Zeit-Artikel: "Bitte nicht stören"

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    • Shenya wrote:

      Wobei ich echt beeindruckt bin, dass sie wenige Tage (!) nach der Diagnose schon ihre Eigenschaften und Bedürfnisse so gut formulieren konnte.
      Womöglich sind das ja Erkenntnisse, die schon länger in ihr "reiften". Vielleicht war sie nur nicht sicher, wie oder dass das alles miteinander zusammenhängt. Vielleicht hat sie sich auch nur durch die offizielle Diagnose "getraut", diese Eigenschaften deutlich zu benennen und auch Bedürfnisse einzufordern, die sie eigentlich schon lange wahrnimmt.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Ich sehe es so: Arbeitgeber sind grundsätzlich so lange mit der Inklusion einverstanden, wie es nichts extra kostet und kein Entgegenkommen von dessen Seite erfordert. So auf die Art: "Inklusion, ja gerne, aber mach das mal mit dir selbst aus. Deine Probleme interessieren uns nicht. Was uns interessiert, ist das Ergebnis und wie du dahin kommst, ist dein Problem. Nerv uns nicht damit".

      Das spiegelt ganz schön das kapitalistische Menschenbild wieder, in dem der Mensch so lange geschätzt wird, wie er dem Kapital dient. Das ist meiner Meinung nach garantiert keine Inklusion, sondern Ausbeutung zum Zweck der Profitmaximierung. Das ist für normale Mitarbeiter schon schlimm, aber Behinderten bricht es vermutlich das Genick. Da wird groß von Inklusion getönt und wenn man dann offen über die eigenen Probleme spricht, kriegt man eins reingewürgt. Dadurch wird einem doch erst Recht Anti-Inklusion vermittelt.

      Zum Thema "Bürotüren" : Ich hatte über mehrere Jahre sogar ein Einzelbüro, aber als ich die Türe schließen wollte, hieß es seitens des Chefs, dass dies nicht erwünscht sei. Also musste die Türe fortan offen bleiben und ich hörte die anderen Mitarbeiter lautstark telefonieren, streiten oder mit Kunden sprechen. Geredet habe ich deshalb trotzdem nicht viel mit den anderen, aber dank der offenen Türe wusste man dann immerhin wann ich da war. :m(: Manche Regelungen verstehe ich einfach nicht. Es war wohl wegen der Atmosphäre und des Arbeitsklimas. Mir war die Arbeitsleistung stattdessen wichtig. Und bei offener Tür war die zwar gleichbeibend, aber es hat mich viel mehr Energie gekostet, diese Leistung zu bringen, die dann im Endeffekt eh nicht honoriert wurde.

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    • Shenya wrote:

      Ich denke auch, dass sie wahrscheinlich schon längere Zeit vor der Diagnose darüber nachgedacht haben muss und vielleicht auch vorher schon viel über AS recherchiert hatte.
      So wars bei mir damals auch. Intensiv recherchiert hab ich schon das Jahr davor, die Diagnose war nur eine Bestätigung, dass meine Gedankengänge richtig waren.
    • Pompeji wrote:

      So wars bei mir damals auch. Intensiv recherchiert hab ich schon das Jahr davor, die Diagnose war nur eine Bestätigung, dass meine Gedankengänge richtig waren.
      So ging es mir auch. Ich habe im Jahr vor der Asperger-Diagnostik ebenfalls sehr viel recherchiert. Ich denke, dass dürfte wohl bei vielen Spätdiagnostizierten der Fall sein.
    • AS kann man sich nicht "anlesen". Nur weil man darüber viel liest, wird man doch nicht zum Aspie. Man kann es sich zwar einbilden, weil das eine oder andere aktuelle Problem vielleicht dazu passt, aber spätestens, wenn die Kindheit beleuchtet wird und die Eltern oder andere Verwandte befragt werden und da dann die AS-typischen Auffälligkeiten fehlen, dürfte doch wohl auffallen, dass da was nicht stimmen kann. :roll:
    • Mir ist nicht klar, in welchem Zusammenhang das "Anlesen" jetzt zu diesem Artikel oder den Beiträgen dazu steht.
      Der Ausgangspunkt war doch, dass ich mich gewundert habe, dass sie so schnell nach der Diagnose schon so genau ihre Eigenschaften und Bedürfnisse formulieren konnte. Das hat mir "AS anlesen" genau gar nichts zu tun.
      Ich selbst hatte vorher nicht ganz so viel recherchiert und bin ziemlich naiv in die Diagnostik gegangen. Aber vor allem habe ich wohl auch eine schlechtere Wahrnehmung meiner Bedürfnisse und weniger Selbstbewusstsein, um sie zu äußern.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Weil mehrere Leute vorher schrieben, sie hätten vorher viel recherchiert; ich wollte gewissermaßen "vorwarnen", dass es Leute (sogar Psychiater) gibt, die dann denken, derjenige hätte es sich angelesen.
      Wenn diese Ansicht weiter diskutiert werden will, wäre wohl wirklich ein neuer Thread gut.
    • Die Gefahr besteht durchaus. Genau aus diesem Grund habe ich es bewusst vermieden zu recherchieren.
      Man ist halt immer irgendwo beinflussbar.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Ginome wrote:

      Die Gefahr besteht durchaus. Genau aus diesem Grund habe ich es bewusst vermieden zu recherchieren.
      Man ist halt immer irgendwo beinflussbar.
      Ich hab bei der ersten (Fehl-)Diagnose tatsächlich Borderline bei mir vermutet und mich da total reingesteigert. Im damaligen Borderlineforum gab es auch Zweifel,
      aber der Therapeut, damals unter Supervision, hat es auch nicht gecheckt. War übrigens ein Suchtspezialist, der das mit der Onlinesucht erkannt hat, aber die Wurzeln dafür halt nicht.

      Ich passte halt überhaupt nicht ins Forum mit meiner Vergangenheit. Ich hatte zwar ein Mobbingtrauma, aber keinen Missbrauch o.ä., wie bei, sag ich mal, den meisten Borderlinern.
      Und mein Mobbingtrauma kam vom unerkannten Autismus. Außerdem führten etliche Borderline Beziehungen oder hatten ständig Probleme mit Beziehungen. ich hatte dagegen noch nie eine Beziehung, weil mein Problem erst überhaupt darin bestand, jemanden kennenzulernen, weil ich nicht flirten konnte.

      Bei Autismus hat alles gleich von Beginn an besser gepasst. Ich hab eine lange Liste gemacht und auch ein paar Symptome aufgeführt, die meiner Meinung nach dagegensprachen.
      Aber das waren deutlich weniger Punkte.

      Dann hab ich noch diese Liste in einem Artikel gefunden vom springer verlag und mich in fast allen Punkten wiedererkannt.

      asperger-symptome-springer.jpg

      Anlesen ist glaub ich schwierig, das geht nicht bei allen Punkten, z.b. Tonfall, sonderbarer Gang, etc.