ständig um sich selbst kreisen und Suche nach dem Ich (ohne / auf Grund fehlender Diagnose)

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    • ständig um sich selbst kreisen und Suche nach dem Ich (ohne / auf Grund fehlender Diagnose)

      Ich komme nicht weiter. Immerhin habe ich heute einen Termin mit einem Psychiater ausmachen können, dem ich versuchen werde, in Kürze (!) meine Hauptprobleme zu schildern, damit er einschätzen kann, welche Art von Therapie ich brauchen könnte und evtl. hat er doch noch einen Verdacht, was mein grundlegendes Problem ist (also möglicherweise eine Verdachtsdiagnose zusätzlich zum ADS).

      Zur Überschrift: ich hatte fest angenommen, dass ich im autistischen Spektrum bin. Die Diagnostik ergab dies jedoch nicht. Das viele mich hier wiederfinden hatte mir große Erleichterung gebracht, aber mein Eigenverdacht wurde halt nicht bestätigt. Ich schwanke hin und her. Erst absolutes Annehmen der negativ-Diagnose. Dann wieder Zweifel und wieder intensive Beschäftigung mit dem Thema, wieder Identifikation mit ASS. Nun erneut Zweifel - Entschluss, zu akzeptieren, dass ich nur ADS habe. Und dieser Entschluss löst Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Haltlosigkeit in mir aus.

      Was mich fertig macht, ist, dass ich kaum dazu komme, das Leben zu genießen. Ich kann das zeitweise, kann auch konzentriert arbeiten, wenn Ruhe um mich herum herrscht, aber was mir fehlt, ist: ein Alltag, wo ich neben der Arbeit etwas habe, was mir Freude macht, worauf ich mich konzentrieren kann. Immer wieder, so wie auch jetzt, drängt es mich, zu lesen über AS, über ADHS, über alle möglichen weiteren Themen bezüglich psychischer Dispositionen und Selbsthilfe bei seelischen Problemen...

      Wenn ich wüsste, dass ich im Autismus-Spektrum bin, dann könnte ich mit allem, was ich erlebe, allen Probleme, die ich im Alltag habe (in der Kommunikation, mit der Reizüberflutung, mit der Handlungsplanung, mit der Wahrnehmung und Verarbeitung von unbekannten Situationen etc.) viel besser umgehen. Ich könnte akzeptieren, dass diese Dinge so sind und größtenteils nicht veränderbar sind. Auch, dass ich kinderlos bin, weil ich auch nie einen Kinderwunsch hatte, und allein dadurch schon auffällig anders bin könnte ich leichter akzeptieren. Es würde meinem Selbstbewusstsein sehr gut tun, wenn ich wüsste, ich bin autistisch.

      Ich glaube, dann könnte ich endlich aufhören, um mich selbst zu kreisen und herausfinden zu müssen, was mit mir ist, wer ich bin... Ich könnte mich dann daran machen, mir Strategien
      zu erarbeiten, möglichst mit Hilfe, wie ich jeden einzelnen Tag bewältige, und müsste mir nicht unterbewusst oder teilweise bewusst immer mehr abverlangen als nur das. Ich könnte lernen, alle meine Schwächen, Ängste, mein gedankliches Festbeißen, meine sozial teilweise unverträglichen Reaktionen zu akzeptieren, mich sogar damit anzufreunden. Und DANN erst, denke ich, könnte ich wahre Stabilität erlangen, das wäre ein Finden zu mir selbst.

      Die Vorstellung, dass ich bei einem erneuten Therapieversuch wieder scheitern werde, weil ich nicht verstanden werde und weil ich vieles nicht verstehe und nicht umsetzen kann usw., macht mir Angst. Ich nehme jetzt einen erneuten Versuch in Angriff, mich von einer Fachperson einschätzen zu lassen, aber leider muss ich sagen, dass meine Hoffnung, dass dabei etwas hilfreiches heraus kommt, begrenzt ist.

      Ich lass das jetzt mal so stehen. Ich habe keine Fragen, ich bitte nicht um Hilfe irgendwelcher Art, ich wollte das einfach mal loswerden. Jegliche Kommentare und Antworten sind willkommen.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • @Lefty

      Ich habe eine gewagte Idee (die ich nur schreibe, weil da steht "jegliche Kommentare und Antworten sind willkommen"). Du schreibst, wenn du die Asperger-Diagnose hättest:

      Lefty wrote:

      Ich könnte akzeptieren, dass diese Dinge so sind und größtenteils nicht veränderbar sind.
      Wäre es auch möglich, ohne Asperger-Diagnose die Dinge so anzunehmen wie sie sind (wenn sie nicht änderbar sind oder wenn man erkannt hat, dass eine Änderung nicht erwünscht ist). Vielleicht ist das eine Art Problem, was im Hintergrund besteht? Dinge anzunehmen? Das hat vermutlich überhaupt nichts mehr mit Erkrankung und Diagnosen zu tun, sondern ist eine tonnenschwere Entwicklungsaufgabe.

      Denn du schilderst, dass du sehr stark auf der Suche nach Erklärungen bist und dich besser verstehen willst (so habe ich es wahrgenommen). Ich denke, dass das ein menschliches Bedürfnis ist, dass dieses aber bei Menschen umso ausgeprägter ist, je mehr diese nicht verwurzelt sind in einem stabilen Umfeld bzw. in sich selbst. In diesem Fall fällt es vielleicht auch besonders schwer, Dinge einfach so anzunehmen, weil das vielleicht Hilflosigkeit erzeugt und auf die Frage zurückwirft "wer bin ich eigentlich?"

      Vielleicht ist es so, dass die "Arbeit" und die Strategien, die mit einer Autismusdiagnose kämen, dich dann eher von dieser Aufgabe "wer bin ich?" ablenken würden, weil du dich ja dann vielleicht reinstürzen würdest in eine Art "technische Bearbeitung des Selbst". Vielleicht würde dadurch diese vermutlich schwer aushaltbare Frage (sofern sie dann wirklich noch besteht) einfach nur verdrängt werden? :roll:
      Vielleicht wäre die Frage "wer bin ich?" damit auch gelöst. Das kannst nur du wissen bzw. herausfinden.

      Ein Gedankenexperiment ist es möglicherweise dennoch wert.
      Ich würde mich fragen: Kannst du auch ohne Diagnosen die ganzen Dinge tun? Also dich annehmen, so wie du bist, deine Schwächen annehmen, dein Festbeißen.
      Bist du ganz, ganz, ganz sicher, dass die Diagnose dafür erforderlich ist? Vielleicht ist sie auch gar nciht dafür erforderlich, aber du benötigst sie trotzdem, um Sicherheit zu haben, was ja auch in Ordnung wäre.

      Ich kenne es von mir so, dass, je stärker ich mich mit Zwangsdingen beschäftige, je mehr ich kämpfe, je mehr ich endlich eine Lösung will, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich vor irgendetwas davonlaufe. Manchmal muss ich davonlaufen, weil ich sonst das Gefühl habe, dass ich zusammenbrechen würde. Manchmal denke ich mir: Vielleicht wäre es 'besser' genau in die Richtung zu gehen, die so Angst macht: Wer bin ich überhaupt? Was, wenn ich einfach Null und Nichts bin und einfach nur vor mich hinlebe? :| Ich kann diese Leere z. B. kaum aushalten, weil sie mir existentielle Angst bereitet. Ohne dieses "Festhalten" drohe ich mich aufzulösen.

      Vielleicht geht es bei dir um etwas Ähnliches. Sofern nicht, bitte nur als Idee nehmen oder ignorieren.
      Mir hat es selbst etwas geholfen, darüber nachzudenken und mir meine Mechanismen bewusster zu machen (auch wenn es bei dir möglicherweise ganz anders ist).

      Für die Suche nach dem Ich habe ich mich noch nicht ganz auf das "Nichts" eingelassen, sondern ich will mittels Musik- und Körpertherapie probieren, den Gefühlen fühlend zu begegnen. Vielleicht merke ich, dass ich einfach nur das bin, was ich im Moment gerade tue oder denke und sonst nichts. Wer weiß. :yawn:

      Nun fällt mir doch noch etwas ein: Mir hilft die Asperger-Diagnose z. B. schon etwas dabei, meine sozialen Schwierigkeiten anders nach außen zu kommunizieren. Ich kann mittlerweile selbstbewusster sagen, dass ich eine schriftliche Antwort erbitte da ich starke Ängste wegen dem Telefonieren habe. Ich versuche damit, anderen Menschen klarzumachen, welche Probleme ich habe und möchte ihnen die Chance geben, etwas darauf einzugehen. Vorher hätte ich mich das nicht getraut und dachte immer, ich muss das auch alles so können, wie alle anderen Menschen auch. Da hat mir die Diagnose z. B. sehr geholfen. Auch wenn ich mich in Geschäften als Kundin 'dumm' anstelle, mache ich mich nicht mehr ganz so schlimm fertig, wie früher. Ich habe eher Nachsicht mit mir und wo ich früher dachte "was werden die nun über mich denken?", denke ich nun eher "ich bin nicht die Einzige, die sich bei manchen Dingen eben 'behindert' (durch die Behinderung, die Umstände etc.) fühlt und etwas unbeholfen reagiert". Da muss ich schon sagen, dass ein Annehmen stattgefunden hat. Ich glaube, vor allem auch der Schwerbehindertenausweis hat mir dabei geholfen.

      Aber diese ganz großen Fragen, diese Zwänge, dieses "wer bin ich eigentlich?", diese Zielsuche... die hat sich dadurch nicht unbedingt aufgelöst. Es könnte sein, dass ich nun etwas mutiger mit diesen Fragen umgehe, aber aufgelöst haben sie sich zumindest bei mir nicht durch die Diagnose. Vielleicht hat die Diagnose bzw. vor allem die Beschäftigung mit den ganzen Themen hier im Forum, aber auch dabei geholfen. Es sind vielleicht alles ganz kleine Puzzleteile und manchmal merkt man, dass es einen Schritt vorangeht. Vielleicht ist die Diagnose ein Baustein davon.

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • Maria Sanchez hat interessante Ansätze ganz unabhängig von Diagnosen sich selbst seelisch/emotional begleiten zu können (meine Wortwahl, evtl. würde sie es anders beschreiben).
      Sie hat u.a. Videos auf YouTube hochgeladen, vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • Ich kann dich sehr gut verstehen. Mir geht es gerade täglich so. Ich finde viele Dinge, die hier von Leuten beschrieben werden in meinem Leben wieder und denke dann "Das ist die Erklärung, dann wird es wohl AS sein". Und dann kommt wieder irgendetwas, das sehr stark dagegen spricht.

      Lefty wrote:

      Das viele mich hier wiederfinden hatte mir große Erleichterung gebracht

      Lefty wrote:

      Wenn ich wüsste, dass ich im Autismus-Spektrum bin, dann könnte ich mit allem, was ich erlebe, allen Probleme, die ich im Alltag habe (in der Kommunikation, mit der Reizüberflutung, mit der Handlungsplanung, mit der Wahrnehmung und Verarbeitung von unbekannten Situationen etc.) viel besser umgehen.
      Wenn ich diese Teile (und andere) deines Posts so lese, dann frage ich mich: kannst du sagen, warum dir das solche Erleichterung gebracht hat und warum du denkst, dass du bei einer Diagnose besser mit allem umgehen könntest?

      Ich habe in einer Therapie mal festgestellt, dass ich permanent Sicherheit durch Validierung von Autoritätspersonen suche. Z.B. durch Ärzte, die mir sagen, dass alles ok ist oder alles gut wird. Oder durch Eltern bzw. Elternersatz (Chef/Trainer...), die bestätigen, dass ich alles ganz toll und super mache. Seit ich das weiß und bewußt bedenke (und dadurch merke wie sinnlos mein Anliegen teil schon von der Struktur her ist) reicht es mir oft, wenn ich selbst mein Verhalten und meine Entscheidungen selbst für vernünftig halte. Nicht immer, aber es ist seit Jahren immer besser geworden.

      Ist das "um dich selbst kreisen" wirklich schlimm für dich, oder geht es dir da eher um die gesellschaftliche Erwartung? Letzten Endes ist jeder Mensch für sich und das Teilen vieler Dinge ist Illusion (wir werden nie bestätigen können, ob wir die Farbe Grün gleich sehen oder ein eingestrichenes C gleich hören), da ist es doch nur natürlich, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen. Manche Leute haben da kein Bedürfnis, aber wie die Philosophie seit Jahrtausenden zeigt bist du alles andere als allein damit.
    • Hendrik wrote:

      kannst du sagen, warum dir das solche Erleichterung gebracht hat und warum du denkst, dass du bei einer Diagnose besser mit allem umgehen könntest?
      Ich glaube, der Mensch sucht für alles eine Erklärung, weil er nur mit einer klaren Diagnose daran arbeiten, oder es akzeptieren kann. Wenn man aber keine eindeutige Antwort bekommt, weiss man wieder nicht wie man damit umgehen soll.

      "Gott, gib mir die Gelassenheit,
      Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
      den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
      und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."


      Obiges Zitat hat wohl schon jeder einmal gelesen. Aber wenn man nicht weiss WAS man hat, kann man auch nicht unterscheiden, ob man etwas ändern kann oder es einfach hinnehmen muss. Deshalb glaube ich, ist eine Diagnose so wichtig. Die einen brauchen eine Diagnose von Fachleuten, anderen wiederum reicht es, sich selber irgendwo einzuordnen.

      Angenommen, ich habe eine ständig juckende Kopfhaut. Das kann verschiedene Ursachen haben: ein falsches Shampoo, Shampoo nicht richtig ausgewaschen, sensible Kopfhaut, zu selten Haare waschen, zu oft Haare waschen, Neurodermitis, weisser Hautkrebs, oder vielleicht senden die Nervenenden einfach nur falsche Signale ans Gehirn. Wenn der Arzt z.B. Neurodermitis diagnostiziert, weiss ich wenigstens was ich dagegen unternehmen kann. Ohne eindeutige Diagnose, schwebe ich wieder in der Ungewissheit. Die Ungewissheit ist es doch, was einen so belastet.
    • Ich glaube auch, dass Ungewissheit ein Problem ist. Als ich zur Diagnostik ging, tat ich das, weil ich das Hin-und-her-Überlegen ohne Ergebnis satt hatte. Ich wollte eben wissen, ob es nun AS ist oder nicht.

      Nur hat die Diagnose dann später nicht so viel Gutes bewirkt, wie ich vorher dachte.

      Es ist ein bisschen, wie wenn man Juckreiz hat, und dann zwar eine Diagnose bekommt, der Arzt aber dazu sagt "leider kann man nichts dagegen machen". Dann hat man das Problem trotz Diagnose eben immer noch.

      Es dauert ziemlich lange, bei AS alles einzuordnen und für sich einen gangbaren Weg zu finden, mit dem es einem wirklich besser geht. Die Diagnose allein bewirkt das nicht.
      Deshalb ist sie nur der erste Schritt, aber natürlich trotzdem ein wichtiger Schritt.

      Wenn es da im Alltag Probleme gibt, die noch keinen Namen haben, dann wäre es vielleicht hilfreich, sich ohne Namen trotzdem schon einmal praktische Hilfe zu organisieren, sprich z.B. eine Therapie, die man ja auch mit offener oder Verdachtsdiagnose beginnen kann. Im Rahmen der Therapie kann man dann vielleicht einiges an weiterer Erkenntnis sammeln, sowohl was die Diagnose angeht als auch die Frage, was hilft. Mit dem Termin beim Psychiater und Abklärung einer eventuellen Therapie wärst du dann auf dem richtigen Weg, denke ich.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Lefty hattest du nicht eine positive AS-Diagnose und eine negative?

      Vielleicht hilft es dir, dir zu denken, dass du in einem Graubereich bist zwischen ADS/AS. Es sind halt nicht genau ganz die selben Bereiche im Frontalhirn "kaputt", wie bei einem der die Diagnose AS prototypisch erfüllt - aber ähnlich.
      Diese Diagnosen sind doch ansich schon sehr schwammig. Und nur wenige Menschen passen genau in ihre Diagnose rein. Dein Hirn hast du aber nunmal, mit den Problemen der Steuerung der Aufmerksamkeit, Reizfilterung, exekutive Funktionen (so verstand ich dich).
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      Shenya wrote:

      Es ist ein bisschen, wie wenn man Juckreiz hat, und dann zwar eine Diagnose bekommt, der Arzt aber dazu sagt "leider kann man nichts dagegen machen". Dann hat man das Problem trotz Diagnose eben immer noch.
      So ist es. Aber dann weiss man zumindest, dass medizinisch nichts zu machen ist, und du für dich ganz alleine herausfinden musst, wie du damit umgehen kannst, damit es dich nicht mehr so belastet.
    • New

      Romi wrote:

      Shenya wrote:

      Es ist ein bisschen, wie wenn man Juckreiz hat, und dann zwar eine Diagnose bekommt, der Arzt aber dazu sagt "leider kann man nichts dagegen machen". Dann hat man das Problem trotz Diagnose eben immer noch.
      So ist es. Aber dann weiss man zumindest, dass medizinisch nichts zu machen ist, und du für dich ganz alleine herausfinden musst, wie du damit umgehen kannst, damit es dich nicht mehr so belastet.
      Dann weiß man wenigstens, dass man nichts machen kann. Oder nur die Symptome mildern. Während man es wissen wollte, wenn es Krätze wäre oder Windpocken, da diese behandelbar wären und behandelt werden müssten.

      Ich denke da zum Beispiel an Borderline, Schizophrenie oder andere PS, die AS ähnlich sein können.
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      @Neoni Vielen Dank für deine Worte. (Auch allen anderen für ihre Beiträge, ich antworte jetzt neoni nur, weil sie eine konkrete Frage gestellt hat, die ich beantworten möchte, auf die anderen Beiträge gehe ich ein anderes Mal ein).

      Ich habe eben gerade darüber in dem Thread über "Selbstdiagnose" geschrieben, deshalb kopiere ich den Teil mal:

      Lefty wrote:

      Der Privatarzt, der mich als erstes diagnostiziert hatte, sagte mir direkt an dem Tag der Diagnostik, ich würde die nötige Punktzahl für die Diagnose nicht erreichen, weil die stereotypen Verhaltensweisen und Spezialinteressen fehlen. Es gäbe dafür die Diagnose "sozial pragmatische Kommunikationsstörung", diese aber nur in den USA und nicht in Deutschland, deshalb würde er mir trotzdem AS diagnostizieren. Daraufhin habe ich (damals noch unter anderem Account, alles nachvollziehbar über meine Beiträge) sofort meinen Status hier in "AS" geändert. Ich war so erleichtert!
      Als das Gutachten nach etlichen Wochen dann endlich bei mir eintraf, stand nichts von Aspergersyndrom darauf, sondern diese Kommunikationsstörung (und ADS).
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      MangoMambo wrote:

      Dann weiß man wenigstens, dass man nichts machen kann. Oder nur die Symptome mildern. Während man es wissen wollte, wenn es Krätze wäre oder Windpocken, da diese behandelbar wären und behandelt werden müssten.
      Ich denke da zum Beispiel an Borderline, Schizophrenie oder andere PS, die AS ähnlich sein können.
      Genau, wenn nämlich doch eine PS oder ein Trauma zugrunde liegt, dann könnte man daran zu arbeiten versuchen.
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      Ich hätte zu dem Thema noch einiges zu schreiben, aber aus Zeitmangel nur kurz...: @Lefty oder eher @ all Wäre in so einem Fall (Punktzahl nicht erreicht) die Diagnose "A-typischer Autismus" nicht möglich gewesen? Ich weiß jetzt nicht, wie viele Punkte gefehlt haben, aber wenn es wirklich nur knapp war, wäre das doch gegangen, oder nicht?
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      @H. M. Murdock Was den ersten Arzt angeht - ich muss im Nachhinein sagen, ich bin irritiert über mich selbst, ich hab nicht mal nachgefragt, warum er nun doch nicht AS aufgeschrieben hat - allerdings lag das evtl. daran, dass das Gutachten so schlimm und teilweise mit Fehlern verfasst war (es gab da eine Passage, in der wurde etwas beschrieben, was zu einem anderen Patienten gehören musste, denn es hatte gar nichts mit mir zu tun - ich glaube, da stand, ich hätte eine Freundin, die Kinder hätte und ich würde diese Freundin und ihre Kinder regelmäßig besuchen - in Bezug auf Sozialkontakte - aber ich habe überhaupt keine Freundin mit Kindern). Da ich gelesen hatte, dass ein anderer User das Gutachten von dem Arzt hat überarbeiten lassen, habe ich das dann auch getan - ich hab mich hingesetzt und die Dinge, die falsch von ihm aufgeschrieben oder falsch resümiert worden waren, korrigiert und ihm das als E-Mail geschickt und er hat das Gutachten dann angepasst. Es hatte schon sehr lange gedauert, bis ich überhaupt das Gutachten erhalten hatte, musste auch mehrmals nachhaken (worauf ich aber wegen des anderen Users, der über diesen Arzt schrieb, vorbereitet war) und dann musste ich nochmal ewig auf die Korrektur warten. Also das lief alles sehr merkwürdig bzw. unbefriedigend ab.

      Und bei der zweiten Diagnostik, in der Ambulanz, hieß es am Ende von 5 oder 6 Terminen einfach nur: kein AS, nur ADS. Ich hab im Nachhinein die Frau, die die Diagnostik mit mir durchgeführt hat, noch einmal angeschrieben und sie darum gebeten, mir mitzuteilen, was im Detail zum Ausschluss geführt hat. Diese Frage wurde mir aber nicht beantwortet, es hieß nur, ich hätte die Punktzahlen nicht erreicht. Im Gutachten stand auch kein einziger detaillierter Hinweis, immer nur: Punktzahl so und so viel.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

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      @Lefty
      Der Verdacht auf AS kam bei mir Anfang 2011 auf, die Diagnostik ließ ich Ende 2016 machen. In diesen gut fünf Jahren war ich mir zwar auch nicht sicher, ob es AS ist, aber ich habe trotzdem die Probleme in meinem Leben besser verstanden, vor allem auch mit Hilfe des Forums, und habe die Dinge akzeptieren oder anpassen können. Dass ich die Diagnose bekommen habe, hat zwar die Frage AS oder nicht beendet, aber sie hat ansich nicht zur Verbesserung meiner Situation beigetragen. Wenn du dich im AS so wiederfindest, wie wäre es, wenn du ab jetzt einfach so handelt, als wäre es AS bei dir. Wenn du es nicht ohnehin schon tust. Könnte das nicht zur Verbesserung deiner Situation beitragen? Es gibt ja noch mehr Autisten auf der Welt, die keine offizielle Diagnose haben.
      Ist da wer?
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      Lefty wrote:

      Was den ersten Arzt angeht - ich muss im Nachhinein sagen, ich bin irritiert über mich selbst
      Und ich bin irritiert über den Arzt. Für mich hört sich das alles nicht gerade professionell an.

      kim wrote:

      Wenn du dich im AS so wiederfindest, wie wäre es, wenn du ab jetzt einfach so handelt, als wäre es AS bei dir.
      Das sehe ich auch so. Offenbar bist du ein Grenzfall. Ein Pünktchen mehr, und du wärst vielleicht als AS durchgegangen.
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      Romi wrote:

      kim wrote:

      Wenn du dich im AS so wiederfindest, wie wäre es, wenn du ab jetzt einfach so handelt, als wäre es AS bei dir.
      Das sehe ich auch so. Offenbar bist du ein Grenzfall. Ein Pünktchen mehr, und du wärst vielleicht als AS durchgegangen.
      Auch ich kann da nur via "trial and error" rangehen.
      Bevor ich überhaupt über AS nachdachte hatte ich schon für mich erfahren, dass ich mit diversen therapeutischen Ansätzen einfach nicht weiterkomme.
      Als ich mitbekam, dass es eine Diagnose AS gibt hatte ich den Eindruck, dies würde einerseits einiges erklären, andererseits dachte ich viel zu wenige Kriterien zu erfüllen.
      Bis heute weiss ich nicht, ob ich via Tests auf eine AS Zahl käme.
      Ich habe neben meinem eigenen Eindruck nun noch die Einschätzung und Diagnose einer Psychiaterin.
      Und den Hinweis einer kundigen Psychologin, die mich allerdings nicht gut kannte, war nur so eine Begegnung, dass sie sich vorstellen kann, dass ich im Spektrum bin.

      Für mich stimmt es so, und ich sehe wie vor der Diagnose weiter zu,
      auf eigene Art und auf eigenem Weg zurechtzukommen.

      Mache mich nur nicht mehr innerlich mit der Frage verrückt, was denn bloß mit mir los ist und wie das heißen könnte.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 3 times, last by ifi ().

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      Das mit den Punktzahlen ist auch ein bisschen ärgerlich deshalb, weil es so eine Schein-Objektivität vorgaukelt, die gar nicht gegeben ist. Autismus ist eben nicht wie Fieber, was man messen kann und dann sagen "unter 38 Grad, Sie haben kein Fieber, denn so ist die Definition!". Die Tests selbst sind hochgradig subjektiv und ihre Ergebnisse spiegeln keine allgemeine Wahrheit wider. Man kann auch z.B. im ADOS unter dem Cutoff liegen und dennoch eine Diagnose erhalten, gestützt auf die Gesamtschau. Und man kann drüber liegen und dennoch keine ASS haben. Da macht es sich die Ambulanz arg leicht, wenn sie nur auf Zahlen zeigt.

      Das wäre für mich auch ein Hinweis auf eine evtl unprofessionell abgelaufene Diagnostik (wobei man dafür natürlich auch den Rest betrachten muss) und ein Verdachtsmoment darauf, dass ich das Ergebnis nicht als "in Stein gemeißelt" sehen sollte. Bei einem solide und nachvollziehbar begründeten Ausschluss wäre meine Haltung dazu anders.
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      Die Diagnostik war schon ziemlich umfangreich, aber der andere Arzt hatte mehr praktische Tests, und bei denen war ich sehr wohl auffällig (Zahnputz-Aufgabe, einzelnes Bild beschreiben, also was man da sieht - bei letzterem zeigte sich deutlich, dass ich die Details erfasse, aber Probleme habe, die Gesamtszene zu erfassen - darauf, was dieses Bild als Szene zeigt bzw. dass es überhaupt eine Szene ist, kam ich erst, weil er mich mit entsprechenden Fragen dahin geleitet hat; und bei der Zahnputz-Aufgabe war ich wie gesagt auch auffällig: hatte ihn am Ende gefragt, was mit dieser Aufgabe getestet wird und er hat es mir erklärt und auch, dass ich da auffällig bin - die Zeitversetztheit zwischen Beschreibung und Ausführung).
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      "Umfangreich" ist ja nicht automatisch gleichzusetzen mit "professionell".

      Lefty wrote:

      ...hatte ihn am Ende gefragt, was mit dieser Aufgabe getestet wird und er hat es mir erklärt...
      ...magst du mir das mal erklären, gerne auch per PN? Den Sinn dieser Aufgabe habe ich nämlich bis heute nicht verstanden.