"ich muss" in "ich will" umwandeln

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    • Shenya wrote:

      Aspielle wrote:

      Doch, absolut ist das freiwillig. Zwingen kann Dich nichts und niemand, es sei denn, jemand übernähme Deinen Körper und Dein Nervensystem. Dass Du etwas nicht gern tust, heißt nicht, dass Du es unter Zwang tust. Das ist ein großer Unterschied. Du findest es blöd, tust es aber dennoch, weil Du die Entscheidung getroffen hast, nicht ins Gefängnis zu wollen. Das ist Deine freie Entscheidung gewesen. Du könntest Dich auch entscheiden, etwas gegen das bestehende System zu unternehmen, wenn Dir das nicht gefällt. Da Du aber weißt, dass das schwierig ist, und auch keinen großen Sinn darin siehst, lässt Du es bleiben, zahlst brav Steuern und beschwerst Dich, dass Du dazu gezwungen wirst.
      Das ist aus meiner Sicht blanker Hohn und eine gute Begründung für die Tyrannen aller Welt, um jeden als frei zu erklären, der unter ihrem Druck Dinge tut, die er eigentlich nicht tun möchte.
      Das ist die gleiche Argumentation mit der man von Hartz4 (als absolutes Lebensminimum) noch Sanktionsbeträge abzieht - natürlich MUSS man Dinge. Alleine schon weil man in einem sozialen Kontext lebt, und einen Überlebenswillen (mindestens) hat und ggf sogar noch Rücksicht auf andere Menschen nimmt. Einfach weil man ein Mensch ist, der so ist.



      Ansonsten: Ist das nicht die Diskussion um Schillers Freiheitsbegriff? Das zu wollen, was von außen an einen herangetragen wird? Philosophisch sehe ich das durchaus skeptisch, aber es ist sehr hilfreich. Und es beruhigt mich, weil ich kenie Energie damit verschwenden muss, die negativen Dinge die mit Zwang einher gehen zu ertragen. Aber ich glaube, ab einem gewissen Grad geht das über die menschliche Kraft hinaus, und man kann es leider übertreiben und die Grenze zu von "Ich muss" über Ich will" zu "Ich kann das aber nicht" übersehen. Ist das verständlich?

      Es gibt doch den Spruch:
      Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
      aber nie kann, wenn ich will,
      dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.
      Wenn ich aber darf, wenn ich will,
      dann mag ich auch, wenn ich soll,
      und dann kann ich auch wenn ich muss.
      Denn schliesslich:
      Die können sollen, müssen wollen dürfen.

      Daraus abgeleitet habe ich mal festgestellt, dass MÜSSEN und WOLLEN für mich wiedersprüchlich sind, es geht nur das eine oder das andere. Das MÜSSEN muss also vom WOLLEN verdrängt werden.



      Zuletzt wurde mir mal erzählt, dass das das große Bild der Kreuzignug von Jesus ist: Er wusste was auf ihn zukommt und ist zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt zu seiner eigenen Kreuzigung gegangen. So fühle ich mich manchmal wenn ich zur Arbeit muss :lol: dabei liebe ich meinen Job.


      ...sorry falls ich im off topic gelandet bin :m(:
    • kitescreech wrote:

      Vergiss das mit dem "wollen",ersetze "muss" und "soll" durch "kann" und mache interessante Erfahrungen.
      Habe ich heute mal probiert, und ja, es gibt einem mehr Freiheitsgefühl, was genau das ist, was ich brauche. Mal sehen, was sich damit auf längere Sicht erreichen lässt.

      Es bleibt immer noch das Dilemma, dass es Dinge gibt, die man tatsächlich tun muss, weil die Alternativen nicht akzeptabel sind, und diese Dinge aber deshalb trotzdem nicht angenehm und toll werden, nur weil sie besser als die Alternativen sind. Eine schwäbische Redensart heißt "Entweder - oder, Dreck oder Pfloder". Pfloder ist sowas wie Matsch. Also auch nicht besser als Dreck.
      Die Freiheit zu können oder zu wollen hat man tatsächlich nicht immer bei allem.

      Aber trotzdem hilft es mir, mir häufiger klar zu machen, dass ich zumindest jetzt als Erwachsener mehr Freiheiten habe als als Kind. Dass ich vielleicht wirklich nicht alles tun muss, wovon ich denke, dass ich es tun muss.
      Also dann ginge es weniger darum, ein Muss in ein Will umzuwandeln, sondern vielleicht das ein oder andere Muss aus dem Fenster zu werfen.

      Schwierig ist das, wenn es um Dinge geht, wo man (noch?) Hemmungen hat, sie rauszuwerfen.


      Les wrote:

      Ansonsten: Ist das nicht die Diskussion um Schillers Freiheitsbegriff? Das zu wollen, was von außen an einen herangetragen wird? Philosophisch sehe ich das durchaus skeptisch, aber es ist sehr hilfreich. Und es beruhigt mich, weil ich kenie Energie damit verschwenden muss, die negativen Dinge die mit Zwang einher gehen zu ertragen.
      Ich mag Psychologie generell lieber als Philosophie. Nicht nur deshalb, weil ich nicht viel von Philosophie weiß, sondern auch, weil das wenige, was ich weiß, mir oft unsinnig und realitätsfern vorkommt.

      Les wrote:

      Aber ich glaube, ab einem gewissen Grad geht das über die menschliche Kraft hinaus, und man kann es leider übertreiben und die Grenze zu von "Ich muss" über Ich will" zu "Ich kann das aber nicht" übersehen. Ist das verständlich?
      Von der psychologischen Seite her würde ich sagen, dass wenn man immerzu nur Anforderungen erfüllt (ich muss), und womöglich noch versucht, sich das schön zu reden (ich will), man am Ende einen schönen Burnout haben wird.

      Der Spruch ist gut, den habe ich schon mal irgendwo gelesen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Es bleibt immer noch das Dilemma, dass es Dinge gibt, die man tatsächlich tun muss, weil die Alternativen nicht akzeptabel sind, und diese Dinge aber deshalb trotzdem nicht angenehm und toll werden, nur weil sie besser als die Alternativen sind.
      Ich habe auch nicht versprochen daß einem diese Dinge dann besser gefallen. ;)
      Ich sehe es so daß "ich muss" unangenehme Emotionen weckt und der direkte oder indirekte Versuch sich einzureden daß man diese Dinge "will" zum scheitern verurteilt ist und ebenfalls die Stimmung drückt was einem jeweils sehr hinderlich ist."Ich kann" bietet da einen neutralen Ansatz.