Einen Schritt vom Ziel entfernt... Flucht!

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    • Einen Schritt vom Ziel entfernt... Flucht!

      Ich wollte euch fragen, ob ihr das kennt. Mir passiert das gelegentlich, zuletzt soeben:

      Ich war seit Wochen auf eine größere Feier eingeladen. Ich freute mich sehr darauf; auf die Menschen, auf das Essen, auf das Programm... Ich hatte mir den Abend sorgfältig frei gehalten, eine Zugverbindung herausgesucht, damit ich was Alkoholisches auch hätte trinken können. Ja genau: hätte...

      Drei Tage vor der Feier wurde der Beginn eine halbe Stunde vorverlegt. Ich fand das nicht weiters schlimm - bis auf den Zug, der nun nicht mehr passte. Ich beschloss also, mit dem Auto hinzufahren und alkoholfrei zu feiern. Das fällt mir leicht. Der neue Plan kam mir stimmig vor und ich dachte nicht mehr daran.

      Der Beginn der abendlichen Feier rückte näher. Im Rückblick würde ich sagen, dass ein banges Gefühl heute am frühen Nachmittag heraufzudämmern begann. Ich trödelte (halb bewusst) mit Allerlei, bis klar war, dass ich zu spät kommen würde. Etwas irritiert fuhr ich endlich los. Zu Fahren war der Weg ein Traum (Autofahren beruhigt mich immer). Am Ort sogleich einen Parkplatz gefunden. Ohne Umwege und Umherirren die Wirtschaft gefunden (Orientierung draußen kann ich immer). Hineingegangen. Richtigen Teil der Wirtschaft dank Beschriftung auf Anhieb gefunden (Lesen gelingt immer). Garderobe gefunden. Jacke ausgezogen. Garderobe voll. Jacke unter den Arm geklemmt und ein paar Meter in den Schankraum hineingegangen.

      Es hatte noch nicht begonnen. Menschen-Menschen-Menschen an langen Tafeln, welche in die Unendlichkeit ragten. Drölfundneunzigtausend harmlose, erwartungsfrohe, hungrige Menschen. Tüchtige Schankmaiden schwirrten die Gassen zwischen den Tafeln entlang, in diesen tiefen langen Raum hinein, am schummerigen Ende dessen sicher nichts anderes sein konnte als ein Schwarzes Loch mit Zähnen drumherum. Übermäßig laut war es nicht, es roch neutral.

      Nun aber würgte es mir schlagartig die Luft ab. Ohnmachtsalarm. Die Ohren sausten, rauschten, donnerten; - dass mein armes mechanisches Gehirn leider gar keine Chance hatte, so schnell seine "Hier-ist-es-friedlich"-Analyse zu fertigen. Ich musste sofort (körperlich) zurück und raus. Rationale Argumente, dort zu verweilen ("Schau dir die Leute an. Es sind nette Leute an einem guten Ort. Die Wirtschaft hat Sterne. Du wolltest ewig schon mal hin. Du hattest dich gefreut. Es gibt Maultaschen. Es ist alles in Ordnung, du gehst nun in den Raum hinein, findest deine Leute, setzt dich dazu...") fallen mir jetzt ein um Stunden zu spät, denn...

      Draußen bekam ich wieder Luft. Mit jedem Meter, den ich von der Tür weg ging, wurden die Ohren leiser. Ich ging zum Auto. Ich fuhr heim.

      Kopfschüttelnd.

      The post was edited 2 times, last by Matou ().

    • Größere Feiern sind für mich auch sehr schwierig, ich kann Dich gut verstehen.

      Manchmal freue ich mich auch auf eine Veranstaltung und bin dann doch überfordert.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Matou wrote:

      Zusatzfrage: Wie schafft ihr es trotzdem bis in die Feier (vorausgesetzt, ihr wollt das)?

      Komme mir vor wie Schrödingers Katze; da und doch nicht da gewesen.
      Sich mitschleppen lassen. Also nicht alleine hingehen, sondern jemanden dabei haben, der einem am besten abholt. Zu zweit fallen mir eh viele Dinge leichter, ich fühle mich gestärkt und nicht mehr so hm unsicher und fragil. Wobei die zweite Person natürlich nicht irgendwer ist, sondern bestenfalls jemand der mir sehr nahe steht.
    • @Matou ich verstehe das ... nein, ich kenne das. Auch wenn es nie (wegen Kopfkino) soweit kam, dass ich so nahe daran war. Ich habe halt schon auf der Fahrt dahin dann doch innerlich abgewunken (RW), bin wieder umgekehrt und habe dann nur mein Fehlen entschuldigt.

      Aber genau einer solchen Situation, wie Du sie schilderst würde ich immer ausweichen wollen. Sowas diskutiere ich dann tagelang mit mir durch und meistens finde ich eher ein Hintertürchen, irgendeine Ausrede, warum ich dann nicht teilnehme.

      Eine der wenigen Optionen, die ich für mich kenne, ist das, was @Zodd schreibt: Ich "binde" mich an jemanden, dem/ der ich nur sehr schwer absagen kann. Was aber auch den umgekehrten Vorteil hat, dass so eine Person mir im wahrsten Sinne des Wortes "über die Schwelle" hilft. Der/ die geht dann auf Leute zu (und ich hänge mich dran), was mir hilft, mich zu akklimatisieren.
      Of course I talk to myself! :nod: Sometimes I need expert advice. :prof:
    • Matou wrote:

      Zusatzfrage: Wie schafft ihr es trotzdem bis in die Feier
      Mich an jemanden "dranhängen" wäre auch meine Lösung. Wenn ich es schon so weit geschafft hätte wie du, hätte ich vermutlich jemanden von meinen Leuten angerufen und ihn gebeten mich draussen abzuholen. Ansonsten hätte ich mich vermutlich dazu durchgerungen trotzdem den letzten Schritt zu machen (da ich bis dahin soviel Zeit und Weg investiert habe), und hätte mir gesagt, dass ich ja jederzeit wieder gehen kann, wenn ich mich unwohl fühle.
    • Zodd wrote:

      Sich mitschleppen lassen. Also nicht alleine hingehen, sondern jemanden dabei haben, der einem am besten abholt.
      Ich gehe sehr selten auf Feiern. Wenn es irgend wie geht, dann "drücke" ich mich. Wenn ich mich nicht "drücken" kann, dann mache ich es so wie @Zodd. Nur, ich fahre am liebsten selber und biete mich anderen quasi als Fahrer an. Dann kann ich bestimmen, wann es nach Hause geht (*). Außerdem... Wenn ich gesagt habe, daß ich fahre, dann tue ich das auch. Also, ich halte mich an mein Wort. Dadurch "muß" ich schon zur Feier, da ich dem Mitfahrer einfach nicht absagen "kann" :m(:

      Nachteil, wenn man jemanden mit nimmt... Viele kriegen einfach kein Ende. Gerade wenn schon so einiges an Alkhol geflossen ist. Das hat mich einmal ordentlich "angeschissen". Ich wollte fahren, der Kollege meinte: "Och, ein Bier darf ich doch noch, oder?" Ich habe mich (natürlich...) überreden lassen. Er hat für das kleine Bier über eine Stunde gebraucht. :evil: Das passiert nicht noch mal bei dem. Sollte er das noch mal versuchen, dann sage ich ganz klar: "Du kannst gerne noch 'n Bier trinken. Dann musst Du eben per Taxi nach Hause fahren!"


      (*)
      Leider fällt es mir schwer, mich von einer Feier "abzusetzen". Mir fehlen einfach die Worte, bzw. ich finde keine passende Gelegenheit mich zu verabschieden. Es "brodelt" in mir... Aber zu sagen: "Danke für den Abend. War schön. Ich fahre jetzt..." fällt mir enorm schwer. Ich hoffe immer drauf, daß jemand anderes den Anfang macht. Dann "hänge" ich mich auch da dran.
    • Ich bin auch schon oft kurz vor knapp wieder umgekehrt, immer mit einer Mischung aus Erleichterung, weil ich "dem allem" entgangen bin, und etwas Scham, weil ich gekniffen habe. Oder auch Reue, weil ich vielleicht was verpasst haben könnte. Aber die Reue war meistens eher klein.

      Wenn ich sichergehen will, dass ich hingehe, dann muss ich auch entweder jemanden dabei haben, oder ich muss jemandem sicher zugesagt haben, der dann auf mich wartet. Das muss aber sehr verbindlich sein. Wenn ich nur einer von 20 Leuten bin, dann denke ich, es merkt eh keiner, wenn ich nicht da bin.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich suche mir dann auch einen "Anker", der mich "zwingt" hinzugehen.

      Ich brauche bei so einem Gewusel auch immer etwas, um mich zu orientieren, da kann mir der Raum noch so vertraut sein. Am anfang könnte ich öfter heulend wegrennen (hatte ich erst gestern, bin mit Tränen in den Augen rein weil ich so einen stress hatte obwohl ich jeden Menschen kannte und auch alle mich kannten (inkl. Macken), war insg. aber dann ok gewesen).


      H. M. Murdock wrote:

      Leider fällt es mir schwer, mich von einer Feier "abzusetzen". Mir fehlen einfach die Worte, bzw. ich finde keine passende Gelegenheit mich zu verabschieden. Es "brodelt" in mir... Aber zu sagen: "Danke für den Abend. War schön. Ich fahre jetzt..." fällt mir enorm schwer. Ich hoffe immer drauf, daß jemand anderes den Anfang macht. Dann "hänge" ich mich auch da dran.
      das fällt mir auch mega schwer! selbst wenn sich andere schon verabschiedet haben, muss ich mich immer noch überwinden
    • @Matou
      Ich kenne das nicht so von mir. Bei mir ist es eher so, dass ich schon viel früher Gedanken bekomme, die mich von solchen Vorhaben abhalten oder ich verfalle in Zwangsgedanken (vermutlich, um die Ängste und Unsicherheiten zu verdrängen). Wenn ich es hinbekommen habe, passende Kleidung auszuwählen, den Weg zu fahren, das Ticket vorab zu kaufen und ich dann vor einer Veranstaltung stehe, gehe ich eigentlich dann immer auch rein. Das heißt, wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, setze ich die meistens um. Manchmal habe ich dann aber schon direkt auf der Veranstaltung (sind meistens Konzerte, auf Familienfeiern etc. gehe ich nicht), z. B. an der Garderobe Ängste bekommen. So als wäre ich dann aus diesem Funktionieren-Modus aufgewacht. Dann fragte ich mich manchmal so: "Was um Gottes-Willen tue ich hier eigentlich alleine?!?!?", aber irgendwie scheint es mir zu gelingen, trotz solcher Ängste das dann durchzuziehen. Ich glaube das liegt daran, dass ich mich innerlich irgendwie abspalten 'kann' (was eigentlich sehr schlecht ist, da ich zu einer Integration kommen möchte).

      Ich finde es interessant, dass du vorher offenbar gar keine Ängste hast, diese dann aber von einem auf den anderen Moment dich überfallen. Verdrängst du vorher die Ängste bzw. kannst du dir vorstellen, wieso dann plötzlich so triggerartig Ängste kamen? Mich erinnerte die Schilderung fast schon an einen Flashback. Hast du dann Gedanken dabei oder ist das eine körperliche, panikartige Angst?

      Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich Menschen sind und denken und handeln.

      Mich wundert es, was bei dir diese Angst bedeutet, denn du schriebst ja "ich freute mich vorher sehr". Bei mir ist es eher so, dass ich mich vorher z. B. auf das Konzert freue, aber auf die anderen Besucher dort freue ich mich überhaupt nicht. :| Dann bin ich innerlich hin- und hergerissen und spüre meistens selbst nicht richtig, was ich möchte. Du scheinst aber vorher nur Freude und gar keine Ängste gespürt zu haben, oder? Wo kommen dann diese Ängste her? :roll:
    • H. M. Murdock wrote:

      (*)
      Leider fällt es mir schwer, mich von einer Feier "abzusetzen". Mir fehlen einfach die Worte, bzw. ich finde keine passende Gelegenheit mich
      zu verabschieden. Es "brodelt" in mir... Aber zu sagen: "Danke für den Abend. War schön. Ich fahre jetzt..." fällt mir enorm schwer. Ich hoffe immer drauf, daß jemand anderes den Anfang macht. Dann "hänge" ich mich auch da dran.
      Das fiel mir bisher auch immer sehr schwer. Denn oft saß ich nur mit dabei und sagte den ganzen Abend keine drei Sätze. Wenn man dann gehen will, erregt man spätestens dann Aufmerksamkeit und dann fällt den Leuten vielleicht erst auf, dass man ja auch anwesend war. :m(:

      Ich finde das total peinlich. Richtig peinlich finde ich es, wenn man dann sagt, dass man gehen will und es kommt ein "wieso denn jetzt schon?" (worauf ich schon so undiplomatische Dinge gesagt habe wie "es ist mir jetzt zu viel", was wiederum Rückfragen, Unverständnis und Beleidigt-Sein der anderen Leute auslöste und Antworten wie "sind wir denn so schlimm?". Da muss ich dann aufpassen, dass ich nicht sowas wie "Na ja..." sage. :shake: )
      Noch peinlicher finde ich es, wenn ich in mittellauter Stimme sowas wie "Tschüß, ich geh dann mal" sage, aber kein Mensch hört das. Dann wusste ich oft nicht, ob ich einfach weglaufen soll oder nochmal versuchen, lauter zu sprechen. Besonders wenn mich nur eine einzige Person gehört hat und die anderen nicht, ist mir das gegenüber der einen Person dann extrem peinlich. :m(: Wenn sich alle unterhalten, halte ich es auch für störend, wenn ich die Unterhaltung unterbreche, nur um dann zu sagen, dass ich verschwinde. Das wird in dem Moment vermutlich eh keinen interessieren. Ich finde solche Situationen einfach nur extrem peinlich. Da ich aber selten zu solchen Zusammenkünften gehe, kommt das nicht mehr so häufig vor.

      Ich finde es auch schlimm, wenn man wohin kommt und einen dann niemand richtig wahrnimmt bzw. ich nicht weiß, wie ich das dann anstellen soll, dass man mich bemerkt. Ich kann ja nicht in den Raum reinkommen und rumbrüllen, dass ich jetzt auch da bin. Mir erscheint es auch da unangemessen, alle anderen in ihren Gesprächen zu unterbrechen. Am liebsten wäre es mir, wenn alle dastehen würden, wenn man reinkommt und dann gibt man sich zur Begrüßung die Hand und sagt einfach nur "guten Tag" oder sowas. Danach kann man weitersehen. Aber so läuft das höchstens bei formellen Zusammenkünften wie Bewerbungsgesprächen etc. ab. Da beherrsche ich auch die Regeln ziemlich gut. Wenn man da fertig ist, weiß ich auch, wie man sich verabschieden sollte und vor allem sind da ja alle mit ihrer Aufmerksamkeit auf einen gerichtet. Das fällt mir dann wesentlich leichter. Wenn ich dann gehen will, muss ich wieder in den Zustand, dass die anderen merken, dass ich doch da bin, aber nur um zu sagen, dass ich dann gleich richtig weg bin. x(

      Ich glaube, ich weiß oft nicht genau, wie ich die Aufmerksamkeit auf mich richten kann bzw. ich weiß oft nicht, ob das angebracht ist. :roll: Denn eigentlich stehe ich schon auch gerne im Blick der Aufmerksamkeit. Das schwierige ist dieser Übergang vom "ich bin nicht da" zu "richtet eure Aufmerksamkeit bitte auf mich" (zumindest bei der Begrüßung). Beim Verabschieden ist es aber ähnlich, weil ich da ja, obwohl ich physisch da bin, oft auch irgendwie nicht richtig anwesend bin.
    • Matou wrote:


      Zusatzfrage: Wie schafft ihr es trotzdem bis in die Feier (vorausgesetzt, ihr wollt das)?
      Ich geh zwar nicht zu Familienfeiern oder ähnlichen Zusammenkünften bzw. nur sehr selten, aber wenn ich zu einem Konzert gehen möchte und es in mir widersprüchliche 'Stimmen' gibt, dann versuche ich mir die positiven Aspekte in den Vordergrund zu rufen, die ich erleben werde, wenn ich hingehe. Z. B. sage ich mir dann, dass ich bis jetzt nach fast allen Konzerten immer sehr glücklich war und wenn ich erst einmal dort bin und die Band spielt, es mir fast immer sehr gut geht und ich dann keine Ängste mehr habe. Außerdem sage ich mir sowas, dass es gut ist, wenn ich rausgehe und etwas erlebe, statt drinnen rumzusitzen (das ist aber vermutlich auch nicht immer sinnvoll, denn manchmal ist es besser, wenn ich mich erholen würde und das geht drinnen besser).

      Ich glaube aber, dass es auch wichtig ist, schon vorher die anderern Stimmen, also die Ängste, anzuhören, sonst werden sie vielleicht immer größer und kommen dann erst richtig durch, wenn man schon auf dem Weg oder schon auf der Veranstaltung ist. Manchmal merkt man dann vielleicht, dass die Ängste zu groß sind und man gerade zu instabil ist, sich dem Stress auszusetzen. Denn obwohl die schönen Dinge ja dann etwas Positives darstellen, sind sie für mich eben immer auch mit Stress verbunden, weil dort viele Menschen sind und micih das schon unsicher macht.

      Ich muss für mich auf jeden Fall rausfinden, wann es sinnvoll ist, die negativen Stimmen in den Hintergrund zu drängen (weil sie irrational sind und ich sie sonst nur größer machen würde und dadurch ein Besuch verhindert würde) und wann mir die negativen Stimmen die Botschaft geben, dass es tatsächlich sinnvoller wäre, NICHT zur Veranstaltung zu gehen. Ich finde das schwierig, denn die negativen Stimmen können bei mir einerseits ein Vermeidungsmechanismus sein, andererseits aber auch ernstzunehmende Bedürfnisse (nach z. B. Ruhe und Schonung). Vielleicht geht es bei dir auch um eine Art Abwägung, die aktuell aber noch nicht sichtbar ist? Denn auf den ersten Blick hört es sich für mich bei deinem Beitrag so an, als wolltest du dort auf jeden Fall hin und als gäbe es gar keine negativen Stimmen dazu in dir. Irgendwie kann ich mir das aber nicht vorstellen oder mein Verständnis darüber ist nicht gut genug ist. Ich denke mir nämlich, wenn plötzlich so eine krasse Angst auftaucht, muss die ja schon irgendwie vorher in einem gelauert haben.
    • @Matou
      was du schreibst könnte genauso mir passieren, wenn ich alleine bin. Erst ist da bei mir die Vorfreude, basierend auf schönen Erinnerungen und dann,
      mit dem Schritt durch die Türe: die vielen Menschen, ihre Stimmen, sie reden durcheinander, es kommen Gefühle aus Erinnerungen an Kontrollverlust, Panik ist da dann nicht mehr fern...
      Alleine und ohne Bezugspunkt / Bezugsperson /Ablenkung irgendwo hinzugehen, das kann leicht schief gehen.
      Was mir hilft, wenn ich niemanden dabei habe:
      Die Räume mit einer vertrauten und beruhigenden Musik im Ohr betreten, als überbrückende Ablenkung bis ich meinen Anschluss dann gefunden habe.
    • kastenfrosch wrote:

      das fällt mir auch mega schwer! selbst wenn sich andere schon verabschiedet haben, muss ich mich immer noch überwinden
      Geht mir auch so. Warum?
      Kann es sein, dass die Selbstfürsorge da nicht funktioniert, weil man etwas sagen müsste? Es heißt ja auch "sprechenden Menschen kann geholfen werden", aber etwas zu sagen, dazu muss man sich mit AS oft erst einmal überwinden, das ist gar nicht so einfach, selbst dann nicht, wenn es wichtig wäre (also wichtiger als nur bei einer Feier zu gehen).

      Für Feiern kann es helfen, wenn man einen Grund hat wie "ich muss morgen früh aufstehen" oder "ich habe noch einen weiten Heimweg". Aber trotzdem ist der Moment, wenn man zu sprechen beginnen muss, eine Hürde. Auch den richtigen Moment zu erwischen.
      Ich habe es manchmal so gemacht, dass ich erst aufgestanden bin und meine Jacke angezogen habe, und dann, wenn die andern hergeschaut haben, erst gesagt haben, dass ich gehe, ggf. noch mit einem Grund warum jetzt schon, oder je nach Situation halt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Zodd wrote:

      Sich mitschleppen lassen. Also nicht alleine hingehen, sondern jemanden dabei haben, der einem am besten abholt. Zu zweit fallen mir eh viele Dinge leichter, ich fühle mich gestärkt und nicht mehr so hm unsicher und fragil. Wobei die zweite Person natürlich nicht irgendwer ist, sondern bestenfalls jemand der mir sehr nahe steht.
      Es geht mir bei sozialen Anlässen deutlich besser wenn ich einen "Anker" habe. Auch ich fühle mich dann sicherer. Wenn die Feier schon begonnen hat, und ich müsste da alleine rein gehen, würde es auch für mich sehr schwierig.
      Eine Möglichkeit wäre es auch, sich mit ein paar Leuten vorab z.B. vor der Tür zu treffen um gemeinsam reinzugehen.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • @alle: Vielen Dank für Eure Antworten.

      Typischerweise lasse ich mich mitschleppen. Ich war aber auch schon oft selbst in der Rolle des lieben Ankers. Hier hatte sich beides leider nicht ergeben. Daher vielleicht der Zug als Anker... So drüber nachgedacht hab ich im Vorfeld nicht, weil ich mich sehr arglos freute. Mehr war da nicht.

      @FruchtigBunt: Ich habe 2 Dinge in Verdacht, das sie getriggert haben. Ich fuhr die gleiche Route wie vor wenigen Wochen mit meiner sterbenden Katze zum Tierarzt. Das hatte ich nicht bedacht - fiel mir aber erst aufm Rückweg auf. Der Blick in die Wirtschaft mag mich an eine (unangenehme) Feier in ähnlicher Umgebung erinnert haben.

      Ich erinnere als scheinbar unwichtiges Detail, dass die Garderobe übervoll hing. Dann war aber schon das körperliche Gefühl übermächtig, die vielen Gesichter wurden unscharf und ich drehte mich um. Neben der Garderobe stand eine später angekommene Frau, sie fragte, ob ich durchmöchte. Ab dem Moment wollte ich genau das und nickte. Wie es weitergehen sollte, war mir nicht klar. Draußen schlagartig Erleichterung - Gedanken in Sätzen erst viel später, auch Sprache war weg. Nicht sprechen, nicht denken - das müssen die gleichen Zahnrädle sein. Bildgedanken aber genauso wenig. Ich fand die schwarzen Hügel und Bäume und den Regen optisch recht intensiv (das Gegenteil vom Tunnelblick in der Wirtschaft). Es rief dann noch jemand von der Feier an, ob ich noch komm. Die waren traurig.

      Ich bin das erst heute und enttäuscht. Gefühlsmäßig war es, als ob ich den ganzen Tag über immer wattiger geworden war (merkt man ja leider nicht gleich). Hat Stunden gedauert (über den Schlaf hinaus), bis das nun wieder weg ist.

      The post was edited 1 time, last by Matou ().

    • FruchtigBunt wrote:

      "wieso denn jetzt schon?"
      Auf solche Fragen bin ich vorbereitet. Und dann mache ich das genau so:

      Shenya wrote:

      "ich muss morgen früh aufstehen" oder "ich habe noch einen weiten Heimweg"




      FruchtigBunt wrote:

      Ich finde es auch schlimm, wenn man wohin kommt und einen dann niemand richtig wahrnimmt bzw. ich nicht weiß, wie ich das dann anstellen soll, dass man mich bemerkt.
      Tja... Einerseits kann ich das sehr gut nachvollziehen, was Du schreibst. So ein: "Hallo. Schön das Du da bist. Wenn Du was zu Trinken möchtest, da hinten steht was. Bedien dich selber..." usw. wäre schon ok. Und mehr würde ich eigentlich auch gar nicht "brauchen". Andererseits möchte ich ja eigentlich, daß man mich gar nicht bemerkt. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen um zu vermeiden, daß man angesprochen und möglicherweise noch in Smalltalk verwickelt wird :nerved: Aber, dieses "nicht wahrgenommen werden" kenne ich auch. Ich erinnere mich z.B. an eine Situation, als ob es gestern gewesen wäre (ist schon über 20 Jahre her...). Ich war mit einem Kollegen auf einer Schulung und sind abends dann Essen gewesen. Wollte die Bedienung zum Bezahlen herrufen... Vorher habe ich bei den anderen Gästen geguckt, wie die das machen. Ich habe mich einfach zu blöd angestellt... :m(: Wenn die Bedienung in meine Richtung gesehen hat, war ich zu langsam mich bemerkbar zu machen. Ging sie in der Nähe vorbei, war ich auch da zu langsam. Bis ich mein "Hallo, ich möchte zahlen!" raus gebracht hatte, war sie schon wieder zu weit weg und hat mich nicht gehört. Wäre ich da alleine gewesen, schlimm genug. Aber mein Kollege hat sich schon fast schlapp gelacht. *peinlich hoch 3* Darum gehe ich lieber in einen Imbiss als in ein Restaurant. An den Tresen gehen, "Hallo!" sagen, bestellen, hinsetzen, auf das Essen warten, "Danke!" sagen, Essen, an den Tresen, bezahlen, "Tschüss!" sagen und gehen. :d

      Tschuldigung für Offtopic...



      Wenn ich mal ohne "Anker" auf eine Feier muß... (gaaaaaaaanz selten, kann mich nicht erinnern, wann das das letzte Mal war). Dann sehe ich zu, daß ich nicht der erste, aber ganz sicher auch keiner der letzten bin. Es sollten immer schon mindestens zwei oder drei andere da sein. Wäre ich der erste, dann bliebe mir dieses Smalltalk-Gedöns nicht erspart. So kann ich mich schön unauffällig im Hintergrund halten, evtl. hier und da mal ein bischen was zu sagen, wenn es passt. Außerdem kann ich mich so langsam an die nach und nach "eintrudelnden" anderen Gäste gewöhnen. Auch bleibt mir dann die Frage erspart: "Wie stelle ich das mit dem Begrüßen an? Muß ich wem die Hand geben? Wenn JA, wem? Allen? Nur denen, die ich kenne? Oder reicht auch ein einfaches 'Hallo!' in Richtung der anderen Gäste?" So kann ich einfach drauf reagieren wie die "Neuankömmlinge" sich verhalten. Gibt mir jemand die Hand, erwider ich das. Sagt jemand nur "Hallo!", mache ich das genau so.

      Würde ich als einer der letzten (oder sogar wirklich der letzte, weil zu spät) auftauchen, dann wäre mir die plötzliche Aufmerksamkeit "aller" anderen Gäste zu viel. Wenn dann noch vom Gastgeber der Spruch: "Ah... Dann sind wir jetzt ja komplett..." kommen würde, wäre der Abend für mich gelaufen. :m(: Auch die plötzliche Geräuschkulisse wäre unangenehm. Und das schlimmste, daß oben schon erwähnte "Begrüßungsritual" kommt noch oben drauf.

      Darum, niemals zu früh, niemals zu spät, sondern immer genau richtig :d .... Oder gar nicht :lol:
    • H. M. Murdock wrote:

      Darum, niemals zu früh, niemals zu spät, sondern immer genau richtig :d .... Oder gar nicht :lol:
      Damit triffst du mein generelles Pünktlichkeitsproblem auf den Kopf. Interessant.

      Noch zum Stichwort Angst: Körperlich die volle Symptomatik, doch ohne Gefühl und ohne Gedanken dazu.

      The post was edited 1 time, last by Matou ().

    • Matou wrote:

      Damit triffst du mein generelles Pünktlichkeitsproblem auf den Kopf. Interessant.
      Ähhh.... Du bist also generell unpünktlich? Wenn ja, dann nehme ich an, zu spät?

      Ein "zu spät" gibt es z.B. bei mir nicht. Ich versuche immer so genau wie möglich rauszufinden, wie lange ich für die Anfahrt brauche. Dann rechne ich von der "Beginn-Zeit" zurück, wann ich los muß. Großzügig "Sicherheit" rechne ich auch drauf. Es kommt oft vor, wenn ich alleine wohin muß (z.B. Arzttermin), daß ich viiiiiiel zu früh da bin. Dann bleibe ich lieber im Auto "um die Ecke" stehen und warte, als das es zu knapp wird. Droht eine Verspätung dann werde ich panisch. Beispiel:

      Ich hatte vor einer Weile öfter Morgens einen Termin beim Kieferchirurgen. Die ersten zwei oder drei Termine war ich immer viel (!) zu früh da. Da habe ich dann im Parkhaus im Auto gesessen und gewartet. Habe mir dabei dann gemerkt, wie lange ich ungefähr für die Anfahrt brauche. Beim vierten Termin bin ich so losgefahren, daß ich pünktlich, aber nicht viel zu früh da bin. Was soll ich sagen... Unfall. Stau. Stillstand! Umkehren und andere Strecke fahren nicht möglich... Kam fast schon PANIK in mir auf! Mir war klar, daß es nur ein Kontrolltermin war. Also, da stand kein OP-Team mit "gewetzten Messern" ;) parat. Da in der Praxis Morgens früh generell nur Kontrollen gemacht werden, hätten die einfach jemand anderen (pünktlichen :d ) dran genommen. Wusste ich alles, aber trotzdem... :m(: Wenn sowas passiert, dann "verwandel" ich mich in Lisa -> KLICK ;) (Stresssituation kommt später im Video) inkl. Fingernägelkauen und Fluchen. Allerdings sind meine Flüche deutlich lauter und ... ... ähhh ... "derber" :lol: Nachdem ich endlich weiter fahren konnte, haben mich Tempolimits nicht wirklich interessiert... :m(: Kam dann abgehetzt ganze zwei (!) Minuten zu spät in die Praxis. Hab mich gleich entschuldigt. Die wussten gar nicht was ich wollte. Kam nur "Alles gut... Bitte setzen Sie sich ins Wartezimmer. Dauert noch nen Moment..." :lol:

      Beim nächsten Termin war ich noch früher da, als bei den ersten :lol: