Zeit-Artikel: "Bitte nicht stören"

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Ich mag das Thema Arbeit nicht und hatte es bis grad eben erfolgreich verdrängt, aber das führt mir jetzt mal wieder sehr deutlich vor Augen, wo meine Probleme in Sachen Arbeit liegen. Die Liste passt haargenau auch auf mich (bei mir kommen da allerdings noch ein paar weitere Punkte hinzu). Und auch den Spruch vom Arbeitsamt, dass es keine Arbeit für mich gibt, habe ich in ähnlicher Weise zu hören bekommen. Allerdings gelte ich laut ÄD der AfA nach Aktenlage nicht als zu krank zum Arbeiten und werde wohl bis zum Rentenalter beim Jobcenter bleiben (also wohl noch fast ein Vierteljahrhundert), wo ich alle Vierteljahr eingeladen werde und alle Jubeljahre mal eine sinnlose Maßnahme vorgeschlagen bekomme.
    • Es könnte der Eindruck entstehen, dass sie direkt nach dem Outing entlassen wurde. Stattdessen wurde ihr Vertrag einige Zeit später nicht verlängert als sowieso Stellen abgebaut wurden. Für sie ist das im Ergebnis natürlich kein Unterschied.
    • Der Artikel beschreibt einge der Probleme sehr gut - Wenn das Ziel ist, über Autismus aufzuklären.

      Aber, so eine Liste, dazu eine 15-seitge Erklärung an Kollegen und Arbeitgeber.....

      Stellt euch mal vor, ihr würdet zu einem euch eher unbekannten, nur ab und zu als Schlagwort gehörten psychologschen oder medznschen Thema, das könnte man auch zu Depresson, PTBS, Psychose, Rezdarm, MS usw. auflisten, sowas am schwarzen Brett der Firma vorfinden, oder das von jemandem, der für euch arbeitet, in de Hand gedrückt bekommen - und nicht mehr daraus entnehmen können als "hier hab ich Probleme, da auch und dort erst recht, und außerdem...abder das kann ich gut, wenn ihr alles andere berücksichtgt".

      Mehr als "ich leide - ich brauche - macht ihr" und "Sry, wenn ich was nicht kannn, liegt es daran" ist en bissschen wenig.

      Auf der enen Seite Rückscht fordern, ncht zu viel Neues und Unbekanntes auf einmal lernen und glech anwenden zu müssen, das aber von anderen zu sch erwarten?
      Auf der einen Seite erwarten, dass andere es einem leichter machen, aber nicht überlegen, wie selbst bei der Vermttilung anderen den Zugang leichter machen, so dass sie es besser verstehen können, ohne vor "unlösbaren Aufgaben und unerfüllbaren Ansprüchen" zu stehen?

      Autsmus ist keine Qualfkaton. Insofern stimmt der Satz des Arbeitgebers "Ich hab Sie nicht als Autstistin eingestellt" richtg.
      Es wird auch niemand primär als Mann/Frau/Querschittsgelähmter/Brllenträger mit -6 Doptrien/Mutter/Vater eingestellt.

      Mich ärgert schon eine Weile, dass fast alles, was manso liest, aus der Perspektive "Ich habs so schwer, bin dem ausgelieert, mach du/macht ihr" geschrieben ist.

      Wie @Linnea einmal perfekt zusammenfasste "Irgendwann kippt auch das geduldigste Helfersyndrom".
      Mit so ener Liste und so enem Anspruch haut man es platt, bevor es überhaupt aufstehen kann.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • Happy to be wrote:

      "hier hab ich Probleme, da auch und dort erst recht, und außerdem...abder das kann ich gut, wenn ihr alles andere berücksichtgt".
      Wie soll man es dann aber sonst machen? Es müßte doch eigentlich gut sein, wenn man anderen den Grund für eigene Probleme und mitunter seltsames Verhalten erklärt.

      Happy to be wrote:

      Auf der enen Seite Rückscht fordern, ncht zu viel Neues und Unbekanntes auf einmal lernen und glech anwenden zu müssen, das aber von anderen zu sch erwarten?
      Auf der einen Seite erwarten, dass andere es einem leichter machen, aber nicht überlegen, wie selbst bei der Vermttilung anderen den Zugang leichter machen, so dass sie es besser verstehen können, ohne vor "unlösbaren Aufgaben und unerfüllbaren Ansprüchen" zu stehen
      Den Perspektivwechsel hast Du gut vollzogen. Aber wie macht man den Anderen veständlich, daß die Sache nichts mit ihnen persönlich zu tun hat, sondern mit der neuronalen Verschaltung des eigenen Gehirns?

      Zumal man eben schon lange bevor es den Anderen vielleicht reicht, "voll" ist mit Reizen. Und daß man nicht sofort losmotzt, sondern die Reizüberflutung vielleicht schon eine Weile still ertragen hat, um nicht über das normale Verhalten der Anderen zu meckern? Daß es aber an einem bestimmten Punkt dann doch einfach zuviel wird, lange bevor die Anderen sich vielleicht durch Lärm, Unterhaltungen usw. genervt fühlen?
      Die nehmen ja nur wahr, daß der Autist sich dauernd wegen irgendwelcher Kleinigkeiten beschwert...
      Diese Signatur wurde autistomatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig :m(:
    • @Happy to be So ähnlich habe ich auch über den Artikel, bzw genauer diese Liste am schwarzen Brett gedacht.

      Ich meine, man sollte Lösungen anbieten und nicht Probleme. "Einzelbüro erhöht die Produktivität", zB..

      Happy to be wrote:

      Autsmus ist keine Qualfkaton. Insofern stimmt der Satz des Arbeitgebers "Ich hab Sie nicht als Autstistin eingestellt" richtg.

      Es wird auch niemand primär als Mann/Frau/Querschittsgelähmter/Brllenträger mit -6 Doptrien/Mutter/Vater eingestellt.

      (...)
      Mit so ener Liste und so enem Anspruch haut man es platt, bevor es überhaupt aufstehen kann.
      Dazu fällt mir ein Freund ein, der kürzlich Vater wurde. Hat einen 1A Studienabschluss, mit Dissertation, super qualifiziert. Bei seiner Bewerbung hat er den Fokus darauf gelegt, dass er jetzt Vater ist und nur Teilzeit arbeiten will.
      ... Hat auch nicht geklappt, obwohl Teilzeit sogar teilweise explizit als Möglichkeit in der Stellenausschreibung genannt war. Wundert mich kein Stück.
      Erst überzeugen/liefern/zeigen, was man kann - und dann fordern, wenn sie einen schon unbedingt haben wollen. Besser als Fordern kommt aber Bitten an. Je konkreter und einfacher umsetzbar, desto größer die Chance dass es klappt.
    • TalkativeP wrote:

      Es könnte der Eindruck entstehen, dass sie direkt nach dem Outing entlassen wurde. Stattdessen wurde ihr Vertrag einige Zeit später nicht verlängert als sowieso Stellen abgebaut wurden. Für sie ist das im Ergebnis natürlich kein Unterschied.
      Bei einer von vornereinbefristeten Stelle ist ein Outing als Behinderter quasi Arbeitsstellenselbstmord.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Einiges von dem was die Dame aus dem Artikel möchte bzw. einiges abmildern und erleichtern würde kann man auch ohne Outing erreichen, wenn man die passende Arbeit und passende Arbeitsstelle anpeilt und die Sachen von vornerein automatisch gegeben sind. Ich hab beispielsweise ein Enzelbüro und wenn bei uns die Tür zu ist, ist die Tür zu und es wird maximal einmal am Tag an meine Tür geklopft. Und wenn be mir das telefon klingelt, dann will die Person genau zu mir, das passiert vielleicht auch nur 1-2 mal am Tag höchstens. Das liegt aber einfach an meiner Stelle, bei Kollegen auf dem gleichen gang gehen alle Telefonate ein, die ans ganze Haus gehen, also da klingelt es bei allen 6 zuständigen bis einer von denen rangeht, entsprechend oft klingelt es. Die können auch nicht enfach die Tür zumachen, weil sie kommunikativ auch sonst dreh und angelpunkt sind. Den Job würde ich niemals machen. Andere Kollegen auf der gleichen Stelle wie ich haben die Tür viel öfter auf, aber das ist jedem selber überlassen. Und auch sonst kann man gewisse Dinge ja ohne Ekrlärung kommunizieren. Wnen mir Jemand sagt er braucht was frage ich immer nach "bis wann genau, also welcher Tag ich arbeite am besten mit Deadines" und dann bekomme ich meist ene akteptable Antwort mit der ich leben kann. Oft verstehe ich dann tag auch bis 23.59, dementsprechend frage ich auch manchmal nach bis welche Uhrzeit oder die ganz cleveren fügen hinzu bis so und soviel Uhr, weil sie wissen das be mir der Tag bis nachts um 12 geht.
    • Aus dem Artikel:
      13. Stärken: Bei mir weiß jeder, woran er ist. Ich sage direkt und ehrlich genau das, was ich meine.
      Das ist eine Stärke, die man betonen muss? :d


      9. Kritikfähigkeit: Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen.
      Dennoch: Es bleibt ein To-do auf Lebzeit daran zu arbeiten, auch mit AS! Und wenn es nicht klappt dann muss man halt öfters mal schweigen, gerade dann, wenn man sich so bewusst darüber ist andere möglicherweise zu verletzen so wie oben im Zitat beschrieben. Es kann nicht sein, dass die Umwelt halt damit leben muss und man dann in so Momenten mit der AS-Diagnose wedelt.

      Ansonsten mag ich an dieser Stelle auch mal im Direkt-Non-Abmildungs-Modus schreiben, was ich beim Lesen so dachte:

      - Ich kann mit der dort beschriebenen Version eines Asperger-Syndroms nicht so viel anfangen.
      - Wenn unerwarteter Lärm so dermaßen stresst, dass man bewegungsunfähig(!) und handlungsunfähig(!) wird, dann ist eine Teilnahme am Straßenverkehr in jeder Form u. U. bedenklich bis lebensgefährlich. Es verwundert nicht, dass im Zeitalter von Speed-Gesellschaft, Konkurrenz, Flexibilität, Leistungsmaximierung usw. die Brauchbarkeit für Arbeitgeber in Richtung subzero geschmälert wird. Die aufgelisteten Punkte lesen sich wie ein Attest, das doch recht viel Unfähigkeit/Eingeschränktheit bescheinigt. Und natürlich ist man bei einer Ausmusterung dann mitunter der erste, die gehen darf, wenn diese ganzen Schwächen nicht mit einer Over-The-Top-Hochleistung neutralisiert werden, so dass unter dem Strich doch noch Überlegenheit gegenüber einfacheren Arbeitnehmern bleibt. Wenn dem nicht so ist, dann ist der Anreiz für Arbeitgeber verständlicherweise sehr niedrig.
      - Eine Diagnose wie AS mag viele Dinge erklären, aber das bedeutet in der Praxis häufig dennoch nicht, dass das was stört, dass das, was problematisch ist, dann okay ist oder so. Der Arbeitgeber hat völlig recht mit dem Satz "Wir haben Sie ja nicht als Autistin eingestellt.". Schon "etwas" einseitig da fünf Seiten vollzuschreiben und dann noch zu sagen "Wer Lust hat kann es sich kopieren". Also ehrlich, da hätte einer dieser anderen Arbeitnehmer doch sagen sollen: Okay und hier unsererseits ein dickes Buch für dich, damit es nicht zu einseitig wird: 'Das dicke fette NT-Buch von A bis Z - Das Handbuch für Autisten im Alltag'.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Irgendwie wundert es mich, dass fast alle Kommentare hier so einhellig das Vorgehen der beschriebenen Aspie kritisieren.
      Es ist sicher was dran, aaaaaber....wenn z. B. sich hier im Forum jemand im "Ton" vergreift, wird auch von anderen(!) oft entschuldigt, so ein es unter Aspergerautisten nun mal! Das sei gar nicht übergriffig oder aggressiv gemeint gewesen!

      Na gut. Schriftlich entstehen ja auch leicht mal ein Missverständnis, nicht nur bei Aspies.
      Aber auch Forumsmitgliedern kann man doch zumuten, ihre Befindlichkeiten/Empfindlichkeiten in Arbeit zu nehmen, das heißt, sie auf ein gesellschaftlich erträgliches Maß einschwingen zu lassen.
      Genau das, was der Autistenfrau empfohlen wird.

      Dazu gebe ich zu bedenken, dass der Artikel wahrscheinlich von einem Nicht-Autisten geschrieben wurde und nur indirekt einen Teil der Geschichte wiedergibt. Also weiß ich z.B. nicht genau, ob der Fokus der Story wirklich auf dem Punkt liegt, der Frau Wanninger-Bachem wichtig ist.

      Und zu guter Letzt:

      Morrow wrote:

      Ich meine, man sollte Lösungen anbieten und nicht Probleme. "Einzelbüro erhöht die Produktivität", zB..

      Das ist ein konstruktiver Vorschlag. :thumbup: Damit kann man was anfangen, oder nicht?!
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)
    • Hyperakusis wrote:

      Okay und hier unsererseits ein dickes Buch für dich, damit es nicht zu einseitig wird: 'Das dicke fette NT-Buch von A bis Z - Das Handbuch für Autisten im Alltag'.
      Das nennt sich "Knigge" . :d
      umrechnung.org/artikel/knigge-…regeln-gutes-benehmen.htm
      knigge.de/themen-200.htm
      berufsstrategie.de/bewerbung-k…gsformen-berufsalltag.php
      usw.usw.

      und je mehr man an der einen Stelle defintiv nicht kann, und das von den Kollegen beachtet und berücksichtigt wird, desto mehr muss das andere, das man kann, auch wenn es "einem nicht liegt", berückschtgt werden.

      Es sei denn, man ist "unersetzlich". Allerdings sichert das nur so lange ab, bis ein Weg oder eine Person gefunden wurde, die einen ersetzen kann - und dazu das andere mitbrigt bzw macht, auch wenn es "ihr nicht liegt".
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • Hyperakusis wrote:

      9. Kritikfähigkeit: Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen.
      Dennoch: Es bleibt ein To-do auf Lebzeit daran zu arbeiten, auch mit AS! Und wenn es nicht klappt dann muss man halt öfters mal schweigen, gerade dann, wenn man sich so bewusst darüber ist andere möglicherweise zu verletzen so wie oben im Zitat beschrieben. Es kann nicht sein, dass die Umwelt halt damit leben muss und man dann in so Momenten mit der AS-Diagnose wedelt.
      Ganz genau. Also wenn eine Äußerung in dem Wissen getätigt wird, dass sie wohl verletzend ankommen wird, was ist denn das dann anderes als eine bewusste Verletzung? :roll:
      Irgendwie finde ich ihre Sicht an der Stelle jedenfalls etwas sehr einseitig... und wenig "verständnisvoll" für die "NTs"... und denke auch, dass man dann im Gegenzug logischerweise entsprechend wenig Verständnis erwarten kann.

      Um ihre eigene Formulierung aufzugreifen: Ich würde fast sagen, dass sie hier durchaus ihre eigenen "Fehler und Probleme euphemistisch beschönigt". :roll:

      Hyperakusis wrote:

      Schon "etwas" einseitig da fünf Seiten vollzuschreiben und dann noch zu sagen "Wer Lust hat kann es sich kopieren". Also ehrlich, da hätte einer dieser anderen Arbeitnehmer doch sagen sollen: Okay und hier unsererseits ein dickes Buch für dich, damit es nicht zu einseitig wird: 'Das dicke fette NT-Buch von A bis Z - Das Handbuch für Autisten im Alltag'.
      :d
      Genau genommen müsste es nicht ein allgemeines "NT-Buch" sein, sondern ein Handbuch genau für diese konkrete Firma. Was das ganze noch absurder erscheinen lässt.

      Ich finde es generell immer eine schwierige Frage, wie viel man anderen "entgegenkommen" muss und wie viel "Entgegenkommen" man von anderen erwarten kann... und kann das auch nachvollziehen, wenn ein Autist (oder allgemeiner: eine "sozial unerfahrene Person") eben ein Problem damit hat, da "das richtige Maß einzuschätzen". (Gab ja gestern erst nen neuen Thread dazu, da ging's allerdings darum, dass man sich als Autist manchmal zu viel auf andere einlässt / ihnen zu viel entgegenkommt.)
      Aber hier in dem Artikel, da vermisse ich wirklich ein grundlegendes Verständnis für die Situation des "NT-Arbeitgebers"... das ist für mich dann nicht mehr nur ein reines "Abschätzungsproblem".
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Hyperakusis wrote:

      9. Kritikfähigkeit: Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen.
      Dennoch: Es bleibt ein To-do auf Lebzeit daran zu arbeiten, auch mit AS! Und wenn es nicht klappt dann muss man halt öfters mal schweigen, gerade dann, wenn man sich so bewusst darüber ist andere möglicherweise zu verletzen so wie oben im Zitat beschrieben. Es kann nicht sein, dass die Umwelt halt damit leben muss und man dann in so Momenten mit der AS-Diagnose wedelt.
      Ich habe den Artikel nicht gelesen, aber ich schreibe mal meine Gedanken/Erfahrungen dazu. Das wiederholte "Anecken" aufgrund einer zu direkten Sprache, wie es bei vielen Autisten der Fall ist, kenne ich von mir überhaupt nicht. Ich kann meistens ziemlich gut einschätzen, welche Fragen oder Aussagen sozial problematisch sein könnten, da ich mit der Zeit viele Erfahrungen gesammelt habe. Bei meiner Diagnostik (Uniklinik Köln) wurde dies thematisiert, zumindest in der Fremdanamnese durch meine Eltern. Die AS-Diagnose bekam ich dennoch.

      Umgekehrt hatte mir bisher kein einziger Autist etwas gesagt, was mich verletzt hatte. Allerdings erlebe ich immer wieder (z.B. in Selbsthilfegruppen), dass einige Autisten über Konflikte im Alltag sprechen und ihre Direktheit als Grund dafür sehen. Von einigen (mutmaßlichen) "NT" wurde ich allerdings schon mal verletzt, es könnte aber möglicherweise einfach nur daran liegen, dass es viel mehr "NT" als Autisten gibt.

      Viele Autisten finde ich im direkten Kontakt sozial sehr umgänglich, mir ist aber durchaus bewusst, dass es auch solche gibt, die eher "schwierig" sind.

      The post was edited 1 time, last by Grübler_1988 ().

    • Grübler_1988 wrote:

      Das wiederholte "Anecken" aufgrund einer zu direkten Sprache, wie es bei vielen Autisten der Fall ist, kenne ich von mir überhaupt nicht.
      Ich auch nicht.

      In den Diagnosekriterien zumindest steht aber auch nichts explizit dazu. Lediglich in den ("inoffiziellen") Diagnosekriterien von Gillberg, die in dem Wikipedia-Artikel zum Asperger-Syndrom erwähnt werden, gibt es den (eher allgemein gehaltenen) Punkt: "Sozial und emotional unangemessenes Verhalten". Aber das kann eben auch alles heißen. Von übertrieben förmlich zu übertrieben "kumpehlaft", von extrem distanziert zu völlig distanzlos, von emotional zu nüchtern, von übervorsichtig zu zu "direkt"...
      Indirekt taucht in diesem Punkt also auch die Möglichkeit auf, dass die Sprache zu "direkt" ist, aber das ist dann kein Kernsymptom, sondern fällt eben nur unter diesen Punkt "unangemessenes Verhalten".

      Ich glaube auch, wenn man so ein "unangemessenes Verhalten" auf genügend verschiedene Arten zeigt, dann hat man halt irgendwann den Status als "sozial Unbeholfener" und dann wissen die Leute das auch besser einzuschätzen... Also wenn ich bspw. auf der Arbeit immer total verpeilt wirke, wenig mit den Leuten rede, sie grundsätzlich nicht grüße oder so, dann aber plötzlich mal unerwartet Kuchen für alle mitbringe oder etwas in der Art... wenn ich also in beide Richtungen mal von dem erwarteten Verhalten abweiche... dann "merken" die schon, dass ich eben "nur" sozial unbeholfen bin, aber es grundsätzlich gut mit ihnen meine.

      Wenn aber die einzige Auffälligkeit an meinem Verhalten ist, dass ich andere übermäßig heftig kritisiere, dann bekomme ich sicherlich weitaus größere Probleme...

      Also angenommen, das ist überhaupt ein autistisches Problem, dann ist es imo am ehesten ein Problem der "ungleichmäßigen" Kompensation der autismusbedingten Defizite. Also wer damit häufig "aneckt", der fährt vielleicht besser damit, wenn er sich insgesamt "trotteliger" anstellt, dann wird er irgendwann zum "sympathischen Trottel, den alle mögen".
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Ich wundere mich ähnlich wie Capricorn, was hier für Ansichten vertreten werden. Wüsste ich es nicht, so würde ich mich fragen, ob ich hier überhaupt in einem Aspie-Forum bin.

      Wie schon einige schrieben, kann der normale NT gar nicht nachvollziehen, wie es als Asperger zu Leben ist. Ich passe mich zum Beispiel auf meiner Arbeit den ganzen Tag über an, sage freundlich ja und Amen zu allem, muss mit spontanen Änderungen leben, ohne dass man mir dies nach Außen hin anmerkt. Dass ich mich zu Hause erst einmal zwei bis drei Stunden von der Arbeit erholen MUSS, begreifen doch einige gar nicht (mir ist bewusst, dass auch NTs sich nach manchen Arbeitstagen hinlegen müssen. Aber teilweise nach einem drei-Stunden-Tag wo nix passiert ist?)

      Wenn ich im Rollstuhl sitze, würde ich doch auch mit meinen Kollegen klären, ob und wann ich Hilfe brauche. Kein Mensch würde auf die Idee kommen zu sagen: Hey, ich sitze im E-Rollstuhl, damit bin ich auf Ausflügen noch nach 10km fit, sondern würde eher darauf eingehen: Lasst doch bitte die Türen offen, damit ich direkt durchschieben kann. Also warum muss ein Asperger bitte seine Stärken anbieten und um Gottes Willen seine Behinderungen verschweigen?

      Wer den Artikel denn bis zum Schluss gelesen hat: Das Verhalten der Firma Auticon finde ich auch fragwürdig. Es klingt für mich ein bisschen so, als würden die sich auch die angepasstesten Autisten raus suchen, um deren Daten analysieren zu können, aber zu problematische Fälle will man auch nicht. Schreiben auf ihrer Homepage groß "Autisten sind eine Bereicherung für jedes Team.", aber zu viel darf's dann auch nicht sein.

      Es wundert sich und grüßt Qeasle (Kiesel), der jetzt zu seiner Orgel fährt. Es kommt übrigens auch ein Chor. Ich habe alle unsere Chöre darum gebeten, mich zwei drei Tage vorher anzurufen, um deren Programm mit mir abzusprechen. Es hat sich für heute Abend niemand gemeldet und ich sitze jetzt nervös hier und frage mich was kommt. Vielleicht hat der Chor auch abgesagt, das kam auch schon vor. Aber wenn ich den Aussagen einiger Forenmitglieder hier folge, darf ich mich ja gar nicht darüber beschweren. Und wenn ich es dann direkt sage, verletze ich den Knigge...
    • QEASLE wrote:

      Wer den Artikel denn bis zum Schluss gelesen hat: Das Verhalten der Firma Auticon finde ich auch fragwürdig. Es klingt für mich ein bisschen so, als würden die sich auch die angepasstesten Autisten raus suchen, um deren Daten analysieren zu können, aber zu problematische Fälle will man auch nicht. Schreiben auf ihrer Homepage groß "Autisten sind eine Bereicherung für jedes Team.", aber zu viel darf's dann auch nicht sein.
      Ich habe es eher so verstanden, dass für die berufliche Eignung kein Angebot zur Verfügung stand, handelt es sich doch um ein IT-Unternehmen und die vorgestellte Autisten kommt ja aus anderen beruflichen Bereichen (Erziehungswissenschaften und Steuerfachangestellte, wenn ich es korrekt erinnere). Auticon ist doch auch ein privatwirtschaftliches Unternehmen, oder?
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Abendstern wrote:

      Grübler_1988 wrote:

      Das wiederholte "Anecken" aufgrund einer zu direkten Sprache, wie es bei vielen Autisten der Fall ist, kenne ich von mir überhaupt nicht.
      Ich auch nicht.
      Ich kenne das von der Arbeit schon. Ich war meistens durch all das drumherum auf der Arbeit so überreizt und überfordert, dass ich einfach nicht mehr die Ressourcen hatte, darauf zu achten, dass immer alles "nett verpackt" war. Es ist nicht so, dass ich es nicht "nett verpacken" konnte/wollte, nur fehlten mir dann halt wie gesagt einfach die Ressourcen dafür, weil die schon mit dem drumherum ausgelastet waren. :(

      Hyperakusis wrote:

      Dennoch: Es bleibt ein To-do auf Lebzeit daran zu arbeiten, auch mit AS! Und wenn es nicht klappt dann muss man halt öfters mal schweigen, gerade dann, wenn man sich so bewusst darüber ist andere möglicherweise zu verletzen so wie oben im Zitat beschrieben.
      Das ist einfach gesagt. Aber was soll man machen, wenn auf der Arbeit nicht mehr genügend Ressourcen dafür da sind? Selbst, wenn man das jeden Tag übt, werden die Ressourcen doch nicht größer. Und auf der Arbeit ist es leider nicht immer möglich, einfach den Mund zu halten. :?
    • QEASLE wrote:

      Wenn ich im Rollstuhl sitze, würde ich doch auch mit meinen Kollegen klären, ob und wann ich Hilfe brauche. Kein Mensch würde auf die Idee kommen zu sagen: Hey, ich sitze im E-Rollstuhl, damit bin ich auf Ausflügen noch nach 10km fit, sondern würde eher darauf eingehen: Lasst doch bitte die Türen offen, damit ich direkt durchschieben kann. Also warum muss ein Asperger bitte seine Stärken anbieten und um Gottes Willen seine Behinderungen verschweigen?
      Der Rollstuhlfahrer sucht sich aber zunächst mal eine Arbeit, bei der die Behinderung grundsätzlich nicht viel ausmacht. (Also er wird bspw. nicht Polizist, wo er dann zu Fuß Verbrecher jagen können müsste oder so.) Dieser Schritt ist bei Autisten teilweise viel schwieriger, weil die Einschränkungen erstens vielfältiger und zweitens schwerer konkret zu benennen sind. Also ein Autist wird häufiger eine "grundsätzlich unpassende" Arbeit haben als ein Rollstuhlfahrer.

      Die Probleme, die noch bleiben, wenn der Rollstuhlfahrer denn eine Arbeit hat, sind daher viel weniger, viel kleiner, viel konkreter / besser einzugrenzen und erfordern viel weniger "kräftezehrendes" Entgegenkommen ("Kompensation") vom Betrieb.

      Also wenn man den Vergleich mit dem Rollstuhlfahrer anstellen will, dann muss man imo auch überlegen, was für Berufe denn überhaupt noch übrig bleiben, wenn der Autismus wirklich nur noch derartig kleine Probleme mit sich bringen soll, wie es das "Ich brauch jemanden, der mir die Tür aufhält" oder "Ich brauche einen Aufzug" beim Rollstuhlfahrer ist.
      Und je nach Ausprägung des Autismus bleibt da u. U. gar nicht mehr so viel übrig.

      Aus Sicht des Betriebs wird jedenfalls die Beschäftigung eines Autisten in vielen Fällen sehr viel mehr Anstrengung / Entgegenkommen / Kompensation erfordern als die Beschäftigung eines Rollstuhlfahrers. Und die Kritik, die hier in diesem Thread bisher geäußert wurde, bezog sich ja zu einem großen Teil darauf, dass dieser Punkt im Artikel einfach nicht ausreichend gewürdigt wurde.

      Zu wünschen wäre allerdings auch, dass die "Notwendigkeit einer so großen Anstrengung von anderen" dann wiederum angemessen anerkannt wird (durch Vergabe eines entsprechenden GdB).
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Windtänzerin wrote:

      Das ist einfach gesagt. Aber was soll man machen, wenn auf der Arbeit nicht mehr genügend Ressourcen dafür da sind? Selbst, wenn man das jeden Tag übt, werden die Ressourcen doch nicht größer. Und auf der Arbeit ist es leider nicht immer möglich, einfach den Mund zu halten.
      Ich beziehe mich jetzt auf die Person im Artikel:

      Man muss den Mund ja nicht halten. Aber das mit den verletzenden Worten sollte unbedingt eine Baustelle sein mit dem Ziel, dass es künftig weniger Verletzte gibt. Das tut man durchaus auch für sich, weil das Echo der Menschen sich dann bessern dürfte und die Welt ein Stück weit gemütlicher wird.

      Aber so wie im Artikel beschrieben ist es nicht ganz okay. Lediglich zu sagen, dass man eigentlich nicht verletzen will, aber einem die Fähigkeit fehlt angemessen zu formulieren in Kombination mit einem 5blättrigen "Infoheftchen", damit die Arbeitskollegen das die Fähigkeit bekommen diese Person zufrieden zu stellen, das ist dann "etwas" einseitig. Probleme und Defizite der Diagnose werden zu sehr zu einem To-do der anderen. Die Bedürfnisse und Eigenheiten des Nichtautismus scheinen weniger Gewicht zu haben. Wenn Menschen dann eher mit verschränkten Armen begegnen und wenig motiviert sind, kein Wunder.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Was vermutlich auch ein Problem ist ist, dass von Seiten des Arbeitgebers. und der Kollegen, plötzlich "Extrawürste gebraten werden sollen" obwohl es vorher ja auch ohne ging. Das ist erstmal unverständlich.
      Dann eine Inklusionsleistung erbringen zu sollen obwohl der Betrieb weder dafür ausgerichtet ist noch das es überhaupt gewünscht war.
      Da der Arbeitsvertrag ohnehin befristet war ist es ein Leichtes den Arbeitnehmer loszuwerden.

      Sowas kann einem auch als Rollstuhlfahrer passieren, um bei dem Beispiel zu bleiben. Ein durch einen Unfall plötzlich gelähmten Arbeitnehmer mit einem Zeitvertrag wird auch nicht zwingend verlängert. Nämlich dann nicht wenn der AG erst Rampen, Aufzüge, entsprechende Toiletten etc bauen müsste. Da haben die weder das Geld noch die Lust dafür.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.