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    Ich habe vor kurzem eine Diagnose bekommen. Positiv auf Asperger.

    Als ich begonnen habe mich damit zu beschäftigen, weil ich nach Antworten für meine lebenslangen Schwierigkeien gesucht habe, passte es erstmal wie die Faust aufs Auge. Es hat plötzlich so vieles erklärt.
    Bei der Diagnose habe ich aber den Reading-in-the-eye-Test überdurchschnittlich gut bestanden (also für NT´s überdurchschnittlich), und bei so manch einer Frage wohl zu wenig um die Ecke gedacht.
    Dafür score ich bei jedem Fragebogen zu Autismus in den höchsten Rängen, wenn ich da so antworte, wie ich in mir drin denke und nicht so wie ich gerne wäre oder nach aussen auch bin.

    Wie gesagt, die Diagnose würde vieles erklären und ich habe sie nun bekommen.
    Aber zufriedener bin ich jetzt nicht.

    Eher noch mehr verunsichert. Vor allem, je mehr ich hier im Forum lese.
    Ich dachte oder habe gehofft, dass ich mich als AS endlich zu einer Gruppe zugehörig fühlen würde.
    Dem ist aber nicht so. Ich habe ganz andere Probleme als die meisten hier.
    Ich verstehe die Kommunikationsregeln, kann Small-Talk, weiss, was man so fragen darf und soll, was nicht, dass und wie man in die Augen blickt, verstehe und verwende implizite Anweisungen und rede selbst durch die Blume, Ironie und Sarkasmus sind mein Steckenpferd und Redewendungen sowieso. Dazu hasse ich Regeln und Einschränkungen, bin chaotisch und unorganisiert, kann mich nie lange auf eine Sache konzentrieren und bin gern unter vielen Leuten und sehr gern ein Grossstadtkind, wo immer was los ist.
    Ich war Klassenbeste in Deutsch und Mathe und kann mich sehr, sehr, sehr gut anpassen und meine Bedürfnisse unterdrücken und würde dieses Anderssein auch niemals so nach aussen tragen wollen.
    Das wurde mir schon in der Kindheit eingebläut. Ja nicht auffällig oder gar ausfällig werden.

    Und trotzdem hab ich nun die Diagnose. Und bin mal wieder anders, sogar bei den Andersartigen.

    Ich dachte vor der Beschäftigung mit Autismus und vor der Diagnose, das alle Menschen so ähnlich denken und handeln wie ich, es war wie eine Ohrfeige, als mir selbst auffiel und dann auch in der Diagnose gesagt wurde, dass meine Denkweisen überhaupt nicht dem normalen Durchschnitt entsprechen. Autsch.

    Ich wollte immer normal sein, selbstsicher durch die Welt gehen wie die Anderen es anscheinend so mühelos schaffen, gut und interessant kommunizieren können und Freundschaften schliessen und halten und meine Meinung durchsetzen können.
    Kann ich alles nicht.
    Ich dachte, wenn ich nur genug an mir arbeite, genug zu Verhalten, Psychologie, Beziehungen lese und anwende und ab und zu Therapie mache, werde ich das schon schaffen, normal zu werden.

    Mit dieser Diagnose nicht.
    Da kann ich anscheinend noch so viel an mir arbeiten und versuchen, mich an die anderen anzupassen, ich werde nie normal werden.
    Das macht mir echt zu schaffen.

    Systemfehler.
    Absturz.
    Reboot.

    Jetzt blinkt da die Eingabezeile und ich weiss die richtigen Befehle nicht mehr.
    Nichts erscheint mehr richtig.

    Im Raum seht noch, dass meine Probleme quasi hausgemacht sind durch Traumata aus der Kindheit. Dass meine narzisstisch-histrionische Mutter mich quasi kaputt gemacht hat und ich darauf mit autistischen Verhaltensweisen reagiert habe.
    Aber tief in mir drin weiss ich, dass ich schon immer komisch war und die psychische Gewalt fing erst mit 8-9 Jahren so richtig an. Diese hat wohl einfach nur mein Selbstbewusstsein völlig zerstört und mir selbst narzisstische Denkweise angelernt die ich aber verachte und loswerden will.
    Niemals nie so werden wie meine Mutter war seit meiner Kindheit meine Devise. Es erschreckt mich zutiefst, wenn ich heute Ähnlichkeiten entdecke.

    Die Frage ist aber, an was soll ich denn nun arbeiten, wenn das nichts verbessern wird?

    Ich werde mit Ende Dreissig wohl keine selbstbewusste Rakete mehr und ich merke einfach, wie ich immer weniger Kraft habe, mich dauernd anzupassen.
    Genau das macht mir aber Angst. Ich sehe mich in ein paar Jahren, wenn das so weiter geht, als schaukelndes, weinendes Etwas, das mit der Welt nicht mehr zurechtkommt, meine grösste Angst. Ich hatte immer schon Angst vor den Anforderungen der (Arbeits-)-Gesellschaft, habe es aber jetzt seit zehn Jahren geschafft, Vollzeit zu arbeiten, auch wenn es mich immer fertig gemacht hat.

    Wohin soll das nur in Zukunft führen? Ich will nicht wieder ohne Geld, auf den Staat angewiesen und allein sein.
    Meine Zwanziger waren rückblickend teils echt Hölle, da will ich nicht mehr hin.

    Aber ich weiss ja nicht mal was ich bin.
    Ich fühle mich vollkommen zerrissen zwischen autistischem Denken und dem genauen Gegenteil davon. Könnte echt laut schreien, wie so oft (aber nur in meinem Kopf, da schreit es aber öfters ganz laut).

    Sorry für den Textschwall, der ecuh nicht weiterbringt. Aber das musste mal raus, an eine zumindest halbwegs passende Adresse.
    Vielleicht versteht mich ja doch der ein oder andere und hat den ein oder anderen Tipp.
    Wenn nicht, Danke trotzdem fürs Lesen.
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    Hallo,

    ich habe den Eindruck dass ich da fehldiagnostiziert wurde. Erst seit der Autismus Diagnose lernte ich, überhaupt mehr und mehr ich selbst zu sein und lernte mich kennen, wie ich wirklich bin. Ich hatte früher sehr strenge und autoritäre Eltern (untertrieben) wodurch ich dafür bestraft wurde, wenn ich nicht so war wie sie es erwarteten. Ich habe dann Verhalten anderer nachgeahmt, ohne zu verstehen was ich da mache, damit ich z.B. keinen Ärger mehr bekomme.

    In der Schule habe ich z.B. kapiert, dass es egal ist ob ich den Text inhaltlich verstehe. Weil ich nur das schreiben muss was der Lehrer wissen will, um eine gute Note zu bekommen.

    Die Asperger Diagnose beschreibt meiner Probleme nicht vollständig, zum Beispiel die sprachlichen Probleme. (Bin ich ein schwer betroffener Asperger mit u.a. Illettrismus und Mutismus, oder könnte ein HFA die Ursache sein? Das ist mein Gedanke. Mit HFA meine ich frühkindlich ohne Intelligenzminderung.) Es wird dann immer davon ausgegangen, weil ich ja nur AS hätte als leichte Autismus Form, dass ich mehr können würde als es tatsächlich der Fall ist. Dann versuche ich mich zu erklären, z.B. beim Psychiater oder bei Behörden aber kann es nicht. Weil jemand wo Schwierigkeiten hat sich verbal auszudrücken, auch Schwierigkeiten hat dem Arzt zu erklären warum ich mehr Defizite habe wie für AS typisch wäre. Ich konnte es einfach nicht verständlich machen.

    Ich brauche z.B. Begleitung zu Arztbesuchen oder zu Behörden, weil ich meine Beschwerden nicht erklären kann. Mir wurde das auch schon oft gesagt, dass ich "den Mund nicht aufbekommen" (RW) würde. Früher wurde ich deswegen nur für schüchtern gehalten, aber mich hatte auch keiner gefragt ob ich nur schüchtern bin, oder warum ich diese Probleme habe von selbst zu reden. Und ich selbst konnte das auch nicht erklären oder benennen.

    Ich schaffe es aber scheinbar nichtmal einem Arzt verständlich machen zu können, warum ich diesen Eindruck habe und was bei mir anders ist. Da muss man ja sehr viel argumentieren. Schriftlich funktioniert das auch kaum, meistens schreibe ich dann seitenweise, aber komme dabei nicht "auf den Punkt" (RW) wodurch dann trotzdem keiner mein Anliegen versteht. Ich brauche scheinbar bei allem eine Art Übersetzer ICH <-> NT wie bei einer Fremdsprache. Alltägliche Situationen gehen, zum Beispiel beim Arzt mündlich ein Rezept zu bestellen, weil das immer das gleiche ist vom Ablauf. Es ist halt aber auch blöd, wenn man nachfragen muss weil man zum Beispiel ein Formular nicht versteht, aber das Anliegen warum man nachfragt dann auch nicht verständlich rüber bringen kann. Und dann hat man keinen mehr, der einem weiterhelfen könnte.

    Um eben genau solche sprachlichen und verständnismäßigen Probleme nicht selbst erklären zu müssen, ohne es wirklich erkären zu können (zumal das meistens auch nicht ernst genommen wird, auch wegen meiner AS Diagnose) wäre mir eine HFA Diagnose eine deutlich größere Hilfe, zumal inhaltlich auch scheinbar einfach für mich zutreffender ist als die Asperger Diagnose. (Um so einen Text hier zu formulieren brauche ich ungefähr eine Stunde.)

    Durch Zufall habe ich mich über HFA informiert, weil das bei manchen hier im Profil steht und ich wissen wollte was das genau ist. Dadurch kam erst der Aha-Effekt, ich sah mich darin viel besser beschrieben als in der Asperger Diagnose.

    Kann man die Diagnose nachträglich irgendwie umändern lassen? Oder würde man dafür den ganzen Diagnostik Prozess nochmal durchmachen müssen? Ich weiß dass Autismus Autismus ist, und es da später keine Kategorien mehr geben wird. Aber jetzt ist nicht später und das hilft mir jetzt nicht. Ich kann meine Probleme z.B. so erklären, wenn ich fremde Texte habe (aus Büchern, oder Fachtexte aus dem Internet) und das markiere was auf mich zutrifft. Aber ich kann es einfach kaum bis eher gar nicht selbst formulieren.
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    Wie zeigen sich bei euch Probleme mit der Handlungsplanung (falls überhaupt welche bestehen)?
    Wie löst ihr jeweils die Probleme?

    Beispiel: Ich möchte mein Bad putzen. Ich habe dafür eine Routine, aber wenn extra Aufgaben hinzukommen, bekomme ich Probleme. Jetzt möchte ich z.B. die Türen mal mitputzen und dann auch sämtliche Fliesen (Wände). Sonst putze ich den Boden (erst saugen, dann ggf. nachfegen, dann wischen), die Badewanne, die Fliesen über der Badewanne und über dem Waschbecken, das Waschbecken und die Toilette.

    Jetzt weiß ich durch die Zusatzaufgabe nicht, wo anfangen. Erst müsste ich den Boden saugen. Da ich das Putzen der Tür aber als dringlich empfinde, würde ich das gern zuerst tun. Dann kann aber Wasser auf den Boden geraten, sodass ich danach nicht mehr anständig saugen kann.
    Also muss ich erst alles saugen, dann kann ich aber nicht so weitermachen, wie gewohnt. Hier hänge ich schon fest (Blockade).

    Jetzt kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Ich möchte heute noch etwas einkaufen gehen und vorher duschen. Ich kann nicht zuerst duschen und einkaufen, weil ich durch das Duschen wieder das Bad nass mache. Das Bad soll aber trocken sein, bevor ich es putze, siehe oben, weil ich zuerst staubsaugen möchte.

    Jetzt springt es in meinem Kopf wieder einmal hin und her: soll ich jetzt mit dem Staubsaugen anfangen? Dann muss ich danach das ganze Bad putzen, weil ich nicht gern mittendrin aufhöre, weil das bedeuten könnte, dass ich den Rest heute nicht mehr erledige.
    Ich würde aber gern erst den Einkauf erledigen. Das geht nicht, weil ich vorher duschen will.

    Es ist wie ein Teufelskreis und am Ende mache ich gar nichts.

    Die einzige Lösung, die mir im Moment einfällt, ist die, dass ich heute nicht einkaufen gehe. Dann kann das mit dem Bad auch länger dauern.

    Falls ihr solche Probleme kennt, wie löst ihr die in der jeweiligen Situation? Habt ihr Strategien? Oder fangt ihr einfach an und guckt, wie es sich entwickelt?
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    Ich versuche kurz mein Problem zu schildern und hoffe ihr findet es nicht zu albern oder trivial denn es belastet mich sehr.
    Ich komme seit Monaten nicht von dem Gedanken weg Ich müsste mit meinen beiden Katzen in meinen Garten fahren.
    Es sind britisch kurzhaar Katzen, sie waren noch nie draußen, machen keine Anstalten hinaus zu wollen und machen ebenso einen zufriedenen Eindruck. Ich spiele täglich mehrfach , die Wohnung ist ausgestattet wie ein Katzenspielplatz auf über 100 m2. Ich nerve meine Familie bereits mit meiner Überfürsorge und mich auch. Obwohl ich sehe dass es meinen Tieren sehr gut geht kapiere ich nicht dass es gut ist. Ich kann einfach nicht aufhören darüber nachzudenken ob ich sie mitnehmen soll. Dabei wäre es bestimmt Stress für sie , erst im Auto und dann in der fremden Umgebung. Bis jetzt können sie kein Draußen vermissen weil sie es nicht kennen.
    Mein Therapeut sagt das ist Projektion , er hat recht ,nur ich verstehe es einfach nicht.
    Ich leide wirklich unter diesem Dilemma und hoffe ihr könnt mir helfen endlich mal loszulassen und zu entspannen.
    Ich habe schon im Katzenforum gelesen aber die Leute da sind nicht autistisch und verstehen sicher nicht wie extrem mein Empfinden ist.
    Einer schrieb, man solle sich Gedanken machen sobald die Katzen auch zeigen dass sie raus wollen, bis dahin nicht.
    Das fand ich eigentlich vernünftig.
    LG
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    Ich hatte heute eine merkwürdige Situation. Ich war mit meiner Cousine Essen und wir sind uns sehr vertraut. Wir waren in einem örtlichen Lokal wo ich mich wohl fühle und mich gut auskenne. Wir unterhielten uns also über so einiges, auch über privates. Irgendwann kam ein „Business-Coach“ an unseren Tisch und meinte er hätte zwangsläufig, Teile des Gesprächs mitbekommen und es täte ihm weh solche Worte von mir zu hören. Aus meinem Gespräch wäre deutlich zu hören gewesen, dass ich wenig Selbstbewusstsein hätte und mit mir nicht im Gleichgewicht bin.
    Er schließe es daraus, da ich die ganze Zeit rede und mein Gegenüber in sich ruhend ein paar nette Worte einbringt, aber ansonsten würde ich ja reden und mich ständig wiederholen. Ich fand es schon ziemlich übergriffig, aber er meinte, er wolle ja nur helfen und meine Cousine fand das dann kurz auch interessant. Seine Fragen, was meine Bedürfnisse sind und was mir Gut tut, konnte und wollte ich so adhoc nicht beantworten, aber es bestätigte ihn nur in seiner These. Ich fühlte mich mit jeder Minute schlechter und war den Tränen nahe, verstand die Situation gar nicht. Auf die Frage, wie man dann mehr Selbstvertrauen bekommt, wich er aus.
    Meine Cousine meinte am Ende, er meinte das sicher nur nett, ich empfand das nicht so. Sehe ich das falsch? Ich denke mir, egal was sein Beruf ist, was hat er an meinem Tisch zu suchen? Ich war einfach nicht in der Lage, dagegen an zu gehen, aber jetzt beschäftigt mich das total. :cry:

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  • Lilja -

    Replied to the thread Toxische Familienmitglieder.

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    Quote from Schwarze Katze: “Nach der Argumentation können Eltern aber nur gut sein, wenn sie absolut die besten Eltern sind. Und man selbst sich nicht als glücklich bezeichnen, wenn es noch jemanden gibt, der glücklicher ist. Der Vergleich macht nur…