Hospitalismus als mögliche Alternativ Diagnose zu ASS

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    • Hospitalismus als mögliche Alternativ Diagnose zu ASS

      Hallo,

      da das Thema in einem anderen Thread aufkam und ich es für wichtig erachte, wollte ich gerne auf Hospitalismus als eine Alternativ-Diagnose zum Autismus hinweisen.
      lexikon.stangl.eu/5541/hospitalismus/ hier findet ihr Informationen über Hospitalismus.

      Das ist einer der Gründe, warum bei der Diagnostik die frühe Kindheit geprüft werden sollte. Nicht nur um später entstandene Persönlichkeitsstörungen abzuklären sondern auch um Hospitalismus auszuschließen.

      Hospitalismus bzw eine Deprivationsstörung kann sich sehr ähnlich zu Autismus äußern. Von sprachlichen, motorischen und sozialen Defiziten über Reizverarbeitungsstörungen bis hin zu Einschränkungen bei der Theorie of Mind.

      Grüße Mango
    • Was ist, wenn sich die Kindheit nicht mehr genau rekonstruieren lässt zum Zeitpunkt der Diagnostik?

      Wie wird differenziert, wenn die Person tatsächlich autistisch ist und gleichzeitig hospitalisiert wird?

      Wie werden Personen differenziert, die ähnliche Bedingungen in der Kindheit erlebt haben, aber von denen nur eine hospitalisiert wurde, die andere, die nicht hospitalisiert wurde, aber autistisch ist und beide Personen im Erwachsenenalter ähnliche Verhaltensweisen zeigen?
      diagn.
    • xyberlin wrote:

      Was ist, wenn sich die Kindheit nicht mehr genau rekonstruieren lässt zum Zeitpunkt der Diagnostik?
      Wenn der Beginn nicht in der frühen Kindheit nachgewiesen werden kann darf eigentlich keine Autismusdiagnose vergeben werden.

      xyberlin wrote:

      Wie wird differenziert, wenn die Person tatsächlich autistisch ist und gleichzeitig hospitalisiert wird?
      Das ist extrem selten und sehr schwierig zu diagnostizieren.

      xyberlin wrote:

      Wie werden Personen differenziert, die ähnliche Bedingungen in der Kindheit erlebt haben, aber von denen nur eine hospitalisiert wurde, die andere, die nicht hospitalisiert wurde, aber autistisch ist und beide Personen im Erwachsenenalter ähnliche Verhaltensweisen zeigen?
      Ich "lehne mich mal aus dem Fenster" und behaupte, dass es eine solche Konstellation noch nichtmal in Zwillingsstudien gibt. Das ist schon sehr konstruiert :d
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • xyberlin wrote:

      Was ist, wenn sich die Kindheit nicht mehr genau rekonstruieren lässt zum Zeitpunkt der Diagnostik?
      Dann ist theoretisch keine Autismus Diagnose möglich, sondern es sollte eine unspezifische Diagnose einer Entwicklungsstörung oder Kommunikationsstörung gestellt werden, wenn ich das richtig verstanden habe, gibt eine Diagnostiker die dann auch kein ASS diagnostizieren.

      xyberlin wrote:

      Wie wird differenziert, wenn die Person tatsächlich autistisch ist und gleichzeitig hospitalisiert wird?
      Ist schwer festzustellen, da es leistungstechnisch und therapeutisch nicht viele Unterschiede gibt ist das aktuell auch nicht so wichtig. Jedoch versucht man zu prüfen, ob vor den Traumata schon Autismus Symptome vorlagen.

      xyberlin wrote:

      Wie werden Personen differenziert, die ähnliche Bedingungen in der Kindheit erlebt haben, aber von denen nur eine hospitalisiert wurde, die andere, die nicht hospitalisiert wurde, aber autistisch ist und beide Personen im Erwachsenenalter ähnliche Verhaltensweisen zeigen?
      Wie eben beschrieben, aber ich persönlich denke, dass das auch manchmal kaum möglich ist.

      Dazu gab es aber wie du schon gelesen hast auch ne Anfrage bei Herrn Vogeley, der meint dass es schwer aber nicht unmöglich ist.
    • Ginome wrote:

      Ich "lehne mich mal aus dem Fenster" und behaupte, dass es eine solche Konstellation noch nichtmal in Zwillingsstudien gibt. Das ist schon sehr konstruiert
      Vielleicht muss ich mein Konstrukt erklären:

      Person A und B erleben eine ähnliche Kindheit. Sie reagieren aber unterschiedlich auf die Bedingungen in der Kindheit, weil sie unterschiedlich resilient sind. Person A wird nicht hospitalisiert, Person B wird hospitalsiert. Beide Personen stellen sich sich einem Arzt vor. Die Anamnese ergibt ähnliche Kindheitsbedingungen. Die Person A verhält sich autistisch, weil sie tatsächlich autistisch ist. Die andere Person verhält sich autistisch ähnlich, weil sie traumatisiert wurde. Beide Personen haben also eine ähnliche Kindheit hinter sich, sind aber unterschiedlich resilient und haben unzterschiedliche neurologische Veranlagungen (autistisch, nicht autistisch).

      Ich finde das nicht konstruiert. An einer Autismusambulanz mit einem gewissen Patientendurchsatz können m.E. diese Fälle nebeneinander einlaufen und darauf richtet sich meine Frage, wie wird hier differenziert?

      Da gab es schon eine Antwort, ich war nicht schnell genug. Vielleicht sollte ich Herrn Vogeley auch mal fragen, oder mich da vorstellen, aber ich denke, dass das ressourcenverschwendung und nicht wirklich zielführend ist, was die Lösung von Problemen betrifft.

      Und was ist wenn der Diagnostiker irrt, weil seine Erkenntnisse und sein Diagnostikverfahren auf Grundnannahmen beruhen, die er nicht ausreichend beurteilen kann, weil die Ursache und Wirkung sich nicht trennen lassen (wie in dem Bsp. von mir)?
      diagn.

      The post was edited 9 times, last by xyberlin ().

    • xyberlin wrote:

      Was ist, wenn sich die Kindheit nicht mehr genau rekonstruieren lässt zum Zeitpunkt der Diagnostik?

      Wie wird differenziert, wenn die Person tatsächlich autistisch ist und gleichzeitig hospitalisiert wird?
      Ob es dir hilft weiß ich nicht aber auch ich dachte lange Zeit (fast mein ganzes Leben) dass meine Stereotypien davon stammen müssen dass meine Mutter mich vernachlässigt (intellektuell unterfordert) hätte als ich Kleinkind war. Etwas das sich nicht verifizieren lässt weil sie tot ist.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • xyberlin wrote:

      An einer Autismusambulanz mit einem gewissen Patientendurchsatz können m.E. diese Fälle nebeneinander einlaufen und darauf richtet sich meine Frage, wie wird hier differenziert?
      Eine ziemlich ähnliche Frage stellte ich meinem damaligen Therapeuten vor vier Jahren und er sagte dass es nicht wichtig wäre zu differenzieren woher etwas kam (nachdem ich gesagt hatte dass es für mich wichtig war zu wissen was angeboren war und was nicht). Was er meinte glaube ich ist dass man mit dem Ergebnis der Entwicklung arbeiten muss und nicht mit der Entwicklung selbst. Das hat er nicht gesagt aber so habe ich ihn verstanden. So wie ich die Lage verstehe ist es ungefähr so: Wenn jemandem ein Bein fehlt braucht er eine Prothese. Es ist nicht wichtig für die Behandlung ob das Bein nie da war (Missbildung) oder ob er auf eine Mine getreten ist und das Bein verloren hat. Es sei denn er hat eine Identitätskrise und wissen will ob etwas falsch ist mit seinen Chromosomen weswegen ihm ein Bein fehlt oder ob seine Chromosomen in Ordnung sind und er nur am falschen Ort zur falschen Zeit war und auf eine Mine getreten ist.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Was er meinte glaube ich ist dass man mit dem Ergebnis der Entwicklung arbeiten muss und nicht mit der Entwicklung selbst.

      xyberlin wrote:

      ... aber ich denke, dass das ressourcenverschwendung und nicht wirklich zielführend ist, was die Lösung von Problemen betrifft.
      M.E. meinen wir etwas ähnliches. Eine Identitätskrise lehne ich ab, klingt etwas komisch, aber ich versuche zu verhindern, dass ich grüble, weil ich gelernt habe, dass mich das eher verzweifeln lässt. Grübeln ist eine erste Reaktion, hier nach dem Auffinden des Artikels über die Komplexe Belastungsstörung. Stattdessen versuche ich aktuell in Bewegung zu kommen (sprichwörtlich) und aktuelle Probleme aktiv zu lösen. Ein paar Gestaltungsmöglichkeiten und Werkzeuge dazu habe ich in zig Therapien kennengelernt, das hatte ich an anderer Stelle ja geschrieben, die Therapien waren nicht in Gänze nutzlos, wenn sich deren Resultate auch manchmal erst spät gezeigt haben.
      diagn.
    • xyberlin wrote:

      Eine Identitätskrise lehne ich ab, klingt etwas komisch,
      Ich wollte dich nicht beleidigen. Entschuldige wenn es so herüberkam. Bei mir war es tatsächlich so dass es mehr oder weniger eine Frage der Identität war, ob meine "Einschränkungen und Andersartigkeiten" (falls vorhanden) angeboren sind (AS) oder durch meine späteren Erlebnisse zustande gekommen sind (psychodynamische Ursachen haben). Inzwischen glaube ich dass sie tatsächlich mehr oder weniger angeboren sind und gleichzeitig denke ich dass es nicht mehr so wichtig ist zu unterscheiden welches stimmt (zumindest in meinem Fall).
    • Du hast mich nicht beleidigt :) Als Beleidigung habe ich dein Schreiben auch nicht aufgefasst. Vielmehr bist du gerade Zeuge der Missverständnisse geworden, die ich immer wieder erlebe, ich rede oder schreibe etwas, was schnell missinterpretiert wird. Vielleicht liegt das tatsächlich daran, dass ich wichtige Informationen vorenthalte, von denen ich nicht einschätzen kann, dass sie wichtig für den anderen sind, weiil ich mich nicht in den anderen hineinversetze (was dann für Autismus spräche). Oder ich denke zu schnell und schreibe zu schnell oder gebe Aussagen nur in Gedankensprüngen wieder (was dann auch durch Hochbegabung erklärbar sein könnte, die bei mir lt. Test vorliegt und die man auch noch von Autismus abgrenzen muss).
      diagn.
    • xyberlin wrote:

      Vielmehr bist du gerade Zeuge der Missverständnisse geworden, die ich immer wieder erlebe, ich rede oder schreibe etwas, was schnell missinterpretiert wird.
      Dasselbe erlebe ich auch und es ist zu so etwas wie ein Hauptthema geworden in meinen Gedanken weil ich in den letzten zwei Jahren ziemlich oft Grund hatte meine Umstände zu beschreiben und fand regelmäßig dass mein Gesprächspartner alles falsch verstanden hatte. Am Ende kam ich zu dem Schluss dass man seine ganze Geschichte erzählen muss als erstes um die ganzen Missverständnisse zu vermeiden aber das klappt leider auch nicht weil der Gegenüber verwirrt und entfremdet wird durch so eine lange und umständliche Geschichte und versteht nicht dass der einzige Grund warum er die Geschichte aufgetischt bekommt mit allen Details ist dass ich Missverständnisse vermeiden will die er gar nicht gemacht hat aber die ich glaube er eventuell machen würde. Wobei ich denke nicht dass das an sich etwas spezifisch autistisches ist. Was vielleicht etwas autistisch ist ist dass man einfach davon ausgeht dass der Berater oder Zuhörer den ganzen Hintergrund schon weiß bevor man ihn erzählt. Es hat mich immer verblüfft und enttäuscht wenn der Gesprächspartner falsche Annahmen gemacht hat zu den Hintergrunden, obwohl das eigentlich zu erwarten gewesen wäre weil er andere Erfahrungen gemacht hat im Leben und mit einem gegebenen Begriff den ich benutze um ihm zu erklären was ich erklären will etwas ganz anderes verbindet als ich.
    • Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass es ein breites Spektrum an 'autistischen' Symptomen gibt, die jeweils auf vermeintlich unterschiedliche Dinge zurückzuführen sind. Hospitalismus äußert sich ähnlich wie Autismus, was sich wiederum ähnlich zu komplexer PTBS und Bindungsstörungen verhält.

      Ich frage mich, ob das Konzept bzw die Diagnose 'Autismus' mit der momentanen Definition wirklich aufrechterhalten werden sollte, wenn es faktisch unmöglich ist, sie abzugrenzen.

      Könnte man nicht all diese ähnlichen Diagnosen anhand der Symptomatik als ein- und dasselbe bezeichnen oder auf den größten gemeinsamen Nenner hinsichtlich der Ursache definieren? (z. B. gestörte Spiegelneuronen, worauf es genügend Hinweise gibt).

      Dann würde man auch umfassender behandeln können und Autisten nicht damit abspeisen, dass sie unheilbar erkrankt seien, was meiner Meinung nach vollkommen an der Komplexität und Lernfähigkeit des Menschen sowie des Gehirns vorbeizielt. Ich denke, dass ich mich von dieser Sichtweise abwenden werde.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • Garfield wrote:

      Ob man ein paar Jahre in einem Heim gelebt hat, sollte doch eigentlich rekonstruierbar sein?
      Das tritt aber nicht nur bei Heimaufenthalten auf. Auch wenn man "in der Familie" lebt kann die emotionale Vernachlässigung so gravierend sein und lässt sich oft nicht prüfen und noch weniger, ob vorher bereits Autismusymptome vorlagen.
    • filipendula wrote:

      Was genau meinst du mit "hospitalisiert"?
      Damit meine ich dass, was in dem verlinkten Artikel beschrieben ist:

      Hospitalismus beschreibt jene psychischen und körperlichen Schäden und Defizite, die Kinder entwickeln, wenn sie über längere Zeit in Kliniken oder Heimen untergebracht sind, wo sie zwar körperlich versorgt werden, aber kaum persönliche Zuwendung erfahren und wo ihnen vor allem die Beziehung zu einer konstanten Bezugsperson fehlt. (Stangl, 2019).

      Verwendete Literatur
      Stangl, W. (2019). Stichwort: 'Hospitalismus'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
      WWW: lexikon.stangl.eu/5541/hospitalismus/ (2019-12-22)

      Ich denke, dass es KInder gibt, die hospitalisiert werden, andere Kinder mit großer Resilienz dagegen erfahren keine Fehlentwicklung.
      diagn.
    • xyberlin wrote:

      Ich denke, dass es KInder gibt, die hospitalisiert werden, andere Kinder mit großer Resilienz dagegen erfahren keine Fehlentwicklung.
      Sowie ich das verlinkte Artikel verstehe treten bei extremen Fällen von Vernachlässigung die Defizite immer auf. Wo die Vernachlässigung durch jemanden (eine Krankenschwester zum Beispiel) abgemildert wird kann sich das Kind trotz der sonstigen Vernachlässigung besser entwickeln. Ob Säuglinge von der Natur her unterschiedlich emotional (nicht physisch) resilient sein können in gleich schlimmen Umständen weiß ich nicht (woher sollte die Resilienz kommen?).
    • xyberlin wrote:

      Ich denke, dass es KInder gibt, die hospitalisiert werden, andere Kinder mit großer Resilienz dagegen erfahren keine Fehlentwicklung.
      Ich bin im Heim ausgewachsen, aber ich fühlte mich nie vernachlässigt. Mir ging es gut dort. Ich fühlte mich allerdings oft unverstanden. Ich hatte von mir aus sehr wenig Interesse an anderen, mir war es nur immer wichtig, dass die Dinge zuverlässig gleich blieben. Ich hatte schon als Kind z.B. nie das Bedürfnis nach Körperkontakt, also habe ich ihn im Gegensatz zu anderen Kindern nie aktiv gesucht oder versucht zu verhindern, wenn jemand Körperkontakt mit mir wollte.
      Andere Kinder haben durchaus einen Schaden davon getragen, den der Heimaufenthalt verursacht hat, aber bei mir hatte ich dagegen nie diesen Eindruck.
      Ist da wer?

      Bums Bums Corona brauch ich nicht Hopsassa!
    • Ist ja alles schön und gut - aber das Ergebnis ist doch letztendlich das Gleiche, oder?
      Ein Mensch, der soziale Probleme hat. Entweder angeboren oder über den langen Entwicklungszeitraum erworben.
      Beide benötigen letztendlich die gleichen Hilfen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_