Keine Identität?

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    • Ich bin jünger als 40 (Mitte 20) und froh über jeden Funken "Identität", den ich mittlerweile wieder spüre. "Nicht ich selbst sein", gehörte jahrelang zu meinen täglichen Gefühlen, das komplette Programm mit: verschiedene "Rollen" in der Gruppe ausprobieren, verschiedene Religionen, mehrere Therapeuten, Hobbies, Studieninteressen, Vorstellungen vom Leben.. Gefühlt habe ich sie alle durchprobiert. Auf jeden Fall viel mehr als mein kleines Routineherz wollte. Irgendwie bin ich auch dankbar dafür und verbuche es unter Lebenserfahrung, andererseits sehne ich mich nach Ruhe und Stabilität.

      Jedenfalls habe ich aktuell das Gefühl, dass mein "Ich" bei viel Ruhe und Routinen mehr zu Vorschein kommt, einfach weil ich entspannter bin. Manchmal rede ich sogar mit Leuten und fühle mich wie ich.

      Ob das ganze am Kompensieren liegt? Ich weiß nicht, ich denke manchmal, dass ich den Kick des Kompensierens brauche. Dann macht mir das Zeigen meiner sozialen Fähigkeiten auch Spaß. Aber bin das wirklich ich? Schwer zu sagen..
    • Grübler_1988 wrote:

      Beziehst du dich auf die Eigenschaften des Menschen? Also welche Eigenschaften "echt" und welche "antrainiert" sind?
      Eigenschaften. Gefühle. Gedanken, Meinungen, Typus,.....alles, was das Ich oder die Persönlichkeit umfasst.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Nein Linnea, es ist mehr das Gefühl von sein, Charakterlich, persönlich, innerlich...
      Brauchen wir also das Spiegeln, um überhaupt erst jemand zu sein? Prägt uns das so sehr?
      Als Teenager habe ich oft gespiegelt, das weiß ich jetzt, eben weil ich da auch schon nicht wusste wer ich eigentlich bin. Das Spiegeln gab mir tatsächlich einen Sinn, ich bekam dadurch eine Identität aber trotzdem bleibt das Gefühl und die Fragen, bin das wirklich Ich?
      Und das peinliche Gefühl, hoffentlich merkt keiner das ich gerade Person XY nachahme :?
    • Lilian wrote:

      ich weiß gar nicht so genau wer ich eigentlich bin. (...) Mein wirkliches Ich kenne ich im Grunde gar nicht.

      Lilian wrote:

      Ich weiß das ich eine Frau bin in den 40ern, zwei gesunde Füße, Beine, Arme, Hände, Oberkörper...
      Aber meine Persönlichkeit, das ist das worum es geht, jetzt bin ich erst darauf gekommen sorry :m(: kenne ich nicht.
      Ich frage mal provokariv: Ist das mit der Suche nach dem wahren Ich nicht auch ein riesiger Gag der Werbeindustrie? Eine Inszenierung von neoliberalen kapitalistischen Wirtschaftssystemen, wo man den Menschen einredet, jeder sei ein eigenes unverwechselbares Individuum, das zu seiner Selbstverwirklichung eben unbedingt diesen SUV braucht (den dann viele fahren), diese Outdoorjacke haben muss (mit der dann alle durch die Straßen unserer Städte rennen, obwohl sie für Expeditionen nach Sibirien und Grönland gemacht ist), diese neue Körnersorte ins Müsli zu rühren hat (Chiasamen, Amaranth-Pops und Co)?

      Haben unsere Eltern und Großeltern in den 50er und 60er Jahren nach ihren Ichs gesucht? Nein, sie haben Kohle rauf- und Asche runtergetragen, und wenn sie für Hawaii-Toast und die Beatles geschwärmt haben, dann nicht, weil sie darin ihr wahres Ich entdeckten, sondern weil es halt irgendwie cool war, ein Wort, das sie damals noch gar nicht kannten.

      Was ich meine: Wo soll es denn sein, unser wahres Ich? Wahrscheinlich da, wo frühere Jahrhunderte die Seele verankerten. Aber auch die haben wir bis heute nicht gefunden. Wenn wir so leben, dass wir jeden Tag in den Spiegel und uns selbst in die Augen schauen können, was selbst Aspies hinbekommen müssten, sprich wenn wir dem gerecht werden, was Philosophen als Moral bezeichnen und wovon wir anderen auch ohne Philosophiestudium eine Art instinktive Vorstellung haben, dann ist das doch Ich genug.

      Zu mir als Person gehört ganz viel Verschiedenes. Manchmal sind das nur Rollen, je nach sozialem Kontext, wobei ich aber auch den Verdacht habe, für mich allein noch lang nicht immer derselbe einzige FrankMatz zu sein, den es gibt. Und ich weiß nicht ob ich alle diese unterschiedlichen Facetten zu einem Ganzen (meinem Ich) zusammenschnüren möchte. Vielleicht wäre das auch ein bisschen langweilig.
      "Ein Buch muss Wunden aufreißen, ja sogar welche hervorrufen. Ein Buch muss eine Gefahr sein." (E. M. Cioran)
      In: ders., Ébauches de vertige. Gallimard 2006 (=folio 4100) (trad.: FM)

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    • Das muss doch jeder für sich selbst wissen, ob er sich mit sich im reinen und klar fühlt oder nicht.

      Ob er seine Persönlichkeit klar kennt und dadurch bejahen kann oder nicht.

      Wem das egal ist...bitteschön. ..Aber wem.nicht..der braucht etwas.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Was ist denn typisch für dein Denken? Wenn du deine Abende frei von Zwängen gestalten kannst, wie tust du es? Welche Freizeitbeschäftigungen füllen dich aus? Die Antworten darauf beschreiben schon einen Teil von dir.
    • Hendrik wrote:

      Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Was ist denn typisch für dein Denken? Wenn du deine Abende frei von Zwängen gestalten kannst, wie tust du es? Welche Freizeitbeschäftigungen füllen dich aus? Die Antworten darauf beschreiben schon einen Teil von dir.
      Was ist, wenn ich mir selbst gegenüber nicht zugegeben kann oder einschätzen kann, was ich gerne machen würde?
      Wirklich, wenn ich die Wahl habe zwischen Weihnachtsmarkt und Nachtspaziergang, hätte ich ganz lange den Weihnachtsmarkt gewählt, weil sozialer, bunter, mehr Leute, essen, obwohl mich das meistens stresst und ich Spaziergängen liebe und mich nach einem Nachtspaziergang wahrscheinlich besser fühlen würde.
    • Mugwump wrote:

      Was ist, wenn ich mir selbst gegenüber nicht zugegeben kann oder einschätzen kann, was ich gerne machen würde?Wirklich, wenn ich die Wahl habe zwischen Weihnachtsmarkt und Nachtspaziergang, hätte ich ganz lange den Weihnachtsmarkt gewählt, weil sozialer, bunter, mehr Leute, essen, obwohl mich das meistens stresst und ich Spaziergängen liebe und mich nach einem Nachtspaziergang wahrscheinlich besser fühlen würde.
      Manche Dinge will man doch, auch wenn sie einem nicht gut tun, zB Fast Food.
      Und manche Dinge will man nicht, obwohl sie einem gut tun, zB Sport machen.

      Ich finde es normal, dass man so widerstrebende Anteile in sich hat.
      Ich erkunde gerne neue Wege, Gegenden - kann mich aber nicht sehr gut orientieren. Dann gehe ich das Risiko, mich zu verlaufen, ganz bewusst ein.
      Viele Vorlieben die man hat, sind sowieso nicht absolut. Also, vielleicht sagt jemand "Ich liebe es, auf dem Weihnachtsmarkt was zu essen." Und meint damit, die Bratwurst hat ihm bisher dort sehr gut geschmeckt, oder aber er mag einfach die Gesellschaft seiner Freunde mit denen er dann dort Essen geht. Ohne Bratwurststand oder ohne seine Freunde fände er "Essen auf dem Weihnachtsmarkt" aber vielleicht sogar blöd.
    • und wenn einer sich immer wieder nicht entscheiden kann ,weil er einfach nicht weiß was er lieber hätte täte oder wollte?
      Und auch nach ausprobieren nicht recht weiß , ob das nun richtig war?
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      (Sylvia Boorstein)
    • @Linnea
      Ich würde sagen, dass es dann helfen könnte, trotzdem weiter daran zu arbeiten und auf ganz kleiner Stufe anzufangen. Gegebenenfalls auch mit Hilfe von Körpertherapie oder Ähnlichem. Denn das klingt danach, als wäre der Zugang zu einem selbst auf Wahrnehmungsebene komplett verschüttet.
      Man muss den Zugang natürlich nicht freilegen und vielleicht lebt es sich so auch einfacher, aber wenn man zu sich selbst finden will, würde ich das so probieren.
    • @FrankMatz
      Ich glaube, die meisten hier verstehen unter dem eigenen Ich bzw. der eigenen Persönlichkeit nicht das Aufmotzen durch einen SUV oder eine Outdoorjacke. Zumindest mir geht es um etwas gänzlich Entgegengesetzes, nämlich das eigene Wesen. Ich glaube, damit kann nicht jeder etwas anfangen.

      Gerade die Lebenseinstellung der Nachkriegszeit war geradezu lebensfeindlich in Hinblick auf die eigene Identität. Da galt wirklich vorwiegend "Funktionieren". Diese Generation hat ihr Leben damit überstanden, aber das, was sie den folgenden Generationen damit überlassen haben, ist meiner Meinung nach verheerend. Denn gerade durch dieses vollkommene "sich selbst verleugnen" kam es meiner Meinung nach zu Identitätsverlusten, die sich bis in die aktuellen Generationen durchziehen. Da sind der SUV und die Outdoorjacke ein ziemlich aussichtsloser Versuch, denn Identität ist weder im Funktionieren, noch im Besitzen zu finden. Allenfalls eine Scheinidentität. Da würde ich auch fast sagen "dann lieber gar keine Identität", aber es gibt auch ein wirkliches Ich in jedem Menschen. Ich glaube, dass man den Weg dahin finden kann. Vielleicht kommt man nie ganz dort an, aber für meinen Teil möchte ich diesem Ich näherkommen.

      Das kann aber jeder machen, wie er will. Ich möchte nur betonen, dass das eigene Ich meiner Meinung nach genau das Gegenteil von Kapitalismus ist und von den Sachen, die du beispielhaft dargestellt hast.
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich glaube, die meisten hier verstehen unter dem eigenen Ich bzw. der eigenen Persönlichkeit nicht das Aufmotzen durch einen SUV oder eine Outdoorjacke. Zumindest mir geht es um etwas gänzlich Entgegengesetzes, nämlich das eigene Wesen.

      FruchtigBunt wrote:

      Identität ist weder im Funktionieren, noch im Besitzen zu finden. Allenfalls eine Scheinidentität. Da würde ich auch fast sagen "dann lieber gar keine Identität", aber es gibt auch ein wirkliches Ich in jedem Menschen.

      FruchtigBunt wrote:

      Ich möchte nur betonen, dass das eigene Ich meiner Meinung nach genau das Gegenteil von Kapitalismus ist und von den Sachen, die du beispielhaft dargestellt hast.
      Was das eigene Ich (die eigene Identität, das eigene Wesen) nicht ist, das sagst du oben. Aber du sagst nicht, worin es denn nun besteht. Und da habe ich halt so meine Probleme. Ich höre gern Jazz, ich sehe gern Filme, wie Almodóvar und Kaurismäki sie drehen, ich esse gern vegan, und wenn Fleisch, dann liebe ich Innereien, ich engagiere mich sozial, indem ich für bessere Lebensbedingungen für Menschen an/unter der Armutsgrenze kämpfe. Vereinfacht: Mein Ich besteht aus Jazz + Kino + saure Nierchen + sozialer Kampf + eine Prise Autismus - geht das auf? Ehekrise: Ich habe meine Frau vergessen. Und wahrscheinlich habe ich noch ganz viel mehr vergessen: meine Begabung für Fremdsprachen, mein Wohlfühlen in der Natur, mein Hang zu schwarzen Klamotten - bloß: Das alles sind doch Dinge, die für Millionen andere Menschen auch gelten. Wo ist denn da das ganz typische FrankMatz-Ich? Und vor allem: Ich war doch nicht immer so (Ausnahme: Autismus und saure Nierchen), denn Jazz höre erst, seit ich so vierzig bin, phasenweise bin ich mal gar nicht ins Kino, sondern lieber ins Theater, und manchmal habe ich von meinen schwarzen Klamotten die Nase voll und laufe für ein Wochenende eher quietschbunt herum. Wir ändern uns doch auch ständig, wechseln mal den Lieblings-Italiener und wählen eine andere Partei; selbst neue Krankheiten stellen sich jenseits der fünfzig immer wieder mal ein (manche verschwinden auch wieder).

      FruchtigBunt wrote:

      die Lebenseinstellung der Nachkriegszeit (...) Diese Generation hat ihr Leben damit überstanden, aber das, was sie den folgenden Generationen damit überlassen haben, ist meiner Meinung nach verheerend. Denn gerade durch dieses vollkommene "sich selbst verleugnen" kam es meiner Meinung nach zu Identitätsverlusten, die sich bis in die aktuellen Generationen durchziehen.
      Meine Mutter hat Dresden überlebt, sie hat unter dem Verlust ihres Bruders gelitten (der wohl das "geliebtere" Kind war), sie hat ihr Studium abgebrochen für Ehe und Kinder. Aber hat sie dadurch einen Identitätsverlust erlitten? Ich glaube: Eben dieses Leben mit all seinen Brüchen war ganz einfach ihr Leben, Punkt und Schluss, weil etwas anderes gar nicht zur Wahl stand. Innerhalb dessen, was vorgegeben ist, habe ich sicher - in Maßen - freie Entscheidungsmöglichkeiten (der berühmte freie Wille), aber kommt so ein Ich, eine feste Identität zustande? Selbst meine "guten Taten" waren sehr oft nur vom Zufall abhängig und nicht von meinem Charakter, meinem Wesen, meinem Ich.
      "Ein Buch muss Wunden aufreißen, ja sogar welche hervorrufen. Ein Buch muss eine Gefahr sein." (E. M. Cioran)
      In: ders., Ébauches de vertige. Gallimard 2006 (=folio 4100) (trad.: FM)
    • Hendrik wrote:

      Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich.
      Aber vielleicht denken wir ja nur, dass wir denken?

      FruchtigBunt wrote:

      @FrankMatz
      Ich glaube, die meisten hier verstehen unter dem eigenen Ich bzw. der eigenen Persönlichkeit nicht das Aufmotzen durch einen SUV oder eine Outdoorjacke. Zumindest mir geht es um etwas gänzlich Entgegengesetzes, nämlich das eigene Wesen. Ich glaube, damit kann nicht jeder etwas anfangen.

      Gerade die Lebenseinstellung der Nachkriegszeit war geradezu lebensfeindlich in Hinblick auf die eigene Identität. Da galt wirklich vorwiegend "Funktionieren". Diese Generation hat ihr Leben damit überstanden, aber das, was sie den folgenden Generationen damit überlassen haben, ist meiner Meinung nach verheerend. Denn gerade durch dieses vollkommene "sich selbst verleugnen" kam es meiner Meinung nach zu Identitätsverlusten, die sich bis in die aktuellen Generationen durchziehen. Da sind der SUV und die Outdoorjacke ein ziemlich aussichtsloser Versuch, denn Identität ist weder im Funktionieren, noch im Besitzen zu finden. Allenfalls eine Scheinidentität. Da würde ich auch fast sagen "dann lieber gar keine Identität", aber es gibt auch ein wirkliches Ich in jedem Menschen. Ich glaube, dass man den Weg dahin finden kann. Vielleicht kommt man nie ganz dort an, aber für meinen Teil möchte ich diesem Ich näherkommen.

      Das kann aber jeder machen, wie er will. Ich möchte nur betonen, dass das eigene Ich meiner Meinung nach genau das Gegenteil von Kapitalismus ist und von den Sachen, die du beispielhaft dargestellt hast.
      Den fettmarkierten Satz würde ich als generelle Aussage so nicht unterschreiben, aber vielfach dürfte da sehr wohl was dran sein. Meine Eltern kamen beide während des Krieges zur Welt und ich befürchte, dass die tatsächlich dann als Kind in der Kriegs- oder frühen Nachkriegszeit beide "einen Hau" wegbekommen haben. Der Versuch meines VAters, seine handwerklichen Fähigkeiten als Zeitsoldat einzusetzen, endete schon nach wenigen Tagen. Er sprach von Herzerkrankungen, ich nehme an, dass er fern der Heimat von Angst überwältigt wurde. So kehrte er zurück in sein Heimatdorf, fing wieder bei der alten Firma zu arbeiten an und blieb dort über Jahrzehnte. Und erst vor einigen Jahren, schon längst Rentner, erzählte er, dass er sein ganzes Leben sich selbstunsicher gefühlt hat. Und bei der einen oder anderen Sache, die er über seinen Vater erzählt hat, wundert mich das nicht...

      Meine Mutter war 7 Jahre alt, als in der harten Nachkriegszeit (noch vor BRD-Gründung) ihre einzige (ältere) Schwester an einer Krankheit starb. Und ich befürchte, dass auch dort nur "funktionieren" angesagt war.

      Insoweit ist die These, dass ein nicht verarbeiteter Identitätsverlust sich in der nächsten Generation fortsetzt, für mich nachvollziehbar. Leider hab ich dann selbst als Kind etwas erlebt, was dann auch bei mir später zum Identitätsverlust geführt hat... :(
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • FrankMatz wrote:

      Wo ist denn da das ganz typische FrankMatz-Ich?
      Ich befürchte, das musst du selbst herausfinden. :| Das eigene Wesen ist für mich eine Art Bezugspunkt. Selbst wenn sich Interessen etc. ändern, ist die eigene Identität/das eigene Ich, oder wie immer man es nennen mag, für mich trotz dieser Änderungen irgendwie auch konstant.

      @thelord
      Es gibt sehr interessante Bücher zur Generation der sogenannten Kriegskinder. Ich werde mir demnächst das Buch "seelische Trümmer - geboren in den 50er und 60er Jahren" ausleihen. Das ist die Generation meiner Eltern, die die psychischen Folgen des Kriegs mittelbar über ihre oft kriegsversehrten Eltern mitbekommen haben. Vielleicht interessiert dich das Buch auch. Meine Eltern würden so ein Buch vermutlich nie in die Hand nehmen. Da in meiner Familie auch in den 60er Jahren Vorfahren durch Anhänger der Kirche missbraucht wurden, habe ich mich vor einigen Jahren auch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ich bin die Generation danach. Ich glaube, meine Eltern werden ihre seelischen Verwundungen mit ins Grab nehmen. Und ich arbeite mich an diesem Erbe ab. :|

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      FrankMatz wrote:

      Wo ist denn da das ganz typische FrankMatz-Ich?
      Ich befürchte, das musst du selbst herausfinden. :| Das eigene Wesen ist für mich eine Art Bezugspunkt. Selbst wenn sich Interessen etc. ändern, ist die eigene Identität/das eigene Ich, oder wie immer man es nennen mag, für mich trotz dieser Änderungen irgendwie auch konstant.
      @thelord
      Es gibt sehr interessante Bücher zur Generation der sogenannten Kriegskinder. Ich werde mir demnächst das Buch "seelische Trümmer - geboren in den 50er und 60er Jahren" ausleihen. Das ist die Generation meiner Eltern, die die psychischen Folgen des Kriegs mittelbar über ihre oft kriegsversehrten Eltern mitbekommen haben. Vielleicht interessiert dich das Buch auch. Meine Eltern würden so ein Buch vermutlich nie in die Hand nehmen. Da in meiner Familie auch in den 60er Jahren Vorfahren durch Anhänger der Kirche missbraucht wurden, habe ich mich vor einigen Jahren auch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ich bin die Generation danach. Ich glaube, meine Eltern werden ihre seelischen Verwundungen mit ins Grab nehmen. Und ich arbeite mich an diesem Erbe ab. :|
      Ich würde es tatsächlich wohl auch nicht lesen. Es mag vielleicht sicherlich weiterhelfen, zu verstehen, warum die Eltern sich so verhalten haben, wie es nun mal getan haben.

      Die eigenen Probleme werden dadurch freilich nicht weniger.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • @thelord
      Ich für mich finde, dass es doch etwas an den eigenen Probleme ändern kann, weil man dadurch eine weitere Sicht auf die Dinge bekommt und bei mir damit etwas ins Rollen kam.
      Ich glaubte zum Beispiel früher nicht, dass ich jemals Verständnis für das Verhalten haben könnte, was meine Mutter an den Tag gelegt hat. Ich habe sie abgrundtief gehasst. Ich kann die Begriffe nicht so gut gegeneinander abgrenzen und weiß nicht, wie man es am Besten nennt: Aber durch meine Auseinandersetzung mit Inhalten, die sie selbst verdrängt hatte, schaute sie die gezwungenermaßen auch an und ich spürte dabei ihre verdrängten Sachen. Nach außen ist sie eher immer noch so bzw die Vergangenheit wurde dadurch ja leider nicht revidiert. Aber irgendwie ist gefühlsmäßig etwas in mir angekommen, so dass ich nicht mehr diesen unbändigen Hass auf sie empfinde. Ich sehe sie jetzt eher auch als Opfer und sie tut mir irgendwie leid (ich fühle mich dabei in einer Art Machtposition). Sie bleibt weiterhin Täterin, das möchte ich damit nie in Abrede stellen, aber irgendwie sehe ich mich seitdem nicht mehr nur als Opfer ihrer Taten. Ich habe irgendwie dadurch Handlungsfähigkeit bzw Boden gewonnen.
      Vielleicht spielten da aber auch mehrere Dinge mit rein.

      Von daher werden die Probleme dadurch nicht unmittelbar weniger, aber ich bekam mehr Stabilität, was einem Wenigerwerden der Probleme durchaus ähnlich sein kann. Ich denke schon, dass ich damit ein stückweit auch einen Teil prozessiert habe.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().