Offizielle Asperger Diagnose - Wie geht ihr damit um?

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    • Offizielle Asperger Diagnose - Wie geht ihr damit um?

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      Hallo zusammen,

      ich habe vor 2 Wochen die gesicherte Diagnose Asperger Syndrom in Form eines Gutachtens bekommen und versuche nun iwie damit umzugehen. Ich fühle mich iwie von der Rolle (RW). Einerseits bin ich erleichtert das meine Jahrelange Suche nach der Problemfindung nun entgültig ein Ende hat, andererseits weiß ich gerade nicht, wie ich jetzt mit dieser Tatsache umgehen soll. Ich habe auf der einen Seite jetzt Ruhe und Gewissheit, auf der anderen Seite muss ich das jetzt iwie verarbeiten und ich weiss nicht wie. Das so schwarz auf weiß auf einem Blatt stehen zu haben, ist nochmal eine ganz andere Hausnummer (RW).

      Ich stehe auf der Warteliste für eine Therapie, habe meine Psychiaterin/Neurologin informiert, und bin hier im Forum angemeldet (Tipp der Diagnostikerin)

      Wie habt ihr das verarbeitet? Musstet ihr es verarbeiten? Es halt doch ein ganz schöner Schock und hat mich schwerer getroffen als die Epilepsie Diagnose (auch erst Mitte 2019 entdeckt). Natürlich fällt es mir jetzt auch leichter die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich zu akzeptieren wie ich bin.

      Viele Grüße
      Billy
      woher weiß ein Blinder, dass er blind ist, wenn er nicht weiß wie es ist zu sehen?
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      19Billy86 wrote:

      Musstet ihr es verarbeiten?
      Nein. Das Gesamtbild hatte sich ja im Laufe des Diagnostikprozesses immer mehr zusammengefügt. Mit dem Brief war es dann einfach nur vollständig.
      Statt mich immer wieder wegen eines Scheiterns zu ärgern, habe ich mich ab da wirklich angenommen wie ich bin.

      Aktuell habe ich aber auch keine Dinge, wegen denen ich eine Therapie bräuchte. Da mag das vielleicht anders sein, wenn Du stärker betroffen bist.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
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      19Billy86 wrote:

      Wie habt ihr das verarbeitet? Musstet ihr es verarbeiten?
      Für mich war das ziemlich schwierig. Mir ist irgendwie mein Selbstvertrauen abhanden gekommen. Ich glaube, es lag daran, dass ich vorher trainiert hatte, meine Stärken zu sehen und die Schwächen auszublenden, und dann mit der Diagnose musste ich mich erstmal mit den Schwächen viel stärker befassen. Es kam zu der Zeit aber auch sonst viel zusammen, nicht nur die Diagnose. Es gab viele innere "Umbauprozesse", Neudefinierungen oder so.
      Wichtig war auch, den Alltag zu verändern, um besser klarzukommen, also für Entlastung sorgen. Das hieß bei mir weniger arbeiten und ein bisschen Hilfe organisieren. Außerdem Therapie. Falls jetzt keine "Katastrophen" mehr passieren (z.B. Wohnungskündigung, oder ich kann den Job nicht mehr machen, oder ich bekomme eine schwere Krankheit - oder sonst etwas in der Art), dann könnte es jetzt allmählich besser werden. Meine Erwartungen sind aber eher durchwachsen.
      Alles wird galaktisch gut.
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      Ich stehe ja noch vor der Diagnostik (Anfang Dezember) und ich denke, wenn sie positiv ausfällt, wird es für mich zunächst schwierig werden sie zu akzeptieren.
      Mit der Zeit denke ich wird es aber besser werden.

      Du solltest die Diagnose akzeptieren und versuchen, dass beste daraus zu machen.
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      Noch bin ich ja selbst in der Diagnostik, könnte mir jetzt aber auch nicht vorstellen, dass ich da viel verarbeiten muss und bin da bei Garfield:

      Garfield wrote:

      Nein. Das Gesamtbild hatte sich ja im Laufe des Diagnostikprozesses immer mehr zusammengefügt. Mit dem Brief war es dann einfach nur vollständig.
      Ich selbst kann mir jetzt gar nicht vorstellen, wie die Diagnose mich schocken könnte, denn ich gehe ja bewusst zur Diagnostik, weil ich/andere vorher was bemerkt haben und ich der Meinung bin, da ist was dran und es hat eine Berechtigung zur Abklärung, daher kann ich das jetzt für den Prozess der Aspergerdiagnose nicht ganz nachvollziehen.

      Was ich damals zu verarbeiten hatte, war die Borderlinediagnose, die ich unter fragwürdigen Umständen(akute Psychiatrieaufnahme, 2 Tage insgesamt nur dort laut Akte, ganz offiziell war ich wenn es hoch kommt in diesen 2 Tagen allerdings vielleicht nur 7-8 Stunden dort, von denen 4 Stunden etwa Gespräche waren - 3 Stück an der Zahl mit 3 verschiedenen Ärzten/Therapeuten die etwa alle dasselbe erfragt haben) erhielt. Und die Diagnose wurde nicht mit mir besprochen, ich hab sie erst einige Zeit später von meinem Hausarzt erfahren, als der den Abschlussbericht bekam.

      Aber bei dem Prozess der Aspergerdiagnostik, da kann ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bei mir lief es bis jetzt so: geäußerter Verdacht meiner Therapeutin im Frühjahr, da erstmal "nee kann nicht sein" meinerseits mangels Wissen, bis Juli etwa habe ich mich damit beschäftigt, was Asperger ausmacht und mich dann dazu entschieden, eine Diagnosestelle zu suchen. Denn ich sah/sehe Übereinstimmungen und erkenne Erklärungspotenzial für mich, also war/ist es mir wert, das abzuklären. Im September war das Erstgespräch, weiter gehts im Januar. Also genügend Zeit für mich, mich damit auseinanderzusetzen, was es bedeuten würde die Diagnose zu erhalten oder eben auch nicht zu erhalten. Beim Nichterhalt würde es dann eben weitergehen in der Ursachenforschung.

      Mich würde aber tatsächlich interessieren, was die Schwierigkeit der Akzeptanz und Annahme der Diagnose ist. Shenya hat es ja schon grob umrissen. Und vermutlich kommt es da eben auch sehr drauf an, welche Beeinträchtigungen man selbst im Leben dadurch hat.
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      @Fighter93 Es ist bei mir genau wie bei @Shenya sie hat es sehr treffend formuliert :)

      Dadurch dass ich seit frühester Kindheit kompensiere und mich auf meine Stärken konzentriere, hab ich mich nie um meine Schwächen gekümmert. Ich habe es verdrängt und kaschiert und mich einfach noch mehr auf meine Stärken fokussiert. Das fällt jetzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen (RW)

      Plötzlich die eigenen "Schwächen" eingestehen zu müssen ist am Anfang nicht so einfach gewesen. Ich bin es gewohnt zu kämpfen und plötzlich zu hören das man als Mensch okay ist, wie man ist und es in Ordnung ist Schwäche zu zeigen muss man auch erstmal sacken lassen.


      @Garfield das ist natürlich der positive Aspekt den ich auch darin sehe :)
      Ich hatte insgeheim gedacht die Diagnose würde negativ ausfallen, vielleicht liegt es auch daran. Ich hab nie darüber nachgedacht was ich mache wenn die Diagnose bestätigt wird.

      @Vulkan Ich drück dir die Daumen, dass alles gut wird :)
      Ja ich akzeptiere natürlich die Diagnose, vielleicht muss ich mich auch erstmal daran gewöhnen
      woher weiß ein Blinder, dass er blind ist, wenn er nicht weiß wie es ist zu sehen?
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      Ich habe mich gefühlt ein Jahr lang (nicht durchgehend, aber immer wieder / häufig) mit einem Rückblick beschäftigt, in welchen Situationen sich mein Autismus seit der Kindheit ausgewirkt hat. In der Zeit habe ich auch alles, vom runtergefallenen Stift bis wasweißich, mit dem Autismus in Verbindung gebracht(*).
      Ich gehe im privaten Kontext zum Teil offen mit der Diagnose um, habe auch schon zum "Behinderten"-Tarif an Tagungen teilgenommen, zum Teil spreche ich es aber auch nicht an.
      Eine (ehemalige) Mitschülerin, die ich seit dem Kindergarten bis zum Abitur kenne (jetzt Oberärztin) habe ich auf meine Diagnose angesprochen, sie meinte, ich sei in erster Linie ich und nicht meine Diagnose. Seitdem sehe ich das(*) etwas entspannter.
      Meine Arbeitsstelle, die ich schon vor der Diagnose hatte, weiß von nichts. Dabei bleibe ich auch.
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      19Billy86 wrote:

      Dadurch dass ich seit frühester Kindheit kompensiere und mich auf meine Stärken konzentriere, hab ich mich nie um meine Schwächen gekümmert. Ich habe es verdrängt und kaschiert und mich einfach noch mehr auf meine Stärken fokussiert. Das fällt jetzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen (RW)

      Plötzlich die eigenen "Schwächen" eingestehen zu müssen ist am Anfang nicht so einfach gewesen. Ich bin es gewohnt zu kämpfen und plötzlich zu hören das man als Mensch okay ist, wie man ist und es in Ordnung ist Schwäche zu zeigen muss man auch erstmal sacken lassen.
      Danke noch für die Antwort.
      Gut, wenn man sich tatsächlich sehr auf seine Stärken fokussiert und außer Acht lässt, womit man Schwierigkeiten hat, kann es einen schon hart treffen - denke ich zumindest. Ich kanns ja nur von mir selbst sagen und verstehen, ich kenne tendenziell eher meine Schwächen, weil sie mir eben im Miteinander mit anderen extrem auffallen bzw. ich - wenn ich kompensiere - im Nachgang einfach direkt merke, wie es mir meine Energie und Kraft raubt. Stärken habe ich sicher auch, aber die sind für mich selbst eigentlich ziemlich normal und fallen mir dann eher weniger als Stärke auf - ich höre das dann wenn nur von meinem Umfeld, wenn die mich mal wieder drum beneiden, wie mutig ich bin, wenn ich alleine in den Urlaub fahre oder wenn ich von meinen Kollegen sämtliche Schreiben die an die Eltern rausgehen zum Korrekturlesen bekomme. Das sind jetzt nur Beispiele, aber für mich sind das eben die normalsten Dinge der Welt. Grundsätzlich kann ich sagen, ich hab mein lebenlang gekämpft und einige Kämpfe verloren, aber auch an den Niederlagen bin ich gewachsen.

      Bei mir wäre es dann so, dass mein Konstrukt einen Namen bekommen würde, mein Umfeld (Arbeit und Freunde) kennen mich mit meiner Geschichte, meinen Ecken und Kanten, Schwächen, Stärken und Eigenheiten. Für mich wäre es eine Entlastung sicher sagen zu können "Es ist Asperger", dann muss ich nicht immer alles umständlich erklären in Situationen, in denen er vorteilhaft wäre, zu erklären wieso weshalb warum.
      Meinen Freunden und Kollegen ist es vermutlich "egal" ob das ganze Asperger, Borderline, soziale Phobie oder einfach soziale Unfähigkeit oder was auch immer ist, sie nehmen mich so wie ich bin. Auf der Arbeit gibt es, soweit machbar, Entgegenkommen für mich, meine Freunde wissen um meine Schwierigkeiten und da würde keiner auf die Idee kommen, mich bspw. aufs Musikfestival in der Stadt mitzuschleifen oder sich in einem überfüllten Cafe mit mir zu treffen.
      Ich selbst will einfach die Sicherheit haben - und mich nicht ohne Berechtigung als Asperger ausgeben, wenn ich es gar nicht bin. Dann muss eben wie oben schon geschrieben die Ursachenforschung weitergehen.
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      19Billy86 wrote:

      Ich stehe auf der Warteliste für eine Therapie, habe meine Psychiaterin/Neurologin informiert, und bin hier im Forum angemeldet (Tipp der Diagnostikerin)
      Bei uns gibt es keine Therapien für erwachsene Asperger, einen Psychiater habe ich nicht - und ich hatte vorher schon den Verdacht und wollte mich einlesen .


      19Billy86 wrote:

      Wie habt ihr das verarbeitet? Musstet ihr es verarbeiten? Es halt doch ein ganz schöner Schock und hat mich schwerer getroffen als die Epilepsie Diagnose (auch erst Mitte 2019 entdeckt). Natürlich fällt es mir jetzt auch leichter die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich zu akzeptieren wie ich bin.
      Klar, mustes es verarbeitet werden.
      Mein erstes Gefühl war Erleichterung.
      Ich habe es ähnlich gemacht wie du und meine Schwächen immer ausgeblendet , doch ich habe selbstverständlich gemerkt, dass das für mich viel anstrengender war als für andere Menschen.
      Ich wurde für dumm, faul, träge, widerwillig, oppositionell, ungeschickt, unsensibel, merkwürdig, komisch , arbeitsscheu, nicht belastbar, nicht leistungsfähig , trampelig, unsensibel und verrückt gehalten.
      Und das OBWOHL ich mich so angestrengt habe, "normal " zu sein.

      Als erstes sagte mir die Diagnose : " Diese Zuschreibungen deiner Umwelt - bist du alles nicht !"
      als zweites :
      "Du hattest Recht. Die ganze Zeit hat dich dein Gefühl, da steckt noch mehr dahinter , nicht betrogen. Du hattest Recht - und zwar auch gegen die Meinung der Fachleute ...."

      Verarbeiten musste ich dann eher : Das bleibt. Das war immer da und geht auch nicht weg. Es hat mein Leben geprägt und überschattet.
      Jetzt geht es darum, meinen Frieden zu machen mit mir selbst.
      Ganz oft kann ich sogar über mich lachen, ein Zeichen, dass ich mich nicht mehr so verkrampft sehe.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
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      @19Billy86
      Ich finde, du machst alles richtig!

      Endlich Gewissheit in Bezug auf die Diagnose-toll.
      ....und jetzt schön "verarbeiten"!

      Das wird seine Zeit benötigen. Ich befasse mich seit der Diagnose meines Sohns (2008) damit und lerne immer noch dazu.
      Dabei hatte ich nach dem ersten Schock niemanden, der mir hätte helfen können. Und das war auch nicht die einzige "Baustelle", so wie bei dir, du hast ja auch noch andere Sorgen zusätzlich.

      Du hast aber eine Anmeldung zur Therapie und Verbindung zu einer Nervenärztin, mit der du "kannst" - das ist alles schon mal mehr als nichts und sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Was du aus und/oder mit deiner Diagnose machst und was du noch alles erreichen kannst, steht noch nicht 100% fest. Noch ist nichts, wie man so sagt, "in Stein gemeißelt".
      Du kannst also einiges variieren und ausprobieren und von dem mehr machen, was dir gut tut, dafür anderes lassen, was dir nicht gut tut!
      Das empfehle ich dir als Richtlinie!

      Und das da:

      Fighter93 wrote:

      ....und mich nicht ohne Berechtigung als Asperger ausgeben, wenn ich es gar nicht bin.
      ...kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Welche Notwendigkeit besteht denn, sich als Aspergerautist auszugeben? Geltungssucht? :nerved: Minderwertigkeitskomplexe? 8o

      Ich gebe mich doch auch nicht als grüngelbhäutige Schreckschraube aus oder als Nacktmull oder als Diabetiker, wenn ich weder Diabetes habe noch ein Nacktmull bin oder eine gelbgrünhäutige Schreckschraube.
      Ich habe mit meinem Alltag und dessen Bewältigung genug zu tun.
      Ich brauche kein Etikett!
      Ich brauche ab+zu mal Unterstützung.
      Wenn das nur mit dieser besonderen Diagnose geht, ist sicherlich was im System schlecht geregelt, aber dann muss ich wohl versuchen, die Diagnose zu erhalten - oder ohne die benötigte Unterstützung leben.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:

      The post was edited 1 time, last by Capricorn ().

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      Capricorn wrote:

      ..kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Welche Notwendigkeit besteht denn, sich als Aspergerautist auszugeben? Geltungssucht? Minderwertigkeitskomplexe?
      Ich gebe mich doch auch nicht als grüngelbhäutige Schreckschraube aus oder als
      Schreibt @Fighter93 als VA doch. Er hätte dann eine griffige Bezeichnung für seine Schwierigkeiten, kann das aber bevor die Diagnostik steht , das nicht machen.
      ( Wäre das wenn er das tut , wirklich Geltungssucht? Oder einfach, um in Ruhe gelassen zu werden? Ich habe früher manchmal aus diesem Grund so getan, als würde ich kein Deutsch verstehen. )
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
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      Rhianonn wrote:

      Er hätte dann eine griffige Bezeichnung für seine Schwierigkeiten, kann das aber bevor die Diagnostik steht , das nicht machen
      ja wieso denn nicht?
      Steht etwa die Todesstrafe auf die Verwendung eines gesetzlich geschützten Begriffs? :shake:

      Und wer hütet diesen "Gral" eigentlich?

      Also wenn ich diesen Begriff für mich endlich akzeptiert habe - und das kann harte Arbeit sein - und ich meine den Begriff Aspergersyndrom -, dann darf ich mich doch nach allen Möglichkeiten erkundigen, damit besser und weniger angestrengt zu leben.
      Ob mit gesicherter Diagnose oder mit Verdacht auf Dingenskirchen.

      Nur wenn ich ein Nacktmull wäre, würden mich ja die Ratschläge für Nacktmulle interessieren, nur dann brächte es mir was, diese Ratschläge für mich umzusetzen.
      (Sorry an alle Nacktmulle für das Überstrapazieren dieses Begriffs)
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
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      Capricorn wrote:

      ja wieso denn nicht?
      Steht etwa die Todesstrafe auf die Verwendung eines gesetzlich geschützten Begriffs?
      Man weiß doch dann noch gar nicht, ob man AS hat oder nicht. Wieso sollte man dann schon sagen man hätte es? Das höchste der Gefühle wäre, zu sagen, dass man den Verdacht hat. Aber da ist dann schon die Frage, wem gegenüber und welchen Nutzen das hat, solange es noch nicht ärztlich bestätigt ist.
      Ich gehe ja auch nicht hin und sage, ich habe Krebs, wenn ich nur einen Verdacht habe. Sondern dann lasse ich das abklären.
      Alles wird galaktisch gut.
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      ich wäre nicht von mir aus auf diese diagnose gekommen und hatte auch vor der diagnose schon diverse hilfen. man braucht für vieles nicht eine AS-Diagnose. Man kann auch mit anderen Diagnosen viele Hilfen bekommen. Allerdings hat gerade mit denen, wo ich enger zusammenarbeiten muss, mir die diagnose was gebracht. es funktioniert besser wenn mein umfeld die AS-besonderheiten berücksichtigen statt wie mit standart-dperessions-schema oder ähnlichem zu arbeiten.

      ich habe anfangs viel zum thema gelesen. dann hatte ich irgendwann keine lust mehr. nun schaue ich, inwieweit die theorie wirklich mit mir selbst zu tun hat und welche handlungsoptionen besser zu mir passen. gerade alles rund um overloads und meltdowns hat mir sehr geholfen, besser zurecht zu kommen (früher ruhe suchen u.ä.). Vor der diagnose wurden viele aspekte falsch gedeutet.

      schwierig finde ich den offenen umgang mit der diagnose. wenn mich jemand neu kennelernt, ist es etwas einfacher. aber manche menschen aus meinem umfeld meinen auch alles besser zu wissen und über die diagnose ihre eigenen (negativen) urteile zu bilden. entweder ziehe ich mich zurück oder vermeide das thema. oft umschreibe ich meine probleme einfach statt mit fachwörtern "um mich zu werfen" (RW). Viele menschen wissen eh nicht, was genau autismus sein soll. aber jeder weiß, was reizüberflutungen sind oder kann sich etwas darunter vorstellen, wenn ich sage, ich brauche klare strukturen und bin nicht so spontan.

      früher wollte ich vieles "übers knie brechen" (RW). da bin ich nun rücksichtsvoller auf mich selbst geworden. dadurch habe ich für mich viel gewonnen, auch wenn ich manchmal denke, so auch manches zu verpassen.

      Viel hilft mir der austausch mit anderen autisten. zu sehen, sie haben die gleichen probleme und ich muss mich nicht erklären.
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      Garfield wrote:

      Statt mich immer wieder wegen eines Scheiterns zu ärgern,
      Das ist mMn der entscheidende Punkt - ob man durch die Diagnose (oder wie in meinem Fall schon davor durch den Eigenverdacht) eine Erklärung für Situationen hat, die man zuvor als Scheitern und damit oft als Versagen empfunden hat, oder ob man umgekehrt das Gefühl hat, dadurch einen Stempel des zukünftigen Versagers zu bekommen. Liegt an der ganz persönlichen Vorgeschichte, hat teilweise sicher auch mit dem Alter zu tun (mit 60 macht man sich keine Hoffnung mehr, sich noch "bessern" zu können, da fällt es leichter als mit 20 oder 30, die Diagnose zu akzeptieren). Ich vermute, dass mich eine zuvor nicht vermutete Diagnose vor 30 oder 40 Jahren auch getroffen hätte.
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      Nun ich wollte jetzt keine Grundsatzauseinandersetzung auslösen, wegen der Verwendung oder nicht Verwendung der Diagnose. Und am Rande erwähnt, ich bin weiblich. Nix mit er.

      Momentan hausiere ich weder mit der Diagnose - die ich ja gar nicht habe - noch mit dem Verdacht groß rum. Meine beste Freundin weiß es, sowie meine Chefinnen, also sie wissen, dass ich in Diagnostik für Asperger bin. Andere Menschen wissen dass ich eine Diagnostik am Laufen habe - aber nicht weswegen. Könnte also alles und nichts sein. Und ich will mich am Ende weder auf einer Diagnose ausruhen, sie als Grund vorschieben, noch sonst irgendwas. Ich will einfach nur Gewissheit haben - und das sollte doch eigentlich verständlich sein?! Das man wissen möchte, woher all die Schwierigkeiten kommen die man hat und die offensichtlich der Großteil der anderen Menschen nicht hat, nicht in der Intensität.
      Aber das ist ja nun nicht ganz das Thema, es geht ja drum wie/ob man die gesicherte Diagnose verarbeitet.
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      19Billy86 wrote:

      Wie habt ihr das verarbeitet? Musstet ihr es verarbeiten?
      Bei mir war es schon vorher etwas klar bzw über 50% die Chance das ich die Diagnose >nochmal< bekomme, aber es gab mir zumindest eine gewisse Selbsterkenntniss. Verarbeiten musste ich es dennoch irgendwie. Vorher war nur rätselraten ob die Ärzte von vor 20 Jahren recht hatten oder es alles doch andere Gründe hatte da ich immer schon irgendwie auffällig war.
      Aber jetzt wo ich weiß was es ist, kann ich besser damit umgehen und auch selbstsicherer anderen sagen was ich habe wenn Fragen aufkommen, oder dumme Momente passieren was mir eigentlich sehr oft passiert, je länger ich irgendwas mit jemandem zutun habe.
      Bisher habe ich dann Interesse von denen erlebt, wo sie fragten "Und wie äußert sich das bei dir?"
      Es kommt heute sehr viel seltener vor das mir jemand sagt "Wie ein Autist siehst du garnicht aus" oder "Das hätte ich jetzt garnicht gedacht" oder so, aber ich vermute das liegt daran das ich meine autistischen Verhaltensweisen heute nicht mehr so unterdrücke wie ich das früher versucht hab.
      Es kann sein das Leute mir dann schon mehr ansehen das ich anders bin. Mir ist das auch nicht peinlich oder unangenehm, sie haben ja auch vorher oft geguckt wegen irgendwas. Das sie früher geschaut haben weil ich als Frau wie ein Mann rumlief hat mich mehr gestört, deswegen schaut dank Hormonpräparate heute aber keiner mehr. Und wenn sie schauen weil ich halt autist bin, dann sollen sie doch, das ist mir egal.
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      Herzlich willkommen im Forum! :)

      19Billy86 wrote:

      Wie habt ihr das verarbeitet? Musstet ihr es verarbeiten?
      Ich war am Anfang einfach nur erleichtert, als ich die Diagnose bekommen habe, hatte ich es doch seit Jahren geahnt, dass es so ist. Aber erst als der Leidensdruck zunehmend mehr wurde durch wiederkehrende depressive Phasen, habe ich den Mut gefasst, mich zur Diagnostik anzumelden.

      Ich hatte mich selbst immer als Versagerin eingestuft, nun wurde mir deutlich, dass es tatsächlich einen Grund dafür gibt, dass ich nicht so "funktioniere" wie der überwiegende Teil der Menschheit.

      Ich habe nach der Diagnose begonnen, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Ich habe über Monate mein ganzen Leben Revue passieren lassen, und alles aus dem Blickwinkel der Diagnose nochmal neu einsortiert. Endlich konnte ich damit beginnen, mich selbst besser zu verstehen.
      Aber die Traurigkeit über manches, was ich im Leben nicht erreichen konnte aber gerne gewollt hätte, bleibt, auch wenn ich es nicht mehr als mein persönliches Versagen betrachte.
      Und ich habe auch gemerkt, dass mir meine Schwächen nochmal bewusster geworden sind durch die intensive Beschäftigung mit mir selbst.

      Auch ich habe eine Anbindung an eine sehr nette Psychiaterin, die mich z.B. auch mal krank schreibt, wenn es gar nicht mehr geht.

      Und ich habe jetzt eine Psychotherapie begonnen. Es ist keine spezielle Therapie für Autisten. Die Therapeutin kennt sich gar nicht besonders gut mit Autismus aus, ist aber interessiert, offen und nett. Ich habe sofort bei der Anmeldung gesagt, dass ich das Asperger Syndrom habe, ob das für sie ein Hindernis wäre. Ich hatte nämlich gehört, dass manche Therapeuten die Arbeit mit Autisten ablehnen.

      Mir geht es in der Therapie darum, dass ich Unterstützung bekomme, diese Selbstakzeptanz und Selbstliebe zu lernen. Wenn man sich lange in einem negativen Licht gesehen hat, ist es gar nicht so leicht, das einfach abzulegen. Ich möchte dauerhaft Frieden schließen mit mir selbst, mein inneres Kind in den Arm nehmen. Und diese Selbstliebe verlässlich in den Alltag integrieren, gut mit mir selbst umgehen.

      19Billy86 wrote:

      Ich stehe auf der Warteliste für eine Therapie, habe meine Psychiaterin/Neurologin informiert, und bin hier im Forum angemeldet (Tipp der Diagnostikerin)
      :thumbup: Ich würde sagen: Gute Voraussetzungen! :nod:

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