Keine Identität?

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      Hallo,

      ich weiß gar nicht so genau wer ich eigentlich bin.
      Ich könnte höchstens sagen was mich auszeichnet, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit usw (was man ja auch wieder dem Autismus zuordnen kann).
      Mein wirkliches Ich kenne ich im Grunde gar nicht.
      Wenn ich Leuten begegne spiele ich meine Rolle aber auch das bin ich nicht wirklich. Meine Wahrnehmung mir selbst gegenüber versagt völlig.
      Kennt ihr das auch? Ist das auch "typisch" Autist? Was macht ihr dagegen, gibt es tatsächlich Tipps, um sich selbst zu finden? Wisst ihr überhaupt was ich meine?
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      Lilian wrote:

      Ich könnte höchstens sagen was mich auszeichnet, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit usw (was man ja auch wieder dem Autismus zuordnen kann).
      Ich kenne viele Nichtautisten, auf die diese Eigenschaften auch zutreffen. Umgekehrt kenne ich auch Autisten, die es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Ob es auch unehrliche Autisten gibt, weiß ich allerdings nicht.

      Zumindest in meinem Fall kann ich sagen, dass ich schon mal die ein oder andere Notlüge angewendet habe.

      The post was edited 1 time, last by Grübler_1988 ().

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      Wenn man sich von kleinauf sehr verleugnet hat, kann man in die Lage geraten, nicht zu wissen, wer und wie man wirklich ist.
      Was echt ist.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
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      @Lilian
      Ich bin mir nicht sicher, ob es speziell mit Autismus zusammenhängt, aber nach meiner Theorie basieren diverse Erkrankungen/Behinderungen im Umfeld von Autismus auf entweder fehlender Spiegelung der eigenen Gefühle durch Bezugspersonen (A.) oder auf durch transgenerationale Traumatisierungen beruhende Fehlverschaltungen im Gehirn, die im selben Bereich (Spiegelneuronen) negative Auswirkungen haben (B.).
      Dadurch kommt es meiner Meinung nach dazu, dass das Ich nicht ausgebildet werden kann. In Fall A. ist das auch erwiesen. Fall B. ist meine Theorie für Autismus und da könnten die Folgen ähnlich sein. Das sind nur meine Gedanken dazu.

      Ich kann für meinen Teil bestätigen, dass ich nicht wirklich ein greifbares Bild davon habe, wer ich bin. In einem anderen Thread sprach ich auch mal von fehlender Verankerung im Körper. Ich scheine überhaupt nicht wirklich in meinem Körper zu wohnen bzw. angekommen zu sein. Es ist ganz schwierig zu beschreiben. Natürlich weiß ich, dass der Körper zu mir gehört, aber ich weiß es eben mehr, als dass ich es spüre. So fühlt sich das auch mit der Identität an. Natürlich weiß ich, dass ich FruchtigBunt bin und hier als FruchtigBunt schreibe, aber einen durchwährenden, stabilen Ankerpunkt oder eine Identität habe ich in mir selbst nicht.
      Bislang definierte ich mich immer über das Außen. Früher vorwiegend über Leistung und den Beruf. Ich habe auch einige Hobbys und Interessensgebiete, die mir sehr viel Spaß machen und wenn ich diese ausübe, komme ich manchmal in die Richtung bzw. auch dorthin, zu spüren, wer ich bin, aber das sind dann schon extatische Zustände. Wenn die vergangen sind, ist dieses Gefühl für die eigene Identität regelmäßig wieder verschwunden. :|

      Mein Plan ist, dass ich körpertherapeutische Angebote wahrnehmen möchte, um mich meiner Identität zu nähern und mehr auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten und diese selbst zu stillen. Auch etwas, was ich nie am Gegenüber gelernt habe.

      Mir wurde mal der Tipp gegeben, meine Identität durch mehrere "Säulen" aufzubauen und nicht nur den Beruf als Säule zu verwenden. Ich fand das eigentlich ganz hilfreich, aber mittlerweile denke ich, dass dadurch irgendwie noch nicht diese Art von Identität entsteht, die in mir irgendwie nicht existiert. Es wäre nur eine weitere (zusammengesetzte und somit etwas stabilere) Ausprägung von Identität. Das ist nicht das, was ich brauche. Ich muss die Identität in mir finden. Andere Ideen, als über Körperarbeit und Bedürfnisfokussierung habe ich dazu leider nicht.

      Ich komme mir gar nicht mal vorwiegend so vor, als würde ich eine Rolle spielen, weil mein Verhalten einfach so internalisiert ist. Es richtet sich aber nicht danach aus, was ich brauche (was ich regelmäßig daran erkenne, dass ich meine Kräftegrenzen überschreite), sondern danach, was man mir früher als Richtschnur vorlebte. Und das war eben vorwiegend, alles dafür zu tun, dass man etwas erreicht und dass man andere Menschen mit seinen Bedürfnissen nicht belästigt. Das hat nur dadurch funktioniert, dass ich mich selbst innerlich abgetötet habe.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

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      Ich glaube, ich kenne das.
      Ich komme klar damit, auch wenn ich manchmal in den Spiegel schaue und denke "Aha, so sehe ich also aus." (Statt einem stärkeren Identifikationsgefühl oder echtem Wiedererkennen.)

      Je mehr ich mich darauf festlege, wer ich bin, desto weniger Freiheit bleibt mir, zu sein wer ich sein will.

      Das Thema beschäftigt mich nun weniger als früher. Da war es ein einziges Gedankenkarussel "Bin ich lesbisch? Bin ich transsexuell? Bin ich non-binary? Bin ich schlau? Bin ich eher dumm? Bin ich komischer als andere Leute? ..."
      Ich bin froh, dass das vorbei ist.
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      Ich denke nicht, dass es nur ein autismusspezifisches Phänomen ist. Es gibt z.B. Menschen, die die sexuelle Orientierung wechseln, die Transgender sind, die ein Doppelleben führen, die vom Gangster-Rapper zum IS-Kämper werden und und und...
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      Genau das meine ich FruchtigBunt, ich kann mich selbst irgendwie nicht greifen und einordnen. Ich war eben so, wie ich sein sollte, wie es draußen verlangt wurde und auch in der eigenen Familie. Ich funktioniere halt nur irgendwie aber das momentan auch eher schlecht als recht.

      Nein, eine Amnesie habe ich nicht. Und ob meine Mutter Autistin ist, kann ich gar nicht genau sagen. Momentan versuche ich bei jeden Menschen zu gucken, ob er/sie Autistisch ist. Vielleicht war es mein Vater aber er starb als ich 6 Jahre alt war, von daher habe ich nicht viele Erinnerungen an Ihm, wobei die Wenigen ihn eher als kühl und distanziert erscheinen ließen.

      Wenn wir spiegeln, sind das dann auch tatsächlich wir? Oder nur ein Spiegel von anderen Leuten?
      Und da ich selbst auch Kinder habe, wäre ich eher kontraproduktiv meinen Kids gegenüber, weil ich es vielleicht verhinder das sie gut spiegeln?

      Wenn ich so darüber nachdenke...ich wuchs in einem Chaos auf, das ich heute noch lebe grenzt schon an einem Wunder. Ich wurde vernachlässigt und mir selbst überlassen, es war keiner für mich da. Heute bedanke ich mich mit Abstand meiner Familie gegenüber, ich gehe sogar soweit und sage das ich sie in meiner Nähe nicht mehr ertragen kann.
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      Grübler_1988 wrote:

      Ich denke nicht, dass es nur ein autismusspezifisches Phänomen ist. Es gibt z.B. Menschen, die die sexuelle Orientierung wechseln, die Transgender sind, die ein Doppelleben führen, die vom Gangster-Rapper zum IS-Kämper werden und und und...
      Da magst Du recht haben, dennoch geht es in den Beispielen um eine sexuelle Orientierung, Innere Werte bzw. Weltanschauung...Ich vermute, das die Leute trotzdem wissen wer sie sind.
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      Ich weiß das ich eine Frau bin in den 40ern, zwei gesunde Füße, Beine, Arme, Hände, Oberkörper...
      Aber meine Persönlichkeit, das ist das worum es geht, jetzt bin ich erst darauf gekommen sorry :m(: kenne ich nicht.
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      Lilian wrote:

      Ich weiß das ich eine Frau bin in den 40ern, zwei gesunde Füße, Beine, Arme, Hände, Oberkörper...
      Aber meine Persönlichkeit, das ist das worum es geht, jetzt bin ich erst darauf gekommen sorry :m(: kenne ich nicht.
      Falls du dich auf die autismusbedingte (Dauer-)kompensation beziehst: Ich habe das gleiche "Problem". Ich überlege oft, welche Eigenschaften an mir "echt" sind und welche nicht.
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      Ja genau, ich frage mich oft selbst, bin das wirklich Ich oder kann ich mich damit identifizieren oder passt es nicht zu mir? Aber wenn das nicht passt, was passt denn sonst? Und wieder dreht sich alles im Kreis, was passt zu mir, wer bin ich eigentlich?
      Wenn ich Alles abstreife, bin ich dann wie eine Art Zombie? Ohne Identität, auf der Suche nach Hirn :fun:
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      Ich kenne das "Problem" von mir auch... Weiß aber nicht, ob das daran liegt, dass ich so "unauffällig" bin, oder eher daran, dass mein Wortschatz zum Beschreiben von Eigenschaften von Personen so unglaublich eingeschränkt ist. :roll:

      Grübler_1988 wrote:

      Falls du dich auf die autismusbedingte (Dauer-)kompensation beziehst: Ich habe das gleiche "Problem". Ich überlege oft, welche Eigenschaften an mir "echt" sind und welche nicht.
      Hier kommt es wahrscheinlich auch darauf an, was genau man jetzt unter "Kompensation" versteht... Ich finde, der Übergang zwischen "Kompensieren" (im Sinne von Verhalten nachahmen, um nicht aufzufallen) und "Lernen" (im Sinne von Verhalten nachahmen, weil man es für sinnvoll hält und versteht) ist manchmal fließend... Und das "Gelernte" kann man ja durchaus zum Charakter zählen.

      Aber es ist sicherlich so, dass die Dinge, die mich als Person auszeichnen, sich eher nicht in "typischen NT-Situationen" äußern... Als Folge davon wirke ich in solchen Situationen dann etwas "charakterlos".
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