Spezielle Sprache für Auties (und andere)

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    • Spezielle Sprache für Auties (und andere)

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      Meine Tochter fragte mich sehr oft, wie die Sprache entstand bzw. Sprachen entstanden sind. Mit Linguistik habe ich mich bislang aber nie beschäftigt. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass meine Tochter ebenfalls ASS hat, und sich von einem besseren Verständnis von Sprache bessere Möglichkeiten für den Umgang mit anderen erhofft - vermute ich; wenn ich sie nach den Hintergründen ihres Interesses befrage sagt sie meist nur, sie würde einfach gerne wissen, wieso man (sprachlich) 'das so macht'.
      Nun frage ich mich auch, ob sich Sprache (egal ob deutsch, englisch, russisch oder chinesisch) nicht für die Ansprüche von z.B. Autisten 'optimieren' lässt.
      Hürden auf der Ebene sind, dass kein Wort ambivalent sein darf und seine Bedeutung klar definiert sein muss und sich durch die Satzstruktur suggestive/ subtile Ansätze/ Untertöne vermeiden lassen müssen, um die Wiedergabe klarer Aussagen zu ermöglichen. Soweit meine ersten Überlegungen. Als hoffnungslose Optimistin halte ich zumindest nichts für unmöglich. :roll:

      Bislang habe ich leider nichts zu dem Thema gefunden. Ist jemand von euch schon mal darauf gestoßen oder hat sich selbst Überlegungen/ Thesen oder sogar Modelle dazu gemacht?
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      Ich weiß nicht, ob das zu dem Thema passt, aber bezüglich Konfliktkommunikation fand ich "gewaltfreie Kommunikation" (Rosenberg heißt der Autor glaube ich) sehr hilfreich.

      Es ist schon Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber es gibt wohl eine relativ klare Empfehlung, wie man in einem Konflikt seine eigene Meinung ausdrücken kann, und Fragetechniken, wie man herausfindet, was den anderen so ärgert.

      Vielleicht kann jemand, der/die sich damit besser auskennt, mehr dazu schreiben.
      Ich fand die Technik für mich persönlich sehr hilfreich, leider nur im "Eifer des Gefechts" (RW) nicht unbedingt natürlich /praktikabel.
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      @Lars77 :idea: Interessant, kannte ich noch gar nicht. :thumbup:

      Als etwas "praktischere" Beispiele würde ich mal die Formelsprache der Mathematiker oder vllt auch den "Sprachstil" in juristischen Texten nennen. Diese Sprachen sind allerdings dafür leider offensichtlich nicht mehr für die Ansprüche von "NTs" optimiert. :d

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      Ein besseres Verständnis von unserer "normalen" Sprache bzw. ein besseres Verständnis ihrer Entstehung hilft aber auf jeden Fall ungemein. Viele vermeintlich "unlogische" Dinge ergeben dann plötzlich Sinn bzw. sind dann viel besser zu verstehen - und werden dann (so zumindest bei mir) als viel weniger "störend" empfunden. :)
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen "Sie" weiter.
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      Mugwump wrote:

      Ich weiß nicht, ob das zu dem Thema passt, aber bezüglich Konfliktkommunikation fand ich "gewaltfreie Kommunikation" (Rosenberg heißt der Autor glaube ich) sehr hilfreich.
      Genau, ich kenne das als Giraffensprache. :d Funktioniert aber nur, wenn alle Beteiligten es anwenden.

      Generell ist es so, dass jede gewachsene Sprache zahllose mehrdeutige Wörter beinhaltet und es in der Natur des Menschen liegt, bildhafte Umschreibungen für alle denkbaren Sachverhalte zu entwickeln. Ansonsten gäbe es auch keine Lyrik, was wiederum sehr schade wäre. Der kreative Umgang und das Spielen mit Sprache sind absolut wünschenswert, die Ergebnisse auch für einen Autisten kognitiv erlernbar.

      Wenn es also einfaches Interesse ist, erforsche mit ihr jede unklare Redewendung und finde deren Geschichte heraus. Das hat mir immer viel Spaß gemacht und macht es heute noch. Sollte es aber darum gehen, dass Sprache bzw. Kommunikation unfair gegen sie angewendet wird, geht vermutlich kein Weg am Lernen der dazugehörigen Regeln vorbei. Sie wird sie nicht benutzen wollen, aber es hilft oft schon, die gängigen verbalen "Tiefschläge" identifizieren zu können. War hier im Forum nicht vor einigen Wochen eine Seite mit einer sehr ausführlichen Übersicht verlinkt worden?
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      Mugwump wrote:

      Ich weiß nicht, ob das zu dem Thema passt, aber bezüglich Konfliktkommunikation fand ich "gewaltfreie Kommunikation" (Rosenberg heißt der Autor glaube ich) sehr hilfreich.

      Knusper wrote:

      Genau, ich kenne das als Giraffensprache. Funktioniert aber nur, wenn alle Beteiligten es anwenden.

      Danke für den Hinweis. :) Laut dem, was ich mir dazu bislang knapp durchgelesen habe, müssten es nicht alle Beteiligten anwenden - besser ist es wohl aber (vor allem, wenn man sich die Punkte zu 'lebensentfremdender Kommunikation' ansieht). Aber je mehr Menschen wenigstens versuchen sich an solche Konzepte zu halten, umso besser, schätze ich.
      Mir erscheint das Konzept auf ersten Blick so freundlich und sinnvoll, dass ich mich genauer damit befassen möchte; auch wenn es gegenteilig zu dem wirkt, was ich mich als effizient vorgestellt hatte.

      Lars77 wrote:

      Ithkuil? Scnr.
      Wow! :d Das ist wirklich eine eigene Sprache für sich. Aber so viele verschiedene Laute, die es alle in der rein schriftlichen Form allerdings nicht gibt. Ich halte es gar nicht für unwahrscheinlich, dass dies als Sprache (oder ähnliche Modelle) wirklich einmal Anwendung finden könnte. Hättest du mich nicht darauf gestoßen, hätte ich vermutlich als nächstes gefragt, ob wer Lust hat, sich gemeinsam so etwas auszudenken :d :roll:

      Abendstern wrote:

      Ein besseres Verständnis von unserer "normalen" Sprache bzw. ein besseres Verständnis ihrer Entstehung hilft aber auf jeden Fall ungemein. Viele vermeintlich "unlogische" Dinge ergeben dann plötzlich Sinn bzw. sind dann viel besser zu verstehen - und werden dann (so zumindest bei mir) als viel weniger "störend" empfunden.
      Mir fällt gerade kein Beispiel ein, aber ich weiß, was du meinst. Auf der Ebene hatte ich auch schon einige tiefgreifende 'Aha!' Momente.
      Beäuge gerade die Etymologie Ausgabe des Dudens. Das ist vermutlich sogar so ziemlich das, wonach meine Kleine sucht. :d

      Knusper wrote:

      Generell ist es so, dass jede gewachsene Sprache zahllose mehrdeutige Wörter beinhaltet und es in der Natur des Menschen liegt, bildhafte Umschreibungen für alle denkbaren Sachverhalte zu entwickeln. Ansonsten gäbe es auch keine Lyrik, was wiederum sehr schade wäre. Der kreative Umgang und das Spielen mit Sprache sind absolut wünschenswert, die Ergebnisse auch für einen Autisten kognitiv erlernbar.
      Da fällt mir ein, dass vor allem die bildhafte Beschreibung sehr wesentlich ist, um auch für sich selbst zu erkunden, wie man ausdrückt, was man eigentlich meint und zu erspüren, wie andere sehen/ wahrnehmen.
      Allerdings hat dies wirklich (s)einen Preis ... an all den Möglichkeiten und Variationen - ich kann es kaum anders beschreiben - kann man beim Durchdenken und auch der emotionalen Anstrengung regelrecht ausbrennen. Ist meine Erfahrung :/ (auch wenn da vielleicht jeder durch muss wünschte ich mir, es gebe eine Abkürzung :lol: )

      Knusper wrote:

      Sie wird sie nicht benutzen wollen, aber es hilft oft schon, die gängigen verbalen "Tiefschläge" identifizieren zu können. War hier im Forum nicht vor einigen Wochen eine Seite mit einer sehr ausführlichen Übersicht verlinkt worden?
      So eine Übersicht klingt doch sehr nützlich :D


      Viele lieben Dank für eure Kommentare :)
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      Abendstern wrote:

      Ein besseres Verständnis von unserer "normalen" Sprache bzw. ein besseres Verständnis ihrer Entstehung hilft aber auf jeden Fall ungemein. Viele vermeintlich "unlogische" Dinge ergeben dann plötzlich Sinn bzw. sind dann viel besser zu verstehen - und werden dann (so zumindest bei mir) als viel weniger "störend" empfunden. :)
      Mir hat es geholfen, eine nicht-verwandte Sprache zu lernen. Ithkuil ist da sicher Overkill (obwohl man wahrscheinlich mit keiner menschlichenm Sprache mehr Probleme hat, wenn man Ithkuil kann), aber Japanisch kann ich durchaus empfehlem.
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      Lars77 wrote:

      Mir hat es geholfen, eine nicht-verwandte Sprache zu lernen. Ithkuil ist da sicher Overkill (obwohl man wahrscheinlich mit keiner menschlichenm Sprache mehr Probleme hat, wenn man Ithkuil kann), aber Japanisch kann ich durchaus empfehlem.
      Dann Ithkuil :lol: habe heute morgen meinen Kleinen davon erzählt, (ich habe zwei) die große freut sich, aber die Kleine, die eigentlich nie gefragt, sondern bereits im Stillen begonnen hatte sich eine Sprache auszudenken (was ich sogar vergessen hatte :m(: ) war nicht sonderlich erfreut darüber gewesen. Sicher wird sie dem aber auch etwas abgewinnen können.
      (Mit dem japanisch lernen habe ich ziemlich spontan vor drei Jahren begonnen. 楽しいです)