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    Guten Abend,

    Ich bin Asperger-Autist. Ich habe große Schwierigkeiten mich in andere Menschen hineinzuversetzen. Also die Gefühle anderer zu erspüren und die Sichtweisen und Motive/Intentionen anderer zu erkennen und zu verstehen. Also die Perspektivübernahme. Ich lese momentan viel darüber nach und verstehe es nur auf einer rein sachlichen Ebenwie. Und möchte halt verstehen wie "Neurotypische" das so machen. Machen die das ganz intuitiv oder müssen sie sich auch erst vorstellen, was in einem anderen Menschen vorgeht? Es gibt ja auch Menschen, die kein Autismus haben und trotzdem mit so etwas Schwierigkeiten haben. Ich glaube, der Punkt ist, dass Autisten in Situationen nur von ihrer eigenen Sichtweise ausgehen und sich über die Perspektiven anderer Menschen intuitiv nicht im klaren sind, dass es sie in diesem Moment gibt.
    Es ist irgendwie auch so, also wenn ich zum Beispiel es trotzdem schaffe mich in andere hineinzuversetzen, ich trotzdem dann nicht intuitiv reagieren kann. Wie ist eure Sichtweise dazu?
    LG
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    So ihr lieben, ich merkte: das Interesse an meinen Erfahrungen in der Reha ist da, also will ich euch allgemein erzählen.
    Die ersten Tage waren eine Katastrophe. Morgen bin ich eine Woche schon hier.
    Ich habe keine ASS Diagnose, denn ich bin seit einem Jahr auf der Warteliste. Ich äußere hier aber in jedem therapeutischen Gespräch, dass es bei mir eine Vermutung auf ASS gibt. Das wird auch notiert. Und das scheint auch manche meiner Merkwürdigkeiten zu erklären.
    Eigentlich bin ich hier wegen Depression. Ich merke aber, dass ich damit nicht viel anfangen kann. Denn wenn man wegen Depression irgendwo ist, wird man rumgeschubst ohne Ende. Beispiel: Frühsport. Damit wollen sie einem einen Tritt in den Hintern geben, um früh aufzustehen. Funktioniert aber bei mir nicht, denn ich bin um die Uhrzeit (6h30) nicht mal fähig ins Bad zu gehen. Mir ist morgens speiübel (nein ich bin nicht schwanger) und mein Blutdruck ist chronisch zu niedrig, die Ohnmachtsgefahr sehr groß.
    Die Themen, die einen als Depressiven so angehen sollten, passen auch nicht zu mir. In den letzten Tagen hatte ich schon 3 Panikanfälle. Ich denke mal, das waren einfach Overloads. Ich stand einfach da und heulte rum wie ein kleines Kind. Unfähig zu reden und zu denken. Mein Körper verselbstständigt sich immer mehr. Heute bin ich sogar in einem Entspannungsverfahren zusammengebrochen - also da wo ich es am wenigsten erwartet hätte! Ich war einfach fertig.
    Nicht nur mir geht es hier so mit Überforderung, auch allen NTs. Es IST einfach stressig. Und oft werden die Pläne geändert - heute wegen so eines plötzlich angeordneten Corona Tests. Alle mussten dafür antreten.

    Oft ist auch voll unlogisches auf den Plänen - Beispiel: ich mit meinem zu niedrigen Blutdruck MUSS, weil es der Gesetzgeber zu will, in eine Infoveranstaltung für Hypertonie. Okay... Nur Zeit absitzen. Unfug. Aber muss. Da kann die Ärztin auch nix machen, das ist einfach so Pflicht. Hoffentlich finde ich einen guten Fensterplatz und interessante Details draußen :sarcasm:
    Und auf so einem Therapieplan ist auch nicht immer alles stimmig. Ich habe zB immer noch keinen Einzelgesprächstermin bei meiner Psychologin diese Woche, obwohl man jede Woche mindestens einen Termin haben sollte. Ich habe das schon bei meinem 2. Panikanfall nachts um 4 Uhr vermerken lassen, dann nochmal heute ohne Panik, und später nach meinem 3. Panikanfall. Und morgen sehe ich die Psychologin in einer Gruppe, dann soll ich sie ansprechen. Wieso funktioniert das erst wenn ich sie anspreche? Und bei allen anderen geht das einfach so? Nun ja, nichts ist perfekt.

    Was mich völlig absolut total krass überrascht hat hier, ist die Tatsache: hier habe ich seit dem 2. Tag keine Verdauungsbeschwerden mehr. Also gar keine. Das ist der Hammer. Und das obwohl ich ständig durchdrehe. Und obwohl ich trotz Fruktosemalabsorption viel Obst und Gemüse esse... Aber eins ist hier anders: die Regelmäßigkeit. Ich bleibe allein deswegen schon hier, weil das echt wie Urlaub ist, dass ich mich da hinsetzen und einfach essen kann.
    Klar, anfangs war es super hart, denn es ist laut im Speisesaal, und zugig und grell und nochmal laut... Und so viele Menschen, und oft so blöde kindergartenmäßige Spielchen ("Neiiiin, ICH sitz hier!!!"). Aber ich habe hier erstmals gelernt, meine wunderbaren Kurzzeit-Shutdowns anzunehmen... Ich mach dann einfach für eine Weile "zu".

    Überhaupt mach ich mir nicht mehr die Mühe, Leute anzusprechen oder deren Smalltalk weiter zu führen.

    Diesen Satz musste ich so explizit schreiben. Er ist wichtig. Bisher hab ich immer und überall versucht, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Hauptsache nicht auffallen. Hauptsache nett wirken. Bloß nicht unfreundlich wirken. Vergiss es. Es funktioniert nicht und ES MACHT AUCH KEINEN SINN. Denn ich bin nicht hier um freundlich zu sein, sondern um endlich mal eine realistische, authentische und unverstellte Einschätzung zu bekommen.
    Ich bin nicht biestig. Wenn sich jemand zu mir setzen will, gerne. Aber ich erfülle nicht die Erwartungen von Gesprächigkeit. Endlich erlaube ich mir, so zu sein, wie ich schon immer gern gewesen wäre. Endlich bin ich nicht mehr in meinem "Arbeitsmodus", den ich in meinem bisherigen Beruf immer haben musste.

    Zurück zum Essen: Also manchmal ist das Speissaal-Dasein lästig, ja. Aber inzwischen ist es adaptiert als erholsam gleichförmiger Ablauf. Und ich esse auch nahezu immer das gleiche. Es tut mir so gut, nicht darüber nachdenken zu müssen, was ich denn jetzt schon wieder kochen soll oder dass ich sogar bald schon wieder einkaufen müsste... 8o Sondern einfach hinsetzen und aufessen.
    Natürlich lasse ich alles weg von dem ich weiß, dass es mir nicht gut tut. Daher ist das auch entspannt: ich esse nur das was mir gut tut. Das kann ich sogar mit der Köchin zusammen festlegen im Voraus. Und sie kochen hier sooo lecker. Ernährungsberatung hab ich hier auch. Es hieß ja, ich hätte eine Essstörung. Aber ich es ist eher auch eine Form von Wahrnehmungsstörung, wenn man den eigenen Hunger nicht so wahrnehmen kann. Das Sättigungsgefühl schon, aber nicht wann es Zeit wäre zu essen. Dass ich diese Regelmäßigkeit beibehalte nach der Reha, ist mein Ziel. Allein schon deswegen brauche ich einen anderen Beruf :lol:

    Ja, Berufsfindung ist hier das große Anliegen bei mir.

    Auch wenn das alles ziemlich schräg klingt, was ich hier erzähle über mein Erleben - ich suche mir hier auch Inseln. Ich telefoniere jeden Tag mal nach Hause, zumindest dahin wo es mir gut tut. Und ich habe das unsagbare Glück, dass hier noch jemand ist, die erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit mir hat, obwohl sie kein Aspi ist, jedenfalls fand bisher noch niemand, dass das bei ihr zutrifft. Ich mag sie, wir haben uns auf Anhieb in unserer Sprache verstanden. Alles muss ganz akurat sein und der eigenen Ordnung folgen. Der Austausch ist intensiv, aber nicht zu viel, und wohltuend. Für beide. Wir wurden sogar schon von den anderen für Schwestern gehalten :lol:

    Mein Rücken... Ich muss jetzt aufhören, ist eh schon genug geschrieben... Wer was wissen will, darf gerne fragen. Vielleicht kann ich es beantworten, sofern meine bisherige Erfahrung ausreicht.

    Achso, eine Sache noch. Weil im Zimmer nebenan sehr viel geschnarcht wird, und ich keine Ohrstöpsel oder ähnliches vertrage, habe ich den Wunsch nach einem Zimmerwechsel geäußert. Nun war 1 Zimmer frei geworden und das sollte ich mir erst mal anschauen. Also bin ich rein und hab das eine halbe Stunde auf mich wirken lassen, auch wenn die Optik/Atmosphäre mich schon sehr abgeschreckt hat. Das Fazit: Also, ein Treppenhaus daneben und ein "Wohnzimmer" gegenüber und viel Begängnis auf dem Flur braucht man eher nicht bei empfindlichen Ohren. Ich hatte also die Wahl zwischen "bekannt scheiße" und "unbekannt scheiße". Natürlich hab ich mich für das erste entschieden und bin in meinem bisherigen Zimmer geblieben. Es gibt ja noch so Drogen wie Baldrian und so. Die zieh ich mich jetzt wieder rein. Tabletten nehme ich nicht.
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    Hallo, heute hatte ich mit der Frau vom begleiteten Wohnen über eine Mail geredet die ich an jemanden schrieb. Sie meinte, dass meine Antwort in der Mail (ehrlich und direkt) eine "typisch autistische Art" etwas mitzuteilen wäre. Erst letze Woche kam auch eine ähnliche Reaktion von ihr, wo sie zu mir meinte dass mein gedankliches von einem Thema ins andere kommen "autistentypisch" wäre. Klar gibt es Eigenarten, Verhaltensweisen, etc. die für Autisten eher typisch sind. Aber deswegen ist nicht alles was ich mache oder nicht mache deshalb automatisch meinem Autismus zuzuschreiben. Ich will auch nicht, dass immer meine Autismus Diagnose im Vordergrund steht, sondern ich habe ja auch trotzdem noch eine individuelle Persönlichkeit. Ich bin kein Autist der auch ein Mensch ist, sondern ich bin ein Mensch mit Autismus Diagnose. Ich kann auch Vorlieben, Abneigungen oder Eigenarten haben, die einfach meiner Persönlichkeit entsprechen. Ohne dass man bei allem was ich gerne mache, vermeide oder so wie ich bin das alles immer dem Autismus zuschreiben muss. Ich bin ja mehr als nur die Diagnose.

    Habt ihr das auch schon erlebt, dass alles was ihr macht, so wie ihr seid, dass das nur in Zusammenhang mit eurer Autismus Diagnose gesehen wird?

    Ich weiß im Moment nicht damit umzugehen, es wühlt mich innerlich auf und ich fühle mich nur auf meine Autismus Diagnose reduziert. Ähnliches kenne ich schon anders herum, "Sie wirken jetzt aber nicht wie ein Autist, weil..." von einer Psychotherapeutin. Ja, weil: Autisten trotzdem individuelle Persönlichkeiten sind, und nicht alles was sie machen oder mögen immer nur "autismustypisch" sein muss. Vermutlich wühlt mich das deswegen so auf, weil ich von "Fachpersonen" (Sozialarbeiter, Psychotherapeuten) ein anderes Verhalten erwarte. Gerade von solchen Personen hatte ich die Vorstellung, dass diese Menschen mich (Aufgrund ihres fachlichen Hintergrunds) eher als individuelle Persönlichkeit behandeln. Dass die üblichen Mitmenschen andere auf irgendwas reduzieren und in "Schubladen denken" (RW) ist für mich nichts Neues. Aber ich hatte erwartet, dass solche Fachpersonen das nicht machen.

    Das nächste Mal werde ich dazu etwas sagen (Oder es eventuell vorher schon per Mail rückmelden) aber ich war in dem Moment nicht darauf vorbereitet.
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    Ich war selber von 1988 bis 1993 in einem Schul- und Hortprojekt gewesen, vom Verein "Hilfe für das autistische Kind e. V." (heute Autismus Deutschland e. V.), und da war auch eine Erzieherin gewesen (sie war auch Leiterin des Projekts), die heute als Heilpraktikerin arbeitet!

    Als sie damals Erzieherin war, mochte ich sie sehr, und, kam auch mit ihr sehr gut klar!

    Ich ging dann 1993 von der Einrichtung ab, und im gleichen Jahr fing sie mit ihrer Ausbildung als Heilpraktikerin an. Wenige Jahre später, 1996/97 irgendwann, verloren wir uns erstmal aus den Augen...

    Im Spätsommer 2017 nahm ich wieder Kontakt mit ihr auf, und, wir sahen uns nach 20 Jahren auch wieder. Da hatte sie inzwischen ihre eigene Praxis. Wir trafen uns manchmal erstmal so noch, und, kamen auch miteinander noch sehr gut klar!

    Im Herbst 2018 zog sie mit ihrem jetzigen Mann (er ist Gründer-Coach) zusammen, und haben ihre Arbeitsräume im gleichen Haus, wo sie nun wohnen!

    Seit Januar 2019 führten wir nun eine Kinesiologie durch, und ein paar weitere Sachen. Sie bot mir es kostenlos an, sozusagen als Freundschaftsdienst...

    Zweimal dabei, kam es allerdings zu unerfreulichen Ergebnissen und Begebenheiten:

    Einmal im September 2019: Sie meinte allen Ernstes, Autismus sei heilbar, und, sie könne es wegheilen. Und, nur Kinder und Jugendliche hätten Autismus, Erwachsene können es demnach dagegen nicht haben. Und, zum Erwachsensein gehöre Autismus überhaupt nicht dazu...

    Sie legte auch noch wert darauf, dass ich auch innerlich erwachsen bin, mein Freund (er war in den 90er Jahren ebenfalls in dem Projekt), der ebenfalls Autismus hat, ebenfalls. Außerdem wollte sie, dass wir unsere autistischen Verhaltensweisen ablegen, und, und as abgewöhnen...

    Ich schrieb ihr eine deutliche Mail, dass es so nicht stimmt, was sie da meint. Dann war alles erstmal gut. Zumindest schien es so...

    Doch, plötzlich, beim letzten mal, vor knapp zwei Wochen, dann: Da meinte sie doch auf einmal, ich könne doch wieder ins Berufsleben einsteigen, auch, damit ich besser aus dem Autismus herauskomme...

    Das war ein tiefer Schock für mich; und, da frage ich mich: Wie kommt sie zu solchen Behauptungen, obwohl sie doch früher jahrelang mit autistischen Kindern gearbeitet hatte? Da schien bei ihr einiges auf der Strecke geblieben zu sein...

    So ist sie als Heilpraktikerin nun eindeutig ein Flop...

    Und, Ende Dezember, behauptete sie auch noch, dass Autismus eine recht häufige Nebenwirkung von Impfungen sei, die Kleinkinder so kriegen, etwa gegen Masern...

    Ich frage mich echt, welche Quellen sie dafür benutzt hatte, für ihre wirren Behauptungen...

    Was meint ihr?

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