken, mit der Zeit besserte sich dies jedoch, die Arbeitszeiten waren zwar ebenfalls nicht fest, fielen und fallen bisher dennoch gleichmäßiger aus (das wird sich drastisch ändern, wenn ich übernommen werden sollte).

      Worauf ich damit hinaus möchte:
      Ähnliche Situationen, wie die Zugfahrt, durchlebe ich des Öfteren, ABER diese Art Reizüberflutung (kraftzehrend, Ohnmachtsgefühle) nehme ich seitdem nicht mehr wahr, maximal eine gewisse Unruhe und ein Drang zur Zappeligkeit. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich eine recht hohe Belastungsgrenze gegen entsprechende Reize besitze (ADHS wird ja nachgesagt, dass Betroffene nach solchen Reizen "haschen") oder ob es mich letztendlich gar nicht betrifft und dies einfach eine Begleiterscheinung des Burnouts war.


      "Schwierigkeiten im Umgang mit sich selbst;
      Entweder geht man sich selbst einfach “nur” auf die Nerven, oder dieses Problem geht so weit, dass man nicht mehr richtig dazu in der Lage ist, sich wie sonst üblich regelmäßig zu waschen und pflegen.
      "

      Wenn man "auf die Nerven gehen" mit "Unzufriedenheit mit sich selbst" übersetzen kann, dann bestätigt das sicher der Ausgangspost, 2018 habe ich damit noch kein Problem gehabt, im Einklang war ich mit mir jedoch nicht.
      Körperpflege ist damals wie heute ein schwieriges Thema für mich, mittlerweile habe ich mir zum Ziel gesetzt, jeden zweiten Tag zu duschen, doch auch das klappt nicht immer, aber wesentlich besser, damals habe ich unter der Woche überhaupt nicht geduscht oder mich anderweitig gepflegt, ich sah darin keinen Sinn, jegliches Selbstwertgefühl hatte man mir bereits in der Schulzeit genommen.


      "Sprachverlust oder selektiver Mutismus;
      Hier ist wichtig, zu unterscheiden, ob selektiver Mutismus nicht auch ohne das Autistische Burnout vorliegen würde!
      "

      Auch wenn mir die Kommunikation nicht immer leicht fällt, zähle ich mich nicht dazu, auch mir bleibt manchmal "das Wort im Halse stecken", das ist aber eher die Ausnahme.


      "Ständiger Erschöpfungszustand
      "

      Wochenenden und Urlaube erscheinen mir oftmals deutlich zu kurz, da sie damals wie heute nicht dazu ausreichen, um mich vollständig zu erholen. Zurzeit komme ich auf Arbeit weitgehend klar, weil das Pensum in der Ausbildung bisher noch nicht allzu hoch ist, das sah 2018 ganz anders aus, am Anfang habe ich die Wochen gut abspulen können, mit der Zeit habe ich mich bereits am Wochenanfang kraftlos und wochenendreif gefühlt, ein Grund, weshalb ich 3 Wochen vor Schluss verzweifelt zusammengebrochen bin, obwohl das Ende so nah war, wusste ich nicht, wie ich diese Zeit überstehen soll, praktisch hatte ich keine Reserven mehr übrig.


      "Krankheiten häufen sich sowie auch körperliche Beschwerden;
      Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, … Ein Arzt würde vermutlich feststellen, dass sie psychosomatischer Natur sind, es also keine zugrundeliegende körperliche Krankheit gibt."

      Kann ich bestätigen, man suchte damals bereits nach einer körperlichen Ursache durch Blutentnahme, gefunden wurde nichts. (Ich schätze, dass der Hausarzt deshalb die Behandlung durch einen Psychologen empfohlen hat.)


      "Gedächtnisverlust/Amnesie
      "

      Wie im Ausgangspost geschildert, habe ich oft das Gefühl, dass ich mir nur Dinge merken kann, indem ich andere Informationen verwerfe, ob die Probleme damals auftraten, kann ich nicht beantworten, da die Arbeit keine gute Gedächtnisleistung erforderte. (Mein Gedächtnis würde ich generell als nicht sonderlich gut einschätzen, das ist jedoch eine rein subjektive Wahrnehmung, Tests habe ich selbst noch keinen gemacht. (abgesehen von der Diagnostik im Kindesalter, daran erinnere ich mich allerdings nicht)


      "Spiegeln funktioniert nicht mehr richtig;
      Die autistische Person fällt hier trotz gut eingelernter sozialer Interaktion schnell als andersartig auf und reagiert unter Umständen empfindlicher auf missverstandene Interaktion(en). Betrifft insbesondere die Mädchen! (Jungs neigen nicht so stark dazu, das Gegenüber zu spiegeln.)
      "

      Vom Spiegeln erfuhr ich erst, als ich mich etwas genauer mit Autismus auseinandergesetzt habe. (Hier fehlt eine objektive Bewertung)


      "Vereinzelt hohe Leistungsfähigkeit"

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich dies richtig auffasse, damals konnte ich wenigstens "den Schein wahren", als meine Leistung durch Coaching analysiert werden sollte, dann konnte ich auch mehr Leistung aufbringen, als zu dem Zeitpunkt eigentlich möglich, lange durchhalten konnte ich dies jedoch nicht. Gegenwärtig bin ich jedenfalls der Meinung, dass meine allgemeine Leistungsfähigkeit weit hinter dem zurück bleibt, was als junger Mensch eigentlich möglich sein sollte, ungeachtet dessen, dass dieser Anspruch unrealistisch ist.


      "Unlust, dem Spezialinteresse nachzugehen"

      Schwer zu sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt ein solches Spezialinteresse besitze oder zumindest schon besaß, mit Astronomie konnte ich mich damals lang und vor allem aufmerksam beschäftigen, das Erlernen von neuen Inhalten fiel mir zudem verhältnismäßig leicht. Ich habe lang und gern anderen Menschen in meinem Umfeld davon erzählt, ungeachtet dessen, ob diese das Thema überhaupt interessiert. Die Begeisterung für Astronomie besteht auch heute noch, beschäftigt habe ich mich damit im letzten Jahr allerdings nicht. Ich glaube, dass ich mich zum Anfang zu sehr gesättigt habe, sodass mir mittlerweile die Lust daran vergangen ist. Im Bereich von ADHS gibt es allerdings den Begriff "Hyperfokus", dieser ermöglicht ebenfalls ein langes studieren von Inhalten oder Ausübungen von Tätigkeiten. Was wirklich auf mich zutrifft, kann ich leider nicht beantworten, damit ebenso die Frage, weshalb ich diesem Interesse nicht mehr nachgehe, obwohl es mich immer noch begeistert.


      Gemessen an den Anzeichen aus dem verlinkten Artikel, gibt es durchaus Dinge, die dafür sprechen könnten, aber auch einige Dinge, die dagegen sprechen. Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob diese Symptome tatsächlich so typisch für ein autistisches Burnout sind, wie es dieser Artikel impliziert. Letztendlich kann ich das für mich nicht klären, das sollte jedoch auch nicht das Ziel sein, sonst würde man keine Diagnosestellen benötigen.
      Ich hoffe, dass ein solches Erlebnis wie 2018 nie wieder vorkommt, zugleich habe ich davor jedoch sehr große Angst, weil ich ohne Berufserfahrung nicht sagen kann, ob mir der Job einfach nicht lag oder ob ich ein generelles Belastungsproblem habe. Anzeichen zeigen sich auch heute, wobei die tatsächliche Belastung noch deutlich geringer ausfällt, sicher liegt es auch daran, dass so gut wie keiner von meinen Defiziten weiß, von mir wird somit die Leistung eines "normalen" Menschens gefordert, mit Verständnis könnte ich bei einem Outing wohl nicht rechnen.
      Das sehe ich als riesiges Problem, einerseits, wenn möglich, würde ich in meinem Ausbildungsbetrieb bleiben wollen, damit ich nicht in die Arbeitslosigkeit falle, andererseits kann ich nicht auf Verständnis hoffen (da ich mittlerweile die Strukturen und die Menschen im Unternehmen kennengelernt habe, kann ich meiner Meinung nach nicht mit Verständnis rechnen).


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    • namenlos wrote:



      Gemessen an den Anzeichen aus dem verlinkten Artikel, gibt es durchaus Dinge, die dafür sprechen könnten, aber auch einige Dinge, die dagegen sprechen. Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob diese Symptome tatsächlich so typisch für ein autistisches Burnout sind, wie es dieser Artikel impliziert.




      Hallo,
      aus NT-Sicht dachte ich beim Lesen der aufgeführten von Dir in Fettschrift aufgeführten Punkte ebenfalls, dass sehr viele auch bei einem gewöhnlichen (also nicht autistisch bedingten) Burn-Out vorkommen und ebenfalls bei vorhandenem Traumamaterial (also, wenn Traumata aus der Kindheit vorhanden sind und das Unterbewusste beginnt sie zu verarbeiten und auch teilweise noch unterdrückt). Das Unterdrücken von Traumamaterial zum Beispiel kostet extrem viel Energie die dann an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung steht. Und auch belastende Situationen können das verursachen. Dann kann die Konzetration nachlassen, man hat für einfachste Dinge keine Kraft mehr, alles ist zu viel, es stressen Geräusche, Menschenansammlungen etc.

      Ich habe eine Frage, die Du natürlich nicht beantworten musst die mich aber interessieren würde. Du hast von Deinem SI erzählt (oder die Frage danach behandelt) und bei mir kam folgende Frage dazu auf wie das bei Dir ist: fühlst Du dann manchmal bei der Idee Dich mit etwas zu befassen (das kann Lesen oder auch praktische Tätigkeit sein) so ein starkes Gefühl der Begeisterung und Freude es einfach zu tun?

      Ich stelle die Fage weil es bei mir so ist und, wenn dieses Gefühl da ist, dann kann mich auch kaum etwas abhalten es einfach zu tun...also dann haben Gedanken, dass ich es vielleicht nicht kann oder es nicht perfekt hinbekommen werde oder ich zu wenig Wissen habe usw. gar keine Chance, dann tue ich es einfach. Dieses Gefühl kommt aber in stressigen Situationen oder kam während meiner Traumabearbeitung nicht in mir hoch. Ich habe für mich festgestellt, dass es ein enormer Antrieb ist, dieses Gefühl zu spüren und je besser es mir insgesamt geht, desto öfter kann ich es spüren. Und je mehr Abwertungen meiner selbst (Selbstwertgefühl) ich in mir bearbeiten konnte umso öfter kommt es in mir wieder hoch. Es klang für mich ein wenig beim lesen so, als hättest Du diese Begeisterung für die Astronomie noch in Dir, kannst sie aber nicht abrufen oder sie ist momentan etwas 'verschüttet'?
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • namenlos wrote:

      Ich mache zwar noch Dinge in meiner Freizeit, Computerspiele, seltener Serien und Filme, aber das füllt mich nicht mehr aus, ständig frage ich mich selbst, warum ich die Zeit nicht sinnvoller nutze und so kann ich auch nicht lang bei einer Tätigkeit verweilen, weil es mir kein gutes Gefühl vermittelt. Leider ist es so, dass mich Kultur und Politik nur bedingt interessieren, also bleibt in der Regel auch nichts hängen. Genau das ist es aber, was ich gern ändern würde, ich würde mich gern etwas mehr intellektuell bilden, weder allgemein, noch individuell gelingt mir das in letzter Zeit.
      Eine Idee dazu, dass du gern politisch und kulturell "gebildeter" (oder mehr "auf dem Laufenden"?) wärst: Du könntest dir ein konkretes Ziel setzen, zum Beispiel: Jeden Tag zwei Artikel zum tagespolitischen Geschehen aus Zeitung X lesen und einen Artikel aus dem Kulturteil. Danach kannst du dich dann ruhigeren Gewissens den interessanteren Dingen des Lebens widmen, ob produktiv oder nicht.

      Ich nehme übrigens in der dunklen Jahreszeit Vitamin D- Supplemente auch ohne meinen Spiegel konkret zu kennen. Überdosierung ist in unseren Breiten mit moderat dosierten Nahrungsergänzungsmitteln kaum möglich. Auch eine Tageslichtlampe kann gegen den "Winter-Blues" helfen.

      Konzentriere dich auch auf deine Stärken, nicht nur auf deine Schwächen! Vielen hilft es gegen Niedergeschlagenheit, sich jeden Tag die Zeit dafür zu nehmen, sich drei (oder mehr) gute Dinge im Leben ins Bewusstsein zu rufen. Neben den eigenen Stärken auch andere Dinge, für die man dankbar ist. (Aber ich weiß, je stärker man schon "drinsteckt", desto schwieriger ist das...)
    • Ich schrieb:
      "Du schreibst doch völlig nachvollziehbar und folgerichtig und gut lesbar. Mit der deutschen Sprache hast du jedenfalls schon mal keine Probleme!"

      Dann diese Antwort:

      namenlos wrote:

      Das gelingt mir aber auch nur mit Korrekturlesen und Verbesserungen, an dem Ausgangstext saß ich 3 Stunden.
      Ja, dann kann ich dich natürlich gut verstehen.
      Du bringst also nicht nur sehr viel mehr Energie auf als durchschnittlich nötig ist, sondern auch viel mehr Zeit ....

      Ich hoffe, du bekommst noch viele Tipps, wie du sie dir gewünscht hast. Ausprobieren und was gut klappt beibehalten (bzw. anfangen!).

      Ich habe meine generelle Unwissenheit vor ei nigen Jahren aufpoliert, in dem ich den Inhalt einer Nachrichtensendung bewusst gehört und anschließend zusammengefasst wiedergegeben habe. Egal ob laut, leise oder schriftlich. So habe ich geübt, besser hinzuhören und bewusster hizuhören und ich habe auch gelernt, was mich interessiert und was nicht. Außerdem fielen mir so die reichlich vorhandenen Merkwürdigkeiten auf, dass zum Beispiel ein Unglück weltweit mehr Aufmerksamkeit bekommt als ein langsamer Abrutsch der Mittelschicht in einkommensschwache "Sumpfgebiete" der Gesellschaft.
      Jaja!
      Alte Ungerechtigkeiten bleiben und neue kommen dazu. Wer etwas Schönes möchte, muss es selber schaffen oder ganz doll danach suchen.....also viel Erfolg!
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Ich habe mich über das Wochenende erneut mit der ganzen Thematik aus dem Ausgangspost beschäftigt und versuche mich einfach mal an einer Begründung für das jetzige Problem. Ich habe mir den ein oder anderen Bericht über ADHS in der Schulzeit durchgelesen und bin mir relativ sicher, dass so gut wie alle aktuellen Probleme auf klassichen ADHS-Symptomen beruhen. Leider finde ich den Link zu einem, meiner Meinung nach, sehr gut geschilderten Artikel nicht. Die Person hat dabei die komplette Schulzeit aus seiner Sicht reflektiert. Dabei schilderte er, wie er oftmals in der Stunde in den Gedanken versank und erst kurz vor dem Ende wieder aus diesem Zustand erwachte, wie er durch Geräusche in seiner Konzentration gestört wurde, wie er oftmals Stunden zu Hause verbrachte, um den Stoff aufzuarbeiten und somit von Gleichaltrigen isoliert wurde, wie er Kräftemessen, Machtspiele und necken unter Jungs nicht verstand. Das sind Dinge, die ich nahezu 1:1 bestätigen kann, bei mir paart sich Lernen oftmals mit Prokrastination und Ablenkung, dann wird es schon klarer, weshalb man keine Zeit für andere Dinge im Leben findet, weshalb man dafür keine Kraft mehr aufbringen kann und weshalb die sozialen Kontakte kaum gepflegt werden. Anscheinend ist das große Problem, dass ich mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht sinnvoll, gleichmäßig und ausdauernd umgehen kann. Sicher ist es ebenfalls kein Wunder, dass man zunehmend eine Abneigung zum Lernen entwickelt, niemand macht gern Dinge, die eine enorme Kraft erfordern, ohne eine gleichwertige Gegenleistung (oder Bestätigung) zu erhalten. Weshalb soll ich mich isolieren und jeden Tag 6 oder mehr Stunden zu Hause Stoff nachholen oder Hausarbeiten verrichten, den/ die normalen Menschen in einem Bruchteil der Zeit erledigen?
      Gleichzeitig bin ich jedoch sehr ehrgeizig und möchte eigentlich auf nichts verzichten müssen und habe den Anspruch gefasst, dasselbe Pensum wie meine Mitschüler zu schaffen und das so gut wie möglich. An meinem Lernverhalten habe ich nichts geändert, das Erlernen neuer Inhalte ist nach wie vor sehr zermürbend und kraftfordernd, verzichten möchte ich dennoch nicht. Das ist natürlich in einer Weise paradox, wie ich letztendlich geschafft habe, mit dieser Art einen guten Realschulabschluss abzulegen, darüber kann ich nur spekulieren. Die guten Noten haben mich in meiner Weise bestätigt, das Lernsystem und meine generelle Einstellung zum lernen habe ich deswegen nicht hinterfragt. Fiel die Note mal nicht so aus wie erwartet, je nach Fach konnte das bereits eine 2 sein, dann war ich jedes Mal am Boden zerstört, das ging oft mit heftigen Gefühlsausbrüchen einher, immerhin hatte ich "versagt", immerhin habe ich die an mich gestellten Anforderungen nicht erfüllen können. Gerade dieser Punkt macht mich stutzig. Ich las mein Zeugnis aus der 1. Klasse und bereits dort war es ersichtlich, dass ich sehr hohe Anforderungen an mich selbst stelle, dass ich mir selbst enorm Druckt mache, zu hohe Anforderungen, zu viel Druck. Zu wissen, dass dieses Problem bereits im Alter von 6 Jahren bestand und mich nach wie vor begleitet, nahm mich sehr mit. Wenn ich sowieso im Kindesalter therapiert wurde, auch stationär und das Problem bekannt war, weshalb hat man daran nicht gearbeitet? Abgeleitet bedeutet das für mich, dass ich selbst meine Leistungsfähigkeit nicht einschätzen kann, ich konnte und kann meine Kraft nicht verwalten, weil mir das Gespür dafür fehlt. Das diese Lernmethode nicht ewig Erfolg bringen kann, merke ich wahrscheinlich nun immer mehr, die Themen werden langsam spezifischer, weitaus nicht so oberflächlich und erfordern einfach auch die nötige Geduld und Lernbereitschaft, die ist jedoch nicht vorhanden, lernen ist negativ behaftet, wird immer mehr als Zwang betrachtet.
      Als Beispiel fällt mir das Erlernen einer Programmiersprache ein. Ich befinde mich zwar noch in der Ausbildung, habe also noch nicht alle Grundlagen vermittelt bekommen, aber theoretisch liese sich auf den bereits erlernten Wissen aufbauen und mit ein wenig Fleiß, könnte man hier sicher auch bereits kleinere Erfolge erzielen.

      Auf Anhieb kann ich mich an folgende Inhalte erinnern: "grundlegende Programmstruktur; Datentypen; einfache Berechnungen und Ausgaben; Operatoren; Verzweigungen if, switch-case; Schleifen while, do-while, for; Arrays; Sortieralgorithmen; Funktionen, Referenzen; einfache Programmbibliotheken, Zeiger (bisher nicht verstanden); Konstrukte, Methoden und Attribute". Darüber hinaus habe ich neben der Berufsschule durch ergänzende Bildungsangebote auch bereits ein paar grafische Erfahrungen mit Windows Forms in C# sammeln können.
      Dies ist eine Wiedergabe aus meinem Gedächtnis, bis auf die Zeiger habe ich diese Elemente nachvollziehen und für sich korrekt anwenden können, einen sinnvollen Anwendungsfall bekäme ich damit nicht hin, Beispiel: Mit den gegebenen Kenntnissen, bin ich immer noch unfähig, so etwas Einfaches, wie die Uhrzeit in einem Terminal auszugeben, noch nicht einmal in einer speziellen Darstellung, z.B. hexadezimal oder binär. Das frustriert mich ungemein, die Grundlagen wurden prinzipiell vermittelt, um einfache Dinge verstehen und selbst schreiben zu können, fremden Quellcode kann ich dennoch nur schwer lesen und wenn überhaupt, dann nur Bruchteile verstehen.

      Als FIS stellt das auch keinen Anwendungsfall dar, den ich unbedingt beherrschen muss, aber das Problem lässt sich übertragen, ich bin unfähig, mein Wissen, das ich sowieso als oberflächlich und unzureichend ansehe, produktiv zu nutzen. Mit irgendwelchen Dokumentationen aus dem Internet schlage ich mich auch nicht gern herum. Ein gutes Beispiel wäre hierbei eine Manpage unter Linux, ich stelle an mich den absolut sinnfreien Anspruch, dass ich mir jeden Befehl und jeden Parameter einpräge, mir kommt es nicht in den Sinn, dass solches Wissen teilweise von vielen Personen zusammengetragen wird, ich sehe dies in den Situationen einfach nicht. Ich fühle mich einfach erschlagen, es strengt mich an, dass ich mich durch einen ganzen Text durcharbeiten muss, um für mich den passenden Anwendungsfall zu finden und selbst dann bin ich nicht zufrieden, wenn ich die Lösung finde, in der Zeit des Internets gibt es für nahezu jedes Problem, welches mich treffen könnte, eine passende Hilfestellung, aber diese Anleitungen beschreiben dann meist unzureichend oder gar nicht, weshalb etwas so ist wie es ist oder dies erfordert weiter spezifisches Fachwissen, dies ufert immer weiter aus. Dieses Ausufern finde ich dann noch weitaus schlimmer. Immer wieder höre ich Menschen, die sich beklagen, dass man nachdenken soll, was man tut und weshalb man dies tut, ich geben ihnen dabei auch recht, das hört sich ja auch richtig an, aber mich strengt es einfach nur an, mir macht es keinen Spaß und meist breche ich solche Tätigkeiten recht schnell wieder ab, ein ausdauerndes Arbeiten an einem Projekt über mehrere Wochen oder gar Monate, kann ich mir nur schwerlich vorstellen. Geschafft habe ich dies über mehrere Wochen auch schon. Das waren Themen, die mich interessiert haben und die einen gewissen Ehrgeiz in mir geweckt haben, trotz Rückschlägen am Ball zu bleiben, aber realistisch betrachtet, habe ich nicht 4 Wochen damit verbracht, weil der Inhalt so komplex war, sondern weil ich so viel Zeit benötigt habe, um überhaupt eine einigermaßen brauchbare Lösung zu bauen, tiefgründig verstanden, habe ich es dennoch nicht.

      Ich kann nicht erwarten, dass "mir alles passend vorgekaut wird", damit ich es schnell und einfach verarbeiten und anwenden kann, diesen Anspruch kann man für Fachwissen auch überhaupt nicht haben. Ich habe öfters das Gefühl, dass ich grundlegend imstande bin, gewisse Verhaltensweisen zu reflektieren, aber umsetzten kann ich davon nichts oder zumindest nicht langfristig. Liegt es daran, dass ich diese Dinge auf eine Weise nicht verstanden habe, die eigentlich nötig wäre, um das vermeintlich Erlernte anzuwenden? Oftmals wird gesagt, dass der Bauch etwas anderes fühlt und sagt, als der Kopf, analog dazu wäre es so, dass eine Seite meines "Kopfes" (Gehirns) in der Lage wäre, aber die andere Seite davon nichts wissen möchte, "Mein Kopf sagt mir etwas anderes, als mir mein Kopf sagt." - Genau so fühle ich mich gerade.

      Ich gehe nicht davon aus, dass ich alle Probleme erfasst habe, die die aktuelle Lage auszeichnen, aber ich bin sicher, dass etwas Wahres dahintersteckt.


      Bleibt die Frage: Was kann ich tun, damit ich mein Verhalten und meine Einstellung nachhaltig ändern kann?

      Ich sehe mich zwar mittlerweile nicht mehr als "gesunden" oder "normalen" Menschen, fühle mich aber auch nicht in einem Maß "behindert" oder "unnormal", als das ich ein Leben in Betreuung verbringe und irgendeiner monotonen Arbeit in einer Behindertenwerkstatt nachgehe oder schlimmer: als Berufsunfähig eingestuft werde. Das ist eine große Sorge, ich sehe mich aber immer weiter dorthin abdriften, ich möchte keinen monotonen Beruf, ich möchte nicht berufsunfähig oder arbeitslos sein. Welchen Sinn hat das Leben, wenn ich nur am Leben bin?

      The post was edited 3 times, last by namenlos ().

    • Turtle wrote:

      Eine Idee dazu, dass du gern politisch und kulturell "gebildeter" (oder mehr "auf dem Laufenden"?) wärst: Du könntest dir ein konkretes Ziel setzen, zum Beispiel: Jeden Tag zwei Artikel zum tagespolitischen Geschehen aus Zeitung X lesen und einen Artikel aus dem Kulturteil. Danach kannst du dich dann ruhigeren Gewissens den interessanteren Dingen des Lebens widmen, ob produktiv oder nicht.
      Das würde sicherlich nicht funktionieren und nur zu zusätzlichen Frust- und Schuldgefühlen führen.

      Es fehlt die intrinsische Motivation, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Für eine extrinsische Motivation müssen soziale Verstärker für das Verhalten da sein, damit es immer wieder genügend belohnt wird. Scheint bei dem, was er bisher beschrieben hat, nicht vorhanden zu sein. Zudem sind Tätigkeiten, die auf extrinsischen Motiven basieren, genau das, womit AD(H)Sler extreme (!) Probleme haben. Während der Handlung (Beispiel: Einen Zeitungsartikel zu Ende lesen) sprudelt es nur so vor Impulsen, die einen darin hindern, die Tätigkeit zu Ende zu bringen, vor allem wenn das erwartete Belohnungsgefühl zu gering ist (Dopamin is a bitch). Zwingt man sich doch dazu, die Handlung abzuschließen (das Handlungsziel zu erreichen), hat man unglaublich viele Ressourcen verschwendet und ärgert sich fürchterlich darüber. Das ist alles andere als sinnvoll.

      Ich finde eh es ist ein total affiges Ziel, gerade wenn es so übelst weit weg von sich selbst, seiner Identität und seinen Bedürfnissen ist. Es wird Gründe dafür geben, wieso er im politisch-kulturellen Bereich gebildeter sein möchte (wahrscheinlich soziale Ängste und geringer Selbstwert). Diesem Bedürfnis nachzugeben bzw Lösungen dafür zu erzwingen, wäre aber total dysfunktional und destruktiv, es würde ihn nur von sich selbst entfernen, während der geringe Selbstwert bleibt oder sogar noch weniger wird.

      Bei AD(H)S basiert wahrscheinlich eh das meiste auf unbewussten Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen (die aber nicht wahrgenommen werden können, weshalb Therapien in die Richtung schon zum Scheitern verurteilt sind), die für die starken inneren Impulse (innere Reizüberflutung, Gedankenflut, körperliche Unruhe) sorgen, sodass es enorm kräftezehrend ist, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Das kann man kaum direkt beeinflussen. Selbstakzeptanz kann da ein erster Schritt sein. Auch die Akzeptanz der Depressivität, der inneren Leere, der Ohnmachtsgefühle. Man kann dafür nichts, es ist Ausdruck einer nicht behandelten Störung (Again: Dopamin is a bitch). Wenn man das schafft, kann Methylphenidat helfen, seine eigenen Ängste besser wahrzunehmen. Muss man aber sehr behutsam und verantwortungsbewusst angehen (Panikattacken und dissoziative Zustände sind da nicht unüblich). Ideal wäre es mit therapeutischer Begleitung. Die ist aber in diesem Bereich sehr rar.

      Empfehlenswert dazu sind auch Artikel zum Thema "Coping bei ADHS". Einfach mal googeln. "Adhspedia" hat mir da bisher am meisten weitergeholfen.
    • Und ergänzend @namenlos: Du machst doch was aus deiner Intelligenz. Du schreibst hier diese Beiträge in dieses Forum und versuchst, dir selbst zu helfen. Diese Beiträge lesen sich aus meiner Sicht sehr detailliert, reflektiert und intelligent. Du hast eine Motivation. Du beschäftigst dich mit dir selbst und deiner Situation. Scheinbar auch mit Psychologie im allgemeinen und AD(H)S im speziellen. Das kannst und darfst du ruhig als Spezialinteresse betrachten. Und das kann man als etwas wertvolles betrachten. Nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere, die das hier lesen, sich in deinen Beschreibungen wiederfinden und verstanden fühlen.
    • namenlos wrote:

      Ich las mein Zeugnis aus der 1. Klasse und bereits dort war es ersichtlich, dass ich sehr hohe Anforderungen an mich selbst stelle, dass ich mir selbst enorm Druckt mache, zu hohe Anforderungen, zu viel Druck. (...) Abgeleitet bedeutet das für mich, dass ich selbst meine Leistungsfähigkeit nicht einschätzen kann, ich konnte und kann meine Kraft nicht verwalten, weil mir das Gespür dafür fehlt.
      Auch wenn das vielleicht nur bedingt oder gar nicht zur Ausgangsfrage beiträgt, finde ich es erstaunlich, wie früh bestimmte Glaubenssätze in dir verankert gewesen waren. Ich hatte die Probleme nie, dass ich während der Unterrichtsstunden wegdriftete etc., meine Aufmerksamkeit war immer extrem hoch, was auch mit gesteigerter Wachsamkeit zu tun hat (ich habe kein AD(H)S, sondern Autismus und eine komplexe PTBS plus Depressionen). Somit kann ich mich nicht wirklich in deine Situation einfühlen, aber dein Hinweis auf diesen extremen Druck finde ich auffällig.
      Könnte es sein, dass dieses Wegdriften (klingt ja fast schon wie ein Dissoziieren) ein Mittels deines Gehirns/deiner Seele ist, um diesem unbarmherzigen Druck zu entkommen? Für mich wäre die Reaktion nur verständlich, denn schon beim Lesen der Zeilen stellt sich bei mir ein Bild einer Eisenplatte ein, die auf dir lastet und dich erdrückt. Wie soll man denn unter dieser Umständen aufmerksam sein können und ins entspannte Tun kommen?

      Ein weiterer Gedanke ist (vermutlich auch aufgrund von Parallelen zu mir selbst), ob die Annäherung an das Problem bzw. die Auflösung der Schwierigkeiten dadurch erreicht werden könnte, dass du die Leistungsanforderungen etwas vernachlässigst (auch wenn das womöglich Angst auslöst) bzw. diese dann vernachlässigst, sobald du dir ein weiteres 'Standbein' der Identität aufgebaut hast. Du schreibst, dass du deine Leistungsfähigkeit nicht einschätzen kannst. Kannst du einschätzen, was du brauchst? Was dir gut tun würde? Was du willst im Leben? Vielleicht hilft es, dahingehend die eigene Identität zu vertiefen?

      Ich vertrete seit der Beschäftigung mit bestimmten Themen die Theorie, dass es bei Autisten zu einer mangelnden Spiegelung ihres Selbst gekommen sein könnte (sei es, weil die Eltern unfähig waren, das Kind zu spiegeln; sei es, weil die Gehirnstruktur so ausgebildet ist, dass die Prozesse der Spiegelneuronen nicht korrekt arbeiten). In der Folge könnte es zu einem fehlenden Bezug zum eigenen Selbst gekommen sein. Zur Stabilisierung werden von den Betroffenen Maßnahmen herangezogen, die sich im Außen befinden, wie z. B. Routinen, Zwänge, Spezialinteressen, hohe Leistungsbereitschaft. Meine Idee ist, dass man über den Fokus auf den Körper die fehlenden Spiegelungserfahrungen nachholt und sich gleichzeitig intensiv mit dem beschäftigt, was man selbst an Bedürfnissen hat und wie man sich diese erfüllen könnte.

      Vielleicht kannst du mit diesen Ideen etwas anfangen. Ich hatte den Eindruck, dass die Fragen, die du stellst, sich eher im Außen bewegen (Kollegen auf der Arbeit, Wissen, wie kann man etwas bezwecken?), aber irgendwie spürbar ist, dass es um dein Innerstes geht. Sollte ich mit meiner Einschätzung daneben liegen, möchte ich mich entschuldigen, falls ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt habe.

      Zur Untersuchung bestimmter Blutwerte kann ich nur aus eigener Erfahrung berichten, dass man genau verlangen muss, was untersucht werden soll, sonst wird in der Regel nur ein sogenanntes kleines oder großes Blutbild gemacht, aus dem man nicht wirklich viel ablesen kann. Ich hatte damals ganz gezielte Untersuchungen verlangt. Auch bei Vitamin D gibt es mehrere Werte auf die hin überprüft werden kann. Genauso beim Eisenmangel. Auch andere Spurenelemente können da wichtig sein. Ich habe das aber leider nicht mehr auf dem Schirm. Damals hatte ich mich exzessiv damit beschäftigt.
      Mittlweile bin ich eher der Meinung, dass auffällige Blutwerte halt ein Ausdruck des Körpers sind, dass etwas nicht stimmt, aber dass es nicht zielführend ist, bei z. B. geringer Transferrinsättigung einfach ein paar Eisentabletten einzuwerfen, weil dann beim nächsten Bluttest vielleicht die Eisenwerden wieder normal sind, dafür ist dann was anderes aus dem Gleichgewicht geraten. Dafür ist der Mensch mit seinen diversen Systemen einfach zu komplex.
      Meiner Meinung nach ist die Beschäftigung mit der eigenen Psyche weitaus hilfreicher, als zu versuchen, diese Werte in den Griff zu bekommen. Also statt Vitamin D zu supplementieren, an den Ursachen der Depressionen arbeiten oder die Ernährung und allgemeine Lebensweise umstellen. Das mag nicht auf alle Leiden zutreffen, aber ich halte es für sinnvoll, über diesen alternativen Ansatz nachzudenken. Aber vielleicht braucht man manchmal auch einfach einen "Laborbeweis", dass im eigenen Körper/der eigenen Psyche etwas nicht stimmt, weil man selbst gar nicht gelernt hat, auf die eigene Wahrnehmung zu vertrauen. Ich glaube, dass das bei mir früher so war. Der Labortest sollte dann vermutlich die Funktion erfüllen, zu sagen "seht her! Mir geht es wirklich schlecht. Hier steht es schwarz auf weiß!". Auch ein Ausdruck meiner starken Fokussierung auf beweisbare Werte im Außen und Wissenschaft und dem Vernachlässigen der eigenen Wahrnehmung und der eigenen Bedürfnisse.

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