Pathological Demand Avoidance

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    • Ich bin auch in einer facebookgruppe zum Thema Kinder und Asperger. Dort gibt es den Hinweis auf die "PDA Society in UK". Dort gibt es auch oft die Diagnose ODD, oppositional defiant disorder. Mein Kind hat noch die Diagnose ADS.
      Ich glaube aber, dass all die beschriebenen Verhaltensmuster durch den Autismus begründet sind. Er führt eben zu so viel sozialem Stress, dass es zu Verhaltensauffälligkeiten kommt.
    • Ich habe jetzt nicht alles gelesen aber das erste woran ich denken musste war ein Interview mit einem Psychiater in dem dieser sich beschwerte dass die Amerikaner dazu neigen ständig neu Syndrome zu erschaffen um jeder noch so weit verbreiteten menschlichen Schwäche einen medizinischen Namen zu geben und man da nicht irgendwann an einem Punkt ankommt an dem diese Pathologisierung nicht mehr primär der Verminderung von Leidensdruck und Gewährleistung einer grundlegenden Funktionalität sondern der Disziplinierung zu einer gesellschaftlich gewollten auf höchstmögliche Produktivität ausgelegten Grundhaltung dient. Nicht jede Schwäche ist einzeln behandlungsbedürftig und man sollte nicht den Fehler machen noch mehr Label als Form der Selbsterkenntnis zu verstehen, ich verstehe nicht so recht inwiefern diese Idee jetzt Autismus besser verständlich machen soll oder einen neuen Aspekt davon aufzeigen soll der nicht ohnehin schon in vorherigen Begriffen enthalten war.

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    • Ich habe zufällig was darüber gelesen, und zwar in "Die vielen Farben des Autismus": Unterschiede zum Autismus sind demnach,
      - dass Belohnungen und Strukturierung weniger gut helfen,
      - in der Kindheit starke Neigung zu Rollenspielen,
      - starke Stimmungsschwankungen,
      - oberflächliche soziale Anpassung,
      - aufsässig und dominant.

      Ich finde, das klingt doch etwas anders als der typische Autist/in.

      Als Erziehungsmethode wird empfohlen, es nie zu direkter Konfrontation kommen zu lassen und nur indirekt zu Handlungen aufzufordern. Das wiederum kommt mir auch bekannt vor.
    • Illi wrote:

      Ich finde, das klingt doch etwas anders als der typische Autist/in.
      Einerseits ja. Zugleich illustriert das aber meinem Eindruck nach auch sehr gut die Problematik, die entstehen kann, wenn Autismus und ADHS gemeinsam auftreten.

      Illi wrote:

      - in der Kindheit starke Neigung zu Rollenspielen,
      Rollenspiele muss man sich, denke ich, sehr genau anschauen. Auch Tony Attwood schreibt, dass sie gerade bei autistischen Mädchen oft anders sind als beim "Durchschnitt". Realistische Szenen kommen seltener vor, häufiger sind Fantasy-Settings, die teilweise wortwörtlich aus Fernsehserien, Büchern etc. stammen. Oder es geht dem Mädchen hauptsächlich um World Building - das ist schon kreativ, aber kein freies, spontanes Spiel. Weshalb es meist auch mit Gleichaltrigen nicht funktioniert, eher mit älteren Kindern oder Erwachsenen, die auf das Kind eingehen, oder mit jüngeren Kindern, die gewissermaßen gehorchen.

      Illi wrote:

      - oberflächliche soziale Anpassung,
      - aufsässig und dominant.
      Hier halte ich für wichtig, dass das die Außensicht ist. Manche Autisten werden als frech und dreist wahrgenommen, auch, wenn sie versuchen, sich anzupassen. Einfach, weil sie ständig in "soziale Fettnäpfchen" treten und das negative Feedback anderer häufig gar nicht bemerken.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Leonora ja ich glaube, du hast Recht. Ich könnte mit vorstellen, dass diese Unterart des Autismus viel bei Mädchen vorkommt. ( angeblich 1:1 Jungen zu Mädchen)
      Ich sehe auch ein Rollenspiel, das quasi die Person und die Außenwelt völlig überdeckt.
      Frech und oberflächlich sozial, klar. Überfordert, aber bemüht, sich anzupassen.

      Ich meinte nur, es ist eine Unterart von Autismus und überschneidet sich in großen Teilen, aber es ist nicht nur ein neuer Name, sondern etwas Zusätzliches.
      Ich versuche jetzt, herauszufinden, ob es Theorien für die Ursache dieses Verhaltens gibt. Vielleicht großes Selbstbewusstsein?
    • Illi wrote:

      @Leonora ja ich glaube, du hast Recht. Ich könnte mit vorstellen, dass diese Unterart des Autismus viel bei Mädchen vorkommt. ( angeblich 1:1 Jungen zu Mädchen)
      Das denke ich auch. Mädchen werden häufig auch schon bei Verhaltensweisen als "aufsässig und dominant" wahrgenommen, die bei Jungen noch akzeptiert werden.

      Illi wrote:

      Frech und oberflächlich sozial, klar. Überfordert, aber bemüht, sich anzupassen.
      Genau, das trifft es meiner Meinung nach viel besser. Dann passt das, was scheinbar gegensätzlich aussieht, auch gut zueinander.

      Illi wrote:

      Ich meinte nur, es ist eine Unterart von Autismus und überschneidet sich in großen Teilen, aber es ist nicht nur ein neuer Name, sondern etwas Zusätzliches.
      Ich halte es eigentlich nicht für etwas wirklich Zusätzliches. Nur ist hier in der Tat ein Gender-spezifischer Blick interessant, dieser Aspekt trifft wohl tatsächlich deutlich eher bei Frauen und Mädchen zu. Und ich sehe es als recht präzise Beschreibung der eigenen Schwierigkeiten, die auftreten können, wenn Autismus und ADHS sich quasi überlagern.

      Illi wrote:

      Ich versuche jetzt, herauszufinden, ob es Theorien für die Ursache dieses Verhaltens gibt. Vielleicht großes Selbstbewusstsein?
      Ich denke nicht, dass die Betreffenden besonders selbstbewusst sind. Sie merken vielleicht nur viele "soziale Fettnäpfchen" noch nicht, zeigen noch eher ein "natürliches", nicht so stark sozial angepasstes Verhalten. Es würde mich nicht wundern, wenn die äußere soziale Anpassung bei diesem Typus mit dem Erwachsenwerden deutlich besser wird, das Selbstbewusstsein dabei aber eher sinkt. Und wenn das Vermeidungsverhalten aus einer Kombination aus schlechten Erfahrungen stammt, und dadurch, dass Autismus- und ADHS-spezifische Stärken sich quasi gegenseitig ausbremsen können und es mehr noch als bei "reinen" Autisten oder ADHSlern ganz spezielle, jeweils individuell unterschiedliche Bedingungen braucht, damit etwas funktioniert.
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    • Leonora wrote:

      Und wenn das Vermeidungsverhalten aus einer Kombination aus schlechten Erfahrungen stammt, und dadurch, dass Autismus- und ADHS-spezifische Stärken sich quasi gegenseitig ausbremsen können und es mehr noch als bei "reinen" Autisten oder ADHSlern ganz spezielle, jeweils individuell unterschiedliche Bedingungen braucht, damit etwas funktioniert.
      Dann wäre es besonders wichtig, früh eine korrekte Diagnose zu bekommen.
    • Absolut. Aber gerade die Überlagerung von Autismus- und ADHS-typischen Verhaltensweisen (wie gesagt, so wirkt die Beschreibung auf mich) kann leicht dazu führen, dass beides übersehen wird. Daher finde ich es durchaus sinnvoll, diesen Subtypus noch einmal extra im Auge zu haben, er wirkt für beide Diagnosen leicht "untypisch". Aber als eigenes Phänomen sehe ich das auch nicht.
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    • Surprised wrote:

      Mir fiel beim Recherchieren vor allem auf, dass es vergleichsweise viel englischsprachige Literatur gibt, auf Deutsch fand ich quasi nichts dazu.
      Das ist normal, denn Aussagen wie diese:

      Sisyphus wrote:

      Ich habe jetzt nicht alles gelesen aber das erste woran ich denken musste war ein Interview mit einem Psychiater in dem dieser sich beschwerte dass die Amerikaner dazu neigen ständig neu Syndrome zu erschaffen um jeder noch so weit verbreiteten menschlichen Schwäche einen medizinischen Namen zu geben und man da nicht irgendwann an einem Punkt ankommt an dem diese Pathologisierung nicht mehr primär der Verminderung von Leidensdruck und Gewährleistung einer grundlegenden Funktionalität sondern der Disziplinierung zu einer gesellschaftlich gewollten auf höchstmögliche Produktivität ausgelegten Grundhaltung dient. Nicht jede Schwäche ist einzeln behandlungsbedürftig und man sollte nicht den Fehler machen noch mehr Label als Form der Selbsterkenntnis zu verstehen, ich verstehe nicht so recht inwiefern diese Idee jetzt Autismus besser verständlich machen soll oder einen neuen Aspekt davon aufzeigen soll der nicht ohnehin schon in vorherigen Begriffen enthalten war.
      sind bei uns häufig zu lesen. Und das ist auch exakt das, was mir sofort in den Kopf kommt, wenn die Amerikaner mal wieder eine neue Diagnose, ein neues Geschlecht oder sonst irgendwas erfunden haben, was nicht unbedingt einen eigenen Namen braucht.
      Im Osten früher was es das genaue Gegenteil - psychische Diagnosen wurden vor allem als Ergebnis der Ausbeutung der Menschen in der Leistungsgesellschaft des Kapitalismus angesehen. Also gab es offiziell auch nur die ganz schweren Fälle. Der Rest wurde durch die Gemeinschaft aufgefangen und hat wenig bis keine Probleme im Alltag bereitet, brauchte also nicht unbedingt eine Diagnose. Das hat es zwar den Betroffenen deutlich schwerer gemacht, aber das Thema war dadurch auch nicht omnipräsent. Heute vermuten ja alle Eltern oder Pädagogen bei der kleinsten Auffälligkeit sofort ein buntes Sammelsurium an Störungen, die es zu behandeln gilt. Dabei wäre mehr Aufmerksamkeit und weniger Stress in vielen Fällen schon die Lösung.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Garfield wrote:

      Surprised wrote:

      Mir fiel beim Recherchieren vor allem auf, dass es vergleichsweise viel englischsprachige Literatur gibt, auf Deutsch fand ich quasi nichts dazu.
      Das ist normal, denn Aussagen wie diese:

      Sisyphus wrote:

      Ich habe jetzt nicht alles gelesen aber das erste woran ich denken musste war ein Interview mit einem Psychiater in dem dieser sich beschwerte dass die Amerikaner dazu neigen ständig neu Syndrome zu erschaffen um jeder noch so weit verbreiteten menschlichen Schwäche einen medizinischen Namen zu geben und man da nicht irgendwann an einem Punkt ankommt an dem diese Pathologisierung nicht mehr primär der Verminderung von Leidensdruck und Gewährleistung einer grundlegenden Funktionalität sondern der Disziplinierung zu einer gesellschaftlich gewollten auf höchstmögliche Produktivität ausgelegten Grundhaltung dient. Nicht jede Schwäche ist einzeln behandlungsbedürftig und man sollte nicht den Fehler machen noch mehr Label als Form der Selbsterkenntnis zu verstehen, ich verstehe nicht so recht inwiefern diese Idee jetzt Autismus besser verständlich machen soll oder einen neuen Aspekt davon aufzeigen soll der nicht ohnehin schon in vorherigen Begriffen enthalten war.
      sind bei uns häufig zu lesen. Und das ist auch exakt das, was mir sofort in den Kopf kommt, wenn die Amerikaner mal wieder eine neue Diagnose, ein neues Geschlecht oder sonst irgendwas erfunden haben, was nicht unbedingt einen eigenen Namen braucht.Im Osten früher was es das genaue Gegenteil - psychische Diagnosen wurden vor allem als Ergebnis der Ausbeutung der Menschen in der Leistungsgesellschaft des Kapitalismus angesehen. Also gab es offiziell auch nur die ganz schweren Fälle. Der Rest wurde durch die Gemeinschaft aufgefangen und hat wenig bis keine Probleme im Alltag bereitet, brauchte also nicht unbedingt eine Diagnose. Das hat es zwar den Betroffenen deutlich schwerer gemacht, aber das Thema war dadurch auch nicht omnipräsent. Heute vermuten ja alle Eltern oder Pädagogen bei der kleinsten Auffälligkeit sofort ein buntes Sammelsurium an Störungen, die es zu behandeln gilt. Dabei wäre mehr Aufmerksamkeit und weniger Stress in vielen Fällen schon die Lösung.
      Ich denke, dahinter steht eine grundsätzlich andere Sichtweise von "Störungen". Einerseits das calvinistische Weltbild, das zum Wunsch nach Selbstoptimierung führt. Andererseits auch ein Erkennen, dass jeder seine Störung hat, dass wir nicht im "Paradies" leben, sondern in einer unperfekten Welt. Und das finde ich sehr befreiend, denn ich kann das Problem benennen und dadurch mein positives Selbstbild behalten. Im Osten gab es nach meiner touristischen Sicht eher Resignation als Zufriedenheit und ein bisschen Arbeit an sich selbst schadet ja nicht.
    • Ich habe auf der verlinkten Website eine schöne Zusammenfassung gefunden. Ich verstehe es so, dass die kleinste Anforderung, der kleinste Druck, schon so eine Angst auslösen, dass es zu Verweigerung kommt. Ich sehe das jetzt sehr deutlich und dafür finde ich so einen neuen Namen auch hilfreich. Ich habe es vorher auch schon gesehen, aber nicht so gut benennen können. Auch die Tipps, wie man versuchen kann, den Druck zu umgehen, finde ich hilfreich. Vielleicht auch für andere Eltern.
      lizonions.files.wordpress.com/…tingstrategiessummary.pdf